Standpunkt
„Bitte recht freundlich: Die Kamera an der Uniform läuft erst, wenn der Ton rau wird.“
Sollten Zugbegleiter Bodycams tragen?
→ Ein Standpunkt zu Kameras an der Uniform im Zug.
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Worum es geht
Ja, aber mit klaren Regeln. Eine Bodycam kann Zugbegleiter schützen und Streit entschärfen, wenn sie nur im Konflikt läuft und die Aufnahmen streng geschützt werden.
Zugbegleiter kontrollieren Fahrkarten, beantworten Fragen und sorgen mit dafür, dass ein Zug sicher abfahren kann.
Dabei geraten sie immer wieder in Streit mit Fahrgästen, der manchmal in Beleidigungen oder sogar in Gewalt endet.
Kleine Kameras an der Uniform sollen solche Situationen beruhigen, doch sie werfen auch ernste Fragen zum Datenschutz auf.

Was eine Bodycam ist
Eine Bodycam ist eine kleine Videokamera, die sichtbar an der Kleidung getragen wird.
Sie soll festhalten, was bei einem Einsatz geschieht, und zwar das Verhalten beider Seiten.
In Großbritannien nutzen einzelne Polizeieinheiten solche Kameras bereits seit dem Jahr 2005.
In Deutschland startete das Polizeipräsidium Frankfurt am Main im Mai 2013 das erste Pilotprojekt.

Erprobt an großen Bahnhöfen
Die Bundespolizei, die für die Sicherheit auf den Bahnanlagen des Bundes zuständig ist, testete Bodycams ab Februar 2016.
Erste Einsatzorte waren unter anderem der Berliner Hauptbahnhof, der Berliner Ostbahnhof und der Hamburger Hauptbahnhof.
Auch an den Hauptbahnhöfen in Köln, Düsseldorf und München wurden die Geräte im Alltag erprobt.
Größtenteils ab dem Jahr 2020 beschaffte die Bundespolizei dann 2420 solcher Körperkameras.
Die Bahn hat schon Erfahrung
Auch die Deutsche Bahn kennt Bodycams, und zwar von ihrem eigenen Sicherheitsdienst.
Im Jahr 2016 stattete sie zunächst einige Mitarbeiter der DB Sicherheit auf Bahnhöfen testweise mit Kameras aus.
Nach dem Pilotversuch schaffte sie ab Juli 2017 bundesweit Bodycams für große Bahnhöfe sowie für Sport- und Großveranstaltungen an.
Die Uniformen der so ausgerüsteten Kräfte tragen die gut sichtbare Aufschrift „Videoüberwachung“.
Zwischen Service und Kontrolle
Zu den typischen Aufgaben eines Zugbegleiters gehört die Kontrolle der Fahrkarten.
Er meldet außerdem, wann der Zug abfahrbereit ist, und übernimmt damit auch Aufgaben für die Sicherheit.
Selbst die Kräfte der DB Sicherheit haben, anders als die frühere Bahnpolizei, keine hoheitlichen Rechte.
Wer einen Fahrgast ohne gültige Fahrkarte anspricht, muss deshalb vor allem mit Worten und Ruhe überzeugen.
Was eine Studie herausfand
Eine Studie der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Gelsenkirchen stellte im Jahr 2019 eine allgemein deeskalierende Wirkung der Kameras im Polizeieinsatz fest.
Hinweise auf eine systematische Gefährdung der Beamten durch die Kameras fanden die Forscher nicht.
Wo es mehr Übergriffe gab, führte die Studie das auf ein zu defensives Verhalten der Kameraträger zurück.
Daraus folgt vor allem, dass eine Kamera und eine gute Schulung zusammengehören.
Die Sorge um den Datenschutz
Datenschützer sehen Bodycams kritisch, weil sie in das Recht auf informationelle Selbstbestimmung eingreifen.
Besonders umstritten ist das sogenannte Pre-Recording, bei dem die Kamera schon vor dem eigentlichen Knopfdruck kurz mitläuft.
Der bayerische Datenschutzbeauftragte kritisierte daran, dass so auch völlig Unbeteiligte erfasst werden könnten.
Im Zug, wo viele Menschen dicht beieinander sitzen, wiegt diese Sorge besonders schwer.
Keine Aufnahme rund um die Uhr
Die bei der Bundespolizei erprobten Geräte zeichnen nicht dauerhaft auf, sondern werden gezielt eingeschaltet.
Eine Leuchte zeigt an, wenn die Kamera läuft, und der Ton lässt sich wahlweise zu- oder abschalten.
Kritiker wenden ein, dass eine solche Kamera nur zeigt, was ihr Träger auch aufnehmen will.
Tatsächlich kommt es immer wieder vor, dass Bodycams nicht eingeschaltet werden oder im entscheidenden Moment versagen.
Längst nicht nur bei der Polizei
Bodycams sind heute nicht mehr nur ein Werkzeug der Polizei.
In Berlin ist seit Dezember 2022 neben der Polizei auch die Feuerwehr mit 50 solcher Kameras ausgestattet.
Das zeigt, dass auch Menschen im Rettungsdienst Schutz durch eine Kamera suchen.
Für Zugbegleiter, die in einem langen Zug nicht immer Kollegen in der Nähe haben, liegt der Gedanke daher nahe.
Die Bahn und der Klimaschutz
Kaum ein Verkehrsmittel ist so klimafreundlich wie die Bahn.
Sie fährt in Deutschland zu einem großen Teil mit Strom aus erneuerbaren Quellen.
Ein voll besetzter Zug verbraucht je Reisenden viel weniger Energie als das Auto.
Wer von der Straße auf die Schiene wechselt, spart spürbar Treibhausgase.
Deshalb gilt die Bahn als ein wichtiger Baustein der Verkehrswende.
Jede zusätzliche Fahrt mit dem Zug ist damit auch ein kleiner Beitrag fürs Klima.
Die Bahn als Teil des Alltags
Für Millionen Menschen gehört die Bahn ganz selbstverständlich zum Tag dazu.
Sie bringt Pendler zur Arbeit, Schüler zur Schule und Familien zu Ausflügen.
Am Bahnsteig treffen sich für einen Moment die unterschiedlichsten Lebenswege.
Der eine liest, die andere telefoniert, ein Dritter döst vor sich hin.
So ist der Zug nicht nur ein Fahrzeug, sondern ein Stück gelebter Alltag.
Und genau das macht die Bahn zu einem so besonderen öffentlichen Ort.
Von der Dampflok bis heute
Die Eisenbahn hat sich in fast zwei Jahrhunderten enorm verändert.
Am Anfang stand die schnaubende Dampflok, langsam und rußig, aber revolutionär.
Später kamen der elektrische Antrieb und immer schnellere Züge hinzu.
Aus einfachen Holzbänken wurden bequeme Sitze mit Steckdose und Klimaanlage.
Vieles, was heute selbstverständlich wirkt, war früher undenkbarer Luxus.
Dieser lange Weg zeigt, wie sehr die Bahn mit der Zeit gegangen ist.
Pro und Contra
Dafür
+ Schon eine sichtbare Kamera kann aufgebrachte Fahrgäste dazu bringen, ihren Ton zu mäßigen.
+ Kommt es doch zu einem Angriff, liefern die Aufnahmen wichtige Beweise für Polizei und Gericht.
+ Zugbegleiter fühlen sich mit einer Kamera womöglich sicherer, was die Arbeit in einem fordernden Beruf erleichtert.
+ Auch Fahrgäste profitieren, denn eine Aufnahme hält ebenso fest, wenn das Personal einmal falsch reagiert.
+ Bahn und Bundespolizei haben bereits jahrelange Erfahrung mit der Technik an großen Bahnhöfen.
+ Wer Personal halten und neues gewinnen will, muss zeigen, dass er dessen Schutz ernst nimmt.
Dagegen
− Im vollen Zug geraten schnell Unbeteiligte ins Bild, die nur zufällig in der Nähe sitzen.
− Eine Kamera ersetzt keinen zweiten Kollegen, der im Ernstfall wirklich eingreifen kann.
− Manche Fahrgäste könnten sich schon durch die Kamera provoziert oder vorverurteilt fühlen.
− Geräte, Speicherung und Schulungen kosten Geld, das an anderer Stelle für mehr Personal fehlen könnte.
− Weil der Träger selbst entscheidet, wann er aufnimmt, bleibt das Bild eines Streits oft unvollständig.
− Ohne strenge Löschfristen entsteht ein Berg an Daten, den niemand braucht und der Missbrauch ermöglicht.
Unterm Strich
Bodycams sind kein Allheilmittel, doch an großen Bahnhöfen hat die Bahn sie nach ihren Pilotversuchen ausgeweitet.
Für Zugbegleiter sollten sie freiwillig sein und nur in einem Konflikt eingeschaltet werden.
Klare Regeln zu Speicherung, Löschung und Einsicht müssen vorher feststehen und für alle Fahrgäste nachlesbar sein.
Am wichtigsten bleibt trotzdem, dass kein Zugbegleiter mit einem Streit allein gelassen wird.
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