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Blindenleitsystem endet an einem Schild für Sehende
Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 3 Minuten (ertastbar)

Der Chefredakteur folgt den Rillen. Sie hören auf. Foto: wpa (Symbolbild)
Dortmund (wpa) – Im Bahnhof wurde das taktile Leitsystem ergänzt. Vier Meter, die zu einem Schild führen.
Auf dem Schild steht, dass das Leitsystem hier endet. In Schwarzschrift, für Sehende.
Blindenschrift war nicht Teil der Ausschreibung. Das Schild richtet sich an die, die den Streifen nicht brauchen.
„Wir informieren über den Zustand“, sagt Bauleiterin Hannelore Auslegungsfrist. Informiert wird schriftlich, für die, die es sehen.
Wer dem Streifen folgt, ist blind. Am Ende steht die Auskunft, die er nicht lesen kann.
Der Streifen führt ins Nichts, das Schild erklärt das Nichts. Erklärt es denen, die es ohnehin sehen.
Die Ergänzung kostete 11.000 Euro. Für vier Meter Streifen und ein unlesbares Schild.
Der Vorstand nennt das Verbesserung der Wegeleitung. Geleitet wird der Blinde an eine Wand aus Schwarzschrift.
Frau Eck ist blind und folgte dem Leitstreifen. Er endete, ihre Füße fanden keine Fortsetzung.
Sie suchte mit dem Stock, fand ein Schild. Lesen konnte sie es nicht, es war für andere gemacht.
Sie fragte einen Passanten, was dort stehe. Dass das Leitsystem hier ende, las er ihr vor.
Das Leitsystem sagte ihr, dass es sie verlässt. In einer Schrift, die sie nicht kennt.
Angekommen ist sie nirgends. Der Streifen hörte auf, das Schild half nur den Sehenden.
Der Minister lobt die Investition in Barrierefreiheit. Barrierefrei sind vier Meter, dann kommt die Wand.
Ausgeschrieben war ein Streifen, kein Sinn. Blindenschrift hätte extra gekostet, also fehlte sie.
Für nächstes Jahr sind weitere vier Meter geplant. Mit einem weiteren Schild, vermutlich für Sehende.
So endet die Orientierung dort, wo sie gebraucht wird. An einer Auskunft, die den Falschen erreicht.
Der Behindertenbeirat hat es gemeldet. Der Hinweis wurde aufgenommen, schriftlich, versteht sich.
Aufgenommen und abgelegt, wie immer. Das Schild bleibt, in Schwarzschrift, für die, die sehen.
Das Blindenleitsystem endet an einem Schild in Schwarzschrift. Es teilt dem Blinden mit, dass er ab hier allein ist, in einer Schrift, die er nicht lesen kann.
+++ MÜLLEIMER-TICKER +++
+++ Vier Meter Leitstreifen verlegt, sie enden am Hinweisschild +++
+++ Schild in Schwarzschrift ausgeführt, Blindenschrift war nicht ausgeschrieben +++
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