Leerer Bahnhof denkmalgerecht zugenagelt, für 41.000 Euro

⚠ Störungsinfo: Auf diesem Abschnitt der Website fällt der Ernst bis auf Weiteres aus. Es verkehrt ein Satire-Ersatzverkehr. Wir bitten, die Freude zu entschuldigen.

Leerer Bahnhof denkmalgerecht zugenagelt, für 41.000 Euro

Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 3 Minuten (Zutritt verwehrt)

Waschbär steht vor einem alten geschlossenen Bahnhofsgebäude mit vernagelten Fenstern

Der Chefredakteur bleibt draußen. Das Gebäude ist geschützt. Foto: wpa (Symbolbild)

Northeim (wpa) – Das Empfangsgebäude steht seit 2011 leer. Im Juli kam es unter Denkmalschutz, dann wurde es zugenagelt.

Vernagelt wurde mit Lärchenholz. Lärche ist für Denkmäler zugelassen, Sperrholz nicht.

„Ein Denkmal verdient denkmalgerechtes Material“, sagt Denkmalreferent Herwig Lärchenbrett. Auch vor den Fenstern, die keiner mehr sieht.

Denkmalgerechte Bretter kosten 94 Euro je Quadratmeter. Einfache kosten 14.

Vernagelt wurden 440 Quadratmeter. Macht 41.000 Euro, fürs Zunageln.

41.000 Euro, um ein leeres Haus ordentlich zu verschließen. Nutzen tut es keiner, geschützt ist es edel.

Renoviert wird das Gebäude nicht. Das wäre teuer und brächte einen Wartesaal, den keiner bestellt hat.

Zugenagelt ist billiger als geöffnet, denkt man. Bei Lärche zu 94 Euro ist das eine kühne These.

Der Vorstand nennt das denkmalgerechte Sicherung. Gesichert ist der Verfall, in bestem Holz.

Hinter der Lärche zerfällt der Bahnhof weiter. Edel verpackt, innen nass, außen geschützt.

Ein Reisender findet dort keinen Schutz. Die Tür ist vernagelt, denkmalgerecht, für immer.

Frau Bux wartet vor dem Gebäude, im Regen. Drinnen wäre es trocken, aber drinnen darf niemand.

Sie sieht das schöne Holz vor den Fenstern. 94 Euro der Quadratmeter, gegen den Regen hilft es ihr nicht.

Sie fragte, ob man nicht wenigstens den Warteraum öffne. Man sagte, das Gebäude sei gesichert.

Gesichert gegen Nutzung, geschützt vor Menschen. Ein Denkmal für den Stillstand, fachgerecht vernagelt.

Der Minister lobt den sorgsamen Umgang mit dem Baubestand. Sorgsam vernagelt, achtlos verfallen.

Für die Renovierung fehlt das Geld. Für die Bretter war es da, 41.000 Euro.

So bleibt der Bahnhof, was er ist: leer, denkmalgeschützt, zu. In teurem Holz.

Nächstes Jahr braucht die Lärche vielleicht Pflege. Denkmalgerechte Pflege, versteht sich, gegen Aufpreis.

Der leere Bahnhof ist jetzt für 41.000 Euro zugenagelt, in Lärche. Öffnen darf ihn keiner, verfallen darf er denkmalgerecht.

+++ MÜLLEIMER-TICKER +++

+++ Denkmalgerechte Bretter 94 Euro je Quadratmeter, einfache 14 – vernagelt wurden 440 Quadratmeter +++

+++ Sanierung zur Nutzung 1,4 Millionen, 2018 beantragt und abgelehnt +++

Achtung, Satire: Personen, Zitate und Pressestellen sind frei erfunden — im Gegensatz zu den Verspätungen.

Folge dem Bahn-Slam
auf WhatsApp

  • Neue Slam-Texte zuerst
  • Gedanken vom Gleis
  • Keine E-Mail, kein Spam

Deine Nummer bleibt geheim. Du liest, ich schreibe – ganz ohne Datensammeln.

Jetzt Kanal folgen
QR-Code zum Bahn-Slam WhatsApp-Kanal 📷 Scannen & folgen
🦝 Komm mit meinem Waschbär an Bord – schon jetzt an Gleis 1 der Bahn-Slam-Community.
Kanal ansehen →

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

Zeige alle Beiträge von BahnSlam →