Zwei stille Bahnen im Zürcher Oberland: Uster–Oetwil und Wetzikon–Meilen
Die Wetzikon–Meilen-Bahn und die Uster–Oetwil-Bahn verbanden das Zürcher Oberland mit dem Zürichsee. 1949 und 1950 wurden sie durch Autobusse ersetzt.

Lage: Zürcher Oberland zwischen Wetzikon, Uster und dem Zürichsee. Status: Beide Bahnen sind stillgelegt und wurden durch Autobuslinien ersetzt. Heute: Reste der Wetzikon–Meilen-Bahn sind unter anderem in Männedorf, zwischen Holzhusen und Grüningen und in Uetikon zu erkennen.
Im Zürcher Oberland fuhren zwei meterspurige Überlandbahnen, die heute nicht mehr bestehen.
Die Wetzikon–Meilen-Bahn verkehrte von 1903 bis 1950, die Uster–Oetwil-Bahn von 1909 bis 1949.
Beide trafen sich in der Station Langholz oberhalb von Oetwil am See.
Beide wurden nach einer Volksabstimmung im Jahr 1946 durch Autobuslinien ersetzt.
Von den beiden Bahnen gibt es nur wenige freie Fotos.
Wetzikon–Meilen-Bahn: Entstehung
Ein erstes Projekt für eine Eisenbahnverbindung an den Zürichsee wurde bereits 1872 entworfen.
1889 bildete sich ein Komitee für eine schmalspurige Strassenbahn von Wetzikon nach Stäfa, das am 29. Juni 1893 die Konzession erhielt.
Daneben bestanden Projekte für eine Uerikon-Bauma-Bahn, eine Uster–Egg-Bahn und eine Linie Effretikon–Uster–Stäfa.
Eine Kommission der Zürcher Kantonsregierung schlug eine Fusion der Projekte und eine normalspurige Bahn von Effretikon über Uster, Gossau und Grüningen nach Hombrechtikon vor.
Wetzikon befürchtete, von dieser Bahn und der Uerikon-Bauma-Bahn umfahren zu werden, und schlug deshalb eine schmalspurige Bahn von Wetzikon nach Meilen vor.
Am 24. April 1900 wurde die Bahngesellschaft gegründet, im Sommer 1902 begannen die Bauarbeiten.
Am 1. Oktober 1903 wurde die Strecke festlich eröffnet.

So sah es vorher aus: der Betrieb der Wetzikon–Meilen-Bahn
Die Gesamtstrecke war 22,5 Kilometer lang und mit Gleichstrom von 750 Volt elektrifiziert.
Sie führte von Kempten über Wetzikon SBB, Gossau, Grüningen, Oetwil, Langholz, Männedorf Auf Dorf und Uetikon Grossdorf bis nach Meilen.
In Wetzikon und Meilen bestand Anschluss an die Bahnstrecken der Schweizerischen Bundesbahnen, in Langholz an die Uster–Oetwil-Bahn.
Im Volksmund hieß die Bahn auf der Hauptlinie Wurst-Mit-Brot-Bahn.
Die Wetziker Tramlinie wurde nach ihrem Wagenführer und Kondukteur Bünzlitrucke genannt.
Frequenzen und Güterverkehr entwickelten sich sehr gut, kurz nach der Eröffnung mussten ein weiterer zweiachsiger Motorwagen und zwei Güterwagen angeschafft werden.
Der Fahrzeugbestand umfasste drei vierachsige und fünf zweiachsige Personentriebwagen, zwei zweiachsige Gütermotorwagen, drei Personenwagen, neun Güterwagen und drei Dienstwagen.
Den Rekord bildete das Jahr 1920 mit 532.345 Reisenden und 11.014 Tonnen Gütern.
23 Jahre nach der Betriebsaufnahme legte ein Vertrag die Streitereien über die gemeinsame Benützung der Station Langholz bei.


Das Ende der Wetzikon–Meilen-Bahn
Anfang 1931 verlangte die Baudirektion des Kantons Zürich den Abbruch des kurzen Stücks von Meilen SBB hinunter zur Schiffsstation.
Ab dem 3. Oktober 1931 verkehrte die Bahn nur noch bis zum Bahnhof Meilen, die Gleise zur Schiffsstation wurden abgebrochen.
Die Gemeinde Wetzikon verlangte den Abbruch der Strecke nach Kempten, weil sie einer Strassenerweiterung im Weg stand.
Am 15. Mai 1939 wurde zwischen Kempten und Wetzikon ein Autobusbetrieb aufgenommen und die Bahnlinie abgebrochen.
Trotz hoher Frequenzen während des Zweiten Weltkrieges zeichnete sich das Ende der Bahn ab, weil am Unterhalt gespart und nur noch das Nötigste repariert wurde.
Eine Kommission schlug vor, die technisch veralteten Bahnen im Zürcher Oberland durch Autobusbetrieb zu ersetzen.
Es bildete sich ein Aktionskomitee für die Erhaltung der Bahnen.
Am 18. März 1946 genehmigte der Kantonsrat seinen Beitrag für die Umwandlung der drei Bahnen in Autobuslinien.
Am 26. Mai 1946 stimmte das Zürcher Volk dem mit 3:2 zu.
Noch im selben Jahr wurde das Unternehmen Verkehrsbetriebe Zürcher Oberland gegründet.
Am 13. Mai 1950 wurde die Wetzikon–Meilen-Bahn stillgelegt, abgebrochen und durch Busse ersetzt.
So sieht es jetzt aus: Reste der Wetzikon–Meilen-Bahn
Reste der Streckenführung sind nur noch an wenigen Orten zu erkennen, vor allem dort, wo die Bahn nicht direkt auf einer Straße verlief.
Dazu gehören die Serpentinen bei „Uf Dorf“ in Männedorf und ein Bahnviadukt am Panoramaweg oberhalb von Männedorf.
Zwischen Holzhusen und Grüningen ist ein Bahndamm zu erkennen.
In Uetikon gibt es nach wie vor eine „Tramstrasse“.
In Grüningen ist seit 1992 der historische Motorwagen CFe 4/4 2 aufgestellt.
Er wurde aus einem baugleichen Motorwagen der Trogenerbahn in den Jahren 1986 und 1987 vom Verein Tram-Museum Zürich äußerlich hergerichtet.


Uster–Oetwil-Bahn: Entstehung
Die Uster–Oetwil-Bahn war eine meterspurige Überlandbahn, die von der gleichnamigen Gesellschaft betrieben wurde.
Dem Bau gingen viele Wünsche, Projekte und Vorgängerkonzessionen voraus.
Die Forchbahn besaß schon 1873 eine Konzession für den Abschnitt von Esslingen nach Uster.
1893 wurde ein Gesuch für eine schmalspurige Strassenbahn von Winterthur nach Uster und weiter nach Meilen eingereicht.
1896 erteilten die eidgenössischen Räte eine Konzession für eine normalspurige Bahn von Uster über Mönchaltorf, Gossau und Ottikon nach Grüningen.
Weil das Geld für diese Vollbahn fehlte, wurde im Oktober 1898 ein Strassenbahnprojekt vorgestellt.
Am 20. Mai 1899 lag die kantonale Bewilligung für die in drei Etappen zu bauende Strassenbahn vor.
Mitte 1903 fand man den Bahnunternehmer und Ingenieur Gustav Gossweiler, der sich für 800.000 Franken verpflichtete, die Bahn zu bauen.
Im Dezember 1904 wurde die Eisenbahngesellschaft Uster–Stäfa gegründet.
Weil Stäfa kein Interesse mehr zeigte, entschloss man sich, nur die Strecke Uster–Oetwil–Langholz zu bauen.
Dafür wurde am 28. Dezember 1905 die Gesellschaft Elektrische Strassenbahn Uster–Oetwil gegründet.
Im Mai 1908 begannen die Bauarbeiten, im Mai 1909 wurde der Fahrbetrieb eröffnet.
So sah es vorher aus: der Betrieb der Uster–Oetwil-Bahn
Die Strecke war fast 11 Kilometer lang und scherzhaft als Uster-Oepfel-Bahn bekannt.
Sie begann auf dem Bahnhofplatz des Bahnhofs Uster und endete in der Station Langholz oberhalb von Oetwil am See.
Dazwischen lagen die Stationen Riedikon, Mönchaltorf, Esslingen und Oetwil am See.
Das maximale Gefälle zwischen Langholz und Oetwil betrug 61 Promille.
Mit den SBB bestand ein Vertrag über den Güterwagenumlad im Bahnhof Uster und ein weiterer über die gemeinsame Nutzung der Gleisanlagen in Langholz.
Das nach der Eröffnung gelb gestrichene Rollmaterial bestand aus drei Motorwagen der Waggon- und Maschinenfabrik Bautzen mit 18 Sitzplätzen und 30 Kilometern pro Stunde Höchstgeschwindigkeit.
Dazu kamen drei Personenwagen mit 24 Plätzen, zwei gedeckte und drei offene Güterwagen.
1910 wurden 90.379 Personen befördert, 1919 mit 140.290 Personen die Rekordzahl.
Am 29. November 1912 wurde die Forchbahn zwischen Zürich und Esslingen eröffnet, ein Vertrag regelte die gemeinsame Benützung der Station.
1916 wurden die Wagen in den neuen Hausfarben Blau und Weiß umgestrichen.
Das Ende der Uster–Oetwil-Bahn
Ab 1925 bekam die Bahn im Personen- und vor allem im Güterverkehr die Konkurrenz der Autos zu spüren.
1934 begann man mit der Führung von Einmannzügen, 1936 wurde die Betriebsführung an die Wetzikon–Meilen-Bahn übertragen.
1932 war angeregt worden, die Bahn durch einen Autobusbetrieb zu ersetzen.
Ein Gutachten empfahl, die drei Bahnen Uster–Oetwil, Wetzikon–Meilen und Uerikon–Bauma wegen veralteter Anlagen auf Autobusbetrieb umzustellen.
1943 stimmte der Verwaltungsrat der Uster–Oetwil-Bahn einer Aufhebung zu.
Am 1. Oktober 1949 fuhr die Bahn zum letzten Mal von Uster nach Oetwil und wurde am Tag darauf stillgelegt.
Eine Woche später begannen die Abbrucharbeiten, das Rollmaterial wurde verschrottet, verkauft oder als Hühnerstall genutzt.
In der Ortsmitte von Mönchaltorf existiert noch ein kleiner Güterschuppen mit Rampe.
Vorher und nachher: die Station Esslingen
Die Station Esslingen wurde nach der Stilllegung mit verkleinerter Gleisanlage von der Forchbahn weiterverwendet.
Am 6. Mai 1995 wurde sie durch die um rund 300 Meter nach Südwesten versetzte neue Station Esslingen ersetzt.
Das Aufnahmegebäude von 1908 beherbergt ein Restaurant.
Die Geschichte in Daten
1872: Ein erstes Projekt für eine Eisenbahnverbindung an den Zürichsee wird entworfen.
1893: Am 29. Juni erhält das Komitee für die Strassenbahn Wetzikon–Stäfa die Konzession.
1903: Am 1. Oktober wird die Wetzikon–Meilen-Bahn festlich eröffnet.
1905: Am 28. Dezember wird die Gesellschaft Elektrische Strassenbahn Uster–Oetwil gegründet.
1909: Im Mai wird der Fahrbetrieb der Uster–Oetwil-Bahn eröffnet.
1912: Am 29. November wird die Forchbahn zwischen Zürich und Esslingen eröffnet.
1931: Ab dem 3. Oktober fährt die Wetzikon–Meilen-Bahn nur noch bis zum Bahnhof Meilen.
1936: Die Betriebsführung der Uster–Oetwil-Bahn geht an die Wetzikon–Meilen-Bahn über.
1939: Am 15. Mai wird zwischen Kempten und Wetzikon ein Autobusbetrieb aufgenommen.
1946: Das Zürcher Volk stimmt der Umwandlung der Bahnen in Autobuslinien mit 3:2 zu.
1949: Am 1. Oktober fährt die Uster–Oetwil-Bahn zum letzten Mal.
1950: Am 13. Mai wird die Wetzikon–Meilen-Bahn stillgelegt.
1992: In Grüningen wird der historische Motorwagen CFe 4/4 2 aufgestellt.
1995: Am 6. Mai ersetzt eine neue Station Esslingen die alte.
Häufige Fragen
Wann fuhr die Wetzikon–Meilen-Bahn?
Wie lang war die Wetzikon–Meilen-Bahn?
Wann fuhr die Uster–Oetwil-Bahn?
Wie lang war die Uster–Oetwil-Bahn?
Warum wurden die Bahnen stillgelegt?
Was ist von den Bahnen geblieben?
Die Verkehrsbetriebe Zürcher Oberland wurden 1946 gegründet, ihre Busse fuhren ab 1949 und 1950.
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