Die Wiesenttalbahn: Museumsbahn im Wiesenttal und der Ast nach Heiligenstadt

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die Wiesenttalbahn: Museumsbahn im Wiesenttal und der Ast nach Heiligenstadt

Zwischen Ebermannstadt und Behringersmühle fährt heute eine Museumsbahn, wo einst der Regelverkehr endete. Der Ast durch das Leinleitertal nach Heiligenstadt wurde dagegen abgebaut.

Die Dampflokomotive 64 491 bei der Einfahrt in die Station Muggendorf, Aufnahme von 2008.
Die Dampflokomotive 64 491 bei der Einfahrt in die Station Muggendorf, Aufnahme von 2008. Foto: Manfred Kuzel, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1891
Forchheim–Ebermannstadt eröffnet
1930
Behringersmühle erreicht
1976
Regelverkehr endet
1980
Museumsbahn beginnt

Lage: Fränkische Schweiz, Landkreis Forchheim. Status: Forchheim–Ebermannstadt in Betrieb, Ebermannstadt–Behringersmühle Museumsbahn, Ast nach Heiligenstadt abgebaut. Heute: Museumszüge der Dampfbahn Fränkische Schweiz und Radweg im Leinleitertal.

Die Wiesenttalbahn, amtlich die Bahnstrecke Forchheim–Behringersmühle, verläuft in der Fränkischen Schweiz von Forchheim über Ebermannstadt nach Behringersmühle.

Der Abschnitt Forchheim–Ebermannstadt wird heute von der DB InfraGO betrieben und von der agilis Verkehrsgesellschaft im Personenverkehr bedient.

Der Abschnitt Ebermannstadt–Behringersmühle ist dagegen seit 1980 eine Museumsbahn der Dampfbahn Fränkische Schweiz und liegt ohne Regelverkehr.

Dieser Beitrag beschreibt deshalb die Museumsstrecke mit ihren Halten und den Ast durch das Leinleitertal nach Heiligenstadt, der abgebaut wurde.

Freie historische Fotos der Strecke sind auf Wikimedia Commons selten, die meisten Bilder stammen aus der Zeit des Museumsbetriebs.

Wie die Bahn entstand

Die Bayerische Staatsbahn eröffnete am 1. Juni 1891 eine 15 Kilometer lange Lokalbahn von Forchheim ins Wiesenttal bis nach Ebermannstadt.

Der Weiterbau wäre sowohl ins Leinleitertal nach Heiligenstadt als auch im Wiesenttal nach Gößweinstein möglich gewesen.

Zuerst wurde die Strecke nach Heiligenstadt gebaut, weil sich die Gemeinden im Wiesenttal nicht über eine Trassenführung einigen konnten.

Die Stichstrecke über Gasseldorf nach Heiligenstadt ging am 4. Oktober 1915 in Betrieb.

Nach dem Ersten Weltkrieg nahm die Deutsche Reichsbahn den schon 1912 genehmigten Bau ins Wiesenttal wieder auf, konnte aus finanziellen Gründen aber nur kurze Abschnitte fertigstellen.

Am 15. Juni 1922 war Muggendorf erreicht, am 9. Juli 1927 der Bahnhof des Marktes Gößweinstein.

Am 5. Oktober 1930 folgte Behringersmühle, 13,5 Kilometer vom Trennungsbahnhof Gasseldorf entfernt.

Der kurze Endabschnitt von Gößweinstein bis dorthin war die letzte neu gebaute Nebenstrecke in Bayern.

Eine Fortsetzung Richtung Pottenstein oder bis Pegnitz kam wegen der Weltwirtschaftskrise und der wachsenden Bedeutung des Straßenverkehrs nicht mehr zustande.

So sah es vorher aus: Kurorte, Pilger und Ausflugszüge

Transportiert wurden vor allem Getreide und Holz.

Wichtiger war der Personenverkehr zu den Kurorten Streitberg und Muggendorf und zu den Pilgern nach Gößweinstein.

Rund 50 Jahre lang erfüllte die Bahn ihre Aufgabe für den Fremdenverkehr in der Fränkischen Schweiz zufriedenstellend.

Hervorzuheben sind die im Sommerfahrplan regelmäßig eingesetzten Ausflugszüge von Nürnberg und Bamberg nach Behringersmühle, die von zahlreichen Wanderern genutzt wurden.

Auf der Strecke fuhren Dampflokomotiven der Baureihe 64, die bayerische Pt 2/3 und die Baureihe 71.0.

Der Bahnbau nahm Rücksicht auf die Landschaft, die Trasse folgt dem Gelände und kam so ohne Tunnel, hohe Dämme und lange Brücken aus.

Die Brücken haben genietete Stahltragwerke und sind weitgehend im Originalzustand.

Das Bahnhofsgebäude Ebermannstadt, Aufnahme von 2011.
Das Bahnhofsgebäude Ebermannstadt, Aufnahme von 2011. Foto: Aarp65, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Ebermannstadt

Ebermannstadt war von 1891 bis 1915 der Endbahnhof der Strecke.

Dort stand ein zweiständiger Lokschuppen, der in den 1960er-Jahren abgerissen wurde.

Die Bahnhöfe Ebermannstadt, Streitberg und Muggendorf bilden kleine Ensembles, die den Stilwandel vom Historismus zum Heimatstil zeigen.

Ebermannstadt ist heute der Ausgangspunkt der Museumsbahn und Endpunkt des Regelverkehrs von Forchheim.

Der Bahnhof Ebermannstadt, Aufnahme von 2012.
Der Bahnhof Ebermannstadt, Aufnahme von 2012. Foto: Lucas Friese, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Alte Drehgestelle beim Bahnhof Ebermannstadt, Aufnahme von 2011.
Alte Drehgestelle beim Bahnhof Ebermannstadt, Aufnahme von 2011. Foto: Aarp65, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Gasseldorf

In Gasseldorf zweigte die Strecke ins Leinleitertal Richtung Heiligenstadt ab.

Gasseldorf war damit der Trennungsbahnhof zwischen dem Wiesenttal und dem Heiligenstädter Ast.

Von hier aus sind es 13,5 Kilometer bis Behringersmühle.

Streitberg

Streitberg war einer der beiden Kurorte, deren Fahrgäste die Bahn beförderte.

Der Bahnhof gehört zu den kleinen Bahnhofsensembles, die den Stilwandel vom Historismus zum Heimatstil zeigen.

Der Bahnhof Streitberg im Winter, Aufnahme von 2017.
Der Bahnhof Streitberg im Winter, Aufnahme von 2017. Foto: Ermell, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Gleise und Bahnsteig im Bahnhof Streitberg, Aufnahme von 2017.
Gleise und Bahnsteig im Bahnhof Streitberg, Aufnahme von 2017. Foto: Ermell, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Die Wiesenttalbahn bei Streitberg, von der Burgruine Neideck aus gesehen, Aufnahme von 2019.
Die Wiesenttalbahn bei Streitberg, von der Burgruine Neideck aus gesehen, Aufnahme von 2019. Foto: Stefan Oemisch, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Muggendorf

Der Bahnhof Muggendorf wurde am 15. Juni 1922 eröffnet.

Auch Muggendorf war ein Kurort, dessen Fahrgäste die Bahn beförderte.

Das Empfangsgebäude beherbergt heute das Info-Zentrum des Naturparks Fränkische Schweiz–Frankenjura.

Ein Museumszug der DFS im Bahnhof Muggendorf, Aufnahme von 2016.
Ein Museumszug der DFS im Bahnhof Muggendorf, Aufnahme von 2016. Foto: Ermell, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Das Bahnhofsgebäude in Muggendorf, Aufnahme von 2018.
Das Bahnhofsgebäude in Muggendorf, Aufnahme von 2018. Foto: Ermell, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Bahnhof Muggendorf, Aufnahme von 2016.
Der Bahnhof Muggendorf, Aufnahme von 2016. Foto: Ermell, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Burggaillenreuth

Am Haltepunkt Burggaillenreuth gab es einen Holzlagerplatz.

Gößweinstein

Der Bahnhof Gößweinstein wurde am 9. Juli 1927 eröffnet und liegt unterhalb des Ortes im Tal der Wiesent.

Die Trasse bis hierher war bereits 1922 fertig, doch es fehlten die Mittel für Schwellen und Schienen.

Zum Fahrgastaufkommen gehörten Pilger nach Gößweinstein.

Behringersmühle

Behringersmühle liegt nahe der Mündung der Püttlach in die Wiesent und ist seit 1930 der Endpunkt der Strecke.

Für den letzten Abschnitt zwischen Sachsenmühle und Behringersmühle wurde Ende der 1920er-Jahre erheblicher Aufwand betrieben, um das Landschaftsbild zu schonen.

Dazu gehörten eine Eisenbahnbrücke, die Hindenburgbrücke, deren Länge je nach Angabe 155 oder 165 Meter beträgt, die Verlegung des Wiesentbetts um 200 Meter und die Verlagerung der Straße.

Die Mehrkosten verzögerten die Eröffnung des Endabschnitts bis 1930.

Am Bahnhof stand ein Getreidespeicher der BayWa von 1930 mit Verladevorrichtungen, in dem vor allem Gerste für fränkische Brauvereine umgeschlagen wurde.

Der Bahnhof Behringersmühle an der Museumsbahn, Aufnahme von 2016.
Der Bahnhof Behringersmühle an der Museumsbahn, Aufnahme von 2016. Foto: Hugh Llewelyn from Keynsham, UK, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Alte Personenwagen auf dem Abstellgleis in Behringersmühle, Aufnahme von 2015.
Alte Personenwagen auf dem Abstellgleis in Behringersmühle, Aufnahme von 2015. Foto: Ermell, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Wagen der Museumsbahn im Bahnhof Behringersmühle, Aufnahme von 2012.
Wagen der Museumsbahn im Bahnhof Behringersmühle, Aufnahme von 2012. Foto: Ermell, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Niedergang und Museumsbahn

Zum 30. Mai 1976 stellte die Deutsche Bundesbahn den Personenverkehr auf dem Abschnitt Ebermannstadt–Behringersmühle ein.

Die Strecke wurde auf Busbetrieb umgestellt.

Der Güterverkehr hatte dort nie eine große Rolle gespielt, deshalb plante die Bundesbahn bald den Abbau der Gleisanlagen.

Schon 1974 regte sich Widerstand gegen diese Entwicklung, und der Dampfbahn Fränkische Schweiz gelang es, die Strecke zu kaufen.

Seit dem 9. August 1980 verkehrt dort ein touristischer Eisenbahnverkehr mit historischem Material.

Anlässlich der 700-Jahr-Feier der Stadt Ebermannstadt fuhr am 18. Juni 2023 ein Sonderzug mit der Dampflok 64 491 und der Diesellok V60 114 auf der gesamten Strecke von Forchheim bis Behringersmühle.

Eine Diesellokomotive der Baureihe V 36 der Museumsbahn der Dampfbahn Fränkische Schweiz, Aufnahme von 2011.
Eine Diesellokomotive der Baureihe V 36 der Museumsbahn der Dampfbahn Fränkische Schweiz, Aufnahme von 2011. Foto: Aarp65, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Der Ast nach Heiligenstadt

Die Bahnstrecke Ebermannstadt–Heiligenstadt, auch Leinleitertalbahn genannt, war eine Nebenbahn von etwa elf Kilometern Länge.

Ein Gesetz über die Verlängerung ab Ebermannstadt erging am 26. Juni 1908.

Im Juni 1913 begannen die Bauarbeiten, dabei waren 117.000 Kubikmeter Erde zu bewegen und elf Brücken zu bauen.

Das Bett der Leinleiter musste an fünf Stellen verlegt werden.

Die Strecke sollte Basalt aus Oberleinleiter, Eisenerz aus dem Raum Königsfeld, Holz aus den umliegenden Wäldern und Getreide abtransportieren und dem Fremdenverkehr dienen.

Die Bahnhöfe lagen in Gasseldorf, Unterleinleiter, Veilbronn und Heiligenstadt, dazu kam der Haltepunkt Traindorf.

Am 4. Oktober 1915 wurde die Lokalbahn in Betrieb genommen, mitten im Ersten Weltkrieg.

Nachdem 1930 die Verbindung nach Behringersmühle fertig war, wurde der Reiseverkehr auf die Relation Forchheim–Behringersmühle ausgerichtet.

Reisende von und nach Heiligenstadt mussten fortan in Ebermannstadt umsteigen.

In den 1930er-Jahren fuhren täglich sechs Personenzugpaare, in den 1950er-Jahren bis zu sieben.

Die Strecke bediente das Verkehrsbedürfnis von Heiligenstadt nur unzureichend, denn die Entfernung betrug auf der Straße 24 Kilometer, auf der Schiene aber 54,8 Kilometer.

Dazu war zweimaliges Umsteigen in Ebermannstadt und Forchheim nötig, was eineinhalb Stunden Reisezeit bedeutete.

Mit der Zunahme des motorisierten Individualverkehrs sanken in den 1950er-Jahren die Fahrgastzahlen rasch.

Die Deutsche Bundesbahn stellte am 29. Mai 1960 den Personenverkehr und am 26. Mai 1968 den Güterverkehr ein.

Danach wurde die Strecke abgebaut.

So sieht es jetzt aus

Zwischen Unterleinleiter und Heiligenstadt nutzt ein Radweg die ehemalige Trasse.

Im Wiesenttal fährt die Museumsbahn der Dampfbahn Fränkische Schweiz zwischen Ebermannstadt und Behringersmühle.

Der Marktgemeinderat Wiesenttal stimmte einer denkmalrechtlichen Aufwertung der historischen Bahneinrichtungen zu, die Denkmalschützer verweisen auf die Bedeutung der Strecke für die touristische Erschließung der Fränkischen Schweiz in der Weimarer Republik.

Für Forchheim–Ebermannstadt ist ab Dezember 2035 der Einsatz von Akkuzügen vorgesehen.

Vorher und nachher: Das Leinleitertal

Beim Bau von 1913 bis 1915 wurde das Bett der Leinleiter an fünf Stellen verlegt und elf Brücken wurden errichtet.

Seit der Einstellung des Güterverkehrs 1968 liegt dort keine Schiene mehr, und ein Radweg folgt der ehemaligen Strecke.

Die Geschichte in Daten

1. Juni 1891: Die Lokalbahn Forchheim–Ebermannstadt wird eröffnet.

4. Oktober 1915: Die Strecke von Gasseldorf nach Heiligenstadt geht in Betrieb.

15. Juni 1922: Muggendorf ist erreicht.

9. Juli 1927: Der Bahnhof Gößweinstein wird eröffnet.

5. Oktober 1930: Behringersmühle wird eröffnet, die letzte neu gebaute Nebenstrecke in Bayern.

29. Mai 1960: Der Personenverkehr nach Heiligenstadt endet.

26. Mai 1968: Der Güterverkehr nach Heiligenstadt endet, der Ast wird abgebaut.

1974: Widerstand gegen den geplanten Abbau der Strecke ins Wiesenttal beginnt.

30. Mai 1976: Die Bundesbahn stellt den Personenverkehr Ebermannstadt–Behringersmühle ein.

9. August 1980: Die Museumsbahn nimmt den Verkehr auf.

18. Juni 2023: Sonderfahrten zum Stadtjubiläum Ebermannstadt bis Behringersmühle.

Häufige Fragen

Fährt auf der Wiesenttalbahn noch ein Zug?
Zwischen Forchheim und Ebermannstadt besteht Regelverkehr, zwischen Ebermannstadt und Behringersmühle fährt die Museumsbahn der Dampfbahn Fränkische Schweiz.
Wann wurde der Regelverkehr nach Behringersmühle eingestellt?
Zum 30. Mai 1976 stellte die Bundesbahn den Personenverkehr zwischen Ebermannstadt und Behringersmühle ein.
Warum wurde Heiligenstadt zuerst angeschlossen?
Die Gemeinden im Wiesenttal konnten sich nicht über eine Trassenführung einigen.
Gibt es den Ast nach Heiligenstadt noch?
Die Strecke wurde nach der Stilllegung abgebaut, zwischen Unterleinleiter und Heiligenstadt liegt ein Radweg auf der Trasse.
Was war das Besondere an der Strecke bis Behringersmühle?
Der Endabschnitt war die letzte neu gebaute Nebenstrecke in Bayern.

Die Wiesenttalbahn besteht heute in zwei Teilen weiter, als Regionalverkehr bis Ebermannstadt und als Museumsbahn bis Behringersmühle, und nur der Leinleitertal-Ast ist verschwunden.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnstrecke Forchheim–Behringersmühle · Wikipedia: Bahnstrecke Ebermannstadt–Heiligenstadt · Dampfbahn Fränkische Schweiz: Strecke · Nordbayern: Bahngebäude in der Fränkischen Schweiz sind wertvoll · Nordbayern: Als der Zug noch bis nach Heiligenstadt fuhr

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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