Die Zellertalbahn: stille Halte zwischen Langmeil und Monsheim
Auf der Zellertalbahn fährt seit 2017 kein Zug mehr, die Sanierung läuft seit 2021. Ein Streifzug durch Börrstadt, Göllheim-Dreisen, Marnheim, Albisheim, Harxheim-Zell und Wachenheim-Mölsheim.


Lage: Donnersbergkreis und Landkreis Alzey-Worms, Rheinland-Pfalz, zwischen Langmeil und Monsheim. Status: Seit September 2017 kein Zugverkehr, die Strecke wird saniert. Heute: Der Kreistag des Donnersbergkreises beschloss am 26. Mai 2026 die Fortführung des Projekts.
Die Zellertalbahn verbindet Langmeil in der Pfalz mit Monsheim in Rheinhessen, und seit September 2017 fährt auf ihr kein Zug mehr.
Dieser Beitrag geht die Halte Börrstadt, Göllheim-Dreisen, Marnheim, Albisheim, Harxheim-Zell und Wachenheim-Mölsheim der Reihe nach durch.
Die Strecke ist nicht tot, denn sie wird seit 2021 saniert und soll wieder befahren werden.
Freie Fotos der einzelnen Halte sind rar, deshalb ist Marnheim hier am ausführlichsten bebildert.
So kam die Bahn ins Zellertal
Schon 1860 gab es erste konkrete Planungen der Gesellschaft der Pfälzischen Nordbahnen für eine Bahn durch das Zellertal.
Hessen erteilte 1868 eine Konzession, im März 1871 lag die Genehmigung für den Bau vor.
Weil größtenteils das Tal der Pfrimm genutzt werden konnte, gab es beim Bau keine größeren Schwierigkeiten.
Die Inbetriebnahme verzögerte sich dennoch, weil die bayerische Regierung durch die Strecke einen Bedeutungsverlust der Pfälzischen Ludwigsbahn befürchtete.
Der Abschnitt Monsheim–Marnheim wurde am 23. Oktober 1872 eröffnet, und der Eröffnungszug führte Salonwagen.
Von Marnheim bis Langmeil folgte der Rest am 31. Mai 1873.
Schon 1888 wurde die Strecke vor allem aus strategischen Gründen zweigleisig ausgebaut.
Im Mai 1901 wurde über sie ein Schnellzug der Relation München–Worms–Kaiserslautern–Metz–Paris eingerichtet.
1946 verkehrte noch der Schnellzug Paris–Frankfurt über die Strecke, weil sie schneller zu befahren war als die Hauptstrecke bei Ludwigshafen.

So sah es vorher aus: von der Hauptbahn zur Nebenbahn
Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor die Strecke schnell an Bedeutung.
Ein Grund war die Sprengung des Pfrimmtalviadukts der Donnersbergbahn 1945, wodurch Züge von Kaiserslautern nach Mainz nicht mehr über Marnheim fahren konnten.
1958 wurde der Abschnitt zwischen Börrstadt und Langmeil wegen des schlechten Oberbaus vorläufig auf eingleisigen Betrieb umgestellt, 1961 endgültig.
Zwischen Börrstadt und Monsheim wurde der Betrieb des zweiten Gleises zum 1. April 1968 aufgegeben, 1976 wurde das zweite Gleis ganz abgebaut.
Etwa zur selben Zeit waren Börrstadt, Göllheim-Dreisen, Harxheim-Zell und Wachenheim-Mölsheim nicht mehr besetzt.
Der Bund zahlte der Bahn Zuwendungen, die im Kalten Krieg auf den Erhalt der Strecke aus strategischen Gründen zielten.
Trotz allem blieb die Strecke bis zuletzt offiziell eine Hauptbahn.
Der Personenverkehr wurde am 23. September 1983 aufgegeben.
Das Ende und der Neubeginn auf Zeit
Im Güterverkehr trugen vor allem landwirtschaftliche Produkte die Strecke, die Rübenernte brachte zeitweise regen Betrieb.
Anfang der 1990er Jahre kam dieser zum Erliegen, weil die Bahn den Transport von Rüben auf die Straße verlegte.
Der Güterverkehr zwischen Langmeil und Börrstadt wurde 1987 aufgegeben, der zwischen Göllheim-Dreisen und Monsheim 1992.
Der 1989 gegründete Förderverein Eistalbahn organisierte im September 1997 eine Sonderfahrt von Monsheim nach Harxheim-Zell.
Vom 26. Mai bis zum 23. September 2001 gab es dann an Sonn- und Feiertagen einen Ausflugsverkehr, der auch in den Folgejahren in den Sommermonaten stattfand.
Der Name Zellertalbahn entstand in diesem Umfeld vor allem aus Marketinggründen, der ältere Name Pfrimmtalbahn kommt vom Fluss Pfrimm, dem die Strecke fast auf ihrer ganzen Länge folgt.
Im September 2017 gab der Donnersberg-Touristik-Verband bekannt, dass der Ausflugsverkehr wegen Schäden an der Infrastruktur nicht mehr stattfinden kann.
Seitdem fährt auf der Strecke kein Zug mehr.

Börrstadt
Der Bahnhof Börrstadt lag am nordöstlichen Ortsrand.
1969 wurde er zunächst in einen Haltepunkt umgewandelt, blieb dann aber doch ein Bahnhof, wenn auch ohne Personal vor Ort.
Bei der Wiederaufnahme des Personenverkehrs 2001 wurde Börrstadt nicht reaktiviert.
Hinter Börrstadt liegt die Wasserscheide zwischen Alsenz und Pfrimm.
Göllheim-Dreisen
Göllheim-Dreisen ist heute ein Haltepunkt und war früher ein Bahnhof.
Er liegt am südöstlichen Ortsrand von Dreisen, Göllheim ist rund zwei Kilometer entfernt.
Das Ensemble wird vom Silo einer Raiffeisen-Genossenschaft dominiert.
Das Zementwerk in Göllheim soll nach der Sanierung einen Gleisanschluss erhalten.
Marnheim
Der Bahnhof Marnheim liegt am südlichen Ortsrand.
Von 1874 bis 1945 war er ein Eisenbahnknotenpunkt, bis die Donnersbergbahn durch die Sprengung des Pfrimmtalviadukts unterbrochen wurde.
Sein Empfangsgebäude steht unter Denkmalschutz.
Der Pfrimmtalviadukt wurde zwischen 1872 und 1874 erbaut, war 260 Meter lang und 30 Meter hoch.
Er bestand aus einer etwa 40 Meter langen dreibogigen Mauerwerksbrücke und einer etwa 220 Meter langen Fachwerkbrücke aus Eisen.
Am 20. März 1945 wurde er kurz vor Kriegsende von sich zurückziehenden Wehrmachtstruppen gesprengt.
Nach dem Krieg scheiterte der Wiederaufbau an den Kosten, die eisernen Teile wurden verschrottet, die gemauerten Teile blieben.
Der erhaltene Rest steht unter Denkmalschutz und bildet das Tor zum Zellertal.


Albisheim
Der Bahnhof Albisheim liegt am südlichen Ortsrand von Albisheim (Pfrimm).
Der Eingang zum Empfangsgebäude lag an der Seite unweit des Bahnsteigs.
Bis zur vorübergehenden Stilllegung der Strecke war der Halt besetzt.
Weitere belegte Einzelheiten zu Albisheim sind nicht bekannt.
Harxheim-Zell
Harxheim-Zell ist heute ein Haltepunkt und war früher ein Bahnhof.
Er liegt im Osten des Siedlungsgebiets von Harxheim unweit der Ortsmitte.
Um 1990 wurde das einzige Ausweichgleis demontiert, wodurch die Station ihren Status als Bahnhof verlor.
Bis hierher fuhr die Sonderfahrt des Fördervereins im September 1997.

Wachenheim-Mölsheim
Der Bahnhof Wachenheim-Mölsheim liegt am südöstlichen Siedlungsrand von Wachenheim an der Pfrimm.
Mölsheim liegt rund einen Kilometer weiter nördlich.
Zwischen Wachenheim-Mölsheim und Monsheim wurde 1908 der elektrische Streckenblock in Betrieb genommen, telegrafische Zugmeldungen entfielen.
Hinter Wachenheim-Mölsheim mündet die Strecke in Monsheim in die Bahnstrecke Worms–Bingen Stadt.
Langmeil und Monsheim
Langmeil ist der westliche Endpunkt, der Bahnhof wurde Ende 2006 für den Personenverkehr aufgelassen und ist seither nur noch Betriebsbahnhof.
Monsheim ist der östliche Endpunkt und wird weiter regulär im Personenverkehr bedient, sein früheres Empfangsgebäude steht unter Denkmalschutz.

So sieht es jetzt aus
Am 15. September 2020 übergab das Land den Förderbescheid über 6,7 Millionen Euro an den Donnersbergkreis, das sind 85 Prozent der Gesamtkosten von 8,3 Millionen Euro.
Im Sommer 2021 begannen umfangreiche Bauarbeiten an Ober- und Unterbau, Weichen und Bahnübergängen.
Elf Bahnübergänge und 15 Brücken müssen ertüchtigt werden.
Ein für 2023 geplanter sonntäglicher Ausflugsverkehr musste wegen nicht abgeschlossener Bauarbeiten verschoben werden, als neues Ziel gilt 2026.
Am 26. Mai 2026 beschloss der Kreistag des Donnersbergkreises, das Projekt fortzuführen, und bewilligte dafür eine überplanmäßige Auszahlung von 2,37 Millionen Euro.
Ein verbindlicher Eröffnungstermin ist nicht genannt.
Vorher und nachher in Marnheim
Das Empfangsgebäude von Marnheim steht heute noch, wie der Vergleich der beiden Aufnahmen am Anfang dieses Beitrags zeigt.
Die Geschichte in Daten
23. Oktober 1872: Der Abschnitt Monsheim–Marnheim wird eröffnet.
31. Mai 1873: Der Abschnitt Marnheim–Langmeil folgt.
1888: Die Strecke wird zweigleisig ausgebaut.
20. März 1945: Der Pfrimmtalviadukt bei Marnheim wird gesprengt.
1. April 1968: Der Betrieb des zweiten Gleises zwischen Börrstadt und Monsheim endet.
23. September 1983: Der Personenverkehr wird aufgegeben.
26. Mai 2001: Der Ausflugsverkehr an Sonn- und Feiertagen beginnt.
September 2017: Der Ausflugsverkehr wird wegen Schäden an der Infrastruktur eingestellt.
Sommer 2021: Die Bauarbeiten zur Sanierung beginnen.
26. Mai 2026: Der Kreistag des Donnersbergkreises beschließt die Fortführung des Projekts.
Häufige Fragen
Fährt auf der Zellertalbahn noch ein Zug?
Wann endete der planmäßige Personenverkehr?
Wie viel kostet die Reaktivierung?
Warum heißt sie Zellertalbahn und Pfrimmtalbahn?
Was ist vom Pfrimmtalviadukt übrig?
Wikipedia: Zellertalbahn · Wikipedia: Pfrimmtalviadukt · Wikipedia: Bahnstrecke Alzey–Marnheim · Verbandsgemeinde Göllheim: Zellertalbahn · Wochenblatt-Reporter: Tagung des Kreistags
Alle Fotos stammen von Wikimedia Commons und sind gemeinfrei oder stehen unter einer freien Creative-Commons-Lizenz. Urheber, Lizenz und Quelle stehen direkt am Bild.
