Die stille Wuppertalbahn bei Radevormwald: Halte von Remlingrade bis zur Talsperre

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die stille Wuppertalbahn bei Radevormwald: Halte von Remlingrade bis zur Talsperre

Die Wuppertalbahn führte durch das Tal der Wupper nach Radevormwald. Heute erinnern ein Museumsbahnhof, ein Gedenkort und eine überflutete Station an die Strecke.

AUFNAHME · 2012

Der Bahnhof Radevormwald-Dahlerau, 2012.

Der Bahnhof Radevormwald-Dahlerau, 2012. Foto: Morty, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
AUFNAHME · 2021

Der Bahnhof Dahlerau, 2021.

Der Bahnhof Dahlerau, 2021. Foto: DiAuras, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1886
Erster Abschnitt eröffnet
1971
Unglück bei Dahlerau
1979
Strecke stillgelegt
1982
Beginn des Dammbaus

Lage: Tal der Wupper zwischen Beyenburg und Radevormwald. Status: stillgelegt, Teile werden von Vereinen für Museumsverkehr erhalten. Heute: Museumsbahnhof Dahlhausen, Krebsöge und Kräwinklerbrücke unter Damm und Stausee.

Die Wuppertalbahn führt von Wuppertal-Oberbarmen durch das Tal der Wupper nach Radevormwald und weiter nach Oberbrügge.

Dieser Beitrag behandelt fünf Orte im Abschnitt rund um Radevormwald: Remlingrade, Dahlerau, Dahlhausen, Krebsöge und Kräwinklerbrücke.

Zwei dieser Halte, Krebsöge und Kräwinklerbrücke, liegen heute unter dem Damm und dem Stausee der Wuppertalsperre.

In Dahlhausen sammelt ein Verein Fahrzeuge, und der Bahnhof gilt als Museumsbahnhof.

Das Unglück von Dahlerau 1971 war das schwerste in der Geschichte der Deutschen Bundesbahn und wird hier mit der gebotenen Ernsthaftigkeit behandelt.

Alte freie Fotos der Halte sind auf Wikimedia Commons nicht vorhanden, die Bilder zeigen den Zustand ab den 2000er Jahren.

Wie die Wuppertalbahn entstand

Der Bau der Strecke hatte wirtschaftliche Gründe, denn die Industrie im Wuppertal brauchte einen brauchbaren Transportweg.

Auf Druck der Fabrikanten und Gemeinden beschloss die preußische Regierung den Bau am 21. Mai 1883 per Gesetz.

Am 1. Februar 1886 ging der erste Abschnitt von Lennep nach Krebsöge in Betrieb.

Am 1. Dezember desselben Jahres wurde er bis Dahlerau verlängert.

Die Strecke wurde später nach Beyenburg und bis Barmen-Rittershausen weitergebaut, dem heutigen Wuppertal-Oberbarmen.

Der Abschnitt von Krebsöge nach Radevormwald folgte 1889.

Die Bahn stieg von etwa 180 Metern im Wuppertal auf 360 Meter in Radevormwald und machte mit Hängen, Einschnitten und Brücken einen gebirgsbahnartigen Eindruck.

Remlingrade: ein früherer Haltepunkt

Remlingrade ist ein Ort im äußersten Norden von Radevormwald.

Der frühere Haltepunkt der Wuppertalbahn lag etwa zwei Kilometer vom Ort entfernt an der Landesstraße 414 zwischen Beyenburg und Dahlerau.

Mehr als diese Lage ist über den Halt nicht belegt.

Dahlerau: der Bahnhof und das Unglück von 1971

Dahlerau war ein Industrieort an der Wupper, in dem schon 1788 mit Wasserkraft Sensen hergestellt wurden.

Später kam die Tuchindustrie, und für ihren Transport baute man die Eisenbahn.

Der Bahnhof wurde mit der Verlängerung der Strecke am 1. Dezember 1886 eröffnet.

Das Bahnhofsgebäude Radevormwald-Dahlerau, 2010.
Das Bahnhofsgebäude Radevormwald-Dahlerau, 2010. Foto: Lestidae, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Bahnhof Dahlerau, 2021.
Der Bahnhof Dahlerau, 2021. Foto: DiAuras, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Bahnhof Dahlerau, 2021.
Der Bahnhof Dahlerau, 2021. Foto: DiAuras, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Am Abend des 27. Mai 1971 stießen in der Nähe von Dahlerau zwei Züge zusammen.

Es war ein Sonderzug mit Schülern auf dem Weg nach Radevormwald und ein Güterzug in Gegenrichtung.

Der Sonderzug hatte etwa dreißig Minuten Verspätung, deshalb wurde die Zugkreuzung nach Dahlerau gelegt.

Auf der eingleisigen Strecke prallten beide Züge hinter einer Kurve aufeinander.

46 Menschen starben, darunter 41 Schüler aus Radevormwald.

Es war der Eisenbahnunfall mit den meisten Todesopfern in der Geschichte der Deutschen Bundesbahn.

Die Ermittlungen zur Ursache dauerten länger als ein Jahr.

Die Aussagen zu den Signalen im Bahnhof gingen auseinander.

Als Folge wurde die Verwendung der roten Blenden an den Befehlsstäben verboten.

Bei der Bundesbahn wurde außerdem die Ausrüstung mit Streckenblock und Zugbahnfunk vorangetrieben.

Die Trauerfeier fand am 2. Juni 1971 statt, und in Radevormwald blieben die Geschäfte geschlossen.

Die meisten Schüler wurden auf dem Kommunalfriedhof von Radevormwald in einem gemeinsamen Gräberfeld beigesetzt.

Zum 50. Jahrestag stellte der Förderverein Wupperschiene am Unglücksort ein Holzkreuz mit Gedenktafel auf.

Diese Stelle direkt am Gleis ist nicht öffentlich zugänglich.

Ein offizieller Gedenkort mit einer Tafel für alle Getöteten befindet sich oberhalb davon am Rand der Landesstraße 414.

Dahlhausen: der Museumsbahnhof

Der Bahnhof Radevormwald-Dahlhausen ist heute ein Eisenbahnmuseum.

Hier hat der Förderverein Wupperschiene seinen Sitz, der sich 1989 gründete, um die Stichstrecke nach Wilhelmsthal für den Bahnverkehr zu erhalten.

Das Bahnhofsgelände ist der Sitz des Vereins, das Bahnhofsgebäude selbst gehört nicht dazu.

Auf dem Gelände stehen die meisten Fahrzeuge des Vereins.

Das Bahnhofsgebäude von Dahlhausen (Wupper), 2007.
Das Bahnhofsgebäude von Dahlhausen (Wupper), 2007. Foto: Frank Vincentz, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Das ehemalige Bahnhofsgebäude Dahlhausen (Wupper), 2021.
Das ehemalige Bahnhofsgebäude Dahlhausen (Wupper), 2021. Foto: DiAuras, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Formsignale auf dem Gelände des Eisenbahnmuseums Radevormwald-Dahlhausen, 2007.
Formsignale auf dem Gelände des Eisenbahnmuseums Radevormwald-Dahlhausen, 2007. Foto: Frank Vincentz, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Eine Dampflokomotive der Baureihe 52 im Eisenbahnmuseum Dahlhausen, 2007.
Eine Dampflokomotive der Baureihe 52 im Eisenbahnmuseum Dahlhausen, 2007. Foto: Frank Vincentz, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Gleise und Wagen im Eisenbahnmuseum Radevormwald-Dahlhausen, 2007.
Gleise und Wagen im Eisenbahnmuseum Radevormwald-Dahlhausen, 2007. Foto: Frank Vincentz, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Im Frühjahr 2023 gab es erstmals seit der Einstellung des Zugverkehrs im Jahr 1999 wieder einige Bedarfsfahrten.

Eine davon führte bis zum Bahnhof Dahlhausen und galt als Praxistest für die wiederhergestellte Strecke.

Am 16. April 2024 übernahm die Wuppertalbahn EIV gGmbH die gesamte Strecke von der Rhein-Sieg-Eisenbahn.

Seit Februar 2025 fahren zwischen Wuppertal-Rauental und Wuppertal-Beyenburg historische Züge, die ersten öffentlichen Museumsfahrten fanden am 8. und 9. Februar 2025 statt.

Mittelfristig ist ein Betrieb bis nach Radevormwald-Wilhelmstal geplant.

Krebsöge: ein Knotenbahnhof unter Damm und Stausee

Krebsöge war ein Abzweigbahnhof, an dem sich die Strecken nach Lennep und nach Radevormwald trennten.

Über diesen Knoten gelangte man mit der Bahn nach Barmen, nach Lennep, nach Radevormwald und nach Halver.

Die Strecke Lennep–Krebsöge wurde 1956 stillgelegt, weil Omnibusse an Bedeutung gewonnen hatten.

Das Areal des Bahnhofs liegt heute unter Damm beziehungsweise Stausee der Wuppertalsperre.

Der Bau des Hauptdammes erfolgte von 1982 bis 1987, die Talsperre wurde 1989 fertiggestellt.

Der Bahnsteig des ehemaligen Haltepunkts Wilhelmstal. Etwa 200 Meter weiter endet das Gleis, weil die Strecke durch die Wuppertalsperre gekappt wurde.
Der Bahnsteig des ehemaligen Haltepunkts Wilhelmstal. Etwa 200 Meter weiter endet das Gleis, weil die Strecke durch die Wuppertalsperre gekappt wurde. Foto: The original uploader was Morty at German Wikipedia ., CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Staudamm der Wuppertalsperre bei Krebsöge, 2007.
Der Staudamm der Wuppertalsperre bei Krebsöge, 2007. Foto: Frank Vincentz, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Staudamm der Wuppertalsperre bei Krebsöge, 2007.
Der Staudamm der Wuppertalsperre bei Krebsöge, 2007. Foto: Frank Vincentz, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Kräwinklerbrücke: die Station im Stausee

Der Ort Kräwinklerbrücke besaß einen Bahnhof an der Wuppertalbahn, außerdem ein Postamt, ein Elektrizitätswerk und ein Stahlwerk.

Der Name geht auf eine historische Steinbrücke über die Wupper zurück, die heute unter der Wasserlinie der Talsperre liegt.

Für den Bau der Talsperre wurden die Teile des Ortes im Überflutungsbereich größtenteils abgerissen.

Der Bahnhof und die Trasse der Strecke wurden größtenteils abgetragen und überflutet.

Die Bahnanlagen im Staubereich wurden abgerissen.

In Höhe des versunkenen Bahnhofs befindet sich heute ein Strandbad.

Das Ende der Strecke

Mit dem Niedergang der Textilindustrie verlor die Wuppertalbahn an Bedeutung.

Auf der Strecke wurden überwiegend Schienenbusse eingesetzt.

Am 28. Mai 1976 fand der letzte reguläre Personenverkehr zwischen Radevormwald und Krebsöge statt.

Die Wuppertalbahn wurde am 31. Dezember 1979 stillgelegt.

Der letzte Güterverkehr zwischen Dahlhausen und Radevormwald endete 1980.

Während des Baus der Wuppertalsperre wurden auch die Gleise von Radevormwald nach Halver abgebaut.

Radevormwald verlor damit den direkten Bahnanschluss.

So sieht es jetzt aus

Weite Teile der Strecke sind entwidmet und teilweise überbaut.

Von der ehemaligen Haltestelle Am Kreuz in Radevormwald führt ein Radweg auf der Bergerhofer Bahntrasse bis zur Wuppertalsperre bei Kräwinkel.

Erhalten sind die Stichstrecken Rauental–Wilhelmsthal und Halver–Oberbrügge, die von privaten Eisenbahninfrastrukturunternehmen betrieben werden.

Auf dem Abschnitt Beyenburg–Wilhelmstal fuhren von 2008 bis Ende der Saison 2023 Draisinen.

Das Gleis der Wuppertalbahn bei Wilhelmstal in Richtung Norden, 2023.
Das Gleis der Wuppertalbahn bei Wilhelmstal in Richtung Norden, 2023. Foto: Im Fokus, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Die Trasse der Wuppertalbahn bei Vogelsmühle in Radevormwald, 2020.
Die Trasse der Wuppertalbahn bei Vogelsmühle in Radevormwald, 2020. Foto: Im Fokus, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Dahlerau in zwei Aufnahmen

Das Bahnhofsgebäude von Dahlerau ist in den Bildern von 2012 und 2021 zu erkennen.

Bei Dahlerau geschah 1971 das Zugunglück mit 46 Toten.

Seit 1979 gibt es hier keinen Reisezugverkehr mehr.

Die Geschichte in Daten

21. Mai 1883: Gesetz zum Bau der Strecke durch die preußische Regierung.

1. Februar 1886: Eröffnung des Abschnitts Lennep–Krebsöge.

1. Dezember 1886: Verlängerung bis Dahlerau.

1889: Abschnitt nach Radevormwald.

1956: Stilllegung der Strecke Lennep–Krebsöge.

27. Mai 1971: Zugunglück bei Dahlerau mit 46 Toten.

28. Mai 1976: Letzter regulärer Personenverkehr Radevormwald–Krebsöge.

31. Dezember 1979: Stilllegung der Wuppertalbahn.

1982 bis 1987: Bau des Hauptdammes der Wuppertalsperre.

2025: Museumsfahrten zwischen Rauental und Beyenburg.

Häufige Fragen

Was geschah am 27. Mai 1971 bei Dahlerau?
Zwei Züge stießen auf der eingleisigen Strecke zusammen, 46 Menschen starben, davon 41 Schüler aus Radevormwald.
Wo liegen die Bahnhöfe Krebsöge und Kräwinklerbrücke heute?
Das Areal von Krebsöge liegt unter Damm beziehungsweise Stausee der Wuppertalsperre, der Bahnhof Kräwinklerbrücke wurde abgerissen und überflutet.
Ist Dahlhausen ein stillgelegter Bahnhof?
Der Bahnhof Radevormwald-Dahlhausen ist ein Eisenbahnmuseum und Sitz des Fördervereins Wupperschiene.
Wann endete der Personenverkehr?
Der letzte reguläre Personenverkehr zwischen Radevormwald und Krebsöge fand am 28. Mai 1976 statt, die Strecke wurde am 31. Dezember 1979 stillgelegt.
Gibt es einen Gedenkort für das Unglück?
Ja, oberhalb des Unglücksorts am Rand der Landesstraße 414 steht ein offizieller Gedenkort mit einer Tafel.

Die Wuppertalbahn bei Radevormwald erzählt von Industrie, von einem schweren Unglück und von einem Stausee, der einen Bahnhof überflutet hat.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Wuppertalbahn · Wikipedia: Eisenbahnunfall von Radevormwald · Wikipedia: Dahlerau · Wikipedia: Bahnhof Radevormwald-Dahlhausen · Wikipedia: Krebsöge · Wikipedia: Kräwinklerbrücke · Wikipedia: Wuppertalsperre · Wikipedia: Remlingrade · Wikipedia: Radevormwald · Wikimedia Commons: Category Wuppertalbahn

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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