Die Wormser Hex und die Weschnitztalbahn: stille Halte zwischen Weinheim und Worms
Die Weschnitztalbahn fährt noch, doch ihr Haltepunkt Weinheim Tal ist aufgelassen. Die Verbindung nach Worms, die „Wormser Hex“, hat Bahnhöfe wie Viernheim und Rosengarten verloren.

Lage: Weinheim, Viernheim und Lampertheim-Rosengarten an der Bergstraße und am Rhein. Status: Die Weschnitztalbahn ist in Betrieb, nur Weinheim Tal ist aufgelassen. Die Strecke Weinheim–Worms ist stillgelegt, das Empfangsgebäude Viernheim steht unter Denkmalschutz. Heute: Viernheim beherbergt den „Treff im Bahnhof“.
In Weinheim treffen zwei Strecken zusammen, die Weschnitztalbahn nach Fürth und die Bahn nach Worms, im Volksmund „Wormser Hex“ genannt.
Die Weschnitztalbahn ist eine Nebenbahn, die heute noch fährt, nur ihr Haltepunkt Weinheim Tal wurde aufgelassen.
Die Strecke Weinheim–Worms dagegen verband Weinheim, Viernheim, Lampertheim und Worms, heute sind von ihr nur noch wenige Teilstrecken erhalten.
Dieser Beitrag behandelt den Haltepunkt Weinheim Tal, die Bahnhöfe Viernheim und Rosengarten und die kleinen Halte dazwischen.
Alte Fotos gibt es vom Bahnhof Rosengarten und vom Haltepunkt Weinheim Tal, von den übrigen Halten nur aus der Zeit nach der Stilllegung.
Wie die Weschnitztalbahn entstand
Nach der Eröffnung der Bahnstrecke Frankfurt–Heidelberg 1846 wuchs der Wunsch, auch den vorderen Odenwald an das Eisenbahnnetz anzuschließen.
Wegen des schwierigen Berggeländes wurde die West-Ost-Verbindung nach langen Diskussionen durch das flache Weschnitztal von Weinheim aus geführt.
Gebaut wurde die Strecke von den Großherzoglich Hessischen Staatseisenbahnen.
Die Vermessungsarbeiten begannen 1890, die Bauarbeiten 1893.
Zwischen Weinheim und Birkenau mussten in einem engen Talabschnitt drei Tunnel und zwei größere Brücken gebaut werden.
Am 1. Juli 1895 wurde der Betrieb zwischen Weinheim und Fürth aufgenommen.
Weinheim Tal: der aufgelassene Haltepunkt
Der Haltepunkt Weinheim Tal lag bei Kilometer 1,7 hinter dem ersten der drei Tunnel, der 132 Meter lang ist.
Die Landesgrenze zwischen Baden-Württemberg und Hessen folgt erst bei Kilometer 2,9, der Haltepunkt gehört damit noch zu Baden-Württemberg.
In den 1980er Jahren ging der Güterverkehr auf der Strecke massiv zurück, viele Anschlüsse wurden stillgelegt.
Damals wurde auch der Haltepunkt Weinheim Tal aufgelassen.
Die Strecke selbst blieb erhalten und wurde 1994 komplett saniert und umgebaut.

Warum es eine Bahn nach Worms geben sollte
Bei den Plänen zur Erschließung des Odenwalds war ein Ziel, ihn an den Rheinhafen Worms anzubinden.
Zunächst sah man Bensheim oder Heppenheim als Ausgangspunkt.
1869 ging deshalb die Nibelungenbahn in Betrieb, die Bensheim mit Worms verband und im Bahnhof Rosengarten endete.
Da eine Trasse von Worms über Heppenheim in den Odenwald nicht gebaut wurde, entstand die Verbindungsbahn von Weinheim über Viernheim nach Lampertheim und weiter nach Worms.
Dafür war ein Staatsvertrag zwischen dem Großherzogtum Hessen und dem Großherzogtum Baden nötig, Bauherrin war die Preußisch-Hessische Eisenbahngemeinschaft.
Die Strecke wurde am 1. August 1905 eröffnet.
Rosengarten: der Bahnhof am Rhein
Der Bahnhof Rosengarten war von 1869 bis 1900 der rechtsrheinische Bahnhof von Worms.
Er lag auf der Gemarkung der heutigen Stadt Lampertheim in Hessen unmittelbar am Rheinufer, während Worms im heutigen Rheinland-Pfalz liegt.
Die Hessische Ludwigsbahn errichtete ihn, weil eine Eisenbahnbrücke über den Rhein bei Worms zunächst nicht zu finanzieren war.
Im Bahnhof Rosengarten endeten die Riedbahn von Darmstadt, die Strecke von Bensheim und die Strecke von Lampertheim, die 1877 gebaut wurde.
Nach Worms gelangten Fußgänger und Fahrgäste über eine Schiffbrücke, für Güterwagen gab es ein Trajekt.

So sah es vorher aus: ein großer Kopfbahnhof
Der Bahnhof war etwa 750 Meter lang und hatte zwölf Gleisachsen, zwei Gleise lagen an Bahnsteigen.
Er hatte alle Einrichtungen eines großen End- und Kopfbahnhofs, darunter Verladerampe, Güterhalle, Brückenwaage, Drehscheibe, Lokschuppen und Kohlenlager.
Das Empfangsgebäude hatte Wartesäle erster, zweiter und dritter Klasse und eine Restauration.
Getrennt davon stand ein Fürstenpavillon, der bei Besuchen der Großherzöge von Hessen sowie von Kaiser Wilhelm II. am 9. Dezember 1889 und des russischen Zaren Nikolaus II. am 7. Oktober 1899 benutzt wurde.
1880 fuhren täglich 12 Zugpaare bis Rosengarten, 1897 waren es 15.
Im Trajektverkehr wurden 1886 insgesamt 39.537 Wagen übergesetzt, im Schnitt 108 Wagen pro Tag.
Hochwasser des Rheins beschädigte die Bahnanlagen immer wieder, sodass der Betrieb vorübergehend eingestellt werden musste.
Das Ende des Bahnhofs Rosengarten
Der aufwändige und langsame Trajektverkehr war dem Verkehr nicht gewachsen.
Am 3. November 1894 schlossen der Staat und die Hessische Ludwigsbahn einen Vertrag über den Bau der Rheinbrücke bei Worms, der bereits den Abriss des Bahnhofs Rosengarten vorsah.
Die Brücke wurde am 30. November 1900 eröffnet, die rechtsrheinischen Strecken führten nun zum Hauptbahnhof Worms.
Am 1. Dezember 1900 wurde der Güterverkehr in Rosengarten eingestellt, zum Jahresende die Bahnmeisterei aufgelöst und am 2. Januar 1901 der Personenverkehr.
Bereits am 9. Februar 1901 wurden die Gebäude des Bahnhofs versteigert.
Die Bahnanlagen wurden vollständig beseitigt.
Zwei Mauerzüge im Bereich des ehemaligen Bahnhofs stehen aus geschichtlichen Gründen unter Denkmalschutz.
Der Haltepunkt Rosengarten von 1950
Nach 1901 gab es eine jahrelange Diskussion um einen Haltepunkt, an dem die neue Strecke die Straße von Worms nach Bürstadt kreuzte.
Das scheiterte daran, dass die Stadt Lampertheim den von der Bahn verlangten Bauzuschuss von 4.500 Mark nicht zahlen wollte.
Als die Wormser Rheinbrücken am Kriegsende 1945 gesprengt worden waren, endeten die Züge am Posten 30 beim Ort Rosengarten.
Dort wurde 1950 der offizielle Haltepunkt Rosengarten eingerichtet, bei Kilometer 24,39 an der Kreuzung mit der Bundesstraße 47.
Auch nach dem Bau der Behelfsbrücke endeten bis 1953 einige Züge dort, weil die Brücke eine zu geringe Kapazität hatte.
Niedergang der Verbindungsbahn
Der Bedarf für die Verbindung war geringer als erwartet.
Ein Großteil des Verkehrs orientierte sich eher in den badischen Ballungsraum Mannheim als nach Worms.
Besonders die Oberrheinische Eisenbahn-Gesellschaft, die von Weinheim Verbindungen nach Mannheim und Heidelberg betreibt, war eine starke Konkurrenz.
Ab Herbst 1954 wurden die Dampfloks im Personenverkehr durch Dieseltriebwagen der Baureihe VT 95 ersetzt.
Zum Sommerfahrplan am 29. Mai 1960 wurde der Personenverkehr auf der Strecke eingestellt, als Ersatz kam eine Busverbindung.
Im Abschnitt von der Abzweigung Landdamm bis Lache und von Lampertheim bis Viernheim wurde der gesamte Verkehr eingestellt, die Gleise wurden weitgehend demontiert.

Viernheim: der Staatsbahnhof
Der Bahnhof Viernheim bei Kilometer 10,36 wurde zusammen mit der Strecke am 1. August 1905 eröffnet.
Er ging als Viernheim Staatsbahnhof in Betrieb, um ihn vom gleichnamigen Bahnhof der Oberrheinischen Eisenbahn zu unterscheiden.
Zuerst war er nur ein Haltepunkt, später wurde er zu einem Bahnhof mit mehreren Gleisen und Anschlüssen zu Firmen ausgebaut.
Der Bahnhof lag nahe dem Bahnhof der Oberrheinischen Eisenbahn, die dichter fuhr und nach Mannheim mehr Fahrgäste anzog als die Ziele Lampertheim oder Worms.
Das Empfangsgebäude stammt von 1905 und ist in neobarocken Formen gestaltet.
Im oberen Bereich ist es durch Zierfachwerk dekoriert, ein Mansarddach deckt es.
Die Güterabfertigung befand sich in einem eingeschossigen Anbau östlich des Gebäudes.
Das Empfangsgebäude ist Kulturdenkmal nach dem Hessischen Denkmalschutzgesetz.


Im Gebäude arbeitet heute die kommunale Freizeit- und Bildungsstätte Treff im Bahnhof, die auch im Bahnhof abgestellte alte Eisenbahnwagen nutzt.
Für Viernheimer Firmen fuhr noch bis 2002 Güterverkehr von Weinheim aus, dann wurde er eingestellt.
Im Juni 2004 wurde die Teilstrecke Weinheim–Viernheim für rund 360.000 Euro wieder instand gesetzt, 75 Prozent trug das Land Hessen und 25 Prozent die Stadt Viernheim.
Seit dem 6. Juli 2004 nutzte die Spedition Pfenning Logistics sie für ein Zentrallager, das sie für Henkel betrieb.
Die Zusammenarbeit zwischen Henkel und der Spedition endete zum 31. Dezember 2010, damit endete auch der regelmäßige Verkehr.
Die Strecke zwischen der Wiesenstraße und dem Bahnhof Viernheim wurde abgebaut.


Muckensturm, Poststraße, Haide und Lache
Der unbesetzte Haltepunkt Muckensturm bei Kilometer 13,48 lag knapp auf badischem Gebiet und wurde schon einige Zeit vor der Stilllegung der Strecke geschlossen.
Er war zunächst nur für den Personenverkehr vorgesehen, 1909 konnten von dort auch Güter versandt, aber nicht empfangen werden.
Der Haltepunkt Poststraße bei Kilometer 5,82 war nur für beschränkten Personenverkehr zugelassen, also für Forst- und Holzarbeiter, und diente im Güterverkehr ausschließlich der Holzverladung.
Erst zum 6. September 1944 wurde er für den öffentlichen Personenverkehr freigegeben.
Der Haltepunkt Haide bei Kilometer 2,92 war ursprünglich unbesetzt und wurde später zum Bahnhof ausgebaut, an seiner Stelle befindet sich heute eine Waldgaststätte.
Der frühere Bahnhof Lache bei Kilometer 21,79 war ursprünglich ebenfalls ein Haltepunkt und kann im Güterverkehr heute noch angefahren werden.

So sieht es jetzt aus
Die Weschnitztalbahn fährt, nur Weinheim Tal ist als Halt verschwunden.
Der Abschnitt von Weinheim bis zur Kreuzung mit der Autobahn 5 bei Kilometer 14,0 dient seit 2023 als Anschlussgleis für ein Umspannwerk, der Betreiber TransnetBW hat ihn von der Deutschen Bahn gepachtet.
2016 beantragte die Stadt Weinheim, die Strecke vom Bahnbetrieb freizustellen, dem Antrag wurde nicht stattgegeben.
Weitere Teilstrecken sind stillgelegt.


Die Geschichte in Daten
1869: Der Bahnhof Rosengarten wird rechtsrheinischer Bahnhof von Worms, auch die Nibelungenbahn endet dort.
1877: Die Strecke von Rosengarten nach Lampertheim wird gebaut.
1893: Die Bauarbeiten an der Weschnitztalbahn beginnen.
1894: Am 3. November wird der Vertrag über die Rheinbrücke bei Worms geschlossen.
1895: Am 1. Juli wird der Betrieb der Weschnitztalbahn zwischen Weinheim und Fürth aufgenommen.
1900: Am 30. November wird die Wormser Rheinbrücke eröffnet, am 1. Dezember endet der Güterverkehr in Rosengarten.
1901: Am 2. Januar endet der Personenverkehr in Rosengarten, am 9. Februar werden die Gebäude versteigert.
1905: Am 1. August wird die Strecke Weinheim–Worms mit dem Bahnhof Viernheim eröffnet.
1945: Die Wormser Rheinbrücken werden gesprengt, die Züge enden am Posten 30.
1950: Der Haltepunkt Rosengarten wird offiziell eingerichtet.
1960: Am 29. Mai wird der Personenverkehr auf der Strecke Weinheim–Worms eingestellt.
1980: In den 1980er Jahren wird der Haltepunkt Weinheim Tal aufgelassen.
2002: Der Güterverkehr nach Viernheim wird eingestellt.
2004: Am 6. Juli nimmt die Spedition Pfenning Logistics den Verkehr nach Viernheim wieder auf.
2010: Zum 31. Dezember endet der regelmäßige Verkehr nach Viernheim.
2023: Der Abschnitt ab Weinheim dient als Anschlussgleis für ein Umspannwerk.
Häufige Fragen
Fährt die Weschnitztalbahn noch?
Was bedeutet „Wormser Hex“?
Gibt es den Bahnhof Rosengarten noch?
Was ist im Bahnhofsgebäude von Viernheim?
Wann wurde der Personenverkehr nach Worms eingestellt?
Erhalten haben sich vor allem das Viernheimer Empfangsgebäude und zwei Mauerzüge in Rosengarten.
Wikipedia: Bahnstrecke Weinheim–Worms · Wikipedia: Bahnstrecke Weinheim–Fürth · Wikipedia: Bahnhof Viernheim · Wikipedia: Bahnhof Rosengarten · Wikimedia Commons: Kategorie Bahnstrecke Weinheim–Worms
Alle Fotos stammen von Wikimedia Commons und sind gemeinfrei oder stehen unter einer freien Creative-Commons-Lizenz. Urheber, Lizenz und Quelle stehen direkt am Bild.
