Die stillen Halte der Kaiserbahn zwischen Hagenow Land und Zarrentin
Auf der Strecke, die Kaiser Wilhelm II. für kürzere Fahrten nach Kiel wollte, fährt seit 2000 kein planmäßiger Personenzug mehr. Der Beitrag geht die Halte Bobzin, Wittenburg, Bantin und Zarrentin durch.


Lage: Landkreis Ludwigslust-Parchim, Mecklenburg-Vorpommern. Status: ohne planmäßigen Personenverkehr seit 28. Mai 2000, Strecke wird für gelegentlichen Güterverkehr unterhalten. Heute: Betrieb durch die TME-Torsten Meincke Eisenbahn.
Die Kaiserbahn von Hagenow Land nach Bad Oldesloe ist eine teilweise stillgelegte Strecke.
Zwischen Hagenow Land und Zarrentin liegen die Halte Bobzin, Wittenburg und Bantin.
Seit dem 28. Mai 2000 gibt es dort keinen planmäßigen Personenverkehr mehr.
Die Strecke wird weiterhin unterhalten und gelegentlich im Güterverkehr befahren.
Alte freie Fotos aus der Betriebszeit sind selten, die meisten Bilder zeigen die Halte nach dem Ende des planmäßigen Personenverkehrs.
Wie die Kaiserbahn entstand
Die Strecke gilt als kürzeste Schienenverbindung zwischen Berlin und Kiel.
Sie verdankt ihren Namen Kaiser Wilhelm II., der sie bevorzugt für Fahrten nach Kiel nutzte.
Vorher gab es zwei Verbindungen zwischen Berlin und Kiel, die südliche über Büchen und die nördliche über Schwerin und Bad Kleinen.
Beide wichen stark von der Luftlinie ab.
Auf Wunsch des Kaisers wurde eine neue Trasse entworfen, die die Knotenpunkte Hamburg und Lübeck umgeht.
Der Staatsvertrag zum Bau wurde am 5. Dezember 1889 unterzeichnet.
Die eingleisige Strecke führte durch mehrere Geländeeinschnitte und viele Felder.
Zum Ausgleich wurden zahlreiche Brücken gebaut, die nur der Landwirtschaft dienten.
Die meisten Unterführungen wurden breit genug für ein zweites Gleis gebaut.
Die Bahn wurde in drei Abschnitten eröffnet.
Am 1. September 1894 ging Hagenow Land–Wittenburg in Betrieb.
Am 1. Mai 1896 folgte Wittenburg–Zarrentin.
Am 15. August 1897 kam der Abschnitt über Ratzeburg bis Bad Oldesloe hinzu.
Damit war der durchgehende Verkehr eröffnet, der Kaiser nahm persönlich teil.
Betrieben wurde die Strecke von der Preußischen Staatsbahn, obwohl der östliche Teil im damals selbstständigen Mecklenburg lag.
So sah es vorher aus: Schnellzüge nach Kiel
Anfang des 20. Jahrhunderts verkehrte ein Schnellzug zwischen Berlin und Kiel über den Südostteil der Strecke.
In den 1930er Jahren waren es zwei.
Von Ratzeburg nach Kiel fuhren diese Züge über Lübeck.
Daneben hatte die Strecke vor allem für den Nahverkehr und den Güterverkehr Bedeutung.
Der Niedergang im Osten
Nach 1945 wurde die Strecke durch die innerdeutsche Grenze unterbrochen.
Der Abschnitt von Zarrentin bis zur Grenze wurde bis 1952 abgebaut.
Auf dem Abschnitt Hagenow Land–Zarrentin wurden Personen- und Güterverkehr zunächst bis zum 30. April 1969 fortgeführt.
Zur Sanierung des Oberbaus ruhte die Strecke danach bis zum 27. September 1975.
Danach war der Personenverkehr spärlich, wurde aber bis zur Jahrtausendwende aufrechterhalten.
Der regelmäßige Güterverkehr zwischen Zarrentin und Wittenburg endete am 31. Dezember 1994.
Am 28. Mai 2000 wurde der Schienenpersonennahverkehr auf dem Abschnitt Hagenow Land–Zarrentin endgültig eingestellt.
Nach großem Protest der Bevölkerung wurde der Personenverkehr zwischen Hagenow Land und Hagenow Stadt am 15. Dezember 2002 wieder aufgenommen.
Bobzin
Bobzin war ein Haltepunkt bei Kilometer 9,9 der Strecke.
In Bobzin entstand 1893 und 1894 ein Bahnhof an der neu verlegten Strecke von Hagenow Land nach Bad Oldesloe.
Der Ort liegt nordwestlich von Hagenow.
Die Bahnlinie wird zwischen Hagenow und Zarrentin im Personennahverkehr nicht mehr bedient.
Weitere Einzelheiten zum Bahnhof sind nicht belegt.
Wittenburg
Der Bahnhof Wittenburg liegt bei Kilometer 15,4 und wurde 1894 gebaut.
Das ein- und zweigeschossige verklinkerte Empfangsgebäude hat einen zweigeschossigen Mittelteil und zwei Flügelbauten.
Es steht mit einem Toilettenhaus und dem Wasserturm unter Denkmalschutz.
Nach 2000 nutzten verschiedene Dienstleister das Empfangsgebäude, 2021 stand es leer.
Ende der 1970er bis Anfang der 1980er Jahre war der Bahnhof ein wichtiges Transportziel für den Bau der Autobahn 24.
Im Herbst 2010 wurden hier und in Zarrentin rund 60 Ganzzüge mit Röhren für die Ostseepipeline auf Lastwagen umgeladen.
Die Stadt Wittenburg unterstützt die Wiederaufnahme des Personenverkehrs und plant einen zusätzlichen Halt an der Skihalle.




Bantin
Bantin war ein Haltepunkt bei Kilometer 23,5.
Der Ort ist ein Ortsteil der Stadt Zarrentin am Schaalsee.
In der Liste der Baudenkmale sind für Bantin drei Objekte aufgeführt, darunter der Bahnhof.
Weitere Einzelheiten zur Geschichte der Station sind nicht belegt.


Zarrentin
Der Bahnhof Zarrentin liegt bei Kilometer 27,5 und ist heute der Endpunkt der betriebenen Strecke.
Er ging am 1. Mai 1896 in Betrieb.
Nach 1945 war die Strecke westlich von Zarrentin durch die innerdeutsche Grenze unterbrochen.
Das verklinkerte Empfangsgebäude stammt aus der Eröffnungszeit und entstand als Typenbau mit örtlichen Anpassungen.
Es umfasst im Erdgeschoss etwa 100 und im Obergeschoss rund 65 Quadratmeter Nutzfläche.
Auffällig ist die geringe Dachneigung des Mittelbaus.
Ergänzt wurde das Ensemble um ein Toilettengebäude und ein Beamtenwohnhaus.
An der Ladestraße befand sich eine Laderampe mit Viehbuchten.
Empfangsgebäude, Toilettenhaus und Güterschuppen stehen unter Denkmalschutz.
Um 2003 befand sich in einem der Flügelbauten zeitweise die Gaststätte Stellwerk.
Der Eisenbahnverein Posten 12 führte im Bahnhofsgebäude ein Café und richtete 2013 zum zweiten Mal ein Bahnhofsfest aus.
Die Gebäude sollen mit EU-Förderung zu einem Mehrgenerationenhaus umgebaut werden.
Im Frühling 2021 erreichte nach vier Jahren Sperrung und Streckensanierung wieder ein Zug den Bahnhof.
Der Schaalsee-Express und die Zeit nach 2000
Im September 2004 übernahm der Planungsverband Transportgewerbegebiet Valluhn/Gallin die Strecke von der DB Netz.
Er wollte damit das Gewerbegebiet MEGA-Park an der Autobahn 24 im Schienengüterverkehr erreichen.
Seit dem 1. Juli 2007 führt die TME-Torsten Meincke Eisenbahn GmbH den Betrieb.
Zwischen 2008 und 2010 verkehrte in der Sommersaison der Schaalsee-Express mit zwei Uerdinger Schienenbussen und zwei Zugpaaren zwischen Hagenow Land und Zarrentin.
Eine Wiederaufnahme des Personenverkehrs zwischen Hagenow und Zarrentin war ab Dezember 2025 geplant.
Ob sie zustande kam, ist nicht belegt.
So sieht es jetzt aus
Zwischen Hagenow Land und Hagenow Stadt fährt regelmäßig ein Personenzug.
Der Abschnitt nordwestlich davon wird gelegentlich im Güterverkehr befahren, mit Schüttgütern, Holz oder Baustoffen.
Die Bahnhöfe Wittenburg und Zarrentin stehen unter Denkmalschutz.
Die Geschichte in Daten
5. Dezember 1889: Der Staatsvertrag zum Bau der Bahn wird unterzeichnet.
1. September 1894: Eröffnung Hagenow Land–Wittenburg.
1. Mai 1896: Eröffnung Wittenburg–Zarrentin.
15. August 1897: Eröffnung bis Bad Oldesloe, durchgehender Verkehr.
1952: Der Abschnitt Zarrentin–Grenze ist abgebaut.
30. April 1969: Ende des Personen- und Güterverkehrs, danach Sanierung.
27. September 1975: Ende der Stilllegung.
31. Dezember 1994: Der regelmäßige Güterverkehr Zarrentin–Wittenburg endet.
28. Mai 2000: Der Personenverkehr Hagenow Land–Zarrentin endet.
15. Dezember 2002: Personenverkehr Hagenow Land–Hagenow Stadt wieder aufgenommen.
September 2004: Der Planungsverband Valluhn/Gallin übernimmt die Strecke.
1. Juli 2007: Die TME-Torsten Meincke Eisenbahn führt den Betrieb.
2008 bis 2010: Schaalsee-Express in der Sommersaison.
Frühling 2021: Nach vier Jahren Sperrung erreicht wieder ein Zug Zarrentin.
Häufige Fragen
Warum heißt die Strecke Kaiserbahn?
Wann endete der Personenverkehr nach Zarrentin?
Fahren dort noch Züge?
Gibt es Pläne für eine Reaktivierung?
Stehen die Bahnhöfe unter Denkmalschutz?
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