Die stillen Halte der Friedländer Bahn: von Neubrandenburg bis Friedland

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die stillen Halte der Friedländer Bahn: von Neubrandenburg bis Friedland

Seit 1884 verbindet eine 26 Kilometer lange Nebenbahn Neubrandenburg mit Friedland. Der Personenverkehr endete 1994, heute fahren nur Güterzüge und gelegentlich Sonderzüge.

Der Bahnhof Friedland im Januar 2011.
Der Bahnhof Friedland im Januar 2011. Foto: Niteshift, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1884
Eröffnung der Strecke
1994
Personenverkehr endet
2002
Formelle Stilllegung
2023
Wieder Güterverkehr

Lage: zwischen Neubrandenburg und Friedland in Mecklenburg-Vorpommern, 26 Kilometer. Status: Der Personenverkehr endete am 14. Januar 1994, seit August 2023 fährt wieder Güterverkehr zum Landhandel in Friedland. Heute: Im Personenverkehr finden nur gelegentliche Sonderfahrten statt.

Die Bahnstrecke Neubrandenburg–Friedland ist eine 26 Kilometer lange Nebenbahn in Mecklenburg-Vorpommern.

Der Personenverkehr wurde am 14. Januar 1994 eingestellt, der Güterverkehr beschränkt sich seit 1995 auf den Abschnitt Neubrandenburg Vorstadt–Friedland.

Ab August 2023 findet wieder Güterverkehr zum Friedländer Landhandel statt.

Dieser Beitrag geht die Halte der Strecke der Reihe nach durch.

Der Bahnhof Neubrandenburg selbst ist in Betrieb und im Beitrag Ortstermin Neubrandenburg beschrieben.

Entstehung: die Neubrandenburg-Friedländer Eisenbahn

Die Neubrandenburg-Friedländer Eisenbahn-Aktiengesellschaft wurde am 21. Februar 1884 gegründet.

Ihr Zweck war der Bau einer Eisenbahnstrecke vom Bahnknotenpunkt Neubrandenburg nach Friedland, dem Sitz der Gesellschaft.

Friedland entwickelte sich zum Industriezentrum des kleinen Landes Mecklenburg-Strelitz.

Seit 1891/92 führten von dort zwei Strecken der Mecklenburg-Pommerschen Schmalspurbahn AG in nördlicher und östlicher Richtung nach Vorpommern weiter.

Die Bahn wurde von der Centralverwaltung für Secundairbahnen Herrmann Bachstein erbaut und am 5. November 1884 eröffnet.

Die Centralverwaltung übernahm auch die Betriebsführung und gehörte zu den Gründern, ebenso wie das Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz und die beiden Städte an den Endpunkten.

Seit 1895 war sie Alleinaktionär.

Die vor dem Ersten Weltkrieg angedachte Verlängerung bis Ducherow und eine Stichbahn nach Woldegk unterblieben, weil die geplante Strecke teilweise im Einzugsbereich der Schmalspurbahn gelegen hätte.

So sah es vorher aus: Rüben, Kartoffeln und drei Zugpaare

Die Güterbeförderung der meist landwirtschaftlichen Produkte blieb in den ersten Jahren des Betriebs bescheiden.

Erst mit der Eröffnung der Schmalspurbahn, dem Anschluss an eine Kartoffelstärkefabrik und vor allem an die Zuckerfabrik in Friedland stiegen die Beförderungsleistungen ab den 1890er Jahren stark an.

Nach 1918 stagnierte der Güterverkehr bis zum Ende der Weltwirtschaftskrise, ab den 1930er Jahren stieg er wieder.

Im Zweiten Weltkrieg erlangten auch Militärtransporte Bedeutung.

Der geringe Personenverkehr wies in aller Regel nur drei tägliche Zugpaare auf.

Seit etwa 1925 wurde er durch Omnibusse der zur Centralverwaltung gehörenden Kraftverkehrsgesellschaft Friedland ergänzt.

Nach der Besetzung Mecklenburgs durch die Rote Armee wurde die Bahngesellschaft enteignet und am 1. Januar 1947 der Hauptverwaltung der Eisenbahnen des Landes Mecklenburg unterstellt.

Die Aktiengesellschaft wurde 1948 im Handelsregister gelöscht.

Am 1. April 1949 übernahm die Deutsche Reichsbahn den Betrieb und führte ihn noch 45 Jahre weiter.

Das Ende: 14. Januar 1994

Der Personenverkehr, der zuletzt aus nur drei Zugpaaren am Tag bestand, wurde am 14. Januar 1994 eingestellt.

Das rund drei Kilometer lange Teilstück zwischen Neubrandenburg und Neubrandenburg Vorstadt wurde anschließend stillgelegt.

Es überquerte die Strecken nach Güstrow und Stralsund auf Brücken.

Das Überwerfungsbauwerk wies keine ausreichende Höhe für die Elektrifizierung der Strecke nach Stralsund auf.

Ein Streckenrest am westlichen Bahnhofskopf von Neubrandenburg dient noch heute als Ausziehgleis.

Auf Abschnitten der aufgegebenen Teilstrecke entstanden Geh- und Radwege.

Die Anbindung an das übrige Netz erfolgt seither über die städtische Industrieanschlussbahn Neubrandenburg.

Am 31. Dezember 2002 erfolgte die formelle Stilllegung der Strecke.

Sie wurde zunächst an die Ostmecklenburgische Eisenbahn GmbH verpachtet, die sie als Anschlussbahn weiter betrieb.

Nachdem diese 2004 den Pachtvertrag gekündigt hatte, wurde der Abschnitt von Neubrandenburg bis Trollenhagen an die Stadt Neubrandenburg verkauft und die Teilstrecke Trollenhagen–Friedland an die FLB Friedländer Bahn GmbH.

Neubrandenburg Vorstadt: der erste Halt

Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Neubrandenburg im Jahr 2013, Ausgangspunkt der Strecke.
Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Neubrandenburg im Jahr 2013, Ausgangspunkt der Strecke. Foto: Torsten Maue from Magdeburg, Deutschland, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Neubrandenburg Vorstadt liegt bei Kilometer 3,0 der Strecke.

Hier endete der Güterverkehr nach der Stilllegung des Anfangsstücks.

Im November 2014 begannen die Bauarbeiten für eine neue Verbindungskurve von der Industrieanschlussbahn zur Friedländer Strecke.

Sie ging im April 2016 in Betrieb, seitdem entfällt der Fahrtrichtungswechsel am Vorstadtbahnhof.

Der Anschluss des Betonwerks Praefa bleibt erhalten.

Der alte Streckenteil vom Vorstadtbahnhof bis zum Anschluss an die neue Verbindungskurve ist bereits zurückgebaut.

Ein Sonderzug der Eisenbahngesellschaft Potsdam in Neubrandenburg Vorstadt, 2014.
Ein Sonderzug der Eisenbahngesellschaft Potsdam in Neubrandenburg Vorstadt, 2014. Foto: Jan Pešula, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.

Neuenkirchen: Bushaltestelle statt Bahnsteig

Der Bahnhof Neuenkirchen lag bei Kilometer 9,8 der Strecke.

Der Personenverkehr wurde hier am 14. Januar 1994 eingestellt.

Am Ort befindet sich bis heute eine im Schienenersatzverkehr bediente Bushaltestelle.

Der nächste Bahnhof ist Sponholz-Warlin an der Strecke Neubrandenburg–Pasewalk.

Staven

Der Haltepunkt Staven lag bei Kilometer 14,0.

Auch hier wurde der Personenverkehr am 14. Januar 1994 eingestellt.

Der ehemalige Haltepunkt Staven im August 2011.
Der ehemalige Haltepunkt Staven im August 2011. Foto: Niteshift, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der frühere Haltepunkt Staven mit Bahnübergang, August 2011.
Der frühere Haltepunkt Staven mit Bahnübergang, August 2011. Foto: Niteshift, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Das Stationsschild am ehemaligen Haltepunkt Staven, August 2011.
Das Stationsschild am ehemaligen Haltepunkt Staven, August 2011. Foto: Niteshift, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Roggenhagen: Haltepunkt der Gemeinde Brunn

Der Haltepunkt Roggenhagen lag bei Kilometer 17,5 und gehört zur Gemeinde Brunn.

Der Personenverkehr endete am 14. Januar 1994.

Der nächste Bahnhof liegt in Altentreptow an der Strecke Neubrandenburg–Stralsund.

Der ehemalige Bahnhof Roggenhagen an der Strecke Neubrandenburg–Friedland, August 2011.
Der ehemalige Bahnhof Roggenhagen an der Strecke Neubrandenburg–Friedland, August 2011. Foto: Niteshift, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Das Wartehäuschen am ehemaligen Haltepunkt Roggenhagen, August 2011.
Das Wartehäuschen am ehemaligen Haltepunkt Roggenhagen, August 2011. Foto: Niteshift, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Das Wartehäuschen von Roggenhagen mit dem Gleis, August 2011.
Das Wartehäuschen von Roggenhagen mit dem Gleis, August 2011. Foto: Niteshift, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Pleetz: Haltepunkt der Gemeinde Datzetal

Der Haltepunkt Pleetz lag bei Kilometer 19,8 und gehört zur Gemeinde Datzetal.

Der Personenverkehr endete am 14. Januar 1994.

Der nächste Bahnhof befindet sich rund 15 Kilometer entfernt in Neubrandenburg.

Ein Sonderzug der Eisenbahngesellschaft Potsdam am Haltepunkt Pleetz, 2014.
Ein Sonderzug der Eisenbahngesellschaft Potsdam am Haltepunkt Pleetz, 2014. Foto: Jan Pešula, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.

Friedland: Endpunkt für Düngemittelzüge

In Friedland liegt der Endpunkt der Strecke bei Kilometer 25,6.

In der Gründerzeit entstanden dort mit der Bahnstrecke 1884 die Molkerei (1890) und die Zuckerfabrik (1891).

Der Bahnhof lag zugleich an der Mecklenburg-Pommerschen Schmalspurbahn.

Der Güterverkehr wurde bis Ende 2009 von der Ostseeland Verkehr GmbH bedarfsweise durchgeführt, seither von DB Cargo.

Es handelt sich vorwiegend um Düngemittel-Ganzzüge für den Landhandel in Friedland.

Im Frühjahr und Herbst können diese mehrmals wöchentlich verkehren, im Jahr werden 70.000 Tonnen transportiert (Stand 2024).

Eine längerfristige Planung sieht den Bau einer Verbindungskurve vor, sodass der Streckenteil hinter dem Anschluss des Landhandels einschließlich des Bahnhofs Friedland stillgelegt werden könnte.

Ein Sonderzug der Eisenbahngesellschaft Potsdam in Friedland, 2014.
Ein Sonderzug der Eisenbahngesellschaft Potsdam in Friedland, 2014. Foto: Jan Pešula, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.
Der Raiffeisenspeicher am Bahnhof Friedland, 2015.
Der Raiffeisenspeicher am Bahnhof Friedland, 2015. Foto: Oberlausitzerin64, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

So sieht es jetzt aus

Die Strecke wurde auf Initiative der Städte Friedland und Neubrandenburg sowie des Kreistages des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte saniert.

Die Betriebserlaubnis wurde jedoch zeitlich eingeschränkt.

Wegen des schlechten Streckenzustandes dauert die Fahrt über die Gesamtstrecke fast 70 Minuten.

Die öffentlich-rechtlichen Gesellschafter planen eine Streckensanierung für rund 8,7 Millionen Euro und wollen die Transportleistung danach auf bis zu 120.000 Tonnen steigern.

Im Personenverkehr finden nur noch gelegentliche Sonderfahrten von Eisenbahnvereinen statt.

Im Rahmen der Mobilitätsoffensive MV wird eine Reaktivierung des Personenverkehrs mit zweistündlichem Takt angestrebt.

Das Land ließ bis März 2025 das Fahrgastpotenzial ermitteln und prognostizierte 534 Personen an Werktagen.

Vorher und nachher

Bis 1994 fuhren hier drei Personenzugpaare am Tag zwischen Neubrandenburg und Friedland.

Heute fahren auf der Strecke Güterzüge und gelegentlich Sonderzüge, die Halte Neuenkirchen, Staven, Roggenhagen und Pleetz sind ohne Personenverkehr.

Die Geschichte in Daten

21. Februar 1884: Die Neubrandenburg-Friedländer Eisenbahn-Aktiengesellschaft wird gegründet.

5. November 1884: Die Strecke wird eröffnet.

1891/92: Zwei Strecken der Mecklenburg-Pommerschen Schmalspurbahn gehen in Friedland in Betrieb.

1. Januar 1947: Die Bahngesellschaft wird der Hauptverwaltung der Eisenbahnen des Landes Mecklenburg unterstellt.

1. April 1949: Die Deutsche Reichsbahn übernimmt den Betrieb.

14. Januar 1994: Der Personenverkehr wird eingestellt.

1995: Der Güterverkehr beschränkt sich auf den Abschnitt Neubrandenburg Vorstadt–Friedland.

31. Dezember 2002: Die Strecke wird formell stillgelegt.

2004: Die Strecke wird an die Stadt Neubrandenburg und die FLB Friedländer Bahn verkauft.

April 2016: Die neue Verbindungskurve geht in Betrieb.

August 2023: Es findet wieder Güterverkehr zum Friedländer Landhandel statt.

Häufige Fragen

Fährt noch ein Personenzug von Neubrandenburg nach Friedland?
Nein, der Personenverkehr wurde am 14. Januar 1994 eingestellt. Es finden nur gelegentliche Sonderfahrten von Eisenbahnvereinen statt.
Wird die Strecke noch genutzt?
Ja, seit August 2023 findet wieder Güterverkehr zum Friedländer Landhandel statt, vorwiegend mit Düngemittel-Ganzzügen.
Wem gehört die Strecke?
Der Abschnitt bis Trollenhagen gehört der Stadt Neubrandenburg, die Teilstrecke Trollenhagen–Friedland der FLB Friedländer Bahn GmbH.
Warum wurde der Anfang der Strecke stillgelegt?
Das Überwerfungsbauwerk in Neubrandenburg wies keine ausreichende Höhe für die Elektrifizierung der Strecke nach Stralsund auf.
Gibt es Pläne für neuen Personenverkehr?
Eine Reaktivierung mit zweistündlichem Takt wird angestrebt, das Land ließ dazu das Fahrgastpotenzial ermitteln.

Die Friedländer Bahn bleibt damit eine Strecke für den Güterverkehr, an der vier Halte ohne Personenzüge liegen.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnstrecke Neubrandenburg–Friedland · Wikipedia: Neuenkirchen (bei Neubrandenburg) · Wikipedia: Staven · Wikipedia: Brunn (Mecklenburg) · Wikipedia: Datzetal · Wikipedia: Friedland (Mecklenburg)

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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