Die stille Wohratalbahn: Halte zwischen Kirchhain und Gemünden
Die Wohratalbahn verband Kirchhain mit Gemünden an der Wohra. Seit 1972 fährt kein Reisezug mehr, und von den Halten blieben Gebäude, Brücken und ein Schlafwagenhotel.


Lage: Hessen, entlang der Wohra zwischen Kirchhain und Gemünden. Status: stillgelegt, Gleise abgebaut. Heute: Gemünden mit Restaurant und Schlafwagenhotel, Halsdorf als Wohnhaus.
Die Wohratalbahn war eine eingleisige Nebenbahn in Hessen.
Sie zweigte in Kirchhain von der Strecke Kassel–Frankfurt ab und folgte der Wohra bis nach Gemünden.
Dort schloss die Kellerwaldbahn an, die weiter nach Zimmersrode führte.
Der Personenverkehr auf der Wohratalbahn endete am 28. Mai 1972.
Der Güterverkehr lief noch bis Ende 1981, danach wurden die Gleise abgebaut.
Dieser Beitrag geht die Halte der Strecke einzeln durch, von Gemünden im Norden bis zur Haartmühle kurz vor Kirchhain.
Zu manchen Halten ist wenig überliefert, deshalb fallen einzelne Abschnitte kurz aus.
Frei verfügbare Aufnahmen aus der Betriebszeit gibt es nur vom Bahnhof Halsdorf, die übrigen Bilder entstanden nach der Stilllegung.
Wie die Wohratalbahn entstand
Die Vorgeschichte beginnt mit der Kellerwaldbahn von Zimmersrode nach Gemünden.
Mit dem Bau dieser Strecke wurde 1909 begonnen, in Betrieb ging sie am 2. Oktober 1911.
Die beiden Endbahnhöfe Zimmersrode und Gemünden erhielten jeweils einen Lokschuppen, Kohlebansen und einen Wasserbehälter für die Dampflokomotiven.
Eine Verlängerung nach Frankenberg an der Eder war geplant, scheiterte aber am Ausbruch des Ersten Weltkriegs.
Stattdessen wurde die Strecke in Gemünden entlang der Wohra nach Kirchhain weitergeführt.
Die Eröffnung dieses Abschnitts fällt in das Jahr 1914.
Damit gab es durchgehende Verbindungen von Zimmersrode bis Kirchhain und zurück.

Die Strecke diente außerdem als Umleitung, wenn die Hauptstrecke zwischen Zimmersrode und Kirchhain blockiert war.
Im Zweiten Weltkrieg wurde sie zeitweise zu einer wichtigen Ausweichstrecke, weil die Main-Weser-Bahn noch stärker unter Kriegshandlungen litt.
Im Winterfahrplan 1958/59 verkehrten werktags vier durchgehende Verbindungen von Zimmersrode über Gemünden nach Kirchhain und drei in umgekehrter Richtung.
Gemünden (Wohra): Schlafwagenhotel am Endpunkt
Der Bahnhof Gemünden war der Endpunkt der Kellerwaldbahn und ab 1914 der Übergang zur Wohratalbahn.
Sein Empfangsgebäude ist erhalten.
Es wird gastronomisch genutzt und ist ein Kulturdenkmal nach dem Hessischen Denkmalschutzgesetz.
Zum Restaurant gehört ein Eisenbahnschlafwagenhotel.


Am ehemaligen Bahnhof steht ein Mitropa-Schlafwagen.
Er wurde restauriert und zeigt innen eine Schlafkabine.
Daneben steht ein Schienenbus-Beiwagen.




Gemünden Süd: kaum etwas bekannt
Zu einem Halt Gemünden Süd liegen keine belegten Angaben vor.
Weder zur Lage noch zu Betrieb oder Gebäuden ist etwas Gesichertes überliefert.
Aus diesem Grund gibt es hier keine weiteren Aussagen.
Halsdorf: Bahnhof, Kornhaus und Anschluss zum Flugplatz
Der Bahnhof Halsdorf lag im heutigen Wohratal.
In den 1930er Jahren wurde hier eine Anschlussbahn zum Militärflugplatz Bracht eröffnet, die vom Bahnhof abzweigte.
Wegen dieser Verbindung wurde die Strecke im Krieg wiederholt von alliierten Flugzeugen beschossen.
Nach dem Krieg wurden der Flugplatz und sein Bahnanschluss geschlossen.

Zwischen der Bundesstraße 3 und dem Bahnhof stand ein Kornhaus der Raiffeisengenossenschaft.
Es diente dem An- und Verkauf von Getreide, Futter und Düngemitteln und besaß ein eigenes Anschlussgleis.
Wann das Kornhaus gebaut wurde, ist nicht überliefert.

Nach der Stilllegung der Strecke 1981 wurde das Bahnhofsgebäude zu einem Wohnhaus umgebaut.
Unmittelbar am Gebäude führt der Hessische Fernradweg R6 vorbei.
Rauschenberg: die Straße nach Burgholz
Bei Rauschenberg überquerte die Bahn die Straße nach Burgholz auf einer Brücke.
Das ehemalige Bahnhofsgebäude von Rauschenberg ist auf einem Foto von 2011 zu sehen.
Weitere belegte Einzelheiten zum Halt liegen nicht vor.

Ernsthausen-Wambach: ein kleiner Haltepunkt
Ernsthausen-Wambach war ein Haltepunkt und kein vollwertiger Bahnhof.
Er liegt etwa neun Kilometer vom Ausgangspunkt Kirchhain entfernt.
Der Halt wurde von einem Verein aus Ernsthausen hergerichtet und wird von ihm gepflegt.
Haartmühle: der erste Halt hinter Kirchhain
Die Haltestelle Haartmühle war der erste Halt in Fahrtrichtung Gemünden.
Unterhalb der Haartmühle führte die Trasse über eine Brücke über die Bundesstraße 62.
In einem Bogen erreichte die Bahn danach ihren Endpunkt Kirchhain.

In Kirchhain ist der Ausgangspunkt der Strecke noch zu erkennen.
Das Gleis 5 war bis 1972 das Abfahrgleis der Wohratalbahn und endet seit 1982 etwa 200 Meter weiter als Abstellgleis.

Das Ende der Strecke
Mit dem Wirtschaftswunder nahm die Bedeutung der Strecke im Personenverkehr stetig ab.
Am 1. Mai 1962 wurde der Sonn- und Feiertagsverkehr auf die Straße verlegt, die Reisenden fuhren nun in Linienbussen der DB.
Der übrige Personenverkehr wurde am 28. Mai 1972 eingestellt, weil die Fahrgastzahlen stark gesunken waren.
Der Güterverkehr endete im Dezember 1981, die Angaben zum genauen Tag gehen auseinander.
Zum 31. Dezember 1981 wurde die Strecke stillgelegt, ein Jahr später war sie abgebaut.
So sieht es jetzt aus
Einige Bahnhofsgebäude erinnern noch an die Strecke, ebenso wenige Brücken.
Mehrere der Gebäude befinden sich in Privateigentum.



Vorher und nachher: Halsdorf
Das Bahnhofsgebäude in Halsdorf zeigt den Weg der Strecke besonders deutlich.
Früher zweigte hier die Anschlussbahn zum Flugplatz Bracht ab.
Heute ist das Haus ein Wohngebäude, und am Haus führt der Radweg R6 vorbei.
Die Geschichte in Daten
1909: Beginn des Baus der Kellerwaldbahn von Zimmersrode nach Gemünden.
2. Oktober 1911: Inbetriebnahme der Kellerwaldbahn.
1. Mai 1914: Eröffnung der Wohratalbahn von Gemünden nach Kirchhain.
1930er Jahre: Anschlussbahn von Halsdorf zum Militärflugplatz Bracht.
1. Mai 1962: Sonn- und Feiertagsverkehr wird auf die Straße verlegt.
28. Mai 1972: Der Personenverkehr wird eingestellt.
Dezember 1981: Ende des Güterverkehrs, Stilllegung zum 31. Dezember.
1982: Die Gleise werden abgebaut.
Häufige Fragen
Wann fuhr der letzte Reisezug auf der Wohratalbahn?
Fahren auf der Strecke noch Züge?
Was ist aus dem Bahnhof Gemünden geworden?
Was geschah mit dem Bahnhof Halsdorf?
Wohin führte die Strecke hinter Gemünden?
Die Wohratalbahn blieb nur wenige Jahrzehnte im Betrieb, doch ihre Halte lassen sich an Gebäuden, Brücken und Radwegen noch ablesen.
Wikipedia: Bahnstrecke Kirchhain–Gemünden · Wikipedia: Bahnstrecke Zimmersrode–Gemünden · Wikipedia: Gemünden (Wohra) · Wikipedia: Halsdorf (Wohratal) · Wikipedia: Rauschenberg · Geocaching: Wohratalbahn (GC5CDF8) · Geocaching: Wohratalbahn (GC5B2GF) · Komoot: Haltepunkt Ernsthausen-Wambach · Wikimedia Commons: Category Wohratalbahn
Alle Fotos stammen von Wikimedia Commons und sind gemeinfrei oder stehen unter einer freien Creative-Commons-Lizenz. Urheber, Lizenz und Quelle stehen direkt am Bild.
