Die stille Wohratalbahn: Halte zwischen Kirchhain und Gemünden

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die stille Wohratalbahn: Halte zwischen Kirchhain und Gemünden

Die Wohratalbahn verband Kirchhain mit Gemünden an der Wohra. Seit 1972 fährt kein Reisezug mehr, und von den Halten blieben Gebäude, Brücken und ein Schlafwagenhotel.

VORHER · Vor der Stilllegung

Der Bahnhof Halsdorf, Westansicht, aus der Zeit vor der Streckenstilllegung.

Der Bahnhof Halsdorf, Westansicht, aus der Zeit vor der Streckenstilllegung. Foto: PhilipR1986, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
NACHHER · Heute

Das Bahnhofsgebäude wird heute als Wohnhaus genutzt.

Das Bahnhofsgebäude wird heute als Wohnhaus genutzt. Foto: PhilipR1986, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1914
Eröffnung bis Kirchhain
1972
Ende des Personenverkehrs
1981
Stilllegung
1982
Abbau der Gleise

Lage: Hessen, entlang der Wohra zwischen Kirchhain und Gemünden. Status: stillgelegt, Gleise abgebaut. Heute: Gemünden mit Restaurant und Schlafwagenhotel, Halsdorf als Wohnhaus.

Die Wohratalbahn war eine eingleisige Nebenbahn in Hessen.

Sie zweigte in Kirchhain von der Strecke Kassel–Frankfurt ab und folgte der Wohra bis nach Gemünden.

Dort schloss die Kellerwaldbahn an, die weiter nach Zimmersrode führte.

Der Personenverkehr auf der Wohratalbahn endete am 28. Mai 1972.

Der Güterverkehr lief noch bis Ende 1981, danach wurden die Gleise abgebaut.

Dieser Beitrag geht die Halte der Strecke einzeln durch, von Gemünden im Norden bis zur Haartmühle kurz vor Kirchhain.

Zu manchen Halten ist wenig überliefert, deshalb fallen einzelne Abschnitte kurz aus.

Frei verfügbare Aufnahmen aus der Betriebszeit gibt es nur vom Bahnhof Halsdorf, die übrigen Bilder entstanden nach der Stilllegung.

Wie die Wohratalbahn entstand

Die Vorgeschichte beginnt mit der Kellerwaldbahn von Zimmersrode nach Gemünden.

Mit dem Bau dieser Strecke wurde 1909 begonnen, in Betrieb ging sie am 2. Oktober 1911.

Die beiden Endbahnhöfe Zimmersrode und Gemünden erhielten jeweils einen Lokschuppen, Kohlebansen und einen Wasserbehälter für die Dampflokomotiven.

Eine Verlängerung nach Frankenberg an der Eder war geplant, scheiterte aber am Ausbruch des Ersten Weltkriegs.

Stattdessen wurde die Strecke in Gemünden entlang der Wohra nach Kirchhain weitergeführt.

Die Eröffnung dieses Abschnitts fällt in das Jahr 1914.

Damit gab es durchgehende Verbindungen von Zimmersrode bis Kirchhain und zurück.

Karte der Verläufe von Wohratal- und Kellerwaldbahn mit den nie gebauten Erweiterungen.
Karte der Verläufe von Wohratal- und Kellerwaldbahn mit den nie gebauten Erweiterungen. Foto: MyName ( Presse03, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Die Strecke diente außerdem als Umleitung, wenn die Hauptstrecke zwischen Zimmersrode und Kirchhain blockiert war.

Im Zweiten Weltkrieg wurde sie zeitweise zu einer wichtigen Ausweichstrecke, weil die Main-Weser-Bahn noch stärker unter Kriegshandlungen litt.

Im Winterfahrplan 1958/59 verkehrten werktags vier durchgehende Verbindungen von Zimmersrode über Gemünden nach Kirchhain und drei in umgekehrter Richtung.

Gemünden (Wohra): Schlafwagenhotel am Endpunkt

Der Bahnhof Gemünden war der Endpunkt der Kellerwaldbahn und ab 1914 der Übergang zur Wohratalbahn.

Sein Empfangsgebäude ist erhalten.

Es wird gastronomisch genutzt und ist ein Kulturdenkmal nach dem Hessischen Denkmalschutzgesetz.

Zum Restaurant gehört ein Eisenbahnschlafwagenhotel.

Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Gemünden, 2011.
Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Gemünden, 2011. Foto: Presse03, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Das ehemalige Gleisfeld des Bahnhofs Gemünden, 2011.
Das ehemalige Gleisfeld des Bahnhofs Gemünden, 2011. Foto: MyName ( Presse03, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Am ehemaligen Bahnhof steht ein Mitropa-Schlafwagen.

Er wurde restauriert und zeigt innen eine Schlafkabine.

Daneben steht ein Schienenbus-Beiwagen.

Mitropa-Schlafwagen am ehemaligen Bahnhof Gemünden, 2011.
Mitropa-Schlafwagen am ehemaligen Bahnhof Gemünden, 2011. Foto: MyName ( Presse03, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Blick in den restaurierten Mitropa-Schlafwagen, 2011.
Blick in den restaurierten Mitropa-Schlafwagen, 2011. Foto: MyName ( Presse03, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Ein Schienenbus-Beiwagen am früheren Bahnhof, 2011.
Ein Schienenbus-Beiwagen am früheren Bahnhof, 2011. Foto: MyName ( Presse03, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der ehemalige Bahnhof Gemünden von der Straßenseite, 2011.
Der ehemalige Bahnhof Gemünden von der Straßenseite, 2011. Foto: MyName ( Presse03, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Gemünden Süd: kaum etwas bekannt

Zu einem Halt Gemünden Süd liegen keine belegten Angaben vor.

Weder zur Lage noch zu Betrieb oder Gebäuden ist etwas Gesichertes überliefert.

Aus diesem Grund gibt es hier keine weiteren Aussagen.

Halsdorf: Bahnhof, Kornhaus und Anschluss zum Flugplatz

Der Bahnhof Halsdorf lag im heutigen Wohratal.

In den 1930er Jahren wurde hier eine Anschlussbahn zum Militärflugplatz Bracht eröffnet, die vom Bahnhof abzweigte.

Wegen dieser Verbindung wurde die Strecke im Krieg wiederholt von alliierten Flugzeugen beschossen.

Nach dem Krieg wurden der Flugplatz und sein Bahnanschluss geschlossen.

Reste der Anschlussbahn von Halsdorf zum Flugplatz Bracht: ein Feldwegdurchlass bei Kilometer 2,8, der 1985 gesprengt wurde.
Reste der Anschlussbahn von Halsdorf zum Flugplatz Bracht: ein Feldwegdurchlass bei Kilometer 2,8, der 1985 gesprengt wurde. Foto: Presse03, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Zwischen der Bundesstraße 3 und dem Bahnhof stand ein Kornhaus der Raiffeisengenossenschaft.

Es diente dem An- und Verkauf von Getreide, Futter und Düngemitteln und besaß ein eigenes Anschlussgleis.

Wann das Kornhaus gebaut wurde, ist nicht überliefert.

Der Bahnhof Halsdorf aus der Zeit vor der Streckenstilllegung.
Der Bahnhof Halsdorf aus der Zeit vor der Streckenstilllegung. Foto: PhilipR1986, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Nach der Stilllegung der Strecke 1981 wurde das Bahnhofsgebäude zu einem Wohnhaus umgebaut.

Unmittelbar am Gebäude führt der Hessische Fernradweg R6 vorbei.

Rauschenberg: die Straße nach Burgholz

Bei Rauschenberg überquerte die Bahn die Straße nach Burgholz auf einer Brücke.

Das ehemalige Bahnhofsgebäude von Rauschenberg ist auf einem Foto von 2011 zu sehen.

Weitere belegte Einzelheiten zum Halt liegen nicht vor.

Der ehemalige Bahnhof Rauschenberg, 2011.
Der ehemalige Bahnhof Rauschenberg, 2011. Foto: MyName ( Presse03, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Ernsthausen-Wambach: ein kleiner Haltepunkt

Ernsthausen-Wambach war ein Haltepunkt und kein vollwertiger Bahnhof.

Er liegt etwa neun Kilometer vom Ausgangspunkt Kirchhain entfernt.

Der Halt wurde von einem Verein aus Ernsthausen hergerichtet und wird von ihm gepflegt.

Haartmühle: der erste Halt hinter Kirchhain

Die Haltestelle Haartmühle war der erste Halt in Fahrtrichtung Gemünden.

Unterhalb der Haartmühle führte die Trasse über eine Brücke über die Bundesstraße 62.

In einem Bogen erreichte die Bahn danach ihren Endpunkt Kirchhain.

Eine Überführung über die L 3073 westlich von Kirchhain, 2011.
Eine Überführung über die L 3073 westlich von Kirchhain, 2011. Foto: MyName ( Presse03, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

In Kirchhain ist der Ausgangspunkt der Strecke noch zu erkennen.

Das Gleis 5 war bis 1972 das Abfahrgleis der Wohratalbahn und endet seit 1982 etwa 200 Meter weiter als Abstellgleis.

Bahnhof Kirchhain, 2011: Das linke Gleis 5 war bis 1972 Abfahrgleis der Wohratalbahn.
Bahnhof Kirchhain, 2011: Das linke Gleis 5 war bis 1972 Abfahrgleis der Wohratalbahn. Foto: MyName ( Presse03, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Das Ende der Strecke

Mit dem Wirtschaftswunder nahm die Bedeutung der Strecke im Personenverkehr stetig ab.

Am 1. Mai 1962 wurde der Sonn- und Feiertagsverkehr auf die Straße verlegt, die Reisenden fuhren nun in Linienbussen der DB.

Der übrige Personenverkehr wurde am 28. Mai 1972 eingestellt, weil die Fahrgastzahlen stark gesunken waren.

Der Güterverkehr endete im Dezember 1981, die Angaben zum genauen Tag gehen auseinander.

Zum 31. Dezember 1981 wurde die Strecke stillgelegt, ein Jahr später war sie abgebaut.

So sieht es jetzt aus

Einige Bahnhofsgebäude erinnern noch an die Strecke, ebenso wenige Brücken.

Mehrere der Gebäude befinden sich in Privateigentum.

Der ehemalige Bahnhof Wohra, 2011.
Der ehemalige Bahnhof Wohra, 2011. Foto: MyName ( Presse03, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Überführung über die L 3087 bei Wohra, 2011.
Überführung über die L 3087 bei Wohra, 2011. Foto: MyName ( Presse03, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Bachüberführung der Wohratalbahn in Wohra, 2011.
Bachüberführung der Wohratalbahn in Wohra, 2011. Foto: MyName ( Presse03, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Vorher und nachher: Halsdorf

Das Bahnhofsgebäude in Halsdorf zeigt den Weg der Strecke besonders deutlich.

Früher zweigte hier die Anschlussbahn zum Flugplatz Bracht ab.

Heute ist das Haus ein Wohngebäude, und am Haus führt der Radweg R6 vorbei.

Die Geschichte in Daten

1909: Beginn des Baus der Kellerwaldbahn von Zimmersrode nach Gemünden.

2. Oktober 1911: Inbetriebnahme der Kellerwaldbahn.

1. Mai 1914: Eröffnung der Wohratalbahn von Gemünden nach Kirchhain.

1930er Jahre: Anschlussbahn von Halsdorf zum Militärflugplatz Bracht.

1. Mai 1962: Sonn- und Feiertagsverkehr wird auf die Straße verlegt.

28. Mai 1972: Der Personenverkehr wird eingestellt.

Dezember 1981: Ende des Güterverkehrs, Stilllegung zum 31. Dezember.

1982: Die Gleise werden abgebaut.

Häufige Fragen

Wann fuhr der letzte Reisezug auf der Wohratalbahn?
Der Personenverkehr wurde am 28. Mai 1972 eingestellt.
Fahren auf der Strecke noch Züge?
Nein. Die Strecke wurde zum 31. Dezember 1981 stillgelegt und ein Jahr später abgebaut.
Was ist aus dem Bahnhof Gemünden geworden?
Das Empfangsgebäude wird gastronomisch genutzt und ist ein Kulturdenkmal, dazu gibt es ein Eisenbahnschlafwagenhotel.
Was geschah mit dem Bahnhof Halsdorf?
Das Gebäude wurde nach der Stilllegung zu einem Wohnhaus umgebaut.
Wohin führte die Strecke hinter Gemünden?
Dort schloss die Kellerwaldbahn an, die über Gilserberg und Jesberg nach Zimmersrode führte.

Die Wohratalbahn blieb nur wenige Jahrzehnte im Betrieb, doch ihre Halte lassen sich an Gebäuden, Brücken und Radwegen noch ablesen.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnstrecke Kirchhain–Gemünden · Wikipedia: Bahnstrecke Zimmersrode–Gemünden · Wikipedia: Gemünden (Wohra) · Wikipedia: Halsdorf (Wohratal) · Wikipedia: Rauschenberg · Geocaching: Wohratalbahn (GC5CDF8) · Geocaching: Wohratalbahn (GC5B2GF) · Komoot: Haltepunkt Ernsthausen-Wambach · Wikimedia Commons: Category Wohratalbahn

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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