Die Ohratalbahn: stille Halte zwischen Gotha und Gräfenroda
Seit Dezember 2011 fährt auf der Ohratalbahn kein Personenzug mehr. Ein Streifzug durch Ohrdruf, Georgenthal, Petriroda, Luisenthal, Crawinkel, Frankenhain und Gräfenroda Ort.


Lage: Von Gotha nach Gräfenroda am Nordrand des Thüringer Waldes, 36 Kilometer. Status: Kein planmäßiger Personenverkehr seit Dezember 2011, Güterverkehr durch ZossenRail, Abschnitt Emleben–Gräfenroda seit 2020 stillgelegt. Heute: Die Trasse ist nicht entwidmet, für Gotha–Ohrdruf liegt eine Betriebsgenehmigung vor.
Die Ohratalbahn führt von Gotha nach Gräfenroda am Nordrand des Thüringer Waldes, und seit Dezember 2011 fährt auf ihr kein Personenzug mehr.
Dieser Beitrag geht die Halte zwischen Ohrdruf und Gräfenroda Ort der Reihe nach durch.
Die Strecke ist nicht tot: Für den Abschnitt Gotha–Ohrdruf wurde im Juli 2025 eine Betriebsgenehmigung erteilt, der Abschnitt Emleben–Gräfenroda dagegen ist seit 2020 stillgelegt, aber nicht entwidmet.
Freie Fotos aus der Zeit vor 1989 gibt es nicht, ältere Bilder fehlen daher in diesem Beitrag.
So kam die Bahn in den Wald
Am 8. Mai 1876 wurde der erste Abschnitt von Gotha bis Ohrdruf eröffnet.
Die Ohrdrufer wünschten sich einen Bahnanschluss, und der Herzog von Sachsen-Coburg-Gotha wollte alle Amtsstädte seines Herzogtums bequem erreichen.
Eigentümer war zunächst die Gotha-Ohrdrufer Eisenbahn-Gesellschaft, deren Hauptaktionäre die Domänenverwaltung des Herzogtums und die Stadt Ohrdruf waren.
Den Betrieb führte bis 1882 die Thüringische Eisenbahn-Gesellschaft, danach die Preußische Staatsbahn, die zum 1. April 1889 auch Eigentümerin wurde.
Herzog Ernst II. hätte die Bahn gern bis zum Erholungsort Elgersburg geführt, doch die Kosten waren zu hoch.
Elgersburg erhielt seinen Anschluss schließlich über die Strecke Plaue–Themar.
Als 1883 die Strecke Erfurt–Schweinfurt fertig wurde, wollten die Ohrdrufer auch zu dieser Seite hin einen Anschluss.
Weil die ganze Gegend zu Sachsen-Coburg und Gotha gehörte, blieben langwierige Verhandlungen zwischen mehreren Staaten erspart.
Am 1. November 1892 wurde die zweite Hälfte von Ohrdruf nach Gräfenroda eröffnet.
Der Name Ohratalbahn ist streng genommen ungenau, denn die Strecke verläuft nur zwischen Ohrdruf und Luisenthal neben der Ohra.
So sah es vorher aus: Schienenbusse und neue Gleise
Ab den 1970er-Jahren fuhren Schienenbusse auf der Strecke, die im Volksmund wegen ihrer roten Lackierung Blutblasen hießen.
Nach 1990 wurde geprüft, ob die Strecke stillgelegt werden soll.
Der Abschnitt Crawinkel–Gräfenroda war wegen abgängigen Oberbaus seit dem 29. Juni 1998 gesperrt.
Mit Landesmitteln von etwa 10 bis 11 Millionen Euro wurde er von Grund auf saniert und am 15. Dezember 2002 wieder in Betrieb genommen.
Die Zugkreuzungen fanden danach abwechselnd in Ohrdruf und in Georgenthal statt.
Bis 2011 kamen fast ausschließlich Triebwagen der Baureihe 641 zum Einsatz.


Das Ende des Personenverkehrs
Im Oktober 2010 teilte das Thüringer Verkehrsministerium mit, dass der Betrieb ab dem folgenden Jahr nicht mehr neu ausgeschrieben wird.
Die Interessengemeinschaft Ohratalbahn kämpfte seitdem für den Erhalt des Personenverkehrs.
Hauptkritikpunkt des Landesverkehrsministeriums war der bestehende Busparallelverkehr.
Im April 2011 forderte der Kreistag des Landkreises Gotha ein zweijähriges Moratorium, um höhere Fahrgastzahlen nachzuweisen.
Beschlossen wurde dennoch die Einstellung zum Dezember 2011.
Begründet wurde das mit dem Rückgang von 700 Reisenden täglich im Jahr 2004 auf 450 täglich im Jahr 2010.
Die frei werdenden 3,5 Millionen Euro sollten anderweitig im öffentlichen Nahverkehr eingesetzt werden.
Die letzte Fahrt fand am 10. Dezember 2011 statt.
Ohrdruf
Ohrdruf bekam 1876 seinen Bahnanschluss und war seitdem der betriebliche Mittelpunkt der Ohratalbahn.
Fast 100 Jahre lang wurden am Bahnhof Truppen und Material für den großen Militärübungsplatz verladen.
Bis 2013 fand dort noch gelegentlich Holzverladung statt.
Güterwagen für das Lager des Otto-Versands im Gewerbegebiet wurden bis 2007 sporadisch zugestellt.
Auf dem rund zwei Kilometer langen Industriestammgleis findet kein Verkehr statt, und eine Kesselwagenentladestation für Flüssiggas wurde zurückgebaut.

Die Interessengemeinschaft sah in neuen Haltepunkten im Gewerbegebiet Ohrdruf und am Tobiashammer weiteres Fahrgastpotenzial.
Heute laufen Planungen für eine Holzverladung am Bahnhof und für die Reaktivierung der Anschlussgleise ins Gewerbegebiet an der Herrenhofer Landstraße.


Georgenthal
Georgenthal war lange ein Eisenbahnknoten.
Hier zweigten nach Nordwesten die Friedrichrodaer Bahn und nach Südwesten die Strecke nach Tambach-Dietharz ab.
Die Strecke nach Tambach-Dietharz, auch Hirzbergbahn genannt, wurde am 19. Dezember 1892 eröffnet.
Der Personenverkehr endete dort am 1. September 1969, der Güterverkehr Ende 1995, und die letzten Wagen wurden am 27. Dezember 1995 in Tambach-Dietharz abgeholt.
Der Weiterbau der Friedrichrodaer Bahn von Friedrichroda nach Georgenthal wurde am 1. November 1896 eröffnet, am 2. November 1947 aber als Reparationsleistung für die Sowjetunion wieder stillgelegt und abgebaut.
Die 1895 gebauten Bahnsteige des Bahnhofs sind überdacht, und ein Bahnsteigtunnel verbindet sie.


Im Dezember 1993 gründete sich die Interessengemeinschaft Hirzbergbahn Georgenthal-Tambach, die auf der Strecke einen Museumsbetrieb einrichten wollte.
Der Museumsbetrieb sollte nur noch zwischen Georgenthal und Georgenthal-Ort stattfinden, der Rest der Strecke wurde entwidmet, dort ist ein Radweg entstanden.
Im Zweiten Weltkrieg mussten über 100 Frauen und Männer in Georgenthal Zwangsarbeit leisten, unter anderem in der Bahnmeisterei.
Petriroda
Petriroda liegt am nördlichen Fuß des Thüringer Waldes und hat einen Haltepunkt an der Ohratalbahn.
Die Strecke führt von Emleben über Petriroda nach Georgenthal.
Weitere belegte Einzelheiten zu diesem Halt sind nicht bekannt.

Luisenthal
Hinter Ohrdruf folgt die Strecke der Ohra bis Luisenthal und erreicht damit den Thüringer Wald.
Dort ändert sie ihre Richtung nach Osten und überquert die Ohra.
Luisenthal ist ein Haltepunkt, von seinem Stationsgebäude war 2009 nur noch eine Ruine zu sehen.


Crawinkel
Die Bahn erreichte Crawinkel 1892.
Hinter dem Ort liegt der Scheitelpunkt der Strecke.
Nach der Sanierung fuhren die Züge zunächst bis Crawinkel öfter als weiter nach Gräfenroda.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs stand der Salonwagen von Compiègne, in dem 1918 und 1940 Waffenstillstände unterzeichnet worden waren, in der Nähe des Bahnhofs.
Er wurde 1945 zerstört, die Angaben zu Zeitpunkt und Hergang gehen auseinander.
Ein Gedenkzeichen in der Gemeinde erinnert daran.
Frankenhain
Hinter Frankenhain fällt die Strecke stark ins Tal der Wilden Gera ab.
Am 11. November 2005 wurde in Frankenhain ein neuer, barrierefreier Haltepunkt eingeweiht, der etwas näher am Ort liegt.
Er ersetzte den alten, dessen Bahnsteigkante und weitere Anlagen erneuerungsbedürftig waren.
Die Kosten betrugen etwa 265.000 Euro, das Land steuerte 195.000 Euro Fördermittel bei.
Sechs Jahre später endete auch hier der Personenverkehr.

Gräfenroda Ort
Zum Abbau der Höhe führt ein 320-Grad-Bogen um das Gräfenrodaer Kirchholz, danach folgt eine weitere Kurve von 300 Grad, bevor der Talgrund mit dem Haltepunkt Gräfenroda Ort erreicht wird.
Von dort sind es noch etwa zwei Kilometer bis zum Bahnhof Gräfenroda an der Strecke Neudietendorf–Ritschenhausen, in den die Ohratalbahn einmündet.
Der Bahnhof Gräfenroda selbst wurde 2006 mit seinen Hauptgleisen und dem Stumpfgleis der Ohratalbahn barrierefrei umgebaut und wird weiterhin im Personenverkehr bedient.
Zur Dampflokzeit setzte man dort Schiebelokomotiven für den 20-Promille-Anstieg auf den Thüringer Wald an.

So sieht es jetzt aus
Zum 18. September 2013 übernahm die ZossenRail Betriebsgesellschaft die Betriebsführung, Anfang März 2017 ging die gesamte Strecke samt Gebäuden in ihren Besitz über.
Wichtigster Anschließer ist ein Tanklager in Emleben, das mit Kesselwagenganzzügen bedient wird.
Am 4. März 2020 wurde der Abschnitt Emleben–Gräfenroda stillgelegt, entwidmet wurde er nicht.
Ende 2023 wurde der ZossenRail eine Unternehmensgenehmigung erteilt, im April 2025 fand eine Kontrollfahrt statt.
Im Juli 2025 folgte die Betriebsgenehmigung für die Teilstrecke Gotha–Ohrdruf.
Am 9. und 10. Mai 2026 fuhren aus Anlass von 150 Jahren Gotha–Ohrdruf Sonderzüge der IG Hirzbergbahn, dazu gab es ein Bahnhofsfest in Ohrdruf.
Seit 2014 fahren außerdem Ende Oktober an einem Wochenende Sonderfahrten zwischen Gotha und Emleben, die der Hirzbergbahn e. V. zur Modellbahnausstellung im Emlebener Bürgerhaus veranstaltet.
Vorher und nachher in Crawinkel


Die Geschichte in Daten
8. Mai 1876: Der Abschnitt Gotha–Ohrdruf wird eröffnet.
1. April 1889: Der preußische Staat wird Eigentümer der Strecke.
1. November 1892: Der Abschnitt Ohrdruf–Gräfenroda wird eröffnet.
29. Juni 1998: Der Abschnitt Crawinkel–Gräfenroda wird gesperrt.
15. Dezember 2002: Der Abschnitt Crawinkel–Gräfenroda wird wieder in Betrieb genommen.
11. November 2005: In Frankenhain wird ein neuer Haltepunkt eingeweiht.
10. Dezember 2011: Letzte Personenfahrt auf der Ohratalbahn.
18. September 2013: ZossenRail übernimmt die Betriebsführung.
4. März 2020: Der Abschnitt Emleben–Gräfenroda wird stillgelegt.
Juli 2025: Betriebsgenehmigung für die Teilstrecke Gotha–Ohrdruf.
Häufige Fragen
Fährt auf der Ohratalbahn noch ein Zug?
Wann wurde der Abschnitt Emleben–Gräfenroda stillgelegt?
Gibt es Pläne für eine Reaktivierung?
Warum hieß die Strecke Ohratalbahn?
Was ist mit der Strecke nach Tambach-Dietharz?
Wie sich die Ohratalbahn weiterentwickelt, hängt von den Genehmigungen für Gotha–Ohrdruf ab, den Rest der Strecke gibt es zwar noch, doch es fährt dort kein planmäßiger Zug.
Wikipedia: Bahnstrecke Gotha–Gräfenroda · Wikipedia: Bahnstrecke Georgenthal–Tambach-Dietharz · Wikipedia: Bahnstrecke Fröttstädt–Georgenthal · Wikipedia: Georgenthal · Wikipedia: Crawinkel · Wikipedia: Ohrdruf · Wikipedia: Petriroda · Wikipedia: Gräfenroda · Komoot: Emleben Train Station
Alle Fotos stammen von Wikimedia Commons und sind gemeinfrei oder stehen unter einer freien Creative-Commons-Lizenz. Urheber, Lizenz und Quelle stehen direkt am Bild.
