Das Rottenburger Bockerl: Die stillen Halte der Pfettrachtalbahn

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Das Rottenburger Bockerl: Die stillen Halte der Pfettrachtalbahn

Die Lokalbahn von Landshut nach Rottenburg an der Laaber fuhr ab 1900 durch Hopfen- und Getreideland. Seit 1974 gibt es keinen Personenverkehr mehr, und der Museumsbetrieb ruht seit Dezember 2017.

Das Bahnhofsgebäude Pfettrach im Jahr 2012.
Das Bahnhofsgebäude Pfettrach im Jahr 2012. Foto: Blutsauger666, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1900
Eröffnung der Lokalbahn
1974
Letzter Personenzug
1998
Letzter Zug auf der ganzen Strecke
2017
Museumsbetrieb eingestellt

Lage: Landkreis Landshut, Niederbayern. Status: Personenverkehr seit 1974 eingestellt, Gleise zwischen Unterneuhausen und Rottenburg abgebaut, Museumsbetrieb zwischen Landshut und Unterneuhausen seit Dezember 2017 eingestellt. Heute: Der erhaltene Abschnitt von Landshut bis Pfettrach dient zum Abstellen von Güterwagen.

Die Bahnstrecke von Landshut nach Rottenburg an der Laaber heißt auch Pfettrachtalbahn, die Anwohner nannten sie das Rottenburger Bockerl.

Sie wurde im November 1900 eröffnet und war eine typische bayerische Lokalbahn.

Am 25. Mai 1974 endete der Personenverkehr, danach übernahmen Busse.

Der Güterverkehr lief noch bis in die 1990er Jahre weiter.

Zwischen Unterneuhausen und Rottenburg wurden die Gleise später abgebaut.

Auf dem Rest zwischen Landshut und Unterneuhausen fuhren von 2011 bis 2017 Museumszüge, seit Dezember 2017 ruht auch dieser Betrieb.

Dieser Beitrag geht die Halte der Reihe nach durch: Altdorf, Pfettrach, Weihmichl, Neuhausen, Pfeffenhausen, Oberhatzkofen und Rottenburg.

Freie historische Fotos aus der Betriebszeit stehen nicht zur Verfügung, die Bilder zeigen deshalb nur den Zustand der letzten Jahre.

Wie das Bockerl entstand

Streckenskizze Landshut-Rottenburg mit den Orten entlang der Linie.
Streckenskizze Landshut-Rottenburg mit den Orten entlang der Linie. Foto: Vuxi, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Schon 1867 und 1878 wurde untersucht, ob sich Landshut und Ingolstadt mit einer Bahn verbinden lassen, auch aus militärischen Gründen.

Das Ergebnis war, dass für einen Durchgangsverkehr kein allgemeines Bedürfnis bestand.

Im Jahr 1890 bat der Landshuter Stadtmagistrat um die Konzession, eine Bahn nach Pfeffenhausen zu planen, dazu eine weitere von Pfeffenhausen nach Eggmühl.

Im September 1891 legte die Münchner Lokalbahn AG ihren Bericht vor.

Er sah eine 20,09 Kilometer lange Strecke nach Pfeffenhausen vor, mit Baukosten von 1.250.000 Mark.

Die Staatsregierung hielt schließlich eine Lokalbahn von Landshut nach Pfeffenhausen mit Fortsetzung bis Rottenburg für am zweckmäßigsten.

Am 17. Juni 1896 genehmigte das Lokalbahngesetz das Projekt.

Man versprach sich davon vor allem Vorteile für die Landwirtschaft, für Getreide und Viehzucht ebenso wie für den Hopfenanbau in der Hallertau.

Den Grund für den Bahnbau übereignete man dem Staat kostenlos.

Beim Bau arbeiteten, wie damals üblich, viele italienische Arbeiter mit.

Die größten Steigungen lagen bei Arth mit 20 Promille, an der Wasserscheide zwischen Pfettrach und Laber mit 23 Promille und am Höhenrücken von Pfeffenhausen Richtung Rottenburg mit 25 Promille.

Zwischen Landshut und Pfeffenhausen wählte man eine Trasse, die fast einen Kilometer kürzer war als zuerst vorgesehen.

Dadurch waren nur noch etwa 170.000 Kubikmeter Erde zu bewegen.

Die Gesamtkosten betrugen am Ende 1.377.763 Mark, davon trug der Staat 1.210.499 Mark.

Die erste Probefahrt fand am 29. Oktober 1900 hinter einer Lokomotive der Gattung D VII statt.

Am 3. November 1900 wurde die Strecke mit vier Sonderzügen festlich eröffnet.

So sah es vorher aus: der Betrieb bis 1974

Das Bockerl fuhr an Getreide- und Hopfenfeldern, Bauernhöfen und Mühlen vorbei.

Viele Züge waren Güterzüge mit Personenbeförderung, und die Rangieraufenthalte auf den Bahnhöfen machten die Reisezeiten lang.

Der Personenverkehr war von Besuchern der Wochen-, Vieh- und Jahrmärkte geprägt.

Reine Güterzüge waren anfangs selten.

Bis 1930 bewältigten zwei Lokomotiven der Gattung D XI den Betrieb, zeitweise half eine D VII aus.

Der Oberbau erlaubte nur 30 Kilometer pro Stunde, an Wegübergängen durfte der Zug nur mit 15 Kilometern pro Stunde fahren, an einigen sogar nur mit 10.

Im Sommer 1921 verkehrten in jeder Richtung drei Züge.

Der Abendzug brauchte 99 Minuten für die Strecke, das ergab eine Reisegeschwindigkeit von 16,7 Kilometern pro Stunde.

Berüchtigt war der Zornhofer Berg.

Im Herbst durch Laub und im Winter durch Schnee blieb das Bockerl dort bei stark besetzten Zügen gelegentlich hängen und musste mit weniger Wagen neu anlaufen.

Zum Fahrplanwechsel 1955 verschwanden die Dampflokomotiven weitgehend, nur für den Schülerverkehr wurde noch eine vorgespannt.

Es kamen Uerdinger Schienenbusse zum Einsatz, die Wagenzüge zogen später Loks der Baureihe 64 und dann V 100.

Eine historische Dampflok der Baureihe 41, aufgenommen 2014 bei Pfettrach.
Eine historische Dampflok der Baureihe 41, aufgenommen 2014 bei Pfettrach. Foto: Sascha Forster, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.

Das Ende des Personenverkehrs

Trotz aller Bemühungen verlagerte sich der Verkehr immer mehr auf die Straße.

Zum Fahrplanwechsel am 25. Mai 1974 wurde der Reisezugverkehr eingestellt und auf Bahnbusse umgestellt.

Der letzte Zug war der Schienenbus 798 669-8, besetzt mit Mitgliedern des Modelleisenbahn-Clubs Landshut.

Die Rottenburger Stadtkapelle spielte zum Abschied das Lied „Ich hatt‘ einen Kameraden“.

Um 20:45 Uhr fuhr der Triebwagen zurück nach Landshut.

Bahnanlagen, die der Güterverkehr nicht mehr brauchte, verschwanden.

Den geringen Güterverkehr hielten später Fahrzeuge der Baureihe 260 aufrecht.

Altdorf

Altdorf liegt als erster Halt hinter Landshut, der Bahnhof lag bei Kilometer 3,0.

Der Markt Altdorf war damit an die Strecke angeschlossen.

Mit der weitgehenden Stilllegung verlor Altdorf diesen Bahnanschluss.

Der nächste Bahnhof ist heute der Landshuter Hauptbahnhof.

Das erhaltene Gleis wird gelegentlich als Abstellgleis für Güterwagen genutzt.

Zum Aussehen und Verbleib des Bahnhofsgebäudes in Altdorf ist nichts Näheres belegt.

Pfettrach

Der Bahnhof Pfettrach liegt bei Kilometer 6,5 und ist der bekannteste erhaltene Halt der Strecke.

Das Gebäude steht als „Alter Bahnhof Pfettrach mit Nebengebäuden“ in der Denkmalliste, Adresse ist der Wiesenweg 1.

Bahnhofsgebäude und Nebengebäude sind in Sichtziegelbauweise auf einem Stampfbetonsockel errichtet, die Liste nennt das Jahr 1900.

Der Hauptbau ist ein zweigeschossiger Pavillon mit Zeltdach.

Im Erdgeschoss lagen Warte- und Schalterhalle, im Obergeschoss die ehemalige Dienstwohnung.

Südlich schließt eine eingeschossige Wiegehalle an, ein verschalter Holzständerbau mit Satteldach.

Dazu gehört ein Nebengebäude mit flachem Walmdach für Toiletten, Waschküche und Holzlager.

Bis Pfettrach ist die Strecke von Landshut aus noch intakt und wird zum Abstellen von Güterzügen verwendet.

Nördlich von Pfettrach liegen die beiden Brücken, deren Oberbaumängel 2017 den Museumsbetrieb beendeten.

Zwischen Pfettrach und Weihmichl lag bei Kilometer 7,7 außerdem der Haltepunkt Arth, dessen Wartehäuschen im Februar 1975 abgebrochen wurde.

Weihmichl

Der Bahnhof Weihmichl lag bei Kilometer 10,2.

Das Stationsgebäude wurde im September 1974 abgebrochen, also nur wenige Monate nach dem letzten Personenzug.

Damit gehört Weihmichl zu den Halten, von denen kein Empfangsgebäude mehr zeugt.

Die Gemeinde Weihmichl liegt an der Strecke, sie umfasst auch Unterneuhausen, wo das erhaltene Gleis endet.

Neuhausen

Neuhausen, im Zusammenhang mit der Strecke meist Unterneuhausen genannt, liegt bei Kilometer 14,2.

Der Bahnhof war ein Kopfbahnhof und ist der Endpunkt des erhaltenen, 14,2 Kilometer langen Abschnitts von Landshut.

Hier fuhren die Museumszüge bis 2017 hin.

Am 4. Juni 2011 verkehrte erstmals wieder ein Zug auf der Strecke.

An diesem und dem folgenden Tag pendelte ein Dampfsonderzug mehrmals zwischen Landshut und Neuhausen.

Ab 2012 gab es an einigen Sonntagen im Jahr regelmäßigen touristischen Verkehr mit Diesel- oder Dampftraktion.

Von Unterneuhausen bis Rottenburg wurden die Gleise und Schwellen 2002 und 2003 aus dem Gleisbett entfernt.

Pfeffenhausen

Pfeffenhausen war das erste große Ziel der Planer: Schon die Anfrage von 1890 galt einer Bahn dorthin.

Der Bahnhof lag bei Kilometer 20,2.

Zwischen Pfeffenhausen und Rottenburg liegt der Höhenrücken mit der steilsten Rampe der Strecke von 25 Promille.

Die Strecke ist im Gemeindegebiet inzwischen abgebaut.

Das Bahnhofsgebäude in Pfeffenhausen ist noch bewohnt.

Den Nahverkehr zwischen Rottenburg und Landshut übernahm die Buslinie 6234.

Oberhatzkofen

Oberhatzkofen gehört heute zu Rottenburg an der Laaber und besaß einen Haltepunkt bei Kilometer 24,3.

Ein weiterer Haltepunkt, Niederhatzkofen, folgte bei Kilometer 25,3.

Beide sind außer Betrieb, die Gleise sind in diesem Abschnitt entfernt.

Zu Gebäuden oder Anlagen am Haltepunkt Oberhatzkofen ist nichts weiter belegt.

Das Empfangsgebäude in Rottenburg, ein Klinkerbau von 1901, Aufnahme von 2012.
Das Empfangsgebäude in Rottenburg, ein Klinkerbau von 1901, Aufnahme von 2012. Foto: H. Helmlechner, Mainburg, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Rottenburg an der Laaber

Der Endbahnhof Rottenburg lag bei Kilometer 27,5 und war ein Kopfbahnhof.

Er wurde 1,1 Kilometer vom Markt entfernt angelegt, weil der Ort 20 Meter höher lag als die Gleise.

Das Empfangsgebäude an der Max-von-Müller-Straße 33 ist ein zweigeschossiger Klinkerbau mit abgewalmtem Dach und stehenden Gauben.

Die Denkmalliste nennt das Jahr 1901.

Am 31. Januar 1982 wurden Fahrkartenausgabe und Gepäckabfertigung geschlossen.

Der Güterverkehr lief mit Rangierfahrten weiter, zuletzt nur noch bei Bedarf.

Am 27. September 1998 verkehrte bei einer Abschiedsfahrt mit der Dampflokomotive 41 1150 der letzte Zug auf der gesamten Strecke.

Zwischen Neuhausen und Rottenburg wurde die Strecke am 15. Oktober 1999 stillgelegt.

Das Empfangsgebäude in Rottenburg an der Laaber im Jahr 2017.
Das Empfangsgebäude in Rottenburg an der Laaber im Jahr 2017. Foto: Vizinal, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

So sieht es jetzt aus

1990 gründete sich die Interessengemeinschaft Rottenburger Bockerl, die 1994 in Dampfzugfreunde Landshut-Rottenburg umbenannt wurde.

Seit dem 15. September 2000 pachtet der Verein den verbliebenen Abschnitt vom Eigentümer DB Netz.

Er betrieb den Museumsverkehr in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Eisenbahnmuseum über die BayernBahn.

Die nötige Konzession kam 2005, der Betriebsstart verschob sich mehrfach.

Wegen Oberbaumängeln an zwei Brücken nördlich von Pfettrach ist der Betrieb seit Dezember 2017 eingestellt.

Die BayernBahn will ihn wieder aufnehmen, doch die dafür nötige Summe in mittlerer sechsstelliger Höhe war bisher nicht aufzubringen.

Der Abschnitt von Landshut bis Pfettrach ist weiterhin intakt und dient als Abstellplatz für Güterzüge.

Wer sich die Halte ansehen will, bleibt auf öffentlichen Wegen, denn die Gleisanlagen gehören DB Netz und sind verpachtet.

Weihmichl und Arth haben ihre Gebäude verloren, Pfettrach und Rottenburg stehen unter Denkmalschutz, in Pfeffenhausen wohnt jemand im ehemaligen Bahnhof.

Die Geschichte in Daten

1890: Der Landshuter Stadtmagistrat bittet um die Konzession für eine Bahn nach Pfeffenhausen.

17. Juni 1896: Das Lokalbahngesetz genehmigt die Strecke Landshut-Rottenburg.

3. November 1900: Festliche Eröffnung mit vier Sonderzügen.

1901: Das Empfangsgebäude in Rottenburg entsteht laut Denkmalliste.

1955: Dampflokomotiven verschwinden weitgehend, Schienenbusse kommen.

25. Mai 1974: Der Personenverkehr endet.

September 1974: Das Stationsgebäude Weihmichl wird abgebrochen.

31. Januar 1982: Fahrkartenausgabe und Gepäckabfertigung in Rottenburg schließen.

27. September 1998: Abschiedsfahrt mit der 41 1150, letzter Zug auf der gesamten Strecke.

15. Oktober 1999: Stilllegung zwischen Neuhausen und Rottenburg.

2002 und 2003: Gleise und Schwellen ab Unterneuhausen werden entfernt.

4. Juni 2011: Erstmals wieder ein Zug auf der Strecke.

Dezember 2017: Der Museumsbetrieb wird eingestellt.

Häufige Fragen

Fährt auf der Strecke noch ein Zug?
Von 2011 bis 2017 fuhren Museumszüge zwischen Landshut und Unterneuhausen, seit Dezember 2017 ist der Betrieb wegen Oberbaumängeln an zwei Brücken nördlich von Pfettrach eingestellt.
Wann fuhr der letzte Personenzug?
Am 25. Mai 1974 endete der Personenverkehr, der letzte Zug war ein Schienenbus.
Welche Bahnhofsgebäude stehen noch?
Pfettrach und Rottenburg stehen in der Denkmalliste, das Gebäude in Pfeffenhausen ist bewohnt, das Stationsgebäude Weihmichl wurde 1974 abgebrochen.
Warum liegt der Bahnhof Rottenburg abseits vom Ort?
Er wurde 1,1 Kilometer vom Markt entfernt gebaut, weil der Ort 20 Meter über den Gleisen liegt.
Wie hieß die Bahn im Volksmund?
Die Anwohner nannten sie Rottenburger Bockerl, der Streckenname ist Pfettrachtalbahn.

Von der Pfettrachtalbahn sind ein Bahnhof mit Denkmalschutz, ein Endbahnhof in Klinkerbauweise und ein gut 14 Kilometer langer Gleisrest geblieben.

Ob dort wieder Züge fahren, hängt von der Sanierung der beiden Brücken ab.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnstrecke Landshut-Rottenburg · Wikipedia: Pfettrach (Altdorf) · Wikipedia: Pfeffenhausen · Wikipedia: Altdorf (Niederbayern) · Wikipedia: Weihmichl · Wikipedia: Unterneuhausen · Wikipedia: Liste der Baudenkmäler in Altdorf (Niederbayern) · Wikipedia: Liste der Baudenkmäler in Rottenburg an der Laaber · Wikimedia Commons: Bilder

Alle Fotos stammen von Wikimedia Commons und sind gemeinfrei oder stehen unter einer freien Creative-Commons-Lizenz. Urheber, Lizenz und Quelle stehen direkt am Bild.

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

Zeige alle Beiträge von BahnSlam →