Die Donnersbergbahn: Die Strecke, die ein gesprengtes Viadukt zerschnitt
Hinter Kirchheimbolanden endet die Donnersbergbahn im Nichts. Dieser Beitrag führt durch den stillen Abschnitt bis Marnheim, zu Parkplatz, Betriebsbahnhof und Brückenrest.


Lage: Donnersbergkreis, Rheinland-Pfalz. Status: Alzey–Kirchheimbolanden in Betrieb, der Abschnitt bis Marnheim ist abgebaut. Heute: Brückenrest als Denkmal, alter Bahnhof Kirchheimbolanden mit Parkplatz, Morschheim als Betriebsbahnhof.
Die Donnersbergbahn führt heute von Mainz über Alzey nach Kirchheimbolanden und endet dort an einem Haltepunkt am nördlichen Stadtrand.
Dahinter ist sie unterbrochen: Seit der Sprengung des Pfrimmtalviadukts im März 1945 gibt es keine Verbindung mehr nach Marnheim.
Dieser Beitrag behandelt die stillen Halte dieses Abschnitts: den alten Bahnhof Kirchheimbolanden, den Betriebsbahnhof Morschheim und den Bahnhof Marnheim.
Aktive Halte wie Alzey oder der heutige Haltepunkt Kirchheimbolanden bleiben außen vor.
Von Marnheim und vom Viadukt gibt es freie Aufnahmen, auch alte, vom alten Bahnhof Kirchheimbolanden nur neuere, von Morschheim keine.
Wie die Donnersbergbahn entstand
Erste Pläne für eine Bahn im Einzugsgebiet des Donnersbergs reichen bis in die 1840er Jahre zurück.
Sie sollte Teil einer Fernmagistrale von Mainz über Saarbrücken nach Frankreich werden.
Der Bau verzögerte sich zunächst, weil das Geld fehlte und weil das Eisenbahnnetz Rheinhessens nach dem Deutschen Krieg unter preußischen Einfluss geraten war.
Außerdem überschritt die Strecke die Grenze zur damals bayerischen Pfalz, was einen Staatsvertrag erforderte.
Strittig war auch, ob der Staat die Finanzierung übernehmen sollte oder private Geldgeber.
Nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870 und 1871 wuchs das Interesse des Militärs an sogenannten strategischen Bahnlinien, und der Bau wurde beschlossen.
Der Abschnitt von Alzey bis Kirchheimbolanden ging im Januar 1874 in Betrieb.
Die Verlängerung nach Marnheim folgte ein halbes Jahr später, am 18. Juli 1874.
In der Folgezeit entwickelte sich die Strecke zu einer Direktverbindung zwischen Kaiserslautern und Mainz.
Den Namen bekam sie, weil der Donnersberg auf der ganzen Strecke in Sichtweite bleibt.
Die Strecke ist eingleisig, doch viele Durchlässe und Brücken zeigen, dass ein zweites Gleis erwogen wurde, das nie gebaut wurde.
Der Pfrimmtalviadukt: Das große Bauwerk der Strecke
Das größte Kunstbauwerk der Donnersbergbahn war der Pfrimmtalviadukt bei Marnheim.
Er entstand zwischen 1872 und 1874 und führte die Strecke vom Hungerberg über das Tal der Pfrimm hinweg zur Zellertalbahn.
Der Viadukt war rund 260 Meter lang und etwa 30 Meter hoch.
Den Anfang bildete eine rund 40 Meter lange, dreibogige Brücke aus Mauerwerk.
Daran schloss sich eine rund 220 Meter lange Fachwerkbrücke an, deren vier Überbauten aus Eisen auf drei eisernen Gerüstpfeilern ruhten.
Die Eisenkonstruktionen stammten von der Firma Gebrüder Benkiser aus Pforzheim.
Die Pfeiler standen auf Pfahlgründungen.
Am steinernen Teil sind die römischen Jahreszahlen 1872 und 1874 als Inschriften zu lesen.

So sah es vorher aus: Marnheim als Knotenpunkt
Der Bahnhof Marnheim war schon vor der Donnersbergbahn da: Er wurde am 23. Oktober 1872 als Endbahnhof der Zellertalbahn von Monsheim eröffnet.
Am 31. Mai 1873 folgte die Freigabe bis Langmeil.
Mit der Donnersbergbahn kam 1874 die dritte Strecke hinzu.
Das schnell wachsende Verkehrsaufkommen machte bald ein neues Empfangsgebäude nötig, das 1880 eingeweiht wurde.
Nachdem die Pfälzische Nordbahn von Neustadt nach Monsheim am 20. Juli 1873 eröffnet worden war, fuhren direkte Züge von Marnheim bis Neustadt.
Bis in die 1970er Jahre gab es zudem einen Arbeiterzug von Ludwigshafen über Frankenthal, Freinsheim, Grünstadt und Monsheim nach Marnheim.

Verwaltet wurde der Bahnhof ab 1922 von der neu gegründeten Reichsbahndirektion Ludwigshafen.
Zum 1. April 1937 wechselte er mit deren Auflösung zur Reichsbahndirektion Mainz.
1961 erhielt er ein Drucktastenstellwerk.
1971 kam er im Zuge der Auflösung der Mainzer Direktion zur Bundesbahndirektion Frankfurt am Main.
Der 20. März 1945: Die Sprengung
Am 20. März 1945, kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs, wurde der Pfrimmtalviadukt gesprengt.
Nach der Überlieferung geschah das um drei Uhr morgens, ausgeführt von sich zurückziehenden Truppen der Wehrmacht.
Die Verbindung von Kirchheimbolanden nach Marnheim und weiter in Richtung Mainz war damit unterbrochen.
Marnheim verlor seine Bedeutung als Umsteigepunkt.
Nach dem Krieg gab es Bestrebungen, den Viadukt wieder zu errichten, doch sie scheiterten an den Kosten.
Auch eine Neutrassierung ohne Viadukt wurde erwogen, bei der Marnheim umfahren und die Orte Weierhof und Bolanden berührt worden wären.
Diese Variante hätte weniger als die Hälfte eines Wiederaufbaus gekostet, wurde aber trotzdem verworfen.
Die Bahn stellte den Verkehr auf Busse um.
Die eisernen Überbauten und Pfeiler wurden verschrottet, die gemauerten Teile blieben stehen.

Für den unterbrochenen Abschnitt fuhr zunächst ein Bus zwischen Marnheim und Kirchheimbolanden.
Auf Wunsch der beiden Orte wurde die Linie bis Alzey verlängert.
Auf dem verbliebenen Reststück sank die Fahrgastzahl durch diesen Parallelverkehr deutlich.
Deshalb endete am 20. Mai 1951 der Personenverkehr zwischen Alzey und Kirchheimbolanden.
1955 wurde die Strecke von einer Hauptbahn zur Nebenbahn herabgestuft, am 2. Oktober 1955 begann der vereinfachte Nebenbahndienst.
Der Güterverkehr lief noch Jahrzehnte weiter.
Die Angaben zu seinem Ende gehen auseinander: Genannt werden der 1. Januar 1995 und der 1. Januar 1999.
Am 1. Februar 1997 wurde die Gesamtstrecke stillgelegt.
Kirchheimbolanden alt: Ein Bahnhof wird zum Parkplatz
Der Bahnhof Kirchheimbolanden lag bei Streckenkilometer 19,6.
Er wurde im Januar 1874 zunächst als Kopfbahnhof eröffnet.
Schon ein halbes Jahr später verlängerte man die Strecke nach Marnheim, und er wurde zum Durchgangsbahnhof.
Nach der Sprengung des Viadukts 1945 war er Endbahnhof, bis 1999.
Das Empfangsgebäude liegt am Rand der Altstadt.
Es ist ein spätklassizistischer Putzbau, eines von mehreren baugleichen Gebäuden in der Pfalz, prägt das Straßenbild und steht unter Denkmalschutz.
Im Gebäude befindet sich ein Café.
Der Platz davor und das frühere Gleisfeld werden als Parkplatz genutzt.

Als die Strecke 1999 für Reisezüge reaktiviert wurde, ließ sich der alte Bahnhof nicht mehr anfahren, weil die Trasse inzwischen überbaut war.
Die Stadt bekam stattdessen einen neuen Haltepunkt nördlich des Siedlungsgebiets, der in den ersten Jahren nur provisorisch hergerichtet war.
2006 entstand vor dem Empfangsgebäude der Parkplatz eines neuen Einkaufszentrums.
Der neue Endpunkt liegt rund 800 Meter weiter nördlich am Schlossgarten, weiter vom Stadtzentrum entfernt.
Der etwa zehn Meter hohe Bahndamm zwischen dem neuen Haltepunkt und dem alten Bahnhof besteht noch, ist aber überwachsen und trägt keine Schienen mehr.

Morschheim: Der Bahnhof ohne Ort
Der Bahnhof Morschheim wurde im Januar 1874 mit dem ersten Teilstück der Donnersbergbahn eröffnet.
Er liegt weit von der gleichnamigen Ortschaft entfernt.
Deshalb wurde er nach der Wiederinbetriebnahme im Personenverkehr 1999 nicht reaktiviert, die Fahrgastfrequenz wäre zu gering gewesen.
Er dient seither nur noch als Betriebsbahnhof und ist die einzige Stelle der Strecke, an der Züge einander kreuzen oder überholen können.
Im Planbetrieb wird das nicht genutzt.
Zeitweise nutzte der Betreiber Rhenus Veniro das Nebengleis, um zwei Regio-Shuttles abzustellen und zu betanken.
Früher hatte der Bahnhof Bedeutung für den Güterverkehr, unter anderem mit einer Verladeanlage für Zuckerrüben.
Eine Müllsortieranlage des Betreibers Veolia war bis 1995 der letzte Güterkunde an der Donnersbergbahn.
Im April 2019 brannte diese Anlage bei einem Großbrand vollständig aus, der Schaden belief sich auf 4 Millionen Euro, und das Unternehmen gab den Standort auf.
Rund um den Bahnhof liegt ein kleiner Weiler, der nach ihm benannt ist und teils zu Morschheim, teils zu Ilbesheim gehört.
Ein wesentlicher Teil seiner Gebäude waren ehemalige Betriebsgebäude des Bahnhofs oder Wirtschaftsbetriebe.
Marnheim: Ein Bahnhof ohne Züge
Der Bahnhof Marnheim liegt am südlichen Ortsrand und ist größtenteils von landwirtschaftlich genutzten Flächen umgeben.
Er hat drei Bahnsteiggleise.
Die Landesstraße 449 unterquert das nördliche Bahnhofsareal.
Die Donnersbergbahn verlief östlich der Zellertalbahn und stieg stetig an, um das Zellertal einen Kilometer weiter nördlich auf dem Viadukt zu überbrücken.
Das Empfangsgebäude von 1880 ist ein dreiteiliger historistischer Putzbau mit einem dreigeschossigen Mittelbau und zweigeschossigen Seitenflügeln.
Es steht seit 1993 unter Denkmalschutz.
Auf der Zellertalbahn endete der Personenverkehr 1983.
Von 2001 bis 2017 fuhren im Sommerhalbjahr sonntags Ausflugszüge.
Im September 2017 wurde dieser Verkehr wegen Mängeln an der Strecke eingestellt.
Eine Reaktivierung im Rheinland-Pfalz-Takt war ursprünglich für Ende 2014 vorgesehen, wurde aber nicht umgesetzt.
Der Güterverkehr auf der Zellertalbahn kam Mitte der 1990er Jahre zum Erliegen und war zuletzt nur noch bis Göllheim-Dreisen gefahren.
So sieht es jetzt aus: Der Viadukt als Denkmal
Vom Pfrimmtalviadukt ist der nördliche Steinbogenteil erhalten.
Er steht am nordöstlichen Ortsrand von Marnheim und bildet das „Tor zum Zellertal“.
Der Rest ist etwa 40 Meter breit, hat drei Bögen und steht unter Denkmalschutz.
Darunter führt heute ein Rad- und Fußweg hindurch.
Seit der nördlich anschließende Bahndamm bei der Verlegung der Bundesstraße 47 abgetragen wurde, steht der Brückenrest rundum frei.
Der Teil, den früher die Dammschüttung bedeckte, ist an der gröberen Oberfläche des Mauerwerks zu erkennen.
Etwa 240 Meter südsüdöstlich steht außerdem der Steinpfeilerrest des südlichen Widerlagers.





1840er: Erste Pläne für eine Bahn am Donnersberg.
1872: Die Zellertalbahn erreicht Marnheim.
Januar 1874: Eröffnung von Alzey bis Kirchheimbolanden.
18. Juli 1874: Eröffnung bis Marnheim.
1880: Neues Empfangsgebäude in Marnheim.
20. März 1945: Der Pfrimmtalviadukt wird gesprengt.
20. Mai 1951: Personenverkehr zwischen Alzey und Kirchheimbolanden endet.
1. Februar 1997: Die Gesamtstrecke wird stillgelegt.
29. Mai 1999: Reisezüge fahren wieder, bis zum neuen Haltepunkt Kirchheimbolanden.
2006: Parkplatz eines Einkaufszentrums vor dem alten Bahnhof Kirchheimbolanden.
2017: Die Sonntagszüge der Zellertalbahn nach Marnheim enden.
Wo endet die Donnersbergbahn heute?
Wann wurde der Pfrimmtalviadukt gesprengt?
Warum wurde die Brücke nie wieder aufgebaut?
Hält in Morschheim ein Zug?
Ist vom Viadukt noch etwas zu sehen?
Steht der alte Bahnhof Kirchheimbolanden noch?
Die Donnersbergbahn ist ein Beispiel dafür, wie eine einzige zerstörte Brücke eine Strecke dauerhaft teilen kann.
Auf der einen Seite fahren wieder Züge bis Mainz, auf der anderen blieben ein Bahnhof, ein Mauerrest und eine Trasse zurück.
Wikipedia: Bahnstrecke Alzey–Marnheim · Wikipedia: Bahnhof Kirchheimbolanden · Wikipedia: Bahnhof Marnheim · Wikipedia: Bahnhof Morschheim · Wikipedia: Pfrimmtalviadukt · Die Rheinpfalz: Der Stolz des kleinen Marnheim: Das Pfrimmtalviadukt
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