Die stillen Halte der Wismar-Karower Eisenbahn: 13 Stationen zwischen Ostsee und Seenplatte
Die Wismar-Karower Eisenbahn bediente seit 1887 fünf Städte, der Personenverkehr endete 1996 und 1998. Der Beitrag geht die Halte von Warkstorf bis Damerow der Reihe nach durch.

Lage: Westen Mecklenburg-Vorpommerns, etwa 70 Kilometer lang. Status: ohne Personenverkehr, Güterverkehr zwischen Blankenberg und Dabel. Heute: zwischen Borkow und Damerow Draisinenbetrieb.
Die Wismar-Karower Eisenbahn ist eine etwa 70 Kilometer lange Nebenbahn im Westen Mecklenburg-Vorpommerns.
Sie ist nicht elektrifiziert und teilweise stillgelegt oder zurückgebaut.
Der Personenverkehr endete 1996 zwischen Sternberg und Karow und 1998 zwischen Wismar und Sternberg.
Zwischen Blankenberg und Dabel fahren weiterhin Güterzüge, zwischen Borkow und Damerow Draisinen.
Dieser Beitrag behandelt die dreizehn Halte, die heute keinen regulären Personenverkehr mehr haben.
Freie historische Fotos aus der Betriebszeit sind für diese Strecke nicht vorhanden, die Bilder zeigen die Stationen nach dem Ende des Personenverkehrs.
Wie die Strecke entstand
Die Wismar-Karower Eisenbahngesellschaft erhielt am 22. Dezember 1886 die Konzession für eine Sekundärbahn von Wismar nach Karow.
Das Aktienkapital betrug 1,777 Millionen Mark.
Die Städte Wismar, Warin, Brüel, Sternberg und Güstrow übernahmen davon 0,748 Millionen Mark, das Unternehmen Lenz & Co. in Stettin 1,029 Millionen Mark.
Am 14. November 1887 wurde die Strecke eröffnet.
In Blankenberg kreuzte sie die Friedrich-Franz-Eisenbahn niveaufrei.
Für die Nutzung des Abschnitts Wismar–Hornstorf war eine Betriebspacht an die Wismar-Rostocker Eisenbahn-Gesellschaft zu zahlen.
Am 1. September 1890 wurde die Bahn verstaatlicht, dabei wurden vier Lokomotiven übernommen.
So sah es vorher aus: eine Bahn für fünf Städte
Die Strecke hatte vor allem lokale Bedeutung.
Mit Neukloster, Warin, Brüel, Sternberg und Goldberg band sie gleich fünf Städte an.
Eine direkte Verbindung zu den Oberzentren Rostock und Schwerin bot sie nicht, ebenso wenig nach Güstrow und Parchim.
Bis zum Ersten Weltkrieg fuhren die Züge über Karow weiter nach Pritzwalk.
Danach ging die Bedeutung dieser Verbindung zugunsten der Strecke aus Güstrow zurück.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Strecke von der Deutschen Reichsbahn betrieben.
Das Ende des Personenverkehrs und die Stilllegungen
Der Personenverkehr zwischen Sternberg und Karow endete am 1. Juni 1996.
Zwischen Wismar und Sternberg wurde er am 28. Mai 1998 eingestellt.
Über den Zeitpunkt der förmlichen Stilllegung des Abschnitts zwischen Hornstorf und Blankenberg gehen die Angaben auseinander, genannt werden 1998 und 1999.
Der Abschnitt zwischen Hornstorf und Neukloster wurde wegen des Baus der Autobahn A 20 teilweise abgebaut.
Das Mittelstück zwischen Dabel und dem Damerower Forst wurde im Jahr 2000 stillgelegt.
Auf dem Reststück zwischen Damerower Forst und Karow blieb eine Zeitlang noch Verkehr zu einem Bundeswehrstandort.
Auch dieser Abschnitt wurde im Jahr 2003 stillgelegt.
Warkstorf
Warkstorf war ein Haltepunkt bei Kilometer 3,7, nur wenige Kilometer hinter dem Abzweig Hornstorf.
Die Anlage ist stillgelegt.
Weitere Einzelheiten zu Bau und Betrieb sind nicht belegt.
Neukloster
In Neukloster lag ein Bahnhof bei Kilometer 10,7.
Der Ort erhielt 1887 mit der Strecke Anschluss an das regionale Bahnnetz.
Am Bahnhof zweigte eine Anschlussbahn zu einem Kieswerk ab.
Die Strecke durch Neukloster wurde in den späten 1990er Jahren stillgelegt und im Zuge des Baus der Autobahn A 20 zurückgebaut.
Die nächsten Bahnhöfe liegen heute in Hornstorf und in Blankenberg.
Zwischen Neukloster und Warin lag noch der Haltepunkt Neumühler Forst bei Kilometer 14,1, ebenfalls stillgelegt.
Warin
Warin erhielt 1887 einen Bahnanschluss an die Strecke Wismar–Karow.
Der Bahnhof lag bei Kilometer 18,3.
1998 wurde dort der Personenverkehr eingestellt.
Am Bahnhofsvorplatz stand ein Denkmal für Ernst Lübbert, dessen Figur 1943 infolge des Zweiten Weltkriegs entfernt wurde.
Der nächste Bahnhof liegt in Blankenberg, vier Kilometer südlich der Stadt.

Brüel
Brüel war ein Bahnhof bei Kilometer 25,7.
Die Stadt gehörte zu den Gesellschaftern der Bahn und hatte sich am Aktienkapital beteiligt.
1998 wurde hier der Personenverkehr eingestellt.
Der Bahnhof liegt auf einem Hügel nordwestlich des Baches im Verwaltungszentrum der Stadt.
Das Empfangsgebäude ist ein Kulturdenkmal.
Der Abschnitt zwischen Blankenberg und Dabel, zu dem auch Brüel gehört, wird bis heute für den Güterverkehr genutzt.


Weitendorf
Weitendorf bei Brüel war ein Haltepunkt bei Kilometer 29,5.
Der Ort liegt im tief eingeschnittenen Urstromtal der Warnow, in die hier der Brüeler Bach mündet.
Der Bahnhof Weitendorf wird nicht mehr bedient.
Als das Sternberger Bahnhofsgebäude 2008 eingeweiht wurde, bot die Prignitzer Eisenbahn Sonderfahrten von Sternberg in Richtung Weitendorf an.

Sternberg
Sternberg erhielt 1887 mit der Strecke einen Bahnhof, er liegt bei Kilometer 33,9.
Der Personenverkehr in Richtung Karow endete 1996, in Richtung Wismar 1998.
Die Stadt hatte sich am Aktienkapital der Bahn beteiligt.
2007 wurde der Abschnitt Blankenberg–Dabel an die Firma ecoMotion in Sternberg verkauft.
Der Bahnhof Sternberg wurde wieder errichtet, mit einer Biodieselverladeanlage.
Seit dem 20. August 2007 wird die Strecke für den Transport von Biodiesel genutzt, zunächst bedarfsweise.
Seit dem 8. April 2008 fährt der Zug regelmäßig einmal wöchentlich nach Hamburg.
Die Firma übernahm auch das Sternberger Bahnhofsgebäude und sanierte es originalgetreu.
Am 9. Juli 2008 weihte Ministerpräsident Harald Ringstorff das Haus ein, das seitdem als Haus der Vereine genutzt wird.


Dabel
Dabel war ein Bahnhof bei Kilometer 40,7.
Seit dem 2. Dezember 1996 wurde er als Anschlussstelle geführt, seit August 2007 ist er ein unbesetzter Bahnhof.
Durch den Ort führt die seit 1996 nicht mehr im Personenverkehr bediente Strecke.
Im Sommer 2011 wurden von Blankenberg bis Dabel Stahlröhren für den Bau der NEL-Pipeline in Ganzzügen angeliefert.
Gelegentlich fahren Züge mit Düngemitteln bis Dabel.
Das Verkehrsministerium des Landes ließ bis März 2025 das Fahrgastpotenzial ermitteln.
Für eine Verbindung Blankenberg–Sternberg–Dabel ergab sich ein so niedriger Wert, dass eine Reaktivierung nicht weiterverfolgt wurde.

Borkow
Borkow war ein Bahnhof bei Kilometer 44,3, errichtet 1887 mit der Strecke.
Seit dem 25. November 1996 wird er als Anschlussstelle geführt.
Die Bahnhofsgastwirtschaft leitete bis 1935 Friedrich Roschlaub.
2004 wurde der Abschnitt zwischen Borkow und dem Damerower Forst verkauft und als Draisinenstrecke eröffnet.
Die Mecklenburger Draisinenbahn betreibt die Strecke von Karow nach Borkow mit Fahrraddraisinen durch den Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide.
Teile der Anlagen sind vorhanden.


Below
Below war ein Haltepunkt bei Kilometer 51,0.
Er ist stillgelegt.
Weitere Einzelheiten zur Geschichte der Station sind nicht belegt.


Zidderich
Zidderich war ein Haltepunkt bei Kilometer 52,8, knapp zwei Kilometer hinter Below.
Er ist stillgelegt.
Weitere Einzelheiten zu Bau und Betrieb sind nicht belegt.

Goldberg
Goldberg war einer der fünf Städte-Bahnhöfe der Strecke und lag bei Kilometer 57,4.
Seit dem 9. Dezember 1996 wird er als Anschlussstelle geführt.
Teile der Anlagen sind vorhanden.
Über Goldberg verläuft heute die Draisinenstrecke von Karow nach Borkow.
Zur Anlage gehörte ein Lokschuppen.


Wendisch Waren
Zwischen 1887 und 1996 befand sich in Wendisch Waren ein Haltepunkt an der Strecke.
Er lag bei Kilometer 60,8.
Die Strecke wird heute für Draisinenfahrten genutzt.
Damerow
Damerow war ein Haltepunkt bei Kilometer 66,0, knapp zwei Kilometer vor dem Damerower Forst.
Er gehörte zu den stillgelegten Halten.
Durch das Gemeindegebiet führt die stillgelegte, aber touristisch als Draisinenstrecke genutzte Bahn.
Hinter dem Damerower Forst bei Kilometer 67,9 mündete die Strecke bei Karow in die Strecken aus Güstrow und Parchim.
So sieht es jetzt aus
Den Abschnitt Blankenberg–Dabel führt seit dem 10. Juli 2012 die RegioInfra.
Zwischen Borkow und Damerow nutzt eine Draisinenstrecke die Trasse.
Der größte Teil des Abschnitts zwischen Hornstorf und Blankenberg ist abgebaut.
Die Geschichte in Daten
22. Dezember 1886: Konzession für die Sekundärbahn Wismar–Karow.
14. November 1887: Eröffnung der Strecke.
1. September 1890: Verstaatlichung der Bahn.
1. Juni 1996: Personenverkehr zwischen Sternberg und Karow endet.
28. Mai 1998: Personenverkehr zwischen Wismar und Sternberg endet.
2000: Das Mittelstück zwischen Dabel und dem Damerower Forst wird stillgelegt.
2003: Auch der Abschnitt bis Karow wird stillgelegt.
2004: Borkow–Damerower Forst wird als Draisinenstrecke eröffnet.
20. August 2007: Biodiesel-Transporte ab Sternberg beginnen.
9. Juli 2008: Einweihung des sanierten Bahnhofsgebäudes Sternberg als Haus der Vereine.
Häufige Fragen
Wann wurde die Wismar-Karower Eisenbahn eröffnet?
Wann endete der Personenverkehr?
Fahren noch Züge auf der Strecke?
Kann man die Strecke befahren?
Wird die Strecke für Reisende reaktiviert?
Die Wismar-Karower Eisenbahn bleibt als Strecke erhalten, auch wenn kein Reisezug mehr auf ihr fährt.
Wikipedia: Bahnstrecke Wismar–Karow · Wikipedia: Neukloster · Wikipedia: Warin · Wikipedia: Brüel · Wikipedia: Weitendorf (bei Brüel) · Wikipedia: Sternberg · Wikipedia: Dabel · Wikipedia: Borkow · Wikipedia: Wendisch Waren · Wikipedia: Neu Poserin · Eisenbahn in Mecklenburg-Vorpommern: Hornstorf–Blankenberg–Dabel–Borkow–Karow · Mecklenburger Draisinenbahn: Strecke Karow–Borkow
Alle Fotos stammen von Wikimedia Commons und sind gemeinfrei oder stehen unter einer freien Creative-Commons-Lizenz. Urheber, Lizenz und Quelle stehen direkt am Bild.
