Die stillen Halte der Bäderbahn Rövershagen–Graal-Müritz: Waldhalte und alte Endstation

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die stillen Halte der Bäderbahn Rövershagen–Graal-Müritz: Waldhalte und alte Endstation

Die Mecklenburgische Bäderbahn fährt seit 1925 von Rövershagen an die Ostsee. Die Waldhalte Hinrichshagen und Georg Schneise sind seit 1993 geschlossen, die alte Endstation Graal-Müritz wurde 2004 durch einen neuen Haltepunkt ersetzt.

VORHER · 1992

Der Bahnhof Graal-Müritz am 26. Mai 1992 mit der Diesellok 202 415.

Der Bahnhof Graal-Müritz am 26. Mai 1992 mit der Diesellok 202 415. Foto: Phil Richards from London, UK, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
NACHHER · 2016

Das Empfangsgebäude des ehemaligen Bahnhofs Graal-Müritz im Jahr 2016.

Das Empfangsgebäude des ehemaligen Bahnhofs Graal-Müritz im Jahr 2016. Foto: Norbert Kaiser, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1925
Eröffnung der Bäderbahn
1993
Waldhalte geschlossen
1999
Personenverkehr ausgesetzt
2004
Neuer Haltepunkt, alter Bahnhof aufgelassen

Lage: zwischen Rövershagen und Graal-Müritz in Mecklenburg-Vorpommern. Status: Die Strecke ist in Betrieb, Hinrichshagen und Georg Schneise sind geschlossen, der alte Bahnhof Graal-Müritz ist aufgelassen. Heute: Im früheren Empfangsgebäude befindet sich seit 2005 ein Restaurant.

Die Bahnstrecke Rövershagen–Graal-Müritz ist eine eingleisige Nebenbahn, die seit 1925 von der Hauptstrecke Rostock–Stralsund an die Ostsee führt.

Sie ist nicht stillgelegt, an ihr liegen aber mehrere aufgegebene Halte.

Dieser Beitrag behandelt die Halte Hinrichshagen, Georg Schneise und den alten Bahnhof Graal-Müritz.

Freie Fotos von Hinrichshagen und Georg Schneise gibt es nicht, es stehen nur vier Aufnahmen aus Graal-Müritz zur Verfügung.

Entstehung: Bahnpläne für zwei Badeorte

Am Ende des 19. Jahrhunderts strebten die Orte Graal und Müritz, damals noch zwei getrennte Orte, zu Bade- und Kurorten auf.

Die Verbindung zu den größeren Städten bestand nur aus schlecht ausgebauten Feldwegen und Chausseen, deshalb wurde schon damals eine Bahnanbindung gefordert.

Zur Debatte standen mehrere Streckenführungen, unter anderem von Ribnitz über Müritz nach Graal, von Rostock über Nienhagen nach Graal und Müritz und von Rövershagen aus entlang der Pörstenschneise.

Die Strecke wurde zunächst wegen fehlender finanzieller Mittel und befürchteter Unrentabilität nicht gebaut.

Rövershagen lag an der Strecke Stralsund–Rostock, die von der preußischen Eisenbahn betrieben wurde.

Das war für die Mecklenburgische Friedrich-Franz-Eisenbahn ein weiterer Grund, dort keinen Anschluss zu bauen.

Erst 1910 gab es wieder konkrete Pläne, die der Erste Weltkrieg zunichtemachte.

1920 gab es erneut Pläne für Bau und Betrieb als private Nebenbahn.

Die Mecklenburgische Bäderbahn AG wurde am 28. Februar 1925 gegründet, um die Ostseebäder Graal und Müritz mit der Hauptstrecke Stralsund–Rostock zu verbinden.

Das Aktienkapital brachten die Hansestadt Rostock und zahlreiche Rostocker Kaufleute auf, dazu die Anliegergemeinden und die Berliner Straßenbahn-Betriebs-Gesellschaft, die zwei Erholungsheime für ihr Personal an der Ostseeküste besaß.

Weiterer Gesellschafter war die Eisenbahnbau- und Betriebsgesellschaft Lenz & Co., die den Bau ausführte und die Betriebsführung übernahm.

Die Strecke von Rövershagen aus bekam einen leichten Schlenker nach Westen.

So blieb die Möglichkeit offen, die Warnemünder Strandbahn bis Hinrichshagen zu verlängern und von dort einen Anschluss herzustellen.

Der Bahnhof Graal-Müritz wurde so angelegt, dass eine Weiterführung zum Fischland möglich blieb.

Beide Projekte wurden nie verwirklicht.

So sah es vorher aus: Sommerbahn, Kurswagen und Lazarettzüge

Die 10,3 Kilometer lange, normalspurige Strecke wurde am 1. Juli 1925 offiziell eröffnet.

Zunächst verkehrten nur im Sommer Züge, später auch das ganze Jahr hindurch.

In den 1930er Jahren gab es im Sommer sogar Kurswagen aus Berlin.

Nach dem Krieg übernahm die Rote Armee in Graal-Müritz die zu Lazaretten umfunktionierten Erholungsheime.

Die Transporte erfolgten per Eisenbahn, das verhinderte, dass die Strecke unter die Reparationsansprüche fiel.

Ab 1949 war die Deutsche Reichsbahn Betreiber der Verbindung.

Bereits in den 1960er Jahren wurde eine Stilllegung erwogen, was jedoch mangelnde Bus- und Lkw-Kapazitäten verhinderten.

Das Militär hatte großes Interesse an der Strecke, da zu dieser Zeit mehrere Schießplätze in der Rostocker Heide entstanden waren.

In den 1970er Jahren war der Personenverkehr mehrere Jahre auf das Sommerhalbjahr beschränkt, im Winter verkehrten Busse als Schienenersatzverkehr.

Hinrichshagen: Halt am Rand der Rostocker Heide

Hinrichshagen ist ein Ortsteil der Hansestadt Rostock und liegt nahe der Bahnstrecke Rövershagen–Graal-Müritz.

Der Ort wurde 1731 erstmals urkundlich erwähnt und am 9. Dezember 1924 nach Rostock eingemeindet.

Der Haltepunkt Hinrichshagen lag bei Kilometer 2,9 der Strecke.

Er war einer der in den 1930er Jahren eröffneten Haltepunkte, die mitten im Wald lagen.

1993 wurde er geschlossen.

Georg Schneise: Haltepunkt im Wald

Der Haltepunkt Georg Schneise lag bei Kilometer 4,7 der Strecke.

Wie Hinrichshagen wurde er in den 1930er Jahren eröffnet, er lag mitten im Wald.

1993 wurde auch dieser Halt geschlossen.

Weitere Angaben zu diesem Halt sind nicht belegt.

Das Ende des alten Betriebs: 1994 bis 1999

Der seit Mitte der 1970er Jahre auf ein Minimum reduzierte Güterverkehr wurde 1994 beendet.

Wegen des schlechten Gleiszustandes musste im Dezember 1999 auch der Personenverkehr durch Schienenersatzverkehr ersetzt werden.

Am 26. Dezember 1999 fuhr der letzte planmäßige Personenzug nach Graal-Müritz.

Es gab verschiedene Konzepte zur Modernisierung, darunter die Elektrifizierung und den Anschluss an das Rostocker S-Bahn-Netz.

Umgesetzt wurde das nicht.

Erst nachdem die Gemeinde Graal-Müritz einen beträchtlichen Teil der Kosten tragen konnte, begannen die Arbeiten zur Streckensanierung.

Der alte Bahnhof Graal-Müritz: Endstation bis 2004

Der Bahnhof wurde 1925 von der Mecklenburgischen Bäderbahn in Betrieb genommen.

Der Endpunkt lag auf Graaler Gebiet zwischen den Zentren beider Orte und hieß von Anfang an Graal-Müritz.

Diesen Namen übernahm nach der Vereinigung beider Orte im Jahr 1938 auch die Gemeinde.

Das Empfangsgebäude wurde nicht pünktlich fertig, die Fertigstellung kam erst ein wenig später.

Am westlichen Bahnhofskopf gab es einen Lokschuppen, der noch bis 1994 genutzt wurde und inzwischen abgerissen ist.

Neben dem Empfangsgebäude lag ein Ladegleis für sporadischen Güterverkehr, bis in die 1990er Jahre gab es einen Fahrkartenschalter.

Der Bahnhof wurde immer im vereinfachten Nebenbahnbetrieb geführt.

Für jede Abfahrt war die Freimeldung durch den Fahrdienstleiter in Rövershagen erforderlich, deshalb konnte immer nur ein Zug auf der gesamten Strecke unterwegs sein.

Es gab keine Kreuzungsmöglichkeiten, die Weichen waren Handweichen.

Vor der Einstellung des Verkehrs 1999 kamen Triebwagen der Baureihe 628 zum Einsatz, nur ein Bahnsteiggleis wurde noch genutzt.

Davor, vermutlich bis 1996, verkehrten Loks der Baureihe V 100, die oft drei Personenwagen führten.

Sanierung und Neubeginn ab 2004

Seit dem 12. Dezember 2004 verkehren wieder Personenzüge, meistens direkt von und nach Rostock Hauptbahnhof.

Im Rahmen der Sanierung wurde die Strecke auf 9,7 Kilometer verkürzt.

Der Bahnhof Graal-Müritz wurde aufgelassen und durch einen weiter westlich gelegenen Haltepunkt ersetzt.

Die Angaben zum Abstand gehen auseinander, genannt werden 400 und 600 Meter.

Der neue Haltepunkt Graal-Müritz mit einem Triebwagen der Baureihe 628, 2016.
Der neue Haltepunkt Graal-Müritz mit einem Triebwagen der Baureihe 628, 2016. Foto: Norbert Kaiser, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Am 10. Dezember 2006 wurde der Haltepunkt Graal-Müritz Koppelweg eröffnet.

Sein 100 Meter langer Bahnsteig besteht vollständig aus Glasfaser-Verbundstoff.

Der Haltepunkt Graal-Müritz Koppelweg, 2012.
Der Haltepunkt Graal-Müritz Koppelweg, 2012. Foto: Assenmacher, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

So sieht es jetzt aus

Im Sommer 2005 wurden fast alle verbliebenen Gleisanlagen am alten Bahnhof entfernt.

Bahnsteige, Bahnsteiglampen und Streckenfernsprecher blieben zunächst erhalten.

Als das Gelände zu einem Parkplatz umgestaltet wurde, entfernte man die Anlagen restlos.

Nach der Sanierung des Empfangsgebäudes befindet sich seit 2005 darin ein Restaurant.

Der Bahnhofsname wurde wieder am Gebäude angebracht, um an die frühere Nutzung zu erinnern.

Das Gebäude stand Mitte der 1990er Jahre auf der Denkmalliste des Landes Mecklenburg-Vorpommern.

Auf neueren Denkmallisten ist es nach der Sanierung und dem Umbau nicht mehr enthalten.

Vorher und nachher

Die Aufnahme von 1992 zeigt den Bahnhof Graal-Müritz im Betrieb mit einer Diesellok.

Die Aufnahme von 2016 zeigt das ehemalige Empfangsgebäude nach seiner Sanierung.

Die Geschichte in Daten

1731: Hinrichshagen wird erstmals urkundlich erwähnt.

9. Dezember 1924: Hinrichshagen wird nach Rostock eingemeindet.

28. Februar 1925: Die Mecklenburgische Bäderbahn AG wird gegründet.

1. Juli 1925: Die Strecke von Rövershagen nach Graal-Müritz wird eröffnet.

1938: Graal und Müritz werden zu einer Gemeinde vereinigt.

1949: Die Deutsche Reichsbahn wird Betreiber der Strecke.

1993: Die Haltepunkte Hinrichshagen und Georg Schneise werden geschlossen.

1994: Der Güterverkehr wird beendet.

26. Dezember 1999: Der Personenverkehr wird wegen massiver Oberbaumängel eingestellt.

12. Dezember 2004: Die Strecke geht verkürzt wieder in Betrieb, der alte Bahnhof wird durch einen Haltepunkt ersetzt.

Sommer 2005: Fast alle Gleisanlagen am alten Bahnhof werden entfernt.

2005: Im Empfangsgebäude eröffnet ein Restaurant.

10. Dezember 2006: Der Haltepunkt Graal-Müritz Koppelweg wird eröffnet.

Häufige Fragen

Fahren heute noch Züge nach Graal-Müritz?
Ja, die Strecke wird von der Regionalbahnlinie RB 12 genutzt, die meistens zwischen Rostock und Graal-Müritz verkehrt.
Wann wurden Hinrichshagen und Georg Schneise geschlossen?
Beide Haltepunkte wurden 1993 geschlossen. Sie waren in den 1930er Jahren eröffnet worden und lagen mitten im Wald.
Warum wurde der alte Bahnhof Graal-Müritz aufgegeben?
Bei der Sanierung ab 2004 wurde die Strecke auf 9,7 Kilometer verkürzt. Der Bahnhof wurde aufgelassen und durch einen weiter westlich gelegenen Haltepunkt ersetzt.
Was befindet sich heute im alten Empfangsgebäude?
Seit 2005 befindet sich in dem sanierten Gebäude ein Restaurant.
Gibt es noch Güterverkehr nach Graal-Müritz?
Der Güterverkehr wurde 1994 beendet. Seit der Sanierung ist er nicht mehr möglich, da es in Graal-Müritz keine Verladegleise mehr gibt.

Die Bäderbahn fährt damit weiter nach Graal-Müritz, nur die Waldhalte und der alte Endbahnhof sind aus dem Netz verschwunden.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnstrecke Rövershagen–Graal-Müritz · Wikipedia: Bahnhof Graal-Müritz · Wikipedia: Hinrichshagen (Rostock) · Ostseestrecke: Bahnstrecke Rövershagen–Graal-Müritz

Alle Fotos stammen von Wikimedia Commons und sind gemeinfrei oder stehen unter einer freien Creative-Commons-Lizenz. Urheber, Lizenz und Quelle stehen direkt am Bild.

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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