Die stillen Halte der Bahn Güstrow–Plau: von Klueß bis Krakow am See
Seit 1882 verbindet eine Nebenbahn Güstrow mit Plau am See. Der reguläre Personenverkehr endete 2000, die Halte Klueß, Hoppenrade, Klein Grabow, Marienhof und Krakow am See liegen seitdem an einer Strecke mit gelegentlichem Ausflugsverkehr.

Lage: zwischen Güstrow und Krakow am See in Mecklenburg-Vorpommern. Status: Die Strecke besteht weiter, der reguläre Personenverkehr endete am 24. September 2000. Heute: Sie wird für Überführungen und gelegentlichen Ausflugsverkehr genutzt.
Die Bahnstrecke Güstrow–Plau ist der nördliche Teil der Nebenbahn Güstrow–Meyenburg in Mecklenburg-Vorpommern.
Der planmäßige Personenverkehr wurde am 24. September 2000 eingestellt, der Güterverkehr Ende desselben Jahres.
Die Strecke besteht aber weiter, sie wird für Überführungen und gelegentlichen Ausflugsverkehr im Sommer genutzt.
Dieser Beitrag geht die Halte Klueß, Hoppenrade, Klein Grabow, Marienhof und Krakow am See der Reihe nach durch.
Es sind Halte an einer bestehenden Strecke, auf der der reguläre Personenverkehr endete.
Entstehung: die Güstrow-Plauer Eisenbahn-Gesellschaft
Das Gutsdorf Karow und die Stadt Plau befürchteten ohne Bahnanschluss wirtschaftliche Nachteile.
1882 wurde deshalb die Güstrow-Plauer Eisenbahn-Gesellschaft gegründet, mit Beteiligung der Städte Güstrow, Krakow am See und Rostock.
Hauptaktionär war die Bahnbaugesellschaft Lenz & Co GmbH, die Bau und Betriebsführung übernahm.
Die Bauarbeiten begannen 1882.
Am 5. Dezember 1882 wurde die Strecke eröffnet.
Sie verlief vom Bahnhof Güstrow bis zum Bahnhof Priemerburg parallel zur Hauptstrecke von Bützow zur Landesgrenze bei Strasburg und erreichte von dort über Krakow und Karow nach 44 Kilometern Plau am See.
Die Baukosten betrugen 1,9 Millionen Mark.
Bei Betriebsbeginn standen drei Lokomotiven, fünf Personenwagen und 35 Güterwagen zur Verfügung.
Die Fortsetzung in Richtung der preußischen Grenze bei Meyenburg führte am 5. Dezember 1886 über Ganzlin bis Wendisch Priborn.
Am 1. Dezember 1887 entstand eine 10 Kilometer lange Strecke von Priemerburg nach Plaaz an der Lloydbahn.
Der Lückenschluss nach Meyenburg fand am 11. Dezember 1887 statt.
Am 6. März 1890 ging die Gesellschaft mit einer Streckenlänge von rund 70 Kilometern durch Kauf in das Eigentum des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin über.
Dabei wurden auch sechs Lokomotiven übernommen.
1920 übernahm die Deutsche Reichsbahn den Betrieb.
So sah es vorher aus: Nebenbahn mit Durchgangszügen
Die Strecke diente immer vor allem lokalen Zwecken.
Die Züge aus Richtung Güstrow waren in Meyenburg fast alle in Richtung Pritzwalk durchgebunden.

In den 1950er Jahren gab es einen durchgehenden Personenzug von Berlin über Neuruppin, Wittstock und Meyenburg nach Güstrow und Rostock.
Von 1955 bis 1968 fuhr saisonal ein Schnellzugpaar von Rostock in die südlichen Regionen der DDR über die Strecke.
Im Winterfahrplan 1965/66 bedienten die Schnellzüge D 79/80 und D 137/138 lediglich Güstrow, Plau am See und Pritzwalk.
In den 1970er und 1980er Jahren war die Strecke Teil der Kursbuchstrecke 810, Wittenberge–Pritzwalk–Meyenburg–Güstrow.
Täglich gab es vier durchlaufende Zugpaare, die für den Abschnitt von Meyenburg nach Güstrow rund 110 Minuten brauchten.
Hinzu kamen zwei werktägliche Paare von Güstrow nach Krakow beziehungsweise Karow.
Bei Karow und Goldberg lagen mehrere Kasernen und Truppenübungsplätze der Nationalen Volksarmee, alle hatten Bahnanschluss.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs die Bedeutung der Strecke besonders für den Güterverkehr, weil die traditionellen Hauptstrecken zum Teil als Reparationen demontiert oder nur noch eingleisig waren.
In der DDR wurden mehrere Bahnhöfe für längere Güterzüge ausgebaut.
Das Ende: 24. September 2000
Seit 1997 wurde die Strecke im Zweistundentakt bedient, 1998 übernahm die Prignitzer Eisenbahn den Verkehr.
Trotz zuletzt gestiegener Fahrgastzahlen wurde der reguläre Personenverkehr auf dem Abschnitt Meyenburg–Priemerburg am 24. September 2000 eingestellt.
Der Güterverkehr wurde Ende desselben Jahres ebenfalls aufgegeben.
Der Streckenteil Karow–Priemerburg war von Ende 2004 bis Frühjahr 2008 stillgelegt.
Am 24. Mai 2008 vollzog die Prignitzer Eisenbahn die Wiederinbetriebnahme dieses Abschnittes als öffentliche Eisenbahninfrastruktur.
Klueß: der erste Halt hinter Priemerburg
Klueß ist ein Ortsteil von Güstrow.
Der Haltepunkt liegt bei Kilometer 52,9 hinter dem Bahnhof Priemerburg.
Zwischen Priemerburg und Klueß verläuft die Grenze zwischen der Infrastruktur von DB InfraGO und RegioInfra Nord-Ost.
Weitere Angaben zu diesem Halt sind nicht belegt.
Hoppenrade: ein Bahnhof ohne regulären Zug
Hoppenrade besitzt einen Bahnhof an der Strecke Güstrow–Meyenburg, bei Kilometer 47,8.
Der reguläre Personenverkehr wurde im Jahr 2000 eingestellt.
Der nächste im Personenverkehr bediente Bahnhof befindet sich in Güstrow.


Klein Grabow: Haltepunkt bei Krakow am See
Der Haltepunkt Klein Grabow lag bei Kilometer 44,4 und gehört zum Gebiet von Krakow am See.
Weitere Angaben zu diesem Halt sind nicht belegt.
Marienhof: ein Gut als Namensgeber
Der Haltepunkt Marienhof liegt bei Kilometer 41,0 im Stadtgebiet von Krakow am See.
Der Ort wurde 1807 im Mecklenburgischen Staatskalender erstmals als Marienthal genannt und 1822 in Marienhof umbenannt.
Weitere Angaben zum Halt sind nicht belegt.
Krakow am See: Bahnanschluss seit 1882
1882 erhielt Krakow am See Eisenbahnanschluss an Güstrow und Plau.
In der DDR betrieben dank der guten Bahnanbindung viele Betriebe und Behörden Erholungsheime und Ferienhäuser für ihre Mitarbeiter.
Heute hat die Stadt keinen Bahnanschluss im Personenverkehr.
Zum Ende des Personenverkehrs gehen die Angaben auseinander: Genannt werden die Jahre 2000 und 2004.


Am 16. und 17. August 2008 fanden Schienenbusfahrten von Berlin nach Krakow am See statt.
In den Jahren 2013 und 2014 verkehrten auf dem Abschnitt Meyenburg–Krakow am See samstags wieder Personenzüge der Eisenbahngesellschaft Potsdam.
Das vom Tourismus lebende Krakow am See ist an einer Wiederaufnahme des Personenverkehrs interessiert.



So sieht es jetzt aus
Seit dem 10. Juli 2012 betreibt die RegioInfra Nord-Ost die Infrastruktur.
Am 5. August 2017 fanden auf Initiative des Fahrgastverbandes Pro Bahn Zugfahrten zwischen Güstrow und Plau am See statt.
Am 3. April 2019 gab der Streckeneigentümer bekannt, die Strecke zwischen Priemerburg und Plau am See stilllegen zu wollen.
Am 18. November 2019 teilte die Landesregierung mit, dass man sich mit der Eigentümerin geeinigt habe, die Strecke zu erhalten und in der Sommersaison zusätzliche Verkehre anzubieten.
Seit 2020 gibt es wieder eingeschränkt fahrplanmäßigen Personenverkehr, jedoch auf den Abschnitten Plau am See–Karow und Meyenburg–Ganzlin sowie später auch zwischen Ganzlin und Plau.
Im August 2025 wurden die Ergebnisse eines Gutachtens zu einer Reaktivierung des täglichen Personenverkehrs vorgestellt, das beide untersuchten Ausbauvarianten als wirtschaftlich bewertet.
Vorher und nachher
1882 eröffnet, bediente die Strecke bis zum Jahr 2000 regulär Personenzüge, im Winterfahrplan 1965/66 sogar Schnellzüge nach Rostock, Karl-Marx-Stadt und München.
Heute liegen die Halte Klueß, Hoppenrade, Klein Grabow, Marienhof und Krakow am See an einer Strecke ohne regulären Personenzug.
Die Geschichte in Daten
Mai 1882: Die Bauarbeiten der Güstrow-Plauer Eisenbahn-Gesellschaft beginnen.
5. Dezember 1882: Die Strecke von Güstrow nach Plau am See wird eröffnet.
5. Dezember 1886: Die Fortsetzung bis Wendisch Priborn wird eröffnet.
1. Dezember 1887: Die Strecke von Priemerburg nach Plaaz geht in Betrieb.
11. Dezember 1887: Der Lückenschluss nach Meyenburg erfolgt.
6. März 1890: Das Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin übernimmt die Gesellschaft.
1920: Die Deutsche Reichsbahn übernimmt den Betrieb.
1955 bis 1968: Ein Schnellzugpaar Rostock–Süden fährt saisonal über die Strecke.
24. September 2000: Der reguläre Personenverkehr zwischen Meyenburg und Priemerburg wird eingestellt.
Ende 2004: Der Abschnitt Karow–Priemerburg wird stillgelegt.
24. Mai 2008: Der Abschnitt Karow–Priemerburg geht wieder in Betrieb.
5. August 2017: Pro Bahn organisiert Zugfahrten zwischen Güstrow und Plau am See.
18. November 2019: Das Land und die Eigentümerin einigen sich auf den Erhalt der Strecke.
August 2025: Ein Gutachten zur Reaktivierung des Personenverkehrs wird vorgestellt.
Häufige Fragen
Kann man von Güstrow nach Krakow am See mit dem Zug fahren?
Wie lang war die ursprüngliche Strecke?
Wer betreibt die Strecke heute?
Wurde die Stilllegung geplant?
Gibt es Pläne für neuen Personenverkehr?
Die Halte zwischen Klueß und Krakow am See liegen damit an einer Strecke, die weiter besteht und ohne regulären Personenzug auf neue Entscheidungen wartet.
Wikipedia: Bahnstrecke Meyenburg–Güstrow · Wikipedia: Krakow am See · Wikipedia: Hoppenrade · Wikipedia: Güstrow
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