Die Werntalbahn: stille Halte an einer stark befahrenen Güterstrecke

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Die Werntalbahn: stille Halte an einer stark befahrenen Güterstrecke

Auf der Werntalbahn fahren Güterzüge, doch seit dem 30. Mai 1976 hält hier kein regulärer Personenzug mehr. Von Mühlhausen bis Gössenheim blieben die Halte ohne Reisende.

Ein Güterzug bei Thüngen, Aufnahme von 2021.
Ein Güterzug bei Thüngen, Aufnahme von 2021. Foto: Störfix, CC BY-SA 3.0 de, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1879
Eröffnung der Strecke
1971
Elektrifizierung
1976
Ende des Personenverkehrs
2016
Freizeit-Express ohne Zwischenhalt

Lage: Werntal, Unterfranken, von Waigolshausen über Arnstein nach Gemünden am Main. Status: Eingleisige, elektrifizierte Hauptbahn, die seit 1976 vor allem dem Güterverkehr dient. Heute: Die Halte sind ohne Personenverkehr, die Strecke ist in Betrieb.

Die Werntalbahn ist eine eingleisige, elektrifizierte Hauptbahn in Unterfranken, die seit 1976 vor allem dem Güterverkehr dient.

Sie führt von Waigolshausen durch das Werntal über Arnstein nach Gemünden am Main.

Stillgelegt ist hier also nicht die Strecke, sondern der Personenverkehr an ihren Halten.

Zum 30. Mai 1976 wurde der regionale Personenverkehr eingestellt, und seitdem sind die Halte ohne Reisende.

Dieser Beitrag beschreibt die Halte von Mühlhausen bis Gössenheim.

Die Bilder stammen aus den Jahren ab 2007.

Wie die Werntalbahn entstand

Am 1. Juli 1854 wurde die Strecke Schweinfurt–Würzburg als Teilstück der Ludwigs-West-Bahn in Betrieb genommen.

Noch im selben Jahr wurde sie bis Aschaffenburg verlängert.

Trotz des Umwegs über Würzburg erhielt diese Trasse Vorrang vor der direkten Führung durch das Werntal.

Die Strecke Waigolshausen–Gemünden wurde erst am 15. Mai 1879 eröffnet.

Zwischen Wernfeld und Gemünden wurde dazu ein weiteres Gleis neben der zweigleisigen Strecke Würzburg–Aschaffenburg verlegt.

1883 gab es zwischen Waigolshausen und Gemünden die Stationen Mühlhausen, Arnstein, Müdesheim, Thüngen, Eußenheim, Gössenheim und Wernfeld.

So sah es vorher aus: eine Strecke im Tal

Die Strecke beginnt im Trennungsbahnhof Waigolshausen, wo sie von der Strecke Bamberg–Rottendorf abzweigt.

Sie führt nördlich dieser Strecke nach Westen ins Werntal hinab, das sie bei Mühlhausen erreicht.

Von da an verläuft die Trasse bis Wernfeld in diesem Tal.

Wegen der Mäander der Wern quert die Strecke den Fluss siebenmal.

Für den Bau wurden zehn größere Brücken errichtet, darunter sieben über die Wern und drei Flutbrücken.

Sie haben zusammen 20 Brückenfelder, jeweils mit einem eisernen Fachwerkträger und lichten Weiten von 16 bis 24 Metern.

Bei Eußenheim entstand ein 250 Meter langer und 23 Meter tiefer Einschnitt in Kalkfelsen.

Zwischen Wernfeld und Gemünden verläuft die Strecke parallel östlich neben der Strecke Würzburg–Aschaffenburg.

Eine Eisenbahnbrücke im Werntal oberhalb von Gänheim, Aufnahme von 2007.
Eine Eisenbahnbrücke im Werntal oberhalb von Gänheim, Aufnahme von 2007. Foto: Bonnlander, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Mühlhausen: Bahnhof ohne Zugang für Reisende

Die Werntalbahn verläuft durch den Ort Mühlhausen.

Der Bahnhof lag bei Kilometer 5,5.

Der Personenverkehr wurde 1976 eingestellt, und der Bahnhof wurde stillgelegt.

Gänheim: Haltestelle von 1890

Im Jahr 1890 wurde in Gänheim eine Bahnhaltestelle an der Werntalbahn eröffnet.

Sie lag bei Kilometer 7,7.

Mit der Einstellung des Personenverkehrs 1976 wurde die Haltestelle aufgegeben.

Unmittelbar nördlich von Gänheim liegen die Bundesstraße 26 und die Werntalbahn.

Die Werntalbrücke der Autobahn 7 verläuft über dem östlichen Rand der Gemarkung.

Blick durch einen Brückenbogen ins Werntal oberhalb von Gänheim, 2007.
Blick durch einen Brückenbogen ins Werntal oberhalb von Gänheim, 2007. Foto: Bonnlander, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Arnstein: ein Bahnhof für Güterzüge

Die Bundesstraße 26 und parallel die Werntalbahn durchqueren das Gemeindegebiet von Arnstein von West nach Ost.

Der Bahnhof Arnstein liegt bei Kilometer 11,7.

Er wird nicht im Personenverkehr bedient.

Über die Werntalbahn verkehren hauptsächlich Güterzüge.

Müdesheim: ein stiller Bahnhof

Der Bahnhof Müdesheim lag bei Kilometer 16,2 der Strecke.

Er gehört zu den Halten, an denen seit 1976 kein Personenzug mehr hielt.

Weitere Angaben zu diesem Bahnhof sind nicht belegt.

Binsfeld: ein stiller Haltepunkt

Der Haltepunkt Binsfeld lag bei Kilometer 18,4.

Auch er verlor mit dem Ende des Personenverkehrs seine Aufgabe.

Weitere Angaben zu diesem Halt sind nicht belegt.

Thüngen: ein Bahnhofsgebäude mit Bewohnern

Nach der Fertigstellung der Werntalbahn fuhr 1879 der erste Zug durch Thüngen.

Der Bahnhof Thüngen liegt bei Kilometer 21,1.

Die elektrifizierte Werntalbahn wird bei Thüngen fast ausschließlich von Güterzügen befahren.

Die sommerlichen Fahrradzüge sind die einzigen Personenzüge der Strecke, und sie verkehren ohne planmäßigen Halt.

Das Bahnhofsgebäude wird privat bewohnt.

Blick bei Thüngen auf die Obere Mühle und die Werntalbahn, Aufnahme von 2007.
Blick bei Thüngen auf die Obere Mühle und die Werntalbahn, Aufnahme von 2007. Foto: Bonnlander, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Ein umgeleiteter ICE von Frankfurt nach Leipzig bei Thüngen, 2021.
Ein umgeleiteter ICE von Frankfurt nach Leipzig bei Thüngen, 2021. Foto: Störfix, CC BY-SA 3.0 de, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Eußenheim: Einschnitt im Kalkfelsen

Der Bahnhof Eußenheim liegt bei Kilometer 28,2.

Bei Eußenheim überquert die Strecke die Wern gleich mehrfach und kreuzt dabei zwei Flutbrücken.

Hier liegt auch der 250 Meter lange und 23 Meter tiefe Einschnitt in Kalkfelsen.

Gössenheim: zwischen Bundesstraße und Güterzügen

Durch Gössenheim führt die Bundesstraße 27.

Der Ort liegt zudem an der fast ausschließlich von Güterzügen befahrenen Werntalbahn.

Der Bahnhof lag bei Kilometer 32,9.

Ein Güterzug auf der Werntalbahn bei Gössenheim, Aufnahme von 2007.
Ein Güterzug auf der Werntalbahn bei Gössenheim, Aufnahme von 2007. Foto: Bonnlander, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Wernfeld: der Betriebsbahnhof

Zwischen dem Betriebsbahnhof Wernfeld nördlich des gleichnamigen Ortes und dem Bahnhof Gemünden verläuft die Strecke parallel zur Main-Spessart-Bahn.

Wernfeld hat einen Haltepunkt an der Main-Spessart-Bahn, der von der Regionalbahn bedient wird.

Auf der Werntalbahn hält der sommerliche Fahrradzug dort nicht.

Die Jahre nach 1976

Die Strecke wurde im regionalen Personennahverkehr genutzt.

Dieser nahm in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mehr und mehr ab und wurde zum 30. Mai 1976 eingestellt.

Als Umgehungsbahn des Knotens Würzburg wurde die Strecke 1971 gemeinsam mit dem Abschnitt Bamberg–Waigolshausen elektrifiziert.

Ab 2002 wurde die Strecke umfangreich saniert und modernisiert.

Seit der Inbetriebnahme der Schnellfahrstrecke Ebensfeld–Erfurt 2017 wird sie bei großräumigen Umleitungen zwischen Hanau und Erfurt von Fernverkehrszügen befahren.

Zum Fahrplanjahr 2016 wurden samstags und sonntags zwei Regional-Express-Zugpaare ohne Zwischenhalt auf der Strecke eingeführt.

Sie heißen Freizeit-Express-Frankenland und gehören seit 2021 zur Linie RE 55.

Ein Regionalexpress von Gemünden nach Schweinfurt am Wochenende bei Thüngen, 2024.
Ein Regionalexpress von Gemünden nach Schweinfurt am Wochenende bei Thüngen, 2024. Foto: Störfix, CC BY-SA 3.0 de, via Wikimedia Commons, verkleinert.

So sieht es jetzt aus

Die Werntalbahn hat ihre Bedeutung im Güterverkehr nie verloren.

Früher diente sie vorrangig dem regionalen Güterverkehr, heute wird sie als Umgehungsbahn des Knotens Würzburg stark befahren.

Die Streckenhöchstgeschwindigkeit liegt bei 100 km/h.

Die DB Netz schlug 2022 einen Ausbau der Strecke zur Entlastung der überlasteten Strecken Fürth–Würzburg und Würzburg–Gemünden vor.

Die Bayerische Eisenbahngesellschaft ermittelte 2023 für die Strecke ein Nachfragepotenzial von 729 bis 823 Personenkilometern pro Streckenkilometer.

Die Bayerische Staatsregierung unterstützt deshalb eine Reaktivierung im Personennahverkehr nicht.

Vorher und nachher: der Personenverkehr

Bis zum 30. Mai 1976 hielten Regionalzüge in den Orten des Werntals.

Seitdem fahren vor allem Güterzüge durch die Orte, und die Reisenden fahren ohne Halt hindurch.

Die Geschichte in Daten

1. Juli 1854: Die Strecke Schweinfurt–Würzburg der Ludwigs-West-Bahn wird eröffnet.

15. Mai 1879: Die Strecke Waigolshausen–Gemünden wird eröffnet.

1890: In Gänheim wird eine Bahnhaltestelle eröffnet.

1971: Die Strecke wird elektrifiziert.

30. Mai 1976: Der Personennahverkehr wird eingestellt.

2002: Die umfangreiche Sanierung beginnt.

2016: Der Freizeit-Express-Frankenland fährt ohne Zwischenhalt.

2017: Fernverkehrszüge nutzen die Strecke bei Umleitungen.

2022: Die DB Netz schlägt einen Ausbau vor.

2023: Die Bayerische Eisenbahngesellschaft ermittelt das Nachfragepotenzial.

Häufige Fragen

Ist die Werntalbahn stillgelegt?
Nein, sie ist eine eingleisige, elektrifizierte Hauptbahn, die seit 1976 vor allem dem Güterverkehr dient.
Wann endete der Personenverkehr?
Zum 30. Mai 1976.
Halten heute Personenzüge an den Stationen?
Die sommerlichen Fahrradzüge und der Freizeit-Express fahren ohne Zwischenhalt auf der Strecke.
Wie viele Stationen gab es 1883?
Zwischen Waigolshausen und Gemünden gab es sieben: Mühlhausen, Arnstein, Müdesheim, Thüngen, Eußenheim, Gössenheim und Wernfeld.
Wird die Strecke für Reisende reaktiviert?
Die Bayerische Eisenbahngesellschaft ermittelte 2023 ein Nachfragepotenzial von 729 bis 823 Personenkilometern pro Streckenkilometer, die Staatsregierung unterstützt eine Reaktivierung nicht.

Die Werntalbahn zeigt, dass eine Strecke ihre Bedeutung behalten kann, auch wenn ihre Halte seit 1976 ohne Reisende sind.

Quellen und Bildrechte

Bahnstrecke Waigolshausen–Gemünden (Wikipedia) · Mühlhausen (Werneck) (Wikipedia) · Gänheim (Wikipedia) · Arnstein (Unterfranken) (Wikipedia) · Thüngen (Wikipedia) · Gössenheim (Wikipedia) · Wernfeld (Wikipedia)

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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