Die Hallertauer Lokalbahn: Stille Halte zwischen Wolnzach, Mainburg und Geisenfeld

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die Hallertauer Lokalbahn: Stille Halte zwischen Wolnzach, Mainburg und Geisenfeld

Das Holledauer Bockerl brachte Reisende und Güter durch die Hopfenregion. 1953 fuhr in Geisenfeld der letzte Personenzug, 1969 in Mainburg, heute endet die Strecke bei Wolnzach.

Empfangsgebäude und Güterschuppen des Bahnhofs Mainburg.
Empfangsgebäude und Güterschuppen des Bahnhofs Mainburg. Foto: Vizinal, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1895
Eröffnung bis Mainburg
1906
Eröffnung nach Geisenfeld
1953
Letzter Personenzug nach Geisenfeld
1969
Ende des Personenverkehrs nach Mainburg

Strecken: Wolnzach–Mainburg und Wolnzach–Geisenfeld. Status: Geisenfeld 1988 stillgelegt, nach Mainburg ab Kilometer 8,0 stillgelegt. Heute: Auf dem Reststück bei Wolnzach fahren noch Güterzüge.

Die Hallertauer Lokalbahn war im Volksmund das Holledauer Bockerl.

Sie führte durch die Hopfenregion Hallertau von Wolnzach Bahnhof nach Mainburg.

Dazu kam die Strecke Wolnzach–Geisenfeld, das Geisenfelder Bockerl.

Sie wird wegen der Nähe gelegentlich als dritter Streckenast der Hallertauer Lokalbahn gezählt, war betrieblich aber weitgehend eigenständig.

Der Bahnhof Wolnzach Bahnhof heißt seit 2000 Rohrbach (Ilm).

Dieser Beitrag geht die stillgelegten Halte beider Strecken der Reihe nach durch.

Alte freie Fotos der Halte liegen nicht vor, die Bilder zeigen den Zustand der letzten Jahre.

Entstehung: Die Bahn nach Mainburg

Das Lokalbahngesetz vom 26. Mai 1892 beschloss die Strecke von Wolnzach Bahnhof nach Mainburg.

Baubeginn war am 1. August 1893.

Das Teilstück bis Wolnzach Markt wurde am 6. Dezember 1894 eröffnet.

Der restliche Teil bis Mainburg folgte am 16. Dezember 1895.

Der Bahnhof Enzelhausen hieß anfangs nach dem rund 3,5 Kilometer entfernten Markt Au in der Hallertau.

Um Freising und Moosburg eine Verbindung in die Hallertau zu geben, begann man am 12. August 1907 mit dem Bau der Strecke von Langenbach nach Enzelhausen.

Sie wurde am 1. Mai 1909 eröffnet, womit Au einen ortsnahen Bahnhof erhielt.

So sah es vorher aus: Das Bockerl im Betrieb

Im Personenverkehr fuhren in der Regel drei durchgehende Zugpaare täglich.

Die anfangs eingesetzten Lokalbahnlokomotiven der Gattung D VII erwiesen sich als unterdimensioniert.

Ab 1898 fuhren vorwiegend Maschinen der Gattung D XI.

Ab 1922 löste sie die Bayerische GtL 4/4 mit vier Antriebsachsen ab.

Die Lokomotiven stellte meist das Bw Ingolstadt.

Die Unterhaltung geschah in der Dampflokzeit am Lokomotivbahnhof Mainburg.

Im Zweiten Weltkrieg blieben die Schäden an der Strecke überschaubar, im Herbst 1945 lief der Betrieb wieder.

Ab 1953 setzte die Bundesbahn Schienenbusse der Baureihe VT 95 und Dieseltriebwagen der Baureihe VT 709 ein.

Der Fahrplan wurde auf werktags sieben Zugpaare verdichtet.

Eine Lokomotive der Hallertauer Lokalbahn.
Eine Lokomotive der Hallertauer Lokalbahn. Foto: Unbekannter Fotograf, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.

Gebrontshausen: Der erste stillgelegte Halt

Gebrontshausen lag bei Kilometer 9,07.

Der Halt war ein Bahnhof und ist stillgelegt.

Zu seiner Geschichte sind weitere Angaben nicht belegt.

Berg und Osterwaal: Zwei Haltepunkte

Berg bei Rudelzhausen lag bei Kilometer 12,47.

Der Ort hatte bis zur Einstellung einen Haltepunkt an der Lokalbahn.

Osterwaal lag bei Kilometer 14,07.

Auch Osterwaal hatte einen Haltepunkt an der heute stillgelegten Lokalbahn.

Enzelhausen: Der Knoten der Hallertauer Lokalbahn

Enzelhausen lag bei Kilometer 16,18.

Hier trafen die Strecken Wolnzach–Mainburg und Langenbach–Enzelhausen aufeinander.

Der Bahnhof hieß bis 1909 Au.

Das Bahnhofsgelände mit den noch vorhandenen Gleisanlagen befindet sich in Privatbesitz.

Es wird als Schrottplatz verwendet, daneben stehen mehrere alte Bahnfahrzeuge.

Der Bahnhof Enzelhausen.
Der Bahnhof Enzelhausen. Foto: H. Helmlechner, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Rudelzhausen, Puttenhausen und Sandelzhausen

Rudelzhausen lag bei Kilometer 17,71.

Die Lokalbahn verband den Ort mit Mainburg, Freising und Wolnzach und wurde stillgelegt.

Puttenhausen lag bei Kilometer 19,84 und war ein Bahnhof.

Sandelzhausen lag bei Kilometer 21,61.

Kurz dahinter, bei Kilometer 21,80, lag der Anschluss der Firma Wolf.

Zu den drei Halten sind weitere Einzelheiten nicht belegt.

Mainburg: Endbahnhof und Mittelpunkt

Mainburg lag bei Kilometer 23,35.

Seit 1895 war der Ort Endbahnhof und betrieblicher Mittelpunkt der Lokalbahn.

Der Personenverkehr wurde zum 1. Juni 1969 eingestellt und durch Bahnbusse ersetzt.

Der Güterverkehr lief noch bis Ende 1995.

Teile der Trasse wurden zu Radwegen, etwa zur Hallertauer Hopfentour.

Das frühere Bahnhofsareal überbaute man mit einem Busbahnhof, einem Supermarkt, Parkplätzen und Gewerbeflächen.

Das frühere Empfangsgebäude befindet sich in Privatbesitz.

Der ehemalige Bahnhof Mainburg von Nordwesten gesehen.
Der ehemalige Bahnhof Mainburg von Nordwesten gesehen. Foto: Renardo la vulpo, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der ehemalige Bahnhof von Mainburg.
Der ehemalige Bahnhof von Mainburg. Foto: H. Helmlechner, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der ehemalige Bahnhof von Mainburg, eine zweite Ansicht.
Der ehemalige Bahnhof von Mainburg, eine zweite Ansicht. Foto: H. Helmlechner, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der ehemalige Bahnhof von Mainburg im Jahr 2018.
Der ehemalige Bahnhof von Mainburg im Jahr 2018. Foto: H.Helmlechner, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Niedergang auf der Strecke nach Mainburg

Wegen sinkender Fahrgastzahlen fuhren die Schienenbusse in den 1960er Jahren zunehmend ohne Beiwagen.

1965 wurde der Wochenendverkehr auf Bahnbusse umgestellt.

Zum 1. Juni 1969 endete der Reisezugverkehr ganz.

Der Busverkehr zwischen Wolnzach Bahnhof und Mainburg wurde nach und nach auf ein werktägliches Fahrtenpaar reduziert und Mitte der 1990er Jahre ersatzlos eingestellt.

Im Güterverkehr lösten in den 1960er Jahren Diesellokomotiven der Baureihe 211 die Dampfloks ab.

Ab 1982 zog überwiegend die Baureihe 290.

Die Züge waren noch bis etwa Anfang der 1990er Jahre gut ausgelastet.

Sparmaßnahmen und die Bahnreform führten dazu, dass nahezu alle Ladestellen schlossen.

Ende 1995 wurde der Verkehr zwischen Wolnzach Markt und Mainburg eingestellt.

Zum 1. September 1996 wurde der Abschnitt ab Kilometer 8,0 offiziell stillgelegt.

Im Herbst 2004 wurde er demontiert.

Wolnzach Markt: Was von der Strecke bleibt

Die Strecke endet seit etwa 2010 bei Kilometer 7,2.

Seit 1970 wird sie im Zugleitbetrieb genutzt.

Der Verkehr beschränkt sich auf den Industrieanschluss der Firma ARS Altmann in Wolnzach.

Dort fahren wochentags etwa zwei Güterzugpaare.

Im Oktober 2013 und April 2014 investierte die Deutsche Bahn rund 4 Millionen Euro in die Gleise.

Seit 2006 veranstaltet der Hallertauer Lokalbahnverein vereinzelt Sonderfahrten des Wolnzach-Express.

Wolnzach–Geisenfeld: Die Bahn zum Endbahnhof

Geisenfeld hatte seit 1861 bei überregionalen Eisenbahnprojekten stets das Nachsehen.

Mainburg erreichte bis Ende 1895 einen Anschluss.

Das bayerische Lokalbahngesetz vom 10. August 1904 genehmigte den Bau von Wolnzach Bahnhof nach Geisenfeld.

Im April 1906 begannen die Bauarbeiten.

Die Strecke verlief etwa einen Kilometer parallel zur Mainburger Strecke und folgte dann dem flachen Ilmtal.

Sie war insgesamt neun Kilometer lang.

Am 15. Dezember 1906 wurde sie feierlich in Betrieb genommen.

In Wolnzach Bahnhof stand beiden Lokalbahnen nur ein Bahnsteig zur Verfügung.

Der Zug nach Geisenfeld fuhr etwa fünf Minuten nach dem Mainburger Zug ab.

Über viele Jahre verkehrten drei bis vier Zugpaare pro Tag.

Sie führten nur die dritte Wagenklasse, zwischen 1918 und 1928 vorübergehend die vierte.

Burgstall, Königsfeld, Niederlauterbach und Zell

Burgstall lag bei Kilometer 2,5.

Ende 1923 schloss die Reichsbahn die Station wegen wirtschaftlicher Probleme durch die Hyperinflation dauerhaft.

Königsfeld bei Wolnzach lag bei Kilometer 3,20 und war eine Haltestelle.

Niederlauterbach lag bei Kilometer 5,75 und war ein Bahnhof.

Zell bei Geisenfeld lag bei Kilometer 8,03.

Ende 1923 schloss die Reichsbahn auch Zell, allerdings nur vorübergehend.

Geisenfeld: Der Endbahnhof

Geisenfeld lag bei Kilometer 9,34.

Schon in den 1930er Jahren drohte der Strecke die Stilllegung.

Eine private Omnibuslinie Ingolstadt–Geisenfeld–Mainburg ließ viele Fahrgäste abwandern.

1944/45 ersetzte man den Zugverkehr vorübergehend durch einen Bus.

Anfang der 1950er Jahre fuhren acht Zugpaare täglich.

Am 1. Dezember 1953 wurde der Reisezugverkehr als erster auf einer bayerischen Eisenbahnstrecke aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt.

Ausgenommen sind Strecken, die durch die deutsche Teilung unterbrochen wurden.

Stattdessen setzte die Bundesbahn einen Bahnbus auf der fast parallel verlaufenden Staatsstraße ein.

Der Güterverkehr lief weiter, mit einer Köf und ab etwa 1982 mit einer Diesellok der Baureihe 211.

Am 31. Dezember 1987 wurde der Güterverkehr eingestellt.

Zum 31. März 1988 wurde die Strecke formal stillgelegt und noch im selben Jahr abgebaut.

Das frühere Bahnhofsgelände und die Gleistrasse im Stadtgebiet von Geisenfeld sind heute weitgehend überbaut.

Die nächsten Bahnhöfe liegen heute in Rohrbach und in Ernsgaden an der Donautalbahn.

Die Geschichte in Daten

26. Mai 1892: Lokalbahngesetz für die Strecke Wolnzach–Mainburg.

1. August 1893: Baubeginn.

6. Dezember 1894: Eröffnung bis Wolnzach Markt.

16. Dezember 1895: Eröffnung bis Mainburg.

10. August 1904: Lokalbahngesetz für Wolnzach–Geisenfeld.

15. Dezember 1906: Eröffnung der Strecke nach Geisenfeld.

1. Mai 1909: Eröffnung der Zweigstrecke Langenbach–Enzelhausen.

Ende 1923: Schließung der Stationen Burgstall und Zell.

1. Dezember 1953: Ende des Personenverkehrs nach Geisenfeld.

1. Juni 1969: Ende des Personenverkehrs nach Mainburg.

31. Dezember 1987: Ende des Güterverkehrs nach Geisenfeld.

31. März 1988: Formelle Stilllegung der Strecke nach Geisenfeld.

Ende 1995: Ende des Verkehrs zwischen Wolnzach Markt und Mainburg.

1. September 1996: Stilllegung ab Kilometer 8,0.

Herbst 2004: Demontage des stillgelegten Abschnitts.

Häufige Fragen

Ist die Strecke nach Mainburg stillgelegt?
Der Abschnitt ab Kilometer 8,0 wurde zum 1. September 1996 stillgelegt. Bis Wolnzach fahren noch Güterzüge für die Firma ARS Altmann.
Wann endete der Personenverkehr?
Nach Geisenfeld am 1. Dezember 1953, nach Mainburg zum 1. Juni 1969.
Was ist heute in Geisenfeld?
Das frühere Bahnhofsgelände und die Trasse im Stadtgebiet sind weitgehend überbaut.
Wie hieß der Bahnhof Rohrbach früher?
Bis 2000 hieß er Wolnzach Bahnhof.
Gibt es Sonderfahrten?
Seit 2006 veranstaltet der Hallertauer Lokalbahnverein vereinzelt Sonderfahrten des Wolnzach-Express.

Die Hallertauer Lokalbahn schrumpfte von drei Streckenästen auf ein Stück bei Wolnzach.

Die Halte zwischen Rudelzhausen und Mainburg und die Strecke nach Geisenfeld sind Geschichte.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnstrecke Rohrbach–Mainburg · Wikipedia: Bahnstrecke Wolnzach–Geisenfeld · Wikipedia: Mainburg · Wikipedia: Enzelhausen · Wikipedia: Geisenfeld · Wikipedia: Rudelzhausen · Wikipedia: Berg (Rudelzhausen) · Wikipedia: Osterwaal · Wikipedia: Wolnzach

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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