Die stillen Halte des Waldsteinexpress zwischen Münchberg und Zell
Die Lokalbahn Münchberg–Zell fuhr von 1902 bis 1971 mit Personen und hieß im Volksmund Bockela. Von ihren Halten ist wenig geblieben, in Sparneck nur das Granit-Schild.

Lage: Landkreis Hof und Landkreis Wunsiedel, Oberfranken, Bayern. Status: Personenverkehr 1971 eingestellt, nur ein Reststück ab Münchberg dient als Firmengleis. Heute: Bahnhöfe Weißdorf und Zell sind Wohnhäuser, in Sparneck blieb das Granit-Bahnhofsschild.
Die Bahnstrecke Münchberg–Zell hieß auch Waldsteinexpress, im Volksmund Bockela.
Sie verband die Stadt Münchberg über Weißdorf und Sparneck mit der Gemeinde Zell.
Der Personenverkehr endete 1971, die Gleise bis Zell wurden 1972 abgebaut.
Nur ein Stück ab Münchberg blieb als Firmengleis zum Umspannwerk Mechlenreuth erhalten.
Der Münchberger Bahnhof ist weiterhin in Betrieb und kommt hier nur als Ausgangspunkt vor.
Freie Fotos aus der Betriebszeit fehlen, die Bilder zeigen den heutigen Zustand.
Der lange Weg zur Bahn
Münchberg hatte schon 1848 Anschluss an die Ludwig-Süd-Nord-Bahn.
Am 1. Juni 1887 folgte die Strecke Münchberg–Helmbrechts.
Ab dem 1. April 1886 fuhren Karriolposten von Sparneck nach Münchberg, damit die Einwohner die Früh- und Mittagszüge erreichten.
Am 24. Februar 1889 trat in Sparneck ein Eisenbahnkomitee zusammen, dem Vertreter aus Münchberg, Sparneck, Zell, Reinersreuth und Immerseiben angehörten.
Den Vorsitz hatte der Münchberger Bürgermeister Friedrich Schoedel.
Ein erster Antrag vom 18. März 1889 wurde abgelehnt.
Auch weitere Bittschriften blieben erfolglos, zuletzt die vom 1. Oktober 1895.
Zwischenzeitlich wären die Gemeinden sogar bereit gewesen, die Bahn als Privatprojekt zu bauen.
Am 10. März 1900 wurde der Bau genehmigt.
Noch am selben Tag telegrafierte der Münchberger Stadtschreiber Ludwig Zapf nach Sparneck, Weißdorf und Zell.
In den Gemeinden wurde die Nachricht mit Freudenschüssen, Fackelumzügen und Glockenläuten gefeiert.
Bau und Eröffnung
Im August 1901 fanden die ersten Vermessungen statt.
Am 10. September begannen die Bauarbeiten.
Der Unterbau war im Februar 1902 fertig, danach wurden die Gleise verlegt.
Am 7. September 1902 war die Trasse für Arbeitszüge befahrbar.
Am 14. Oktober gab es die erste Testfahrt, drei Tage später fanden erste Freifahrten für die Bevölkerung statt.
Am 18. Oktober 1902 wurde die Strecke offiziell in Betrieb genommen.
Für die Bahnhofsgebäude in Weißdorf und Sparneck übernahm man Pläne, die für die zeitgleich gebaute Strecke Falls–Gefrees entstanden waren.
Zell erhielt ein Hauptgebäude mit Ladehalle und Wartesaal, ein Nebengebäude mit Abortanlagen und eine Lokremise.
Eiben
Der Haltepunkt Eiben hatte nur eine Sitzbank, die in das Stationsschild integriert war.
Der Haltepunkt ist verschwunden.
Im Wald ist ein Überrest der Haltestelle zu sehen, eine Gedenktafel erinnert an sie.

Reinersreuth
Der Halt Reinersreuth erhielt ein hölzernes Wartehäuschen, das nach der Stilllegung verschwand.
Wichtiger war das Industriegleis zu den Granitwerken.
Es war 582 Meter lang und führte auf das Werksgelände.
Vorher mussten die geschliffenen Granitblöcke auf unzureichend ausgebauten Wegen nach Münchberg gebracht werden.
Die Wagen wurden zuerst auf das Anschlussgleis geschoben und dann mit einer Seilwinde zum Verladegleis gezogen.
Das Werk bediente die Bahn bis Mai 1972.
Weißdorf
Auch Weißdorf bat im März 1889 um Aufnahme in die Planungen.
Der Sparnecker Bürgermeister zögerte zunächst, weil die Verlängerung höhere Frachtkosten bringen konnte, stimmte dann aber einstimmig zu.
Das Bahnhofsgebäude in Weißdorf steht noch, in ihm sind Wohnungen untergebracht.
Es befindet sich in Privatbesitz.


Sparneck
In Sparneck begann die Bahnidee: Hier trat das Eisenbahnkomitee zusammen.
Im Juni 1981 beschloss die Gemeinde den Abriss des Empfangsgebäudes.
Das Gebäude wurde 1982 abgebrochen.
Erhalten blieb das aus Granit gearbeitete Bahnhofsschild.


Zell
Zell war die Endstation.
Der Bahnhof besteht aus einem Hauptgebäude mit Ladehalle und Wartesaal.
Dort sind heute Wohnungen untergebracht.
Die Gemeinde hatte schon vor dem Bahnbau Kutschfahrten nach Münchberg eingerichtet, die bald von pferdegezogenen Omnibussen abgelöst wurden.
Die Fahrt kostete 1886 70 Pfennig.
Betrieb und Fahrzeuge
Am 31. Dezember 1906 wies das Projekt einen Fehlbetrag von 1.985 Mark auf.
Im Winter 1941 musste der Betrieb wegen großer Schneeverwehungen eingestellt werden.
Am 14. April 1945 wurde die Brücke über die Kirchenlamitzer Straße gesprengt, auch dann ruhte der Betrieb.
Von 1902 bis mindestens 1906 war die Lokomotive D XI auf der Strecke unterwegs.
Bis 1935 kam die GtL 4/4 zum Einsatz, danach Einheitsdampfloks der Baureihe 64.
Im November 1954 fuhren erstmals Schienenbusse der Baureihe VT 95 auf der Strecke.
Die letzte Fahrt einer Dampflokomotive fand am 29. September 1962 statt, danach übernahmen Dieselloks der Baureihe V 100.
Das Ende der Bahn
1971 begannen Passagierzählungen, um den Bedarf an Bussen nach der Betriebseinstellung zu errechnen.
Am 25. September 1971 fuhr ein letzter Personenzug von Zell nach Münchberg, auf Initiative des Hofer Eisenbahnclubs mit einer Dampflokomotive der Baureihe 86.
Die Stilllegung wurde mit zu hohen Unterhaltskosten von etwa einer Million Mark begründet.
Die Trasse diente zunächst als Streckenrangiergleis weiter.
Das Bemühen der Lokalbahn-Arbeitsgemeinschaft Fichtelgebirge-Frankenwald, die Strecke als Museumsbahn zu erhalten, blieb erfolglos.
Vom 21. August bis 8. September 1972 wurden die Gleise zwischen Streckenkilometer 1,7 und Zell zurückgebaut.

So sieht es jetzt aus
Der ehemalige Bahndamm verfällt zunehmend.
Stellenweise ist er durch Flurbereinigung oder private Neubauten fast vollständig verschwunden.
Das Streckenstück bis Kilometer 1,7 blieb als Firmengleis für das Umspannwerk Mechlenreuth erhalten.
1973 wurde darauf ein Transformator geliefert.
Beim Bau der Münchberger Südumgehung 2001 wurde zunächst kein Bahnübergang eingebaut, die Straße musste für Transporte mehrere Tage gesperrt werden.
Am 11. Oktober 2018 fuhr erstmals nach vielen Jahren wieder ein Zug auf dem Reststück, um einen Transformator zu liefern.
Am 30. August 2022 entgleiste dort ein leerer Tragschnabelwagen und beschädigte das Gleis stark.
Zwischen März und Juni 2024 ließ der Eigentümer Tennet das Gleis samt Bahnübergang erneuern und baute erstmals einen Bahnübergang in die Südumgehung ein.




1886: Karriolpost von Sparneck nach Münchberg ab dem 1. April.
1889: Eisenbahnkomitee in Sparneck am 24. Februar.
1900: Genehmigung des Baus am 10. März.
1902: Offizielle Inbetriebnahme am 18. Oktober.
1954: Erste Schienenbusse VT 95 im November.
1962: Letzte Dampflok am 29. September.
1971: Letzter Personenzug am 25. September.
1972: Rückbau der Gleise vom 21. August bis 8. September.
1982: Abbruch des Bahnhofsgebäudes Sparneck.
2018: Erster Zug auf dem Reststück am 11. Oktober.
2024: Erneuerung des Reststücks zwischen März und Juni.
Woher kommt der Name Waldsteinexpress?
Was ist vom Bahnhof Sparneck übrig?
Gibt es noch Gleise?
Wann endete der Personenverkehr?
Wurde eine Museumsbahn versucht?
Der Waldsteinexpress hat nur Spuren hinterlassen.
Wer ihnen folgt, findet Wohnhäuser, einen Granitschild und eine Gedenktafel im Wald.
Bahnstrecke Münchberg–Zell (Wikipedia)
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