Die stillen Halte der Höllentalbahn im Frankenwald

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die stillen Halte der Höllentalbahn im Frankenwald

Der bayerische Teil der Höllentalbahn endete 1945 an der Grenze und wurde 1971 stillgelegt. Der Bahnhof Lichtenberg steht noch, der Bahnhof Hölle ist abgerissen, und um eine Reaktivierung wird bis heute gestritten.

Der ehemalige Bahnhof Lichtenberg, Aufnahme von 2012.
Der ehemalige Bahnhof Lichtenberg, Aufnahme von 2012. Foto: Markus G. Klötzer, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1901
Eröffnung am 14. August
1945
Grenze unterbricht die Strecke
1971
Güterverkehr eingestellt, Strecke stillgelegt
1986
Informationszentrum im Bahnhof Lichtenberg

Lage: Frankenwald, Landkreis Hof, Oberfranken, Bayern. Status: stillgelegt, Gleise im Höllental 1982 abgebaut, Reaktivierung wird diskutiert. Heute: Informationszentrum im Bahnhof Lichtenberg, Bahnhof Hölle abgerissen.

Die Höllentalbahn im Frankenwald gehört zur Bahnstrecke Triptis–Marxgrün.

Ihr Südabschnitt führt als Höllentalbahn von Blankenstein durch das Höllental nach Marxgrün.

Der bayerische Teil mit den Halten Lichtenberg und Hölle ist seit 1971 stillgelegt.

In Betrieb ist heute nur noch der Abschnitt von Unterlemnitz nach Blankenstein in Thüringen.

Dieser Beitrag behandelt den stillgelegten bayerischen Teil und bleibt bei dem, was belegt ist.

Freie Fotos aus der Betriebszeit sind selten, gezeigt wird vor allem der heutige Zustand.

Warum eine preußische Bahn durch Bayern fuhr

Die Strecke wurde von der Preußischen Staatsbahn gebaut und betrieben.

Preußen und Bayern wünschten die Streckenführung durch das Höllental.

Am 30. Januar 1897 unterzeichneten beide Länder einen Vertrag zum Bau des Abschnitts.

Die Planung lag bei der Eisenbahndirektion Erfurt.

Deshalb wurden die Bahnhofsgebäude in Hölle und Blankenstein im thüringischen Fachwerkstil errichtet.

Die Kosten für die gesamte Trasse trug der Staat Preußen.

Auch die Industrie in der Umgebung wünschte die Bahn, vor allem Wiedes Papierfabrik Rosenthal.

Bis dahin musste das Papier für den süddeutschen Raum auf Pferdewagen nach Hof gebracht werden.

Der Bau durch das Höllental

Mit den Arbeiten wurde 1900 begonnen, zunächst mit 250 Mann.

117 Arbeiter, vor allem für die beiden Tunnel und die drei Viadukte, kamen überwiegend aus Österreich und Italien.

Die Tunnel führen durch den Kessel- und den Kanzelfels, die Viadukte liegen bei Kleinschmieden, im Höllental und über die Muschwitz.

Allein bei den beiden Tunneln fielen rund 100.000 Kubikmeter Abraum an.

Für das Gleisbett im Höllental wurden zwei kleine Steinbrüche erschlossen, die noch zu erkennen sind.

Aus der Bevölkerung kamen schwere Bedenken wegen der Einschnitte in das damals weitgehend naturbelassene Tal.

Am 14. August 1901 fuhr die erste Sonderfahrt eines Personenzuges von Marxgrün nach Lobenstein.

Der Regelbetrieb begann am 15. August 1901.

Die Grenze zwischen den bayerischen und den preußischen Staatsbahnen verlief kurz vor Marxgrün bei Streckenkilometer 68,24.

Der Bahnhof Lichtenberg

Der Bahnhof wurde zwischen 1897 und 1901 im Gemeindeteil Blechschmidtenhammer errichtet.

Er liegt mehr als einen Kilometer nordöstlich der Stadt Lichtenberg, nach anderer Angabe zwei Kilometer.

Ursprünglich war für Lichtenberg nur ein Personenhalt ohne Güterabfertigung geplant.

Der Stadtmagistrat verlangte eine Güterabfertigung, die die Bahndirektion Erfurt erst genehmigte, als die Stadt ansässige Unternehmen für den Schienentransport gewinnen konnte.

Dazu zählten die Papierveredelung H. H. Ullstein in Blechschmidtenhammer und ein Flussspatwerk.

Die Station hatte keine betriebliche Funktion, die nächsten Zugmeldestellen waren Blankenstein und Marxgrün.

1944 galt sie als Haltestelle für Personen- und Güterverkehr mit einem Agenten.

Die Gleisanlage bestand aus dem Streckengleis, einem Ladegleis und einem etwa 150 Meter langen Stumpfgleis.

Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Lichtenberg, Aufnahme von 2012.
Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Lichtenberg, Aufnahme von 2012. Foto: Markus G. Klötzer, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Der Bahnhof Hölle

Der Bahnhof Hölle am oberen Ende des Höllentals war wie Blankenstein im thüringischen Fachwerkstil gebaut.

Der Ort Hölle ist ein Luftkurort.

Nach der Stilllegung 1971 gründete sich in Hof eine Lokalbahn-Arbeitsgemeinschaft, die einen Museumsbetrieb auf der Höllentalbahn organisieren wollte.

Die Instandsetzung überstieg die finanziellen Möglichkeiten des Vereins.

Das Fachwerk-Bahnhofsgebäude in Hölle sollte als Haus des Gastes erhalten bleiben, diese Planung von 1977 konnte nicht verwirklicht werden.

1979 wurde das Gebäude abgerissen, das Gelände wurde in eine Parkanlage umgestaltet.

Die Grenze 1945

Im Zweiten Weltkrieg diente die Strecke als Umleitungsstrecke für den Nord-Süd-Verkehr.

Am 11. April 1945 fuhr der letzte Zug zwischen Marxgrün und Lobenstein.

Am 13. April 1945 besetzten die Amerikaner Lichtenberg, Personen- und Güterverkehr kamen zum Erliegen.

Nach dem Einmarsch sowjetischer Truppen in Blankenstein am 2. Juli 1945 wurde die Strecke an der Grenze auf der Brücke über die Muschwitz unterbrochen.

Zum genauen Datum gehen die Angaben auseinander, genannt werden der 3. Juni und der 3. Juli 1945.

Die Landesgrenze wurde zur Demarkationslinie zwischen der amerikanischen und der sowjetischen Besatzungszone.

Lichtenberg wurde zum Endbahnhof aus Richtung Marxgrün, einen Personenverkehr gab es auf bayerischer Seite danach nicht mehr.

Die Grenzbrücke zwischen Thüringen und Bayern bei Blankenstein in Blechschmidtenhammer, über die einst die Gleise der Strecke führten.
Die Grenzbrücke zwischen Thüringen und Bayern bei Blankenstein in Blechschmidtenhammer, über die einst die Gleise der Strecke führten. Foto: ChNPP, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Das Ende der Strecke

Nach dem Krieg lief zwischen Marxgrün und Lichtenberg nur noch örtlicher Güterverkehr.

Am 23. Mai 1971 wurde der Verkehr eingestellt und die Strecke stillgelegt.

Kurz vor dem Bahnhof Hölle gab es die Ladestelle Wiede, über die Kohlensäure aus dem benachbarten Werk abtransportiert wurde.

Am 6. September 1982 begann der Gleisabbau im Höllental.

Die Schienen wurden im Bamberger Hafen wiederverwendet.

Am 30. Oktober 1987 endete die Bedienung der Firma Wiede, und die Reststrecke wurde abgebaut.

Die Brücken im Höllental blieben stehen, die Tunnel wurden aus Sicherheitsgründen zugemauert.

Der Röhrensteig im Höllental mit dem danebenliegenden Gleisbett der Bahnstrecke Triptis–Marxgrün.
Der Röhrensteig im Höllental mit dem danebenliegenden Gleisbett der Bahnstrecke Triptis–Marxgrün. Foto: ChNPP, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Lichtenberg heute

Am 7. Oktober 1983 gab die Bundesbahn den Bahnhof Lichtenberg zum Verkauf frei.

Die Stadt erwarb das Gebäude 1985 und ließ es sanieren.

Es ist ein kleiner eingeschossiger Fachwerkbau mit Schopfwalmdach und Zwerchgiebeln und steht unter Denkmalschutz.

Seit dem 31. Juli 1986 ist darin das Informationszentrum Blechschmidtenhammer des Naturparks Frankenwald untergebracht.

Eine Modelleisenbahn bildet den Verlauf der Höllentalbahn im Selbitztal zwischen Lichtenberg und Hölle nach.

Vor dem Gebäude steht auf einem kurzen Gleisstück ein Zug mit einer Dampfspeicherlok der Zellstoff- und Papierfabrik Rosenthal, einem Personen- und einem Packwagen der Bauart Donnerbüchse und einem gedeckten Güterwagen.

Auch die Fahrzeuge sind denkmalgeschützt.

Das renovierte Bahnhofsgebäude Lichtenberg in Blechschmidtenhammer, Aufnahme von 2005.
Das renovierte Bahnhofsgebäude Lichtenberg in Blechschmidtenhammer, Aufnahme von 2005. Foto: No machine-readable author provided. Wst.wiki~commonswiki as, CC BY-SA 2.5, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Die Dampfspeicherlokomotive vor dem ehemaligen Bahnhof Lichtenberg, Aufnahme von 2012.
Die Dampfspeicherlokomotive vor dem ehemaligen Bahnhof Lichtenberg, Aufnahme von 2012. Foto: Markus G. Klötzer, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Personenwagen der Bauart Donnerbüchse am Bahnhof Lichtenberg, Aufnahme von 2012.
Der Personenwagen der Bauart Donnerbüchse am Bahnhof Lichtenberg, Aufnahme von 2012. Foto: Markus G. Klötzer, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der gedeckte Güterwagen am Bahnhof Lichtenberg, Aufnahme von 2012.
Der gedeckte Güterwagen am Bahnhof Lichtenberg, Aufnahme von 2012. Foto: Markus G. Klötzer, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Der Streit um die Reaktivierung

Seit Jahren wird über die Wiederinbetriebnahme des Abschnitts zwischen Blankenstein und Marxgrün gestritten.

Dafür tritt unter anderem die Zellstoff- und Papierfabrik Rosenthal in Blankenstein ein.

Sie befördert 63 Prozent ihrer Produktion auf der Schiene und sähe in einer Anbindung nach Süden einen Vorteil.

Die Stadt Naila forderte 2008, die Reaktivierung in den Regionalplan Oberfranken-Ost aufzunehmen.

Auch die Verkehrsinitiative Hoellennetz fördert den Lückenschluss, ebenso sprachen sich 2012 die damalige thüringische Ministerpräsidentin und später der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen aus.

Der Lückenschluss wurde nicht in den Bundesverkehrswegeplan 2030 aufgenommen.

Gegner verweisen darauf, dass das Höllental 1997 zum Naturschutzgebiet erklärt wurde.

Sie befürchten Folgen für das Quellwasser und damit für die Firma Höllensprudel.

Zudem könnte es Probleme mit der 2007 sanierten Mauer geben, die den Röhrensteig und die Rohre des Kraftwerks Höllental stützt.

Die Industrie- und Handelskammer Ostthüringen wollte eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben.

Am 20. Oktober 2023 beschloss der Bundestag, das Vorhaben Hockeroda–Blankenstein–Marxgrün in den potenziellen Bedarf des Bedarfsplans für die Bundesschienenwege aufzunehmen.

Eine Entscheidung über die tatsächliche Wiederinbetriebnahme ist daraus nicht belegt.

1897: Staatsvertrag zum Bau der Strecke durch das Höllental am 30. Januar.

1901: Eröffnung am 14. August, Regelbetrieb ab 15. August.

1945: Letzter Zug Marxgrün–Lobenstein am 11. April, im Sommer wird die Strecke an der Grenze unterbrochen.

1971: Verkehr eingestellt und Strecke stillgelegt am 23. Mai.

1979: Der Bahnhof Hölle wird abgerissen.

1982: Beginn des Gleisabbaus im Höllental am 6. September.

1986: Eröffnung des Informationszentrums im Bahnhof Lichtenberg am 31. Juli.

1987: Die Reststrecke wird nach dem Ende der Bedienung der Firma Wiede abgebaut.

2023: Bundestag nimmt das Vorhaben am 20. Oktober in den potenziellen Bedarf auf.

Wo verlief die Grenze?
Die Strecke wurde 1945 auf der Brücke über die Muschwitz bei Blankenstein unterbrochen, die Landesgrenze wurde zur Demarkationslinie.
Kann man den Bahnhof Lichtenberg besichtigen?
Ja, im Gebäude befindet sich seit 1986 das Informationszentrum Blechschmidtenhammer des Naturparks Frankenwald.
Gibt es den Bahnhof Hölle noch?
Nein, er wurde 1979 abgerissen, das Gelände ist eine Parkanlage.
Fahren im Höllental Züge?
Im bayerischen Teil nicht, die Strecke ist seit 1971 stillgelegt. In Thüringen verkehren Züge zwischen Unterlemnitz und Blankenstein.
Wird die Strecke wieder aufgebaut?
Das wird seit Jahren diskutiert. Befürworter nennen Güterverkehr und Tourismus, Gegner den Naturschutz. Ein Beschluss zum Wiederaufbau ist nicht belegt.

Der Bahnhof Lichtenberg ist erhalten und erinnert an die Bahn.

Wie es mit dem Höllental weitergeht, ist offen.

Quellen und Bildrechte

Bahnstrecke Triptis–Marxgrün (Wikipedia) · Bahnhof Lichtenberg (Ofr) (Wikipedia) · Hölle (Naila) (Wikipedia)

Alle Fotos stammen von Wikimedia Commons und sind gemeinfrei oder stehen unter einer freien Creative-Commons-Lizenz. Urheber, Lizenz und Quelle stehen direkt am Bild.

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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