Die stillen Halte von Lauertalbahn und Grabfeldbahn in Unterfranken
Zwei Nebenbahnen zweigten bei Schweinfurt und Bad Neustadt von der Hauptstrecke nach Meiningen ab. Die Lauertalbahn verlor 1959 ihre Reisenden, die Grabfeldbahn 1976.

Lage: Unterfranken, Landkreise Schweinfurt und Rhön-Grabfeld. Status: Beide Strecken sind stillgelegt und abgebaut. Heute: Auf der Trasse der Grabfeldbahn verläuft der Saaletal-Radweg, die Lauertalbahn ist abgebaut.
Zwei Nebenbahnen in Unterfranken haben mehr gemeinsam als ihren Verlauf.
Beide zweigten von der Hauptbahn Schweinfurt–Meiningen ab und verloren ihre Reisenden schon lange vor der förmlichen Stilllegung.
Die Lauertalbahn verband Rottershausen mit Stadtlauringen, die Grabfeldbahn Bad Neustadt mit Bad Königshofen.
Dieser Beitrag geht die Halte beider Strecken durch.
Freie historische Fotos gibt es von beiden Strecken nicht, die vorhandenen Bilder zeigen nur die Grabfeldbahn.
Lauertalbahn: eine Strecke gegen den Bedarf
Die 17 Kilometer lange, normalspurige Lauertalbahn wurde am 6. August 1900 durch die Bayerische Staatsbahn eröffnet.
Sie begann im Bahnhof Rottershausen und folgte zwei Kilometer lang der Hauptbahn nach Norden.
Dabei durchfuhr sie mit ihr den 400 Meter langen Rottershäuser Tunnel.
Erst an der Abzweigstelle Rannungen bekam sie eine eigene Trasse.
Sie überquerte einen Höhenzug und erreichte bei Poppenlauer das Lauertal, dem sie aufwärts im Vorland der Haßberge folgte.
Der Personenverkehr war stets schwach und beschränkte sich über Jahrzehnte auf drei Zugpaare am Tag.
Ab 1958 übernahm sonntags eine Bahnbuslinie.
Am 4. Oktober 1959 wurde der Personenverkehr auf der Schiene auch werktags eingestellt.
Das frühe Ende geht vor allem auf die schon vor der Eröffnung umstrittene Streckenführung zurück.
Sie entsprach nicht dem Verkehrsbedürfnis, denn das Ziel der meisten Reisenden war Schweinfurt, das seit 1948/49 mit Omnibussen auf kürzerem Weg erreichbar war.
Der Güterverkehr endete am 1. April 1960, die Strecke wurde im folgenden Winter abgebaut.
Auf ihr waren stets nur Dampflokomotiven im Einsatz.
Rannungen
Die Abzweigstelle Rannungen lag bei Kilometer 2,2, der Haltepunkt Rannungen bei Kilometer 2,4.
An der Abzweigstelle führte im Zweiten Weltkrieg eine Anschlussbahn zur Munitionsanstalt bei der Waldsiedlung Rottershausen ab.
Bis 1960 zweigte in Rannungen die Strecke nach Stadtlauringen ab.
Poppenlauer und Maßbach
Poppenlauer lag bei Kilometer 7,0 und war von 1900 bis 1960 an die Bahn angeschlossen.
Maßbach lag bei Kilometer 10,0.
Der Bahnhof Maßbach ist abgebaut, weitere Angaben zu den Bahnanlagen in Poppenlauer und Maßbach sind nicht belegt.
Stadtlauringen: Endpunkt mit Lokschuppen
Bei Kilometer 16,9 lag der Endbahnhof Stadtlauringen, von 1900 bis 1960 der Endpunkt der Strecke.
Dort stand ein einständiger Lokschuppen mit Wasserhaus als Außenstelle des Bahnbetriebswerks Schweinfurt.
Vor Stadtlauringen lag bei Kilometer 14,3 der Halt Rothhausen.
Grabfeldbahn: von Bad Neustadt nach Bad Königshofen
Die Grabfeldbahn war eine eingleisige, gut 23 Kilometer lange Nebenbahn entlang der Fränkischen Saale.
Am 30. April 1888 beschloss der Bayerische Landtag das Gesetz zum Bau, dafür wurden 1,047 Millionen Mark bewilligt.
Baubeginn war im März 1892, die feierliche Eröffnung folgte am 1. Oktober 1893 durch die Bayerische Staatsbahn.
Zum Einsatz kamen unter anderem Dampflokomotiven der Baureihen 98.8 und später 98.11.
Ab Dezember 1968 verkehrte die Diesellok V 100, 1972 folgte im Personenverkehr der Schienenbus.
Am 30. Mai 1976 wurde der Personenverkehr eingestellt.
Heustreu und Hollstadt
Der Haltepunkt Heustreu lag bei Kilometer 3,9 und bestand bis 1961.
Hollstadt folgte bei Kilometer 5,82.
Bei Kilometer 9,6 lag bis 1963 der Halt Taubachsmühle.
Wülfershausen und Saal
Wülfershausen lag bei Kilometer 10,99, Saal an der Saale bei Kilometer 12,68.


Kleineibstadt und Großeibstadt
Kleineibstadt lag bei Kilometer 16,53, Großeibstadt bei Kilometer 19,23.
Durch Großeibstadt verläuft der Fränkische-Saale-Radweg entlang der ehemaligen Bahnstrecke, an der der Ort einen Haltepunkt hatte.

Bad Königshofen: der Endbahnhof
Bad Königshofen im Grabfeld wurde 1893 durch die Grabfeldbahn ans Eisenbahnnetz angebunden.
Der Endbahnhof lag bei Kilometer 23,24.
Zum Fahrplanwechsel am 31. Mai 1981 wurde die Bahnhofsbezeichnung von Königshofen im Grabfeld in Bad Königshofen im Grabfeld geändert.
Das Ende der Grabfeldbahn
Am 30. Dezember 1994 wurde der Güterverkehr eingestellt.
Das Eisenbahn-Bundesamt genehmigte am 11. Mai 1995 die Stilllegung, die zum 1. August 1995 vollzogen wurde.
Der Rückbau war im Juni 1997 abgeschlossen.
Auf der Trasse wurde später der Saaletal-Radweg gebaut.
Die Geschichte in Daten
1. Oktober 1893: Eröffnung der Grabfeldbahn.
6. August 1900: Eröffnung der Lauertalbahn.
4. Oktober 1959: Ende des Personenverkehrs auf der Lauertalbahn.
1. April 1960: Ende des Güterverkehrs auf der Lauertalbahn.
30. Mai 1976: Ende des Personenverkehrs auf der Grabfeldbahn.
30. Dezember 1994: Ende des Güterverkehrs auf der Grabfeldbahn.
1. August 1995: Stilllegung der Grabfeldbahn vollzogen.
Juni 1997: Rückbau der Grabfeldbahn abgeschlossen.
Häufige Fragen
Wie lang war die Lauertalbahn?
Warum endete der Personenverkehr der Lauertalbahn so früh?
Wann fuhr der letzte Personenzug der Grabfeldbahn?
Wie lang war die Grabfeldbahn?
Kann man auf der Trasse der Grabfeldbahn radeln?
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