Das Hofheimerle: Die stillen Halte der Bahn von Haßfurt nach Hofheim
Die Nebenbahn Haßfurt–Hofheim machte 1892 einen Umweg über Königsberg und wurde 1995 stillgelegt. In Hofheim steht noch das Stationsgebäude, es beherbergt ein Eisenbahnmuseum.


Lage: Von Haßfurt über Königsberg und Rügheim nach Hofheim in Unterfranken. Status: 15,49 Kilometer lange Nebenbahn, am 1. Dezember 1995 stillgelegt und zurückgebaut. Heute: Das Stationsgebäude in Hofheim beherbergt ein Eisenbahnmuseum, auf Teilen der Trasse verläuft ein Radweg.
Die Bahnstrecke Haßfurt–Hofheim war eine eingleisige, 15,49 Kilometer lange Nebenbahn in Unterfranken.
Im Volksmund hieß sie Hofheimerle.
Sie wurde 1995 stillgelegt und abschnittsweise zum Bahntrassenradweg umgebaut, der Teil des Radwegs Haßfurt–Meiningen ist.
Dieser Beitrag geht die Halte der Strecke von Haßfurt bis Hofheim durch.
Warum die Bahn einen Umweg fuhr
Am 1. August 1852 erreichte die Ludwigs-West-Bahn Haßfurt.
Erst vierzig Jahre später, am 15. März 1892, eröffneten die Königlich Bayerischen Staats-Eisenbahnen die Sekundärbahn nach Hofheim.
Grundlage war ein Staatsvertrag zwischen dem Königreich Bayern und dem Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha.
Er sicherte eine Mitfinanzierung durch die sächsische Enklave Königsberg und eine entsprechende Linienführung.
Deshalb verlief die Strecke nicht direkt von Haßfurt nach Hofheim entlang der Nassach, sondern machte einen Umweg über Königsberg mit aufwändigerer Trassierung.
Anfangs fuhren zwei Zugpaare pro Tag, ab 1. Mai 1892 drei.
Für den Bau der Strecke war in Obertheres am 29. Dezember 1890 ein 236 Meter langes Gütergleis zum Main für Kiestransporte in Betrieb genommen worden.
Nach der Eröffnung der Strecke wurde es wieder abgebaut.
Haßfurt Gymnasium: ein Halt für Schüler
Der Haltepunkt Haßfurt Gymnasium lag bei Kilometer 1,6.
Er entstand 1965 mit einem neuen Schulzentrum und sorgte lange für hohe Fahrgastzahlen.
In Haßfurt selbst bediente die Strecke zwei Ladegleise.
Das etwa 180 Meter lange Gleis des Sägewerks Arnold und das etwa 100 Meter lange Gleis des Agrarhandels Gottfried Hart blieben noch bis zum 30. November 1995 in Betrieb.
Prappach: ein Bedarfshalt bis 1924
Bei Kilometer 5,0 lag der Bedarfshalt Prappach.
Er bestand bis 1924.
Weitere Angaben zu Prappach sind nicht belegt.
Königsberg: der Bahnhof des Umwegs
Der Bahnhof Königsberg (Bay) lag bei Kilometer 7,74.
Ihm verdankt die Strecke ihre Linienführung, denn die sächsische Enklave Königsberg hatte die Bahn mitfinanziert.
Seit dem 19. Oktober 1971 bis 1992 zweigte hier ein etwa 250 Meter langes Ladegleis für die Fränkischen Rohrwerke Gebr. Kirchner ab.


Junkersdorf: ein Bedarfshalt bei Hofheim
Bei Kilometer 10,94 lag der Bedarfshalt Junkersdorf, ein Ortsteil von Königsberg in der Nähe von Hofheim.
Weitere Angaben zu diesem Halt sind nicht belegt.
Rügheim: ein Halt an der Aurachsmühle
Der Haltepunkt Rügheim lag bei Kilometer 13,48 an der Aurachsmühle.
Eine der drei bayerischen Dampflokomotiven der Gattung D VII, die die Strecke bis 1906/07 bedienten, trug den Namen Rügheim.
Sie wurde 1891 von Maffei gebaut und 1926 verschrottet.
Hofheim: Endbahnhof mit Museum
Der Endbahnhof Hofheim lag bei Kilometer 15,49.
An der ersten Weiche im Bahnhof führte ein etwa 150 Meter langes Gleis zu einer Kohlehandlung.
Vom Bahnhof führte außerdem ein 50 Meter langes Ausziehgleis über die Bahnhofstraße nach Norden.
Es diente auch dem benachbarten Baugeschäft Christoph Rösch, das mit Baustoffen und Kohle handelte.
Auf dem Betriebsgelände verteilten zwei schmalspurige Werkbahnen die gelieferten Güter, die eine für Kohle in Loren, die andere für Sackware auf Plattformwagen.
Das ehemalige Stationsgebäude in Hofheim beherbergt seit 1976 ein kleines Eisenbahnmuseum zur Streckengeschichte und zur Eisenbahn allgemein.

Der Betrieb
Bis 1947 fuhren die Baureihen 98.4 und 98.5, später die 98.10 und 98.11 bis 1959 als letzte Dampflokomotiven.
Ab Dezember 1959 war der Schienenbus das Regelfahrzeug im Personenverkehr.
1976 gab es an Werktagen acht Zugpaare mit etwa 24 Minuten Fahrzeit.
Im Güterverkehr waren die Baureihe 86 sowie Diesellokomotiven der Baureihen V 100 und V 80 zu beobachten.
Die letzte Fahrt mit einer Dampflok fand 1987 zum 95-jährigen Bestehen der Strecke statt, mit einer Lokomotive der Baureihe 50.

Nie gebaute Verlängerungen
Ursprünglich wurde überlegt, Hofheim an eine Hauptbahn nach Coburg oder Schweinfurt und an eine Verbindung von Schlüchtern über Münnerstadt nach Haßfurt anzubinden.
Auch eine Verbindung von Bamberg über Ebern und Maroldsweisach nach Neustadt an der Saale wurde ins Gespräch gebracht.
1899 gab es ernsthafte Bestrebungen, die Strecke ab Hofheim über Goßmannsdorf und Manau nach Ermershausen und nach Burgpreppach zu verlängern.
Ein Eisenbahn-Komitee wandte sich am 13. November 1899 an die Generaldirektion der Staatsbahnen.
Anfang März 1900 teilte der Staat mit, die Verlängerung nicht durchzuführen, hatte aber keine Einwände gegen ein privates Unternehmen.
Das Ende
Am 24. September 1994 endete der Güterverkehr.
Am 31. Juli 1995 folgte der Personenverkehr.
Das Eisenbahn-Bundesamt genehmigte die Stilllegung am 19. September 1995, sie wurde zum 1. Dezember 1995 vollzogen.
Der Rückbau war im Januar 1997 abgeschlossen.
Die Geschichte in Daten
15. März 1892: Eröffnung der Sekundärbahn Haßfurt–Hofheim.
1. Mai 1892: Ab diesem Tag fahren drei Personenzugpaare pro Tag.
1965: Der Haltepunkt Haßfurt Gymnasium entsteht.
1976: Das Stationsgebäude Hofheim wird Eisenbahnmuseum.
24. September 1994: Ende des Güterverkehrs.
31. Juli 1995: Ende des Personenverkehrs.
1. Dezember 1995: Die Stilllegung wird vollzogen.
Januar 1997: Der Rückbau ist abgeschlossen.
Häufige Fragen
Wie lang war die Strecke Haßfurt–Hofheim?
Warum fuhr die Bahn über Königsberg?
Wann wurde die Strecke stillgelegt?
Was gibt es heute in Hofheim zu sehen?
Kann man auf der Trasse radeln?
Das Hofheimerle ist seit 1995 Geschichte.
Vom Bahnbetrieb bleiben das Museum im Hofheimer Stationsgebäude und der Radweg.
Wikipedia: Bahnstrecke Haßfurt–Hofheim
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