Die Rhönbahn Götzenhof–Wüstensachsen: Stille Halte am Milseburgradweg

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die Rhönbahn Götzenhof–Wüstensachsen: Stille Halte am Milseburgradweg

Von 1889 bis 1993 führte die Biebertalbahn und Rhönbahn von Götzenhof nach Hilders und Wüstensachsen. Heute rollen auf der Trasse Radfahrer, selbst durch den 1.172 Meter langen Milseburgtunnel.

Ein dreiteiliger Schienenbus zwischen Elters und Milseburg, 1981.
Ein dreiteiliger Schienenbus zwischen Elters und Milseburg, 1981. Foto: Joachim Seyferth, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1889
Götzenhof–Bieberstein eröffnet
1916
Verlängerung bis Wüstensachsen
1986
Personenverkehr Fulda–Hilders endet
1993
Stilllegung der Strecke

Lage: Hessen, Landkreis Fulda, von Götzenhof über Hofbieber und Hilders nach Wüstensachsen. Status: Personenverkehr Fulda–Hilders seit 27. September 1986 eingestellt, Strecke seit 1993 stillgelegt, Gleise 1995 abgebaut. Heute: Der Milseburgradweg nutzt die Trasse von Götzenhof bis Hilders.

Die Bahnstrecke Götzenhof–Wüstensachsen hieß bis Hilders Biebertalbahn und von dort Rhönbahn.

Sie zweigte in Götzenhof von der Strecke Frankfurt–Göttingen ab und führte über Hofbieber und Hilders nach Wüstensachsen.

Im Regelfall begannen und endeten die Züge nicht in Götzenhof, sondern im etwa fünf Kilometer entfernten Bahnhof Fulda.

Die Rhönbahn von Fulda nach Gersfeld ist eine andere Strecke und wird noch befahren.

Dieser Beitrag geht die stillgelegten Halte der Reihe nach durch, die ältesten freien Fotos stammen aus dem Jahr 1981.

Wie die Strecke entstand

1880 gründete der Rhönklub eine Initiative zum Bahnbau, um die nördliche Rhön besser zu erschließen.

1885 folgte der Planungsbeschluss des Kommunallandtags in Kassel, 1886 erließ Kaiser Wilhelm I. das Gesetz für die Eisenbahn Fulda–Hilders–Tann.

Am 1. Juni 1889 wurde das Teilstück Götzenhof–Bieberstein eröffnet, am 12. Dezember 1890 feierlich der Abschnitt Bieberstein–Hilders.

Der Milseburgtunnel wurde von 1887 bis 1889 gebaut.

Das letzte Teilstück von Hilders nach Wüstensachsen ging am 1. Februar 1916 in Betrieb.

Schon 1907 war die Verlängerung geplant, als Gründe galten der Abtransport von Braunkohle aus Melperts und Basalt aus Seiferts.

Bei den Bauarbeiten im Ersten Weltkrieg kamen französische Kriegsgefangene zum Einsatz.

Ein alter Bahndurchlass unter der aufgelassenen Strecke bei Götzenhof.
Ein alter Bahndurchlass unter der aufgelassenen Strecke bei Götzenhof. Foto: GerritR, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

So sah es vorher aus: Tenderlok, Schienenbus und Fulda als Ziel

In der Frühzeit verkehrten drei bis vier Personenzugpaare mit Güterbeförderung täglich, gezogen von einer Tenderlokomotive der Baureihe T 9.

Wegen des gestiegenen Verkehrs und Beschwerden von Reisenden fuhren später reine Personen- und reine Güterzüge.

Ab den 1950er Jahren übernahmen Schienenbusse VT 98 den Personenverkehr, Güterzüge fuhren ab den 1960er Jahren mit Dieselloks der Baureihe V 100.

Größte Station war der Bahnhof Hilders mit acht Weichen und 450 Metern Nebengleisen.

Der Bahnhof Götzenhof diente nur als Trennungsbahnhof und besaß keine Bahnsteige an der Hauptstrecke nach Göttingen.

Melzdorf: der erste Halt

Melzdorf-Almendorf war ein Haltepunkt bei Kilometer 3,3.

Der Milseburgradweg führt heute durch Almendorf und Melzdorf.

Weitere Angaben sind nicht belegt.

Wiesen: ein Bahnhof im Fuldaer Land

Wiesen im Landkreis Fulda hatte einen Bahnhof bei Kilometer 5,7.

Der Ort ist ein Ortsteil von Hofbieber, der Radweg führt durch ihn hindurch.

Weitere Angaben sind nicht belegt.

Niederbieber: ein Haltepunkt

Niederbieber war ein Haltepunkt bei Kilometer 6,9.

Auch hier verläuft heute der Milseburgradweg.

Weitere Angaben sind nicht belegt.

Langenbieber: ein Bahnhof

Langenbieber hatte einen Bahnhof bei Kilometer 9,1.

Weitere Angaben sind nicht belegt.

Bieberstein: die erste Endstation

Bieberstein war bis zum 12. Dezember 1890 der Endpunkt der Strecke.

In der Nähe des ehemaligen Bahnhofs legten Schüler der Hermann-Lietz-Schule unter Leitung von Vonderau 1932 und 1934 zwei Grabhügel frei.

Von der Station sind ein Signal am Radweg und ein Gleisrelikt zu sehen.

Der Haltepunkt Bieberstein im Jahr 2011.
Der Haltepunkt Bieberstein im Jahr 2011. Foto: Presse03, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Ein Gleisrelikt am Haltepunkt Bieberstein.
Ein Gleisrelikt am Haltepunkt Bieberstein. Foto: Presse03, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Elters: ein Haltepunkt vor dem Tunnel

Elters war ein Haltepunkt bei Kilometer 15,1.

Das Westportal des Milseburgtunnels liegt rund zwei Kilometer südsüdöstlich von Elters.

Der Milseburgradweg führt durch den Ort.

Ein dreiteiliger Schienenbus zwischen Elters und Milseburg, ebenfalls 1981.
Ein dreiteiliger Schienenbus zwischen Elters und Milseburg, ebenfalls 1981. Foto: Joachim Seyferth, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Milseburg: der Scheitelpunkt

Der Bahnhof Milseburg bei Kilometer 18,8 ist der höchste Punkt der ehemaligen Strecke.

Zwischen Elters und Milseburg liegt der Milseburgtunnel, er ist 1.172 Meter lang und wurde 1890 in Betrieb genommen.

In der Karwoche 1945 stand dort ein 400 Meter langer Zug des Oberkommandos der Wehrmacht West, tagsüber im Tunnel und nachts davor, am 6. April 1945 zogen die Amerikaner in Kleinsassen ein.

Bomben auf die Tunnelportale und die Strecke sollten den Zug einschließen, in der Nacht zu Karfreitag verließ er den Tunnel in Richtung Vacha.

Der ehemalige Bahnhof Milseburg im Jahr 2011.
Der ehemalige Bahnhof Milseburg im Jahr 2011. Foto: Presse03, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Das Westportal des Milseburgtunnels.
Das Westportal des Milseburgtunnels. Foto: 4spring, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.
Das Ostportal des Milseburgtunnels.
Das Ostportal des Milseburgtunnels. Foto: 4spring, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.
Im Milseburgtunnel.
Im Milseburgtunnel. Foto: 4spring, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.

Seit dem Umbau zum Radweg 2003 ist der Tunnel asphaltiert und beleuchtet.

Er ist vom 15. April bis zum 31. Oktober geöffnet, im Winter dient er Fledermäusen als Ruheort.

Dann steht eine vier Kilometer lange Umfahrung zur Verfügung.

Rupsroth: das Viadukt über den Scheppenbach

Rupsroth war ein Haltepunkt bei Kilometer 21,1.

In Rupsroth steht ein Viadukt über den Scheppenbach.

Zwischen Rupsroth und Liebhards verläuft der Radweg auf etwa einem Kilometer auf einem Feldweg neben der ehemaligen Trasse.

Das Scheppenbach-Viadukt in Rupsroth, 2011.
Das Scheppenbach-Viadukt in Rupsroth, 2011. Foto: Presse03, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Eckweisbach: der Bahnhof am Radweg

Eckweisbach hatte einen Bahnhof bei Kilometer 23,7.

Am ehemaligen Bahnhof steht ein Bildstock.

Der ehemalige Bahnhof Eckweisbach, 2011.
Der ehemalige Bahnhof Eckweisbach, 2011. Foto: Presse03, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Hilders: der Knotenbahnhof

Hilders war der Knotenpunkt dreier Strecken nach Götzenhof, Vacha und Wüstensachsen.

An der Abzweigstelle Aura bei Kilometer 26,5 mündete die Ulstertalbahn aus Richtung Tann ein.

Das Empfangsgebäude wurde 1891 in Betrieb genommen und ist baugleich, aber spiegelbildlich zu dem des Bahnhofs Tann.

Der Backsteinbau hat zahlreiche Erker und Zinnen, er steht in Privatbesitz und dient nach einer Sanierung nach 2002 als Wohnhaus.

Auf einem verbliebenen Gleisstück ist ein Schienenbus der Baureihe VT 98 abgestellt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor der Bahnhof an Verkehr, weil die Ulstertalbahn an der Zonengrenze unterbrochen war.

Am 27. September 1986 endete der Personenverkehr nach Fulda, die Gleisreste wurden im November 1995 abgebaut.

Der Milseburgradweg endet kurz hinter dem ehemaligen Bahnhof.

Der Bahnhof Hilders mit abgestelltem Schienenbus.
Der Bahnhof Hilders mit abgestelltem Schienenbus. Foto: Presse03, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Hilders, 2016.
Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Hilders, 2016. Foto: Bybbisch94, Christian Gebhardt, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Batten: ein Haltepunkt im Ulstertal

Batten war ein Haltepunkt bei Kilometer 29,5.

Weitere Angaben sind nicht belegt.

Das Viadukt bei Thaiden über das Ulstertal, 2011.
Das Viadukt bei Thaiden über das Ulstertal, 2011. Foto: Presse03, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Seiferts: der Basalthalt

Seiferts war ein Haltepunkt bei Kilometer 32,1.

Der Basalt aus Seiferts war einer der Gründe für die Verlängerung der Strecke.

Der Güterverkehr zwischen Seiferts und Wüstensachsen endete am 1. März 1970, danach wurden die Gleise demontiert.

Im Güterverkehr fuhren noch bis Ende 1992 Züge bis Seiferts.

Wüstensachsen: der Endbahnhof

Wüstensachsen war der Endbahnhof bei Kilometer 35,3.

Die Braunkohle aus dem Schacht St. Barbara am Lettengraben sollte über einen Gleisanschluss bei Melperts abgefahren werden, deshalb wurde die Strecke am östlichen Ufer der Ulster geführt.

Die Grube brachte nicht die erhoffte Ausbeute.

Am 25. September 1966 fuhr der letzte Personenzug von Hilders nach Wüstensachsen, danach fuhren Busse.

Der Schienenersatzverkehr endete zum 1. März 1970.

Der Bahnhof Wüstensachsen, Endstation der Strecke, 2011.
Der Bahnhof Wüstensachsen, Endstation der Strecke, 2011. Foto: Presse03, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Niedergang: von den Rändern her

Wegen des schlechten Zustands der Gleise wurde der Abschnitt Hilders–Wüstensachsen zuerst stillgelegt, 1966 für den Personenverkehr und 1970 ganz.

Am 27. September 1986 wurde der Personenverkehr zwischen Fulda und Hilders eingestellt.

Güterverkehr fand noch bis Ende 1992 statt, am 31. Juli 1993 wurde die gesamte Strecke Götzenhof–Seiferts stillgelegt.

Die Gleise wurden im November 1995 abgebaut.

So sieht es jetzt aus

2003 entstand auf der Trasse der Milseburgradweg.

Er führt als Teil des hessischen Radfernwegs R3 auf 27 Kilometern von Götzenhof bis Hilders und ist durchgehend asphaltiert.

Die Steigung beträgt höchstens 3 Prozent.

Der Milseburgtunnel ist Deutschlands längster Fahrradtunnel.

Vorher und nachher: Schienenbus 1981 und Tunnel heute

Wo 1981 Schienenbusse zwischen Elters und Milseburg fuhren, verläuft heute der Radweg.

Die beiden Aufnahmen des Schienenbusses weiter oben und die Bilder des Milseburgtunnels zeigen dieselbe Strecke in beiden Zuständen.

Die Geschichte in Daten

1889: Götzenhof–Bieberstein wird eröffnet.

1890: Bieberstein–Hilders wird eröffnet, der Milseburgtunnel geht in Betrieb.

1916: Hilders–Wüstensachsen wird eröffnet.

1945: In der Karwoche steht ein Zug des Oberkommandos der Wehrmacht West im Milseburgtunnel.

1966: Der letzte Personenzug fährt nach Wüstensachsen.

1986: Der Personenverkehr Fulda–Hilders endet.

1993: Die Strecke Götzenhof–Seiferts wird stillgelegt.

1995: Die Gleise werden abgebaut.

2003: Der Milseburgradweg wird eröffnet.

Häufige Fragen

Fährt auf der Strecke noch ein Zug?
Nein. Der Personenverkehr Fulda–Hilders endete am 27. September 1986, die Strecke wurde 1993 stillgelegt und die Gleise 1995 abgebaut.
Wie lang ist der Milseburgtunnel?
Er ist 1.172 Meter lang und war ein Eisenbahntunnel, heute ist er Teil des Radwegs.
Wann ist der Milseburgtunnel für Radfahrer offen?
Vom 15. April bis zum 31. Oktober, im Winter ist er für Fledermäuse gesperrt.
Ist die Rhönbahn Fulda–Gersfeld dieselbe Strecke?
Nein, die Rhönbahn Fulda Bronnzell–Gersfeld ist eine andere Strecke.
Wem gehört der Bahnhof Hilders?
Das Empfangsgebäude ist in Privatbesitz und dient als Wohnhaus.

Die Strecke erschloss die nördliche Rhön und verlor ihre Bedeutung durch Straßenverkehr und schlechte Gleise.

Von den Halten blieben vor allem die Bauwerke und der Radweg auf der Trasse.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnstrecke Götzenhof–Wüstensachsen · Wikipedia: Bahnhof Hilders · Wikipedia: Milseburgtunnel · Wikipedia: Milseburgradweg · Wikipedia: Hofbieber

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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