Die Wachtlbahn: Eine stillgelegte Grenzbahn von Kiefersfelden nach Wachtl
Die Wachtlbahn führte von Kiefersfelden in Bayern bis nach Wachtl in Tirol, zuerst für Kalkstein, dann als Museumsbahn. Im Oktober 2017 erließ das bayerische Verkehrsministerium den Stilllegungsbescheid.

Lage: Von Kiefersfelden in Bayern bis Wachtl in der Gemeinde Thiersee in Tirol. Status: Das bayerische Verkehrsministerium erließ im Oktober 2017 den Stilllegungsbescheid. Heute: Der Verein sanierte die Strecke 2019, die für 2021 geplante Wiederaufnahme des Betriebs erfolgte nicht.
Die Wachtlbahn war eine elektrisch betriebene Schmalspurbahn mit 900 Millimetern Spurweite zwischen Kiefersfelden in Deutschland und Wachtl in der Gemeinde Thiersee in Österreich.
Wichtigstes Transportgut war Kalkstein, der in Thiersee abgebaut und im Zementwerk in Kiefersfelden verarbeitet wurde.
Ab 1991 gab es touristischen Personenverkehr, den die Museums-Eisenbahn-Gemeinschaft Wachtl als Wachtl-Express und Kieferer Grenz-Bahn vermarktete.
2017 wurde die Strecke wegen Mängeln am Oberbau stillgelegt.
Von den Halten liegt nur der Endbahnhof Wachtl in Österreich, alle anderen liegen in Bayern.
Alte freie Fotos aus der Zeit des Güterverkehrs fehlen, die Bilder stammen aus der Zeit ab 2003.
Entstehung: von der Rollbahn zur Werkbahn
Die Wachtlbahn ging aus handbetriebenen Rollbahnen hervor, die Brennholz transportierten.
Sie verbanden schon damals grenzüberschreitend die Steinbrüche in Wachtl mit den Brennöfen und Mahlwerken in Bayern.
Der Bahnverkehr begann 1830 mit einer Spurweite von 600 Millimetern und führte zunächst nur bis zum Gießenbach.
Ab etwa 1860 diente die Infrastruktur als Pferdebahn auch dem Transport von Steinen.
Dafür wurde die Strecke bis zur 1858 eröffneten Inntalbahn in Kiefersfelden verlängert.
Dort wurde im Ortsteil Au der Zement der damaligen Perlmoser Zementwerke AG verladen.
Ab 1923 firmierte das Zementwerk als Bayerische Portland Cement-Fabrik Kiefersfelden.
Im selben Jahr wurde die Bahn auf 820 Millimeter umgespurt und mit einer Nassdampflokomotive von Maffei betrieben.
Die Weltwirtschaftskrise zwang 1930 und 1931 zu einer vorübergehenden Betriebseinstellung.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde auf Diesellokomotiven umgestellt, die täglich 1.200 Tonnen beförderten.
Ab 1961 ermöglichten zwei Ausweichen in Hechtsee/Schöffau und Breitenau eine tägliche Transportkapazität von 2.000 Tonnen.
Die Heidelberger Zement AG elektrifizierte die Bahn in den Jahren 1968 bis 1970.
Dabei wurde die Spurweite auf 900 Millimeter geändert, als Spannung wurden 1.200 Volt Gleichstrom gewählt.
Im Bereich der Gießenbachmündung wurde die alte Trasse im Zuge der Thierseestraße auf etwa 1,2 Kilometern aufgegeben und auf die andere Flussseite verlegt.
Dafür waren zwei Brücken über den Kieferbach nötig.

So sah es vorher aus: Zement, Museumszüge und Ausweichen
Bis zur vorübergehenden Einstellung des Güterverkehrs nach der Schließung des Zementwerks am 31. Dezember 2002 wurden täglich etwa 4.000 Tonnen transportiert.
Sie verteilten sich auf acht bis zehn Züge täglich.
Ab 2009 verkehrten werktäglich wieder ein bis zwei Güterzüge.
Das Gestein wurde dabei nur noch auf normalspurige Güterwagen umgeladen.
Die beiden Ausweichgleise in Hechtsee/Schöffau und Breitenau wurden schon vor der Einstellung des Güterverkehrs zurückgebaut, die Oberleitungen blieben erhalten.
Der Verein Museums-Eisenbahn-Gemeinschaft Wachtl wurde am 17. Dezember 1990 mit Zustimmung und Förderung der HeidelbergCement AG gegründet.
Am 6. Juli 1991 bot er erstmals Personenverkehr an Wochenenden und Feiertagen in der Sommersaison an.
Damals gingen fünf Zwischenhaltepunkte in Betrieb, die bis auf Hechtsee/Schöffau alle als Bedarfshalte ausgewiesen waren.
1994 konnte der Verein als eigenständiges Eisenbahnverkehrsunternehmen aus der HeidelbergCement AG ausgegliedert werden.
Die Reisezeit über die gesamte Strecke betrug 20 Minuten.
Zuletzt beförderte die Museumsbahn 5.000 Reisende im Jahr.


Niedergang und Ende
Aufgrund von Schäden an der Infrastruktur erhielt die Wachtlbahn im Frühjahr 2017 von der Aufsichtsbehörde keine Genehmigung mehr für den Fahrbetrieb der anstehenden Saison.
Im Oktober 2017 erließ das bayerische Verkehrsministerium den Stilllegungsbescheid für die Strecke.
Ungeachtet dessen wurde die gesamte Strecke 2019 vom Verein saniert.
Eine Wiederaufnahme des Betriebs war für 2021 geplant, erfolgte jedoch nicht.
Kiefersfelden Zementwerk
Der Ausgangspunkt der Strecke war der Bahnhof Kiefersfelden am Zementwerk bei Kilometer 0,0.
Hier wurden die Steinbruchgüter auf Normalspur umgeladen, im Ortsteil Au lag die Verladestelle an der Inntalbahn.
Siedlerweg und Kohlstatt
Die Haltestelle Siedlerweg lag bei Kilometer 0,5, die Haltestelle Kohlstatt bei Kilometer 1,3.
Zwischen Kohlstatt und Hechtsee ist ein Wachtl-Express fotografiert worden.

Hechtsee/Schöffau
Hechtsee/Schöffau lag bei Kilometer 2,5 und war früher ein Bahnhof mit Ausweiche.
Bei der Aufnahme des Personenverkehrs 1991 war es der einzige Zwischenhalt, der nicht als Bedarfshalt ausgewiesen war.
Die Ausweiche wurde vor Einstellung des Güterverkehrs zurückgebaut.

Alter Steinbruch
Zwischen Hechtsee/Schöffau und Breitenau zweigte die Anschlussbahn zum Alten Steinbruch ab.
Von ihr sind Gleisreste und mehrere Brücken erhalten.

Breitenau
Breitenau lag bei Kilometer 3,5 und war ebenfalls früher ein Bahnhof mit Ausweiche.
Die Ausweiche wurde schon vor der Einstellung des Güterverkehrs zurückgebaut.

Gießenbachklamm
Die Haltestelle Gießenbachklamm lag bei Kilometer 3,9 nahe der Gießenbachmündung.
Bis zum Gießenbach reichte 1830 auch der erste Streckenabschnitt der Rollbahn.

Wachtl in Tirol
Der Endbahnhof Wachtl lag bei Kilometer 4,9 an der Staatsgrenze zwischen Deutschland und Österreich.
Das beidseitig an die Strecke angeschlossene Ladegleis war wegen der Verladeeinrichtung für Schotter nicht durchgehend mit Oberleitung ausgestattet.
Für den Zugbetrieb waren deshalb immer zwei Lokomotiven nötig.
Eine brachte den Zug nach Wachtl, die andere folgte als Lokzug, um hinten anzukuppeln und die Wagen zurück nach Kiefersfelden zu ziehen.
Das Streckenende liegt seit der Einstellung des Güterverkehrs bei Kilometer 5,1, der Steinbruch bei Kilometer 6,1.

Die Fahrzeuge
Die drei Personenwagen stammen aus der Erstausstattung der 1912 eröffneten Wendelsteinbahn.
Zwei von ihnen kamen 1991 zur Wachtlbahn, ein weiterer Wagen wurde 1993 erworben und zum Barwagen umgebaut.
Alle mussten zuvor von 1.000 auf 900 Millimeter umgespurt werden.
Zwei Elektrolokomotiven der Bauart Krokodil von Brown, Boveri & Cie. aus dem Jahr 1928 befinden sich seit 1967 in Kiefersfelden.
Die Geschichte in Daten
1830: Beginn der Rollbahn mit 600 Millimetern Spurweite bis zum Gießenbach.
Um 1860: Die Strecke wird als Pferdebahn bis Kiefersfelden verlängert.
1923: Umspurung auf 820 Millimeter.
1961: Zwei Ausweichen in Hechtsee/Schöffau und Breitenau.
1968 bis 1970: Elektrifizierung und Umspurung auf 900 Millimeter.
17. Dezember 1990: Gründung der Museums-Eisenbahn-Gemeinschaft Wachtl.
6. Juli 1991: Erster Personenverkehr.
31. Dezember 2002: Schließung des Zementwerks, Güterverkehr eingestellt.
2009: Wieder ein bis zwei Güterzüge werktäglich.
Oktober 2017: Stilllegungsbescheid für die Strecke.
2019: Sanierung durch den Verein.
Häufige Fragen
Liegt die Wachtlbahn in Österreich?
Wann wurde die Wachtlbahn stillgelegt?
Welche Spurweite hatte die Bahn?
Wozu diente die Bahn ursprünglich?
Gab es Personenverkehr?
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