Die stillen Halte der Tecklenburger Nordbahn zwischen Osnabrück und Rheine
Auf der Tecklenburger Nordbahn endete der Personenverkehr 1965 und 1967, heute fährt dort kaum noch ein Zug. Der Beitrag geht die Halte von Langenbrück bis Uthuisen durch.

Lage: Nördliches Tecklenburger Land zwischen Osnabrück und Rheine. Status: Kein Personenverkehr seit 1965 beziehungsweise 1967, nicht stillgelegt, nur noch Auslaufbetrieb ohne regelmäßige Nutzung. Heute: Mehrmals im Jahr fährt der Teuto-Express, am Pfingstmontag der Pingel-Anton.
Die Tecklenburger Nordbahn ist eine normalspurige Strecke durch die Gemeinden des nördlichen Tecklenburger Landes zwischen Osnabrück und Rheine.
Von der Eröffnung bis zur Umspurung 1935 war sie eine Schmalspurbahn mit 1.000 Millimetern Spurweite und hieß Kleinbahn Piesberg–Rheine.
Der Personenverkehr wurde schrittweise auf Busse umgestellt und 1965 auf dem Abschnitt Mettingen–Osnabrück sowie 1967 auf dem Abschnitt Mettingen–Rheine ganz eingestellt.
Die Strecke ist nicht stillgelegt, wird aber im Auslaufbetrieb ohne regelmäßige Nutzung befahren.
Mehrmals im Jahr verkehrt dort der Teuto-Express, und am Pfingstmontag fährt der Pingel-Anton, eine Dampflokomotive des Fördervereins Eisenbahn-Tradition, von Osnabrück nach Mettingen.
Dieser Beitrag geht die Halte Langenbrück, Mettingen, Oberespel, Recke, Bad Steinbeck, Zumwalde, Uffeln, Ostenwalde und Uthuisen einzeln durch.
Aus der Betriebszeit sind keine freien Fotos vorhanden, die Bilder zeigen die Orte heute.
Entstehung: Ein Bahnanschluss für den Norden
Die Hauptstrecke zwischen Rheine und Osnabrück war bereits 1856 eröffnet worden.
Der Norden des Tecklenburger Landes blieb davon unberührt, weil die Hannoversche Westbahn durch das Ibbenbürener Tal führte.
Die bis zu 170 Meter hohe Ibbenbürener Bergplatte bildete eine Barriere in Richtung Süden.
Von Recke aus musste der Dickenberg überquert werden, um die Bahnhöfe Esch oder Ibbenbüren zu erreichen.
1891 bildete sich ein Eisenbahnkomitee aus den Gemeinden Recke und Mettingen sowie Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft.
Zunächst war eine Linie von Bramsche über Recke und Mettingen nach Hörstel favorisiert, mit einem Hafen am Dortmund-Ems-Kanal.
Die Preußischen Staatseisenbahnen blockierten diesen Verlauf, weil sie keinen Anschluss an den Mittellandkanal bei Bramsche dulden wollten.
Deshalb beschränkte man sich auf die Strecke Piesberg und Eversburg – Mettingen – Recke – Hörstel.
In Hopsten und Dreierwalde wurde der Bau abgelehnt, weshalb die Strecke noch heute einen Bogen um das Hopstener Gemeindegebiet beschreibt.
Der Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein beteiligte sich finanziell und planerisch.
Er wollte Grubenwasser der Zeche Piesberg in einem Graben entlang der Trasse zur Ems leiten.
Erst 1896 gelang es mit Zustimmung des Landeshauptmannes der Provinz Westfalen, die Bauplanung durchzusetzen.
Am 13. März 1900 wurde der Bau in der geänderten Spurweite von 1.000 Millimetern genehmigt, am 26. September 1900 folgte die Konzession.
Die Kleinbahn Piesberg–Rheine AG wurde am 24. Juli 1900 im Osnabrücker Hotel Germania gegründet, ihr Aktienkapital betrug 1,7 Millionen Mark.
Am 24. Oktober 1903 wurde der Verkehr auf dem ersten Teilstück Osnabrück–Recke aufgenommen.
Im Mai 1904 folgte der Verkehr nach Rheine Kanalhafen und ein Jahr später nach Rheine.
Die Eröffnung der gesamten Strecke fand am 10. Mai 1905 statt.
So sah es vorher aus: Drei Stunden Fahrzeit
Bis zum Ersten Weltkrieg entwickelte sich die Kleinbahn sehr positiv, in Rheine entstanden allein bis 1908 sechs Gleisanschlüsse zu verschiedenen Firmen.
Die Fahrzeit für die gesamte Strecke lag bei rund drei Stunden.
Beim Umstieg auf die Staatsbahn waren lange Strecken zu Fuß zurückzulegen, und im Güterverkehr mussten die Güter an den Endstationen aufwendig umgeladen werden.
Eine Umspurung wurde schon 1922 vorgeschlagen.
Am 28. April 1928 wurde der Planfeststellungsbeschluss genehmigt, wegen der Wirtschaftskrise war sie zunächst nicht finanzierbar.
Im August 1933 wurden Mittel aus Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen bereitgestellt, ab Oktober 1933 verlegte man in Notstandsarbeiten Normalspurschwellen.
Die Normalspurschienen wurden seitlich der Schmalspurschienen aufgenagelt, damit der Verkehr nicht behindert wurde.
Am 5. Dezember 1934 fuhr erstmals ein normalspuriger Triebwagen zwischen Rheine und Mettingen.
Die polizeiliche Abnahme erfolgte am 30. März 1935, von da an hießen Strecke und Unternehmen Tecklenburger Nordbahn AG.
Langenbrück: Der ehemalige Haltepunkt
Zwischen Westerkappeln und Mettingen lag der Haltepunkt Langenbrück, der inzwischen aufgegeben ist.
2016 wurde ein schmalspuriger Packwagen aus einem Anbau des Bahnhofs Langenbrück geborgen und an einen Privatmann verkauft.


Mettingen: Der Pingel-Anton und der alte Bahnhof
Die Strecke führt in Mettingen am Werksgelände von Coppenrath & Wiese vorbei zum Bahnhof.
Am Pfingstmontag fährt der Pingel-Anton, eine Dampflokomotive des Fördervereins Eisenbahn-Tradition, zwischen Osnabrück und Mettingen.
Im Rahmen des Ausbaus der Landstraße 599 zwischen Mettingen und Westerkappeln wurde die Strecke 2007 und 2008 saniert.
Auf 1,2 Kilometern tauschten Bahngleise und Straßentrasse die Seiten, dadurch entfielen zwei Bahnübergänge der Landstraße.
Auch die Brücke über den Stollenbach wurde erneuert.
Oberespel: Der Haltepunkt vor dem Kanal
Hinter dem Ortszentrum von Mettingen folgen die Haltepunkte Schlickelde und Oberespel, bevor die Strecke den Mittellandkanal überquert.
Für eine Reaktivierung des Personenverkehrs ist statt der zwei stündlich bedienten Haltepunkte Espel und Schlickelde eine Station Schlickelde-Espel mit Park-and-ride-Platz vorgesehen, die halbstündlich bedient werden soll.

Recke: Der Bahnhof musste weichen
Durch den Bau des Mittellandkanals 1910 und 1911 musste der Bahnhof Recke 500 Meter nach Norden verschoben werden, weil der alte Bahnhof dem Kanal im Weg stand.
Der Bahnhof Recke liegt hinter der Brückenrampe über den Mittellandkanal.
Am 18. April 1994 wurde die neue Brücke über den Mittellandkanal mit zwei Autokranen eingehoben.
Sie ist 61,5 Meter lang, 6 Meter breit und 11 Meter hoch und wiegt 230 Tonnen.


Bad Steinbeck: Haltestelle mit Ladegleis
In Bad Steinbeck gab es neben dem durchgehenden Streckengleis und einer Haltestelle auch ein Ladegleis.
Dort stehen heute noch ein Güterschuppen und, wie bei der Haltestelle, kein Bahnsteig mehr.

Zumwalde: Benannt nach der Gaststätte
Der Bahnhof Zumwalde liegt im Recker Ortsteil Obersteinbeck.
Benannt wurde er nach der benachbarten Gaststätte, die lange Zeit als Bahnagentur diente.
Neben einem Ausweichgleis gibt es mehrere Güterschuppen.
Der 1990 an eine Privatperson verkaufte Güterschuppen an der Nordwestseite des Geländes wurde Anfang Mai 2008 wegen starker Baufälligkeit abgerissen.
An seiner Stelle stellte die Steinbecker Ortsgruppe der IGBCE eine Grubenlok des Bergwerks Ibbenbüren mit einem Personenwagen auf.



Uffeln: Gleis zum Industriegebiet
In Uffeln zweigt ein Gleis zum Industriegebiet am Mittellandkanal ab.
Gleise führen dort zum Fiege-Megacenter, zur Chemischen Fabrik Angus und an eine Mole.
Im Ortskern von Uffeln lag ein Abstellgleis der Strecke.

Ostenwalde: Das gesperrte zweite Gleis
Im Bahnhof Ostenwalde waren einst neben dem durchgehenden Streckengleis zwei weitere Gleise vorhanden.
Später bestand durch einen zweigleisigen Streckenabschnitt noch die Möglichkeit für Zugkreuzungen.
Durch eine gesperrte Weiche hat das zweite Gleis diesen Nutzen verloren.

Uthuisen: Das Abstellgleis ohne Weiche
In Uthuisen befand sich unmittelbar neben dem Haltepunkt ein Abstellgleis.
Es wurde durch das Entfernen der Weiche vom Rest der Strecke getrennt.
Niedergang: Vom Zug zum Bus
Im Zweiten Weltkrieg wurde der Betrieb zu Kriegsende am 30. März zwischen Rheine und Recke und am 2. April auf der übrigen Strecke eingestellt.
Die Wehrmacht sprengte die Kanalbrücken.
Die Brücke bei Recke war erst ab dem 3. Dezember 1946 wieder befahrbar, die Brücke über den Dortmund-Ems-Kanal am 5. Februar 1947.
Durch Hamsterzüge stieg die Zahl der Fahrgäste 1946 auf 1,244 Millionen im Jahr.
Der 1951 beschaffte Schienenbus war der erste in Nordrhein-Westfalen.
Auch die Eisenbahngesellschaft setzte Buslinien ein, 1960 wurde sie in Verkehrsbetriebe Kreis Tecklenburg umbenannt.
Zwischen Mettingen und Osnabrück wurde 1962 nur noch ein Zuglauf angeboten, 1965 endete der Personenverkehr dort endgültig.
Zwischen Mettingen und Rheine wurde der Verkehr 1965 eingeschränkt, 1966 auf zwei Zugpaare reduziert und 1967 ganz eingestellt.
Seitdem dient die Strecke dem Güterverkehr und dem Museumsverkehr der Eisenbahn-Tradition Lengerich.
1970 wurden die Verkehrsbetriebe in der Regionalverkehr Münsterland GmbH mit anderen Nahverkehrsbetrieben zusammengeführt.
Am 23. Oktober 1989 wurde die Ausfädelung bei Eversburg um mehr als einen Kilometer nach Norden verlegt, das alte Streckengleis wurde stillgelegt und abgebaut.
Nach dem Ende des Bundeswehrfliegerhorstes in Hopsten gab es keine Einigung über die Verlustabdeckung zwischen dem Kreis Steinfurt und den Anliegergemeinden.
Deshalb wird die Strecke seit 2014 im Auslaufbetrieb ohne regelmäßige Nutzung betrieben, sie ist aber nicht stillgelegt oder entwidmet.
So sieht es jetzt aus: Reaktivierung im Gespräch
Seit 1999 verbindet eine Schnellbuslinie Recke mit Osnabrück und bedient dabei Mettingen und Westerkappeln entlang der Bahnlinie.
Die Zweckverbände SPNV Münsterland und Nahverkehr Westfalen-Lippe, der Kreis Steinfurt und verschiedene Kommunen streben eine Reaktivierung des Personenverkehrs zwischen Recke und Osnabrück Hauptbahnhof an.
Im Juni 2021 wurden die Ergebnisse einer standardisierten Bewertung für den Abschnitt Recke–Rheine bekanntgegeben, mit 1,6 lag der Nutzen-Kosten-Wert deutlich über dem geforderten Mindestwert von 1,0.
Die Geschichte in Daten
1856: Die Hauptstrecke zwischen Rheine und Osnabrück wird eröffnet.
1891: Ein Eisenbahnkomitee bildet sich.
24. Juli 1900: Gründung der Kleinbahn Piesberg–Rheine AG.
24. Oktober 1903: Verkehr zwischen Osnabrück und Recke.
10. Mai 1905: Eröffnung der gesamten Strecke.
1910 und 1911: Der Bahnhof Recke wird für den Mittellandkanal verschoben.
28. April 1928: Planfeststellungsbeschluss zur Umspurung.
5. Dezember 1934: Erster normalspuriger Triebwagen zwischen Rheine und Mettingen.
30. März 1935: Polizeiliche Abnahme, die Strecke heißt nun Tecklenburger Nordbahn.
1951: Der erste Schienenbus in Nordrhein-Westfalen.
1965: Personenverkehr Mettingen–Osnabrück endet.
1967: Personenverkehr Mettingen–Rheine endet.
23. Oktober 1989: Die Ausfädelung bei Eversburg wird verlegt.
18. April 1994: Neue Brücke über den Mittellandkanal in Recke.
2014: Auslaufbetrieb ohne regelmäßige Nutzung.
Häufige Fragen
Ist die Tecklenburger Nordbahn stillgelegt?
Wann endete der Personenverkehr?
Was ist der Pingel-Anton?
Welche Spurweite hatte die Bahn früher?
Gibt es Pläne für Personenzüge?
Die Tecklenburger Nordbahn ist damit eine Strecke, die rund 60 Jahre Personenverkehr hatte und heute vor allem durch Sonderfahrten befahren wird.
Wikipedia: Tecklenburger Nordbahn · Wikimedia Commons: Bilder zur Tecklenburger Nordbahn
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