Geilenkirchener Kreisbahn: Die stillen Halte der Meterspurbahn
Die Geilenkirchener Kreisbahn war eine knapp 38 Kilometer lange Meterspurbahn von Alsdorf über Geilenkirchen bis Tüddern. Heute erinnern Reste der Trasse und die Museumsbahn Selfkantbahn an sie.

Lage: Alsdorf, Geilenkirchen und der Selfkant im Kreis Heinsberg und im Raum Aachen. Status: stillgelegt, Teilstück als Museumsbahn. Heute: Die Selfkantbahn fährt auf 5,5 Kilometern.
Die Geilenkirchener Kreisbahn war eine knapp 38 Kilometer lange, meterspurige Kleinbahn im Westen Nordrhein-Westfalens.
Sie erschloss von Alsdorf über Geilenkirchen den Selfkant bis Tüddern und einen Teil des Jülicher Landes.
Der Betrieb wurde ab 1953 schrittweise aufgegeben und 1973 ganz eingestellt.
Auf einem Reststück läuft heute die Selfkantbahn als Museumsbahn.
Dieser Beitrag geht die Halte der Strecke durch, die nicht mehr im Regelbetrieb bedient werden.
Alte freie Fotos der Halte stehen nicht zur Verfügung, die Bilder zeigen den heutigen Zustand und die Museumsbahn.
Wie die Kreisbahn entstand
Der Kreistag beschloss am 4. März 1895 den Bau einer Kleinbahn in Meterspur.
Die Strecke baute die Westdeutsche Eisenbahn-Gesellschaft in Köln, eine Tochter der Firma Lenz & Co.
Die Bahn wurde am 7. April 1900 in Betrieb genommen.
Eine geplante Verlängerung von Tüddern bis zum Bahnhof Sittard wurde aus politischen Gründen nicht genehmigt.
Der Bahnhof Tüddern war aber fußläufig aus Broeksittard, einem Stadtteil der niederländischen Stadt Sittard, erreichbar.
Betriebsmittelpunkt war der Kleinbahnhof der Kreisstadt Geilenkirchen, ein Kopfbahnhof nahe dem Staatsbahnhof.
Von dort führte ein 17 Kilometer langer Streckenast über Puffendorf nach Alsdorf.
Der andere Ast führte über Gillrath, Langbroich-Schierwaldenrath und Gangelt nach Tüddern und war 22 Kilometer lang.
Eine Verbindungskurve zwischen den beiden Ästen wurde nie gebaut, deshalb musste ein durchgehender Zug in Geilenkirchen die Fahrtrichtung wechseln.
Alsdorf und Baesweiler
Der Kleinbahnhof Alsdorf lag im nördlichen Teil des Aachener Kohlenreviers.
Hier bestand eine Umsteigemöglichkeit zur Straßenbahn über Mariadorf nach Eschweiler.
Der Staatsbahnhof Alsdorf lag 800 Meter entfernt an der Strecke Herzogenrath-Stolberg.
Der Betrieb nach Baesweiler wurde nach dem Krieg am 1. Februar 1946 wieder aufgenommen, nach Alsdorf am 11. Februar.
Der Personenverkehr zwischen Geilenkirchen und Alsdorf endete 1953.
Puffendorf
In Puffendorf bestand Anschluss an die Jülicher Kreisbahn.
Der Güterverkehr auf dem südlichen Ast endete schrittweise: 1953 zwischen Puffendorf und Alsdorf, zuletzt 1966 auf dem Reststück.
Weitere Einzelheiten zum Halt sind nicht belegt.
Geilenkirchen
Der Kreisbahnhof beherbergte Werkstatt, Verwaltung und die Übergabegleise zur Staatsbahn.
Im Krieg wurden die Brücken über die Wurm und die Herzog-Wilhelm-Straße gesprengt.
Bis zum 11. Januar 1947 konnten Züge nach dem Wiederaufbau der Wurmbrücke nur von und bis Bauchem fahren.
Bis zum Umbau der Ladegleise auf Regelspur 1973 blieb in Geilenkirchen ein Restbetrieb, bei dem Güterwagen der Staatsbahn auf Rollböcken zum Ladegleis der Kreisbahn gebracht wurden.
Vor dem früheren Kreisbahnhof steht heute ein Denkmal eines Rollbocks.
Gillrath

Gillrath liegt auf dem Ast in den Selfkant.
Hier beginnt heute die Museumsbahn Selfkantbahn.
Zwischen Geilenkirchen und Gillrath war der Oberbau zu schlecht, um die Strecke noch regelmäßig zu befahren, deshalb wurde der Museumsbetrieb seit 1973 auf das Stück zwischen Gillrath und Schierwaldenrath beschränkt.
Die Kreisbahnstraße in Gillrath erinnert an die alte Trasse.


Langbroich-Schierwaldenrath
Der Bahnhof Langbroich-Schierwaldenrath hatte Verladerampen für Zuckerrüben.
Im September 1944 wurde dort ein Zug während der Einfahrt von einem Tiefflieger beschossen, dabei kamen mindestens 30 Menschen ums Leben.
Angaben zu Datum und Zahl der Toten gehen auseinander.
Wenige Tage später wurde der Betrieb wegen der heranrückenden Front eingestellt.
Der Güterverkehr zwischen Schierwaldenrath und Gangelt endete am 4. Dezember 1969, der letzte Güterverkehr im Selfkant am 1. Juli 1971.
Heute ist Schierwaldenrath der Betriebsmittelpunkt der Selfkantbahn mit Werkstätten, Bekohlungsvorrichtung und Abstellmöglichkeiten.



Gangelt

Gangelt hatte eine Verladerampe für Zuckerrüben und war nach dem Krieg zeitweise Endpunkt der Strecke.
Der Personenverkehr zwischen Geilenkirchen und Gangelt wurde zum 1. Oktober 1960 eingestellt.
Zwischen Schierwaldenrath und Gangelt ist ein Grünzug an der alten Trasse erhalten.
Süsterseel, Wehr und Tüddern
Das letzte Stück der Strecke ab Süsterseel war ursprünglich für eine nie gebaute Selfkantbahn des Kreises Heinsberg vorgesehen und kam erst 1905 in den Besitz des Kreises Geilenkirchen.
Als der Selfkant am 23. April 1949 unter niederländische Verwaltung gestellt wurde, musste der Betrieb zwischen Gangelt und Tüddern auf Anordnung der niederländischen Behörden eingestellt werden.
Nach dem Ende der Mandatsverwaltung 1963 wurde er nicht wieder aufgenommen.
Süsterseel, Wehr und Tüddern wurden nie wieder in Betrieb genommen.
Niedergang und Ende
Nach der Währungsreform sanken die Fahrgastzahlen auf Tiefstände.
Den Personenverkehr übernahmen Omnibusse, die seit dem 4. Dezember 1949 immer mehr Linien eröffnet hatten.
Der schlechte Oberbau ließ kaum noch einen störungsfreien Betrieb zu.
Der Güterverkehr wurde nach und nach aufgegeben, weil Traktoren und Lastwagen das Erntegut direkt vom Hof zur Verarbeitung brachten.
1973 endete der letzte Rest des Betriebs.
So sieht es jetzt aus
Teile der Trasse sind als Feldweg, Bahnradweg oder Baumallee erkennbar.
Stellenweise entstanden Neubaugebiete, deren Namen an die Trasse erinnern.
Die Selfkantbahn ist eine Museumsbahn auf einem 5,5 Kilometer langen Reststück und die letzte erhaltene 1000-mm-Kleinbahn in Nordrhein-Westfalen.
Seit 1969 gab es dort einen ersten historischen Schienenverkehr, seit 1973 läuft der Museumsbetrieb auf dem Teilstück Gillrath-Schierwaldenrath.
Vorher und nachher
Geilenkirchen: früher Betriebsmittelpunkt mit Werkstatt, heute ein Rollbock-Denkmal.
Gillrath: früher Halt der Kreisbahn, heute Ausgangspunkt der Selfkantbahn.
Gangelt: früher Bahnhof mit Wirtschaft, heute die ehemalige Bahnhofswirtschaft.
Tüddern: früher Endpunkt, seit 1949 ohne Verkehr.
Die Geschichte in Daten
4. März 1895: Der Kreistag beschließt den Bau der Kleinbahn.
7. April 1900: Die Bahn wird in Betrieb genommen.
1905: Das letzte Streckenstück ab Süsterseel geht in den Besitz des Kreises Geilenkirchen über.
September 1944: Ein Zug wird in Schierwaldenrath beschossen, der Betrieb wird eingestellt.
1946: Der Betrieb wird wieder aufgenommen.
23. April 1949: Der Selfkant kommt unter niederländische Verwaltung, Gangelt-Tüddern wird stillgelegt.
1953: Der Personenverkehr Geilenkirchen-Alsdorf endet.
1. Oktober 1960: Der Personenverkehr Geilenkirchen-Gangelt endet.
1963: Das Ende der niederländischen Mandatsverwaltung.
1969: Der historische Schienenverkehr beginnt.
1. Juli 1971: Der Güterverkehr im Selfkant endet.
1973: Der Regelbetrieb endet, der Museumsbetrieb läuft weiter.
Häufige Fragen
Welche Spurweite hatte die Geilenkirchener Kreisbahn?
Wie lang war die Strecke?
Was ist heute die Selfkantbahn?
Wann endete der Personenverkehr?
Wer baute die Bahn?
Von der Kreisbahn blieben ein Reststück als Museumsbahn und Spuren der Trasse im Gelände.
Die übrigen Halte sind aus dem Regelbetrieb verschwunden.
Wikipedia: Geilenkirchener Kreisbahn · Selfkantbahn: Die Geilenkirchener Kreisbahnen · Selfkantbahn: 100 Jahre Geilenkirchener Kreisbahnen
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