Die stille Strecke Rheine–Coesfeld: Von der Bahn zur RadBahn Münsterland

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die stille Strecke Rheine–Coesfeld: Von der Bahn zur RadBahn Münsterland

Auf der Strecke Rheine–Coesfeld endete der Personenverkehr 1984, heute führt dort ein Radweg entlang. Der Beitrag geht die Halte St. Arnold, Horstmar und Darfeld durch.

Der ehemalige Bahnhof St. Arnold, ursprünglich die Bahnstation Neuenkirchen Land, 2006.
Der ehemalige Bahnhof St. Arnold, ursprünglich die Bahnstation Neuenkirchen Land, 2006. Foto: Zumthie at German Wikipedia, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.
Kurz erklärt
1879
Strecke eröffnet
1984
Personenverkehr endet
2008
Bau des Radwegs beginnt
2013
RadBahn eröffnet

Lage: Kreis Steinfurt und Kreis Coesfeld, Teilstück der Bahnstrecke Duisburg–Quakenbrück zwischen Rheine und Coesfeld. Status: Personenverkehr seit 1984 eingestellt, die Strecke ist stillgelegt. Heute: Ein 39,4 Kilometer langer Bahntrassenradweg, am Bahnhof St. Arnold sind Gleise für Draisinen erhalten.

Die Strecke von Rheine nach Coesfeld war ein Teilstück der Bahnstrecke Duisburg–Quakenbrück.

Der Personenverkehr endete 1984, der Güterverkehr 1993.

Auf der Trasse wurde die RadBahn Münsterland gebaut, ein 39,4 Kilometer langer Bahntrassenradweg.

Dieser Beitrag geht die Halte St. Arnold, Horstmar und Darfeld durch.

Ab Lutum ist die Strecke Richtung Coesfeld noch in Betrieb, dieser Abschnitt gehört nicht zu den stillen Halten.

Aus der Betriebszeit sind nur Aufnahmen aus den Jahren seit 2006 frei verfügbar.

Entstehung: Die Rheinische Nordseeverbindung

Die Rheinische Eisenbahn-Gesellschaft eröffnete am 1. Juli 1879 die Bahnstrecke Duisburg–Quakenbrück für den Personenverkehr.

Sie war als Nordseeverbindung von Duisburg Hauptbahnhof nach Quakenbrück angelegt.

Der Abschnitt nach Coesfeld verband die Stadt Rheine und mit ihr die Strecken der Königlich-Westfälischen Eisenbahn-Gesellschaft mit dem Eisenbahnnetz des westlichen Münsterlandes.

St. Arnold: Eine Station in der Heide

Auf der Strecke hielten zunächst keine Züge in Neuenkirchen.

Erst 1890 erhielt die Gemeinde mit der Bahnstation Neuenkirchen Land ihren ersten direkten Anschluss an das Bahnnetz.

Die Station lag etwa vier Kilometer südlich des Hauptortes an der Emsdettener Straße in einer Heide- und Ödlandschaft.

Für die Gemeinde war sie deshalb zunächst relativ unbedeutend.

Die Station liegt auf dem Münsterländer Kiessandzug mit einem bedeutenden Grundwasservorkommen.

1894 wurde direkt westlich der Haltestelle das erste Wasserwerk in Neuenkirchen gebaut, das die Stadt Rheine bis heute betreibt.

Auf einer Karte von 1895 ist zu sehen, dass es schon damals einen Bahnanschluss hatte.

1915 errichtete die Militärverwaltung südöstlich der Station ein Militärlager von 31 bis 36 Hektar mit Bahnanschluss, ab 1916 diente es als Munitionslager.

1917 folgte nordwestlich der Station ein weiteres Munitionslager von 77 bis 85 Hektar mit zwei Zufahrtsgleisen und einem dreigleisigen Übergabebahnhof.

Beide Lager dienten nach dem Ende des Ersten Weltkriegs bis Ende 1931 der Munitionszerlegung.

1935 war jede Nutzung eingestellt, Lager und Gleisanlagen wurden größtenteils abgebaut.

Teile des Geländes sind heute ein Gewerbegebiet.

Schon 1924 hatten die Steyler Missionare in der Nähe der Station Land erworben, im September 1929 begann der Schulbetrieb im Missionshaus St. Arnold.

Der Name wurde so bekannt, dass es mit dem Bahnhof Neuenkirchen im Ortskern an der Strecke Ochtrup–Rheine, der seit 1905 bestand, immer wieder zu Verwechslungen kam.

Die Umbenennung wurde 1930 genehmigt, am 15. Mai 1931 hieß die Station Bahnhof St. Arnold.

Ein Antrag von 1949 auf Rückbenennung in Neuenkirchen-Land wurde vom Gemeinderat mehrheitlich abgelehnt.

Das Bahnhofsgebäude St. Arnold von Südwesten, 2006.
Das Bahnhofsgebäude St. Arnold von Südwesten, 2006. Foto: Zumthie, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.
Die Gleisanlagen am Ende des Bahnhofs St. Arnold, 2006.
Die Gleisanlagen am Ende des Bahnhofs St. Arnold, 2006. Foto: Zumthie, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.
Der Bahnübergang Emsdettener Straße in St. Arnold an der Strecke Rheine–Burgsteinfurt, 2006.
Der Bahnübergang Emsdettener Straße in St. Arnold an der Strecke Rheine–Burgsteinfurt, 2006. Foto: Zumthie / Zumthie at German Wikipedia, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen viele Vertriebene und Flüchtlinge in die Gemeinde Neuenkirchen.

Sie erhielten Wohnbauflächen nördlich des Bahnhofs, es entstand die Siedlung St. Arnold, heute der größte Ortsteil der Gemeinde außerhalb des Hauptortes.

Nordöstlich des Bahnhofs siedelten sich Gewerbebetriebe an, die Bahnanschlüsse erhielten.

In den 1960er Jahren standen auf den Abstellgleisen südöstlich des Bahnhofs lange Zeit ausgediente Dampflokomotiven, die später verschrottet wurden.

Horstmar: Ein Bahnhofscafé im Empfangsgebäude

Horstmar lag an dem Teilstück Rheine–Coesfeld, das 1984 im Personenverkehr und 1993 im Güterverkehr stillgelegt wurde.

Heute ist der Bahnhof Teil der RadBahn Münsterland.

Der zweite Bauabschnitt des Radwegs bis Horstmar wurde am 25. April 2012 eröffnet.

Im ehemaligen Bahnhofsgebäude befindet sich ein Bahnhofscafé.

Darfeld: Der alte Bahnhof als Generationenpark

In Darfeld wurde die RadBahn Münsterland am 5. Mai 2013 offiziell eröffnet.

Der Ort der Feier war der Generationenpark Darfeld, der alte Darfelder Bahnhof.

Die Eröffnung fand mit einem großen Fest statt.

Niedergang: Das Ende der Strecke

Der Rückgang der Fahrgastzahlen führte dazu, dass im September 1984 der Personenverkehr zwischen Rheine und Coesfeld eingestellt wurde.

Güterverkehr gab es teilweise noch bis Anfang der 1990er Jahre.

Zum 1. Januar 1993 wurde der Güterverkehr eingestellt.

Für den Bahnhof St. Arnold wird abweichend das Jahr 1999 als Ende von Güterverkehr und Stilllegung genannt.

Das direkte, im Personenverkehr genutzte Gleis zwischen Rheine und Hauenhorst wurde am 31. Mai 1986 stillgelegt.

Teilstücke der Strecke dienten als Abstellplätze für nicht mehr benötigte Güterwagen.

Die Strecke wurde noch einige Jahre als Reservestrecke für eine mögliche Reaktivierung bereitgehalten.

Nach und nach begann der Rückbau von Schienenabschnitten, und Dornen und Sträucher überwucherten die Trasse in weiten Teilen.

Im Jahr 2000 regte sich vor allem bei Fahrgast- und Naturschutzverbänden Empörung gegen den Abbau zugunsten eines Radwegs.

Sie wollten die Trasse als Ausweichstrecke für die Hauptstrecke über Münster ins Ruhrgebiet erhalten.

Am 30. September 2005 war der Rückbau des Abschnitts zwischen Burgsteinfurt und St. Arnold vollendet.

Der stillgelegte Abschnitt Coesfeld–Rheine der Bahnstrecke Duisburg–Quakenbrück bei Lutum, 2012.
Der stillgelegte Abschnitt Coesfeld–Rheine der Bahnstrecke Duisburg–Quakenbrück bei Lutum, 2012. Foto: Christian Liebscher ( Platte ), CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

So sieht es jetzt aus: Die RadBahn Münsterland

2008 entschlossen sich die angrenzenden Städte und Gemeinden, die stillliegende Trasse zu kaufen und zu einem Radweg umzubauen.

Das Land Nordrhein-Westfalen unterstützte das Vorhaben.

Die Baukosten betrugen etwa 6,4 Millionen Euro, davon übernahm das Land 5,2 Millionen Euro.

Am 16. Dezember 2008 fand am Bahnhof St. Arnold der erste Spatenstich statt.

Der erste Bauabschnitt bis Steinfurt wurde am 9. August 2009 im Bahnhof St. Arnold eröffnet.

Der zweite Abschnitt bis Horstmar folgte am 25. April 2012, der dritte bis Lutum am 21. September 2012.

Seit dem 20. Dezember 2012 ist das Teilstück von Rheine-Hauenhorst bis zum Staelskottenweg in Rheine befahrbar, es führt über das Gelände des ehemaligen Bahnbetriebswerks Rheine.

Am 5. Mai 2013 wurde die RadBahn offiziell eröffnet.

Bauarbeiten zum Radweg Schlossallee am Bahnhof St. Arnold im Mai 2009.
Bauarbeiten zum Radweg Schlossallee am Bahnhof St. Arnold im Mai 2009. Foto: Zumthie at de.wikipedia, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Radweg auf der alten Bahntrasse in Burgsteinfurt, 2009.
Der Radweg auf der alten Bahntrasse in Burgsteinfurt, 2009. Foto: Zumthie at German Wikipedia, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Der Radweg ist drei Meter breit und mit glattem Asphalt überzogen.

Die Längenangabe von 39,4 Kilometern bezieht sich auf den Ausbau zwischen den noch befahrenen Strecken Münster–Coesfeld und Münster–Rheine.

Dazu kommen etwa acht Kilometer von Coesfeld nach Lutum und etwa vier Kilometer von Hauenhorst bis Rheine.

Die Bahnhofsgebäude sind noch erhalten, und es gibt einige Brückenbauwerke, die fast alle restauriert wurden oder werden.

Der Leerbach an der Unterquerung der RadBahn Münsterland, 2014.
Der Leerbach an der Unterquerung der RadBahn Münsterland, 2014. Foto: Netzhering, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Am Bahnhof St. Arnold blieben zwei Gleise mit Weiche liegen, auf denen Fahrten mit einer historischen Handhebeldraisine möglich sind.

Der Eisenbahnverein Eisenbahn-Club Nordwest-Münsterland organisiert die Fahrten.

Seit 2013 richtet er jährlich eine Draisinenmeisterschaft aus.

Dort kann man auch alte Schienenwerkzeuge besichtigen, nach und nach soll ein Eisenbahnmuseum entstehen.

Das ehemalige Bahnhofsgebäude St. Arnold wurde verkauft und ist in Privatbesitz.

Das Empfangsgebäude des ehemaligen Bahnhofs St. Arnold, 2024.
Das Empfangsgebäude des ehemaligen Bahnhofs St. Arnold, 2024. Foto: Dietmar Rabich, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Die RadBahn Münsterland und ein Gleis am ehemaligen Bahnhof St. Arnold, 2024.
Die RadBahn Münsterland und ein Gleis am ehemaligen Bahnhof St. Arnold, 2024. Foto: Dietmar Rabich, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Ein Gleis am ehemaligen Bahnhof St. Arnold, 2024.
Ein Gleis am ehemaligen Bahnhof St. Arnold, 2024. Foto: Dietmar Rabich, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Das Bahnhofsschild des ehemaligen Bahnhofs St. Arnold, 2024.
Das Bahnhofsschild des ehemaligen Bahnhofs St. Arnold, 2024. Foto: Dietmar Rabich, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Die Geschichte in Daten

1. Juli 1879: Die Bahnstrecke Duisburg–Quakenbrück wird für den Personenverkehr eröffnet.

1890: Die Station Neuenkirchen Land entsteht.

1894: Das Wasserwerk wird westlich der Station gebaut.

1915: Militärlager mit Bahnanschluss entsteht.

1917: Weiteres Munitionslager mit Übergabebahnhof.

15. Mai 1931: Die Station heißt Bahnhof St. Arnold.

1935: Lager und Gleisanlagen sind größtenteils abgebaut.

September 1984: Der Personenverkehr zwischen Rheine und Coesfeld endet.

31. Mai 1986: Das Gleis zwischen Rheine und Hauenhorst wird stillgelegt.

1. Januar 1993: Der Güterverkehr wird eingestellt.

30. September 2005: Der Rückbau zwischen Burgsteinfurt und St. Arnold ist abgeschlossen.

16. Dezember 2008: Erster Spatenstich für die RadBahn am Bahnhof St. Arnold.

9. August 2009: Der Radweg bis Steinfurt wird eröffnet.

5. Mai 2013: Offizielle Eröffnung der RadBahn Münsterland in Darfeld.

Häufige Fragen

Wann endete der Personenverkehr?
Im September 1984.
Wie lang ist die RadBahn Münsterland?
Der Ausbau ist 39,4 Kilometer lang, dazu kommen etwa acht Kilometer von Coesfeld nach Lutum und etwa vier Kilometer von Hauenhorst bis Rheine.
Gibt es noch Gleise?
Am Bahnhof St. Arnold blieben zwei Gleise mit Weiche erhalten, auf denen Draisinenfahrten möglich sind.
Wer hat den Radweg bezahlt?
Die Baukosten betrugen etwa 6,4 Millionen Euro, davon übernahm das Land Nordrhein-Westfalen 5,2 Millionen Euro.
Warum heißt der Bahnhof St. Arnold?
Er hieß zuerst Neuenkirchen Land und wurde am 15. Mai 1931 nach dem Missionshaus St. Arnold umbenannt, um Verwechslungen mit dem Bahnhof Neuenkirchen zu vermeiden.

Von der Strecke Rheine–Coesfeld bleiben der Radweg, die Bahnhofsgebäude und am Bahnhof St. Arnold zwei Gleise mit Weiche.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: RadBahn Münsterland · Wikipedia: Bahnhof St. Arnold · Wikipedia: Bahnstrecke Duisburg–Quakenbrück · Wikipedia: Horstmar · Wikimedia Commons: Bilder zur RadBahn Münsterland

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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