Die Talbahn: Stillgelegte Halte zwischen Mönchengladbach und Stolberg

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die Talbahn: Stillgelegte Halte zwischen Mönchengladbach und Stolberg

Die Bahnstrecke Mönchengladbach-Stolberg, die Talbahn, ist nur noch in Teilen in Betrieb. Dieser Beitrag geht die stillgelegten Halte von Otzenrath bis Eschweiler-Aue durch, darunter zwei Orte, die dem Tagebau weichen mussten.

Der Akkutriebwagen 515 514 mit Beiwagen verlässt den Bahnhof Ameln, drei Tage vor dem letzten Personenzug auf dem Abschnitt Jülich-Ameln-Hochneukirch.
Der Akkutriebwagen 515 514 mit Beiwagen verlässt den Bahnhof Ameln, drei Tage vor dem letzten Personenzug auf dem Abschnitt Jülich-Ameln-Hochneukirch. Foto: Günter Tscharn, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1870
Erstes Teilstück eröffnet
1873
Hochneukirch-Jülich-Eschweiler eröffnet
1980
Personenverkehr Jülich-Hochneukirch endet
1983
Personenverkehr auf dem Reststück endet

Lage: Strecke zwischen Mönchengladbach und Stolberg über Hochneukirch, Jülich und Eschweiler. Status: in Teilen stillgelegt und abgebaut, in Teilen in Betrieb. Heute: Inden und Otzenrath sind dem Tagebau gewichen.

Die Bahnstrecke Mönchengladbach-Stolberg wurde von der Bergisch-Märkischen Eisenbahn-Gesellschaft gebaut und abschnittsweise zwischen 1870 und 1875 eröffnet.

Ihr südlicher Abschnitt heißt Eschweiler Talbahn oder Indetalbahn, im Ganzen spricht man von der Talbahn.

Heute fahren auf Teilen der Strecke noch Züge: Euregiobahn und Güterzüge im Süden sowie Regionalzüge zwischen Rheydt-Odenkirchen und Hochneukirch.

Dieser Beitrag behandelt nur die stillgelegten Halte, darunter Otzenrath, Immerath, Titz, Ameln, Welldorf, Inden, Lamersdorf, Frenz und Eschweiler-Aue.

Hochneukirch und Jülich bleiben als Orte weiter angebunden und sind deshalb nur am Rand Thema.

Freie historische Fotos stehen für einen Teil der Halte zur Verfügung, für die übrigen zeigen die Bilder den späteren Zustand.

Wie die Talbahn entstand

Am 1. Februar 1870 eröffnete die Bergisch-Märkische Eisenbahn-Gesellschaft das erste Teilstück zwischen Mönchengladbach und Odenkirchen.

Die Konzession zum Weiterbau von Hochneukirch über Jülich und Inden nach Weisweiler und Eschweiler-Aue wurde am 23. September 1870 erteilt.

Dieser Abschnitt ging am 1. Oktober 1873 in Betrieb.

1875 folgte das Teilstück bis Stolberg.

Nach der Verstaatlichung wurde die Strecke 1883 der Königlichen Eisenbahndirektion Köln unterstellt.

Die ersten durchgehenden Personenzüge von Stolberg nach Mönchengladbach führten die Preußischen Staatseisenbahnen ein.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Betrieb im März 1945 zunächst bis Stolberg-Lamersdorf, bald darauf auf der gesamten Länge wieder aufgenommen.

Seit den 1950er Jahren lösten Schienenbusse die Dampfzüge im Personenverkehr ab.

In den letzten Betriebsjahren fuhren Akkutriebwagen der Baureihe 515.

Rheydt-Mülfort und Rheydt-Geneicken

Die Bahnhöfe Rheydt-Mülfort und Rheydt-Geneicken entstanden mit der Eröffnung 1870.

Seit 1908 besteht eine Verbindung von Rheydt-Odenkirchen nach Rheydt Hauptbahnhof, die die alte Strecke über Geneicken ins Abseits rückte.

Am 31. Januar 1985 wurde der Personenverkehr zwischen Mönchengladbach Hauptbahnhof und Rheydt-Odenkirchen eingestellt.

Die Strecke zwischen Geneicken und Odenkirchen wurde im Folgejahr abgebaut, auf der Trasse entstand ein Wanderweg.

Das Empfangsgebäude Geneicken von 1899 und das Stellwerk stehen unter Denkmalschutz.

Die Stadt Mönchengladbach kaufte das Gebäude 1988, von 1996 bis 2014 beherbergte es ein Restaurant, seit 2017 wird es von einer Kunstakademie genutzt.

Otzenrath

Das Bahnhofsgebäude Otzenrath an der Talbahn.
Das Bahnhofsgebäude Otzenrath an der Talbahn. Foto: bodoklecksel 10:38, 25. Jun 2006 (CEST). User Bodoklecksel o, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Otzenrath erhielt am 1. Oktober 1873 einen Bahnhof am südöstlichen Ortsausgang an der Bahnstraße.

Der Bahnhof war bis zur Stilllegung am 1. Juni 1980 in Betrieb.

Sein Gebäude blieb bis 2006 erhalten und wurde für privates Gewerbe genutzt.

2006 wurde die gesamte Ortschaft samt Bahnhof wegen des Tagebaus Garzweiler abgerissen.

Immerath

Der Bahnhof Immerath wurde erst 1897 eröffnet und lag außerhalb des Ortes an der Mühle, nahe Jackerath.

Er war bis zur Stilllegung 1980 in Betrieb.

Der Ort wurde weitgehend vom Tagebau Garzweiler abgebaggert, der Bahnhof selbst lag außerhalb des Tagebaus.

Titz

Die Trasse führte östlich der Ortschaft Titz in deutlichem Abstand vorbei, die Station Titz bestand seit 1897.

Es gab ein kleines Bahnhofsgebäude mit angebautem Lagerschuppen.

Zwei Bahnsteige lagen nördlich und südlich der Landstraße, sie sind überwachsen bis heute im Gelände vorhanden.

Beide hatten bis 2002 Wellblechhütten als Unterstand.

Ameln

Der Bahnhof Ameln bestand von 1881 bis zur Stilllegung 1980 an der Bahnstraße im nördlichen Teil des Ortes.

Größere Bedeutung erlangte er durch die Zuckerfabrik am Ort und den Abzweig nach Bedburg.

Diese Strecke bestand ab 1898 zunächst als Schmalspurbahn und wurde ab 1912 als regelspurige Bahn ausgebaut.

Sie wurde in den 1960er Jahren stillgelegt und im Volksmund Amelner Johännsche genannt.

Nach der Stilllegung der Talbahn wurde das Empfangsgebäude abgerissen.

Welldorf

Der Bahnhof Welldorf 1982, nach der Stilllegung; links das Bahnhofsgebäude mit Güterschuppen.
Der Bahnhof Welldorf 1982, nach der Stilllegung; links das Bahnhofsgebäude mit Güterschuppen. Foto: Roland Keller, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Welldorf wurde 1890 mit einem Haltepunkt an die Bahn angeschlossen, 1892 entstand ein Bahnhof mit erweiterten Gleisanlagen.

Er lag direkt hinter der Kreuzung mit der Güstener Straße und verfügte bis in die 1970er Jahre über drei Gleise.

1975 brannte der Dachstuhl des Empfangsgebäudes aus.

1980 wurde der Bahnverkehr eingestellt.

Das Bahnhofsgebäude musste später wegen Baufälligkeit abgerissen werden, an der Stelle steht heute ein Einfamilienhaus.

Die Bahngasse erinnert in Welldorf an die Strecke.

Jülich

Zugzielanzeiger des letzten Zuges von Jülich nach Aachen Nord am 30. Mai 1980.
Zugzielanzeiger des letzten Zuges von Jülich nach Aachen Nord am 30. Mai 1980. Foto: KlausMiniwolf, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Jülich hatte in den 1960er Jahren den größten Bahnhof der Region, eingestuft in Preisklasse 3.

Der Bahnhof war ein Knotenpunkt mit eigenem Betriebswerk, von hier aus fuhren Züge in sieben Richtungen.

Am 30. Mai 1980 wurden zwei der vier von Jülich ausgehenden Personenverkehrsstrecken stillgelegt, darunter die nach Mönchengladbach.

Bis auf die Strecke nach Düren wurden später alle an Jülich angeschlossenen Strecken der Bundesbahn eingestellt.

Heute fährt die Rurtalbahn von Jülich nach Düren und nach Linnich.

Das Bahnhofsgebäude wird als Kulturbahnhof für Kino, Musik und Kleinkunst genutzt.

Schienenbus aus Motorwagen 795 627-9 und Beiwagen auf einem Gütergleis im Bahnhof Jülich, Anfang 1982.
Schienenbus aus Motorwagen 795 627-9 und Beiwagen auf einem Gütergleis im Bahnhof Jülich, Anfang 1982. Foto: KlausMiniwolf, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Die Dampflokomotive 50 1724 des Eisenbahn-Amateur-Klubs Jülich in Jülich.
Die Dampflokomotive 50 1724 des Eisenbahn-Amateur-Klubs Jülich in Jülich. Foto: KlausMiniwolf, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Südliches Ende des Vorbahnhofs Jülich im Dezember 1981, Blick in Richtung Bahnhof.
Südliches Ende des Vorbahnhofs Jülich im Dezember 1981, Blick in Richtung Bahnhof. Foto: KlausMiniwolf, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der ehemalige Vorbahnhof Jülich 1998, nur noch ein Gleis als Verbindung zum Bundeswehr-Mechatronikzentrum.
Der ehemalige Vorbahnhof Jülich 1998, nur noch ein Gleis als Verbindung zum Bundeswehr-Mechatronikzentrum. Foto: KlausMiniwolf, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Inden

Inden hatte von 1873 bis 1983 Anschluss an die Bahn mit einem Bahnhof am östlichen Ortsausgang an der Straße Am Bahnhof.

Das Empfangsgebäude mit Güterschuppen wurde im Zweiten Weltkrieg komplett zerstört, danach gab es nur noch eine kleine Wellblechhütte zum Unterstellen.

Von 1927 bis 1963 bestand eine Übergangsmöglichkeit zur Dürener Eisenbahn.

Heute sind Bahnhofsgelände und Trasse abgebaggert, mitsamt dem alten Ort.

Lamersdorf

Der Haltepunkt erschien ab dem Winterfahrplan 1955/56 zunächst unter dem Namen Lucherberg im Kursbuch.

Zum Sommerfahrplan 1964 wurde er in Lamersdorf umbenannt.

Mit der Stilllegung des Personenverkehrs 1983 wurde er nicht mehr angefahren.

An der Stelle befindet sich heute ein Parkplatz, die frühere Trasse ist von neugebauten Siedlungen überbaut.

Frenz

Ende der Talbahnlinie in Inden-Frenz.
Ende der Talbahnlinie in Inden-Frenz. Foto: Eschweiler at de.wikipedia, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Der Haltepunkt Frenz mit Personenbahnsteig wurde ab 1914 im Personenverkehr bedient.

1983 wurde er mit der Stilllegung abgerissen.

Die Anschlussstelle Frenz ist heute das Ende der Strecke und bedient im Güterverkehr das Kraftwerk Weisweiler.

Eschweiler-Aue und Eschweiler-Röhe

Der Bahnhof Eschweiler-Aue.
Der Bahnhof Eschweiler-Aue. Foto: Eschweiler at German Wikipedia, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Der Bahnhof Eschweiler-Aue wurde am 1. Oktober 1873 als Kopfbahnhof eröffnet und wurde 1875 durch die Strecke nach Stolberg zum Durchgangsbahnhof.

Der Haltepunkt Eschweiler-Röhe bestand vom 18. Mai 1952 bis zum 31. Mai 1981.

Am 31. Mai 1981 wurden beide Halte aufgelassen.

Als die Euregiobahn die Strecke 2004 für den Personenverkehr reaktivierte, entstand statt Röhe der neue Haltepunkt Eschweiler West 800 Meter weiter östlich.

Niedergang und Ende

Im Zug der Motorisierung ging das Fahrgastaufkommen in den 1970er Jahren stark zurück.

Ab 1976 stellte die Bundesbahn den Busverkehr auf dem Abschnitt Hochneukirch-Jülich abends, ab Samstagmittag und sonntags sukzessive ein.

Wegen der drohenden Unterbrechung durch die Tagebaue Inden und Garzweiler gab man der Strecke mittelfristig keine große Perspektive.

Am 1. Juni 1980 endete der Personenverkehr zwischen Jülich und Hochneukirch, der letzte Zug fuhr am 30. Mai.

Der Güterverkehr zwischen Ameln und Jülich endete 1980, der zwischen Ameln und Hochneukirch am 1. Juni 1984.

Ende Mai 1983 folgte auf dem Reststück der Talbahn die Einstellung des gesamten Personenverkehrs, ebenso der Güterverkehr zwischen Frenz und Jülich.

So sieht es jetzt aus

Seit dem 1. November 2000 gehört die Teilstrecke von Stolberg nach Frenz der EVS Euregio Verkehrsschienennetz.

Am 11. September 2004 wurde der Abschnitt Stolberg Hauptbahnhof bis Eschweiler-Weisweiler für den Personenverkehr reaktiviert.

Die nördlichen Abschnitte von Hochneukirch bis Frenz und von Rheydt-Geneicken bis Rheydt-Odenkirchen sind stillgelegt und größtenteils abgebaut.

Vorher und nachher

Otzenrath: früher Bahnhof, heute abgebaggert.

Inden: früher Bahnhof mit Papierfabrik-Anschluss, heute abgebaggert.

Lamersdorf: früher Haltepunkt, heute ein Parkplatz.

Welldorf: früher Bahnhof mit drei Gleisen, heute ein Einfamilienhaus.

Rheydt-Geneicken: früher Bahnhof, heute Sitz einer Kunstakademie.

Die Geschichte in Daten

1. Februar 1870: Das erste Teilstück Mönchengladbach-Odenkirchen wird eröffnet.

1. Oktober 1873: Hochneukirch-Jülich-Eschweiler-Aue geht in Betrieb.

1875: Das Teilstück bis Stolberg folgt.

1897: Die Halte Immerath und Titz werden eröffnet.

März 1945: Der Betrieb wird nach dem Krieg wieder aufgenommen.

1. Juni 1980: Der Personenverkehr zwischen Jülich und Hochneukirch endet.

31. Mai 1981: Eschweiler-Aue und Eschweiler-Röhe werden aufgelassen.

Ende Mai 1983: Der Personenverkehr auf dem Reststück endet.

1. Juni 1984: Der Güterverkehr zwischen Ameln und Hochneukirch endet.

31. Januar 1985: Der Personenverkehr zwischen Mönchengladbach Hauptbahnhof und Rheydt-Odenkirchen endet.

11. September 2004: Stolberg Hauptbahnhof-Eschweiler-Weisweiler wird reaktiviert.

2006: Otzenrath wird samt Bahnhof abgerissen.

Häufige Fragen

Ist die Talbahn komplett stillgelegt?
Nein. Teile sind in Betrieb, etwa die Euregiobahn im Süden und der Abschnitt Rheydt-Odenkirchen-Hochneukirch.
Wann endete der Personenverkehr zwischen Jülich und Hochneukirch?
Am 1. Juni 1980, der letzte Zug fuhr am 30. Mai 1980.
Was geschah mit Inden und Otzenrath?
Beide Orte wichen Braunkohletagebauen, Otzenrath samt Bahnhof 2006, Inden ab 2005.
Wofür wird das Bahnhofsgebäude Jülich genutzt?
Es dient als Kulturbahnhof für Kino, Musik und Kleinkunst.
Wer baute die Strecke?
Die Bergisch-Märkische Eisenbahn-Gesellschaft, zwischen 1870 und 1875.

Von den stillgelegten Halten der Talbahn sind mehrere ganz verschwunden, andere sind als Wohnhaus, Parkplatz oder Kulturort geblieben.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnstrecke Mönchengladbach-Stolberg · Wikipedia: Inden (Rheinland) · KuLaDig: Eisenbahnstrecke von Jülich nach Hochneukirch · Wikipedia (englisch): Mönchengladbach-Stolberg railway

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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