Die Röhrtalbahn zwischen Neheim-Hüsten und Sundern: Güterzüge statt Personenverkehr

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die Röhrtalbahn zwischen Neheim-Hüsten und Sundern: Güterzüge statt Personenverkehr

Auf der 14 Kilometer langen Röhrtalbahn endete der Personenverkehr 1977, Güterzüge fahren weiter. Der Beitrag geht die Halte von Hüsten bis Sundern durch.

Fahrplan der Kleinbahn Neheim-Hüsten–Sundern von 1900.
Fahrplan der Kleinbahn Neheim-Hüsten–Sundern von 1900. Foto: Runkelbold 08:52, 8 March 2008 (UTC), gemeinfrei, via Wikimedia Commons.
Kurz erklärt
1900
Eröffnung am 1. Juni
1966
Omnibusbetrieb angegliedert
1977
Personenverkehr endet
2019
Wieder Holzzüge ab Sundern

Lage: Hochsauerlandkreis, von Neheim-Hüsten durch das Röhrtal nach Sundern, 14 Kilometer. Status: Kein Personenverkehr seit dem 20. Dezember 1977, Güterverkehr findet weiter statt. Heute: Den Personenverkehr übernehmen Busse.

Die Röhrtalbahn ist eine normalspurige Nebenbahn im Hochsauerlandkreis.

Sie führt auf 14 Kilometern von Hüsten im Ruhrtal, heute ein Teil der Stadt Arnsberg, in südlicher Richtung durch das Röhrtal nach Sundern.

Der Personenverkehr auf der Schiene endete am 20. Dezember 1977.

Anders als bei vielen anderen Strecken fahren auf den Gleisen weiter Güterzüge.

Die Halte sind deshalb keine abgeräumten Orte, sondern Bahnhöfe ohne Reisende.

Dieser Beitrag geht die Stationen Neheim-Hüsten, Hüsten West, Müschede, Hachen, Stemel und Sundern durch.

Entstehung: Die dritte Kleinbahn ab Neheim

Am 1. Juni 1900 eröffnete die Westdeutsche Eisenbahn-Gesellschaft die Strecke Neheim-Hüsten–Sundern.

Es war die dritte Kleinbahnstrecke, die von Neheim über Hüsten ausging.

Bis zum Ersten Weltkrieg gab es konkrete Pläne, die Strecke über Allendorf nach Finnentrop zu verlängern.

1925 kam die Bahn im Zuge der Neuordnung der AG für Verkehrswesen zur Tochtergesellschaft Vereinigte Kleinbahnen AG.

Betrieben wurde sie danach von der Deutschen Eisenbahn-Gesellschaft.

Im Personenverkehr kam unter anderem der Triebwagen NHS T1 zum Einsatz.

Für den Bau der Sorpetalsperre entstand ab Stemel ein Gleis zur Dammbaustelle, das nach Vollendung wieder abgebaut wurde.

So sah es vorher aus: Eine Bahn für das dicht besiedelte Tal

1978 übernahm die AG Ruhr-Lippe-Eisenbahnen die Röhrtalbahn, 1979 kam sie mit ihr zur Regionalverkehr Ruhr-Lippe GmbH.

Träger beider Gesellschaften sind Kommunen und Kommunalverbände in Nordrhein-Westfalen.

Wegen der dichten Besiedlung des Tales und der vielen Industriebetriebe erreichte das Verkehrsaufkommen stets einen beachtlichen Umfang.

Deshalb konnte die Bahn lange als profitable Privatbahn betrieben werden.

VCD-Sonderfahrt mit einem Bombardier Talent der Prignitzer Eisenbahn auf der Röhrtalbahn, 2003.
VCD-Sonderfahrt mit einem Bombardier Talent der Prignitzer Eisenbahn auf der Röhrtalbahn, 2003. Foto: Gerd Kistner, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Neheim-Hüsten: Ein Bahnsteig neben dem Staatsbahnhof

Die Personenzüge der Röhrtalbahn begannen im Bahnhof Neheim-Hüsten (Röhrtalbahn).

Er bestand aus einem Bahnsteig mit Umfahrung und einem Wellblechschuppen südwestlich des Staatsbahnhofs Neheim-Hüsten.

Die Anlagen sind vollständig entfernt.

Im weiteren Verlauf lag der Übergabebahnhof, der heute der Beginn der Strecke ist.

Er wurde inzwischen vereinfacht, bauliche Anlagen waren dort nicht vorhanden.

Hüsten West: Das Gebäude wurde 1978 verkauft

Hüsten West war ein mehrgleisiger Bahnhof mit ehemals mehreren Anschließern.

Das Bahnhofsgebäude wurde 1978 verkauft.

Es ist mit späteren Anbauten noch vorhanden.

Es liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zum Bahnhof Neheim-Hüsten der Deutschen Bahn.

Güterlok der WLE auf dem Weg zum Lokschuppen in Neheim-Hüsten, 2020.
Güterlok der WLE auf dem Weg zum Lokschuppen in Neheim-Hüsten, 2020. Foto: Sauerland Schiene, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Müschede: Der frühere Sophienhammer

Der Halt Müschede hieß früher Sophienhammer.

Neben einem Ladegleis gab es einen Güterschuppen, der seit 1990 vermietet ist.

In Müschede wurde nach dem Orkan Kyrill 2007 Sturmholz verladen, das auf der Röhrtalbahn abtransportiert wurde.

Holztransport mit Sturmholz vom Orkan Kyrill auf der Röhrtalbahn in Müschede.
Holztransport mit Sturmholz vom Orkan Kyrill auf der Röhrtalbahn in Müschede. Foto: Gerd Kistner, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Hachen: Ein Haltepunkt mit Kreuzungsgleis

In Hachen gab es je ein Kreuzungs- und ein Ladegleis.

Das kleine Bahnhofsgebäude war bis 1982 besetzt und wurde danach entfernt.

Stemel: Gebäude mit Güterschuppen

Auch Stemel hatte je ein Kreuzungs- und ein Ladegleis.

Das kleine Bahnhofsgebäude mit Güterschuppen wurde verkauft und wird heute privat genutzt.

Ab Stemel führte für den Bau der Sorpetalsperre zeitweise ein Gleis zur Dammbaustelle.

Sundern: Der Endpunkt mit Gaststätte

Der Bahnhof Sundern hatte umfangreiche Gleisanlagen sowie ein Bahnhofsgebäude mit Güterschuppen.

Im Untergeschoss des Empfangsgebäudes lagen ein Dienstraum, ein Warteraum und eine Gaststätte, im Obergeschoss eine Wohnung.

Das Empfangsgebäude ist verkauft, ein Kiosk ist dort noch vorhanden.

Der große, mehrfach erweiterte Güterschuppen ist vermietet.

Ein zweigleisiger Lokschuppen wurde 1992 und 1993 entfernt, ein eingleisiger Triebwagenschuppen 1986.

Das ehemalige Bahnhofsgebäude Sundern an der Kleinbahnstraße, 2022.
Das ehemalige Bahnhofsgebäude Sundern an der Kleinbahnstraße, 2022. Foto: Asio otus, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Luftbild der Sunderner Innenstadt mit dem Bahnhof, 2014.
Luftbild der Sunderner Innenstadt mit dem Bahnhof, 2014. Foto: Petra Klawikowski, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Borkenkäferholz im Bahnhof Sundern, April 2021.
Borkenkäferholz im Bahnhof Sundern, April 2021. Foto: Falkmart, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Holz auf Güterwagen im Bahnhof Sundern, April 2021.
Holz auf Güterwagen im Bahnhof Sundern, April 2021. Foto: Falkmart, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Niedergang: Vom Zug zum Bus

Am 20. April 1966 wurde der Bahn ein Omnibusbetrieb angegliedert.

Er übernahm nach und nach die gesamte Personenbeförderung.

Seit 1972 gab es nur noch ein Zugpaar am Tag.

Am 20. Dezember 1977 endete der Personenverkehr auf der Schiene vollständig.

Im Güterverkehr wurden jährlich mehrere Holzzüge gefahren.

2007 wurden große Holzmassen abtransportiert, die der Orkan Kyrill angerichtet hatte.

Außerdem bediente die Regionalverkehr Ruhr-Lippe einige Firmen im Stückgutverkehr.

Der Stückgutverkehr ging ab 1996 und nach Einführung von MORA C in den Jahren 2002 bis 2004 stark zurück.

Heute werden regelmäßig zwei Firmen in Hüsten im nördlichen Teil der Strecke bedient.

Seit November 2019 fahren ab Sundern wieder unregelmäßig Holzzüge.

So sieht es jetzt aus: Busse parallel zur Strecke

Den Personenverkehr wickelt die RLG durch die Schnellbuslinie S 20, die Regiobuslinie R 25 und die Nachtbuslinie N 6 ab.

Die Busse fahren von Sundern Rathaus über Bundes- und Landstraßen parallel zur Röhrtalbahn zum Bahnhof Neheim-Hüsten, wo Anschlüsse nach Hagen und Dortmund bestehen.

Aufgrund des schlechten Zustands des Oberbaus wurde 2009 die Höchstgeschwindigkeit auf 30 Kilometer pro Stunde reduziert.

2020 führte die Westfälische Landes-Eisenbahn umfangreiche Oberbauarbeiten zwischen Reigern und Müschede durch, dabei wurden teils Holzschwellen von 1966 ersetzt.

Die Frage nach der Reaktivierung

Seit etwa 2010 wurde geprüft, ob der Personenverkehr zurückkehren könnte.

Am 31. Mai 2010 beschlossen der Hochsauerlandkreis und der Zweckverband Ruhr-Lippe eine Potenzialanalyse.

In der integrierten Gesamtverkehrsplanung Nordrhein-Westfalen wurde der Röhrtalbahn 2012 ein Bedarf ab 2015 zugesprochen.

Im Juni 2024 meldete der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe die Wiederaufnahme des Personenverkehrs mit dem Ziel einer Inbetriebnahme 2031 an.

Am 16. Juli 2026 beschloss die Verbandsversammlung des Nahverkehrs Westfalen-Lippe, die Reaktivierung nicht weiterzuverfolgen.

Nach den Untersuchungen erreicht sie einen Nutzen-Kosten-Indikator von nur 0,37 und verfehlt damit den erforderlichen Faktor von 1,0 deutlich.

Eine Förderung durch Bund und Land ist deshalb rechtlich ausgeschlossen.

Bei veränderten Rahmenbedingungen kann die Reaktivierung erneut geprüft werden.

Die Geschichte in Daten

1. Juni 1900: Eröffnung der Strecke Neheim-Hüsten–Sundern.

1925: Die Bahn kommt zur Vereinigten Kleinbahnen AG.

20. April 1966: Ein Omnibusbetrieb wird angegliedert.

1972: Nur noch ein Zugpaar am Tag.

20. Dezember 1977: Der Personenverkehr auf der Schiene endet.

1978: Die AG Ruhr-Lippe-Eisenbahnen übernimmt die Bahn.

1979: Übergang zur Regionalverkehr Ruhr-Lippe GmbH.

1982: Das Gebäude in Hachen wird nach dem Ende der Besetzung entfernt.

1990: Der Güterschuppen in Müschede wird vermietet.

1992: Der Lokschuppen in Sundern wird entfernt.

2007: Orkan-Kyrill-Holz wird auf der Bahn abtransportiert.

2009: Höchstgeschwindigkeit auf 30 Kilometer pro Stunde gesenkt.

November 2019: Holzzüge fahren ab Sundern wieder unregelmäßig.

16. Juli 2026: Beschluss, die Reaktivierung nicht weiterzuverfolgen.

Häufige Fragen

Wie lang ist die Röhrtalbahn?
Die Strecke von Neheim-Hüsten nach Sundern ist 14 Kilometer lang.
Wann endete der Personenverkehr?
Am 20. Dezember 1977.
Fahren noch Züge?
Ja, im Güterverkehr. Regelmäßig werden zwei Firmen in Hüsten bedient, seit November 2019 fahren ab Sundern wieder unregelmäßig Holzzüge.
Wer fährt heute Personen?
Die Busse der RLG mit den Linien S 20, R 25 und N 6.
Gibt es Pläne für Personenzüge?
Der Nahverkehr Westfalen-Lippe beschloss am 16. Juli 2026, die Reaktivierung nicht weiterzuverfolgen.

Von den Stationen sind in Hüsten West, Stemel und Sundern Gebäude erhalten, die verkauft wurden.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnstrecke Neheim-Hüsten–Sundern · Wikimedia Commons: Bilder zur Röhrtalbahn

Alle Fotos stammen von Wikimedia Commons und sind gemeinfrei oder stehen unter einer freien Creative-Commons-Lizenz. Urheber, Lizenz und Quelle stehen direkt am Bild.

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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