Die stillen Halte von Heidebahn und Amerikalinie in der Lüneburger Heide
Auf der Heidebahn und der Amerikalinie fahren Züge, doch an dreizehn Orten halten sie nicht mehr. Von Hope bis Kirchlinteln erzählen die aufgelassenen Halte vom Rückbau der Heide-Strecken.

Lage: Lüneburger Heide, Heidebahn Hannover–Buchholz und Amerikalinie Uelzen–Langwedel. Status: Beide Strecken sind in Betrieb, die genannten Halte ohne Personenverkehr. Heute: In Kirchlinteln ist ein neuer Haltepunkt im Bau.
Heidebahn und Amerikalinie sind in Betrieb, und beide durchqueren die Lüneburger Heide.
Dieser Beitrag nennt nur die Halte, an denen kein Personenverkehr mehr stattfindet.
An der Heidebahn von Hannover nach Buchholz in der Nordheide sind das Hope, Hademstorf, Eickeloh, Mittelstendorf, Gröps, Hemsen und Barrl.
An der Amerikalinie zwischen Uelzen und Langwedel sind es Westerweyhe, Emmingen, Frielingen, Jeddingen, Bendingbostel und Kirchlinteln.
Alte freie Fotos dieser Halte fehlen auf Wikimedia Commons, deshalb zeigt der Beitrag nur eine Eisenbahnbrücke der Amerikalinie bei Kirchlinteln.
Die Heidebahn: 1885 beschlossen, 1901 vollendet
Am 27. Februar 1885 wurde in Berlin der Bau einer Eisenbahn von Hannover über Walsrode nach Visselhövede beschlossen.
Am 16. Juni 1890 wurde zunächst der Güterverkehr auf dem Bahnhof Walsrode eröffnet.
Am 25. August 1890 folgte unter großen Feierlichkeiten die Eröffnung der Strecke Hannover–Visselhövede.
Die Zweigstrecke Walsrode–Fallingbostel–Soltau ging am 1. Oktober 1896 in Betrieb.
Der Abschnitt Soltau–Buchholz wurde ab 1898 gebaut, und die Eröffnungsfahrt fand am 30. September 1901 statt.
Zur Expo 2000 erhielt Hannover ein S-Bahn-System, zu dem ein Abschnitt der Heidebahn gehört.
Hope: seit 2002 ohne Halt
Hope ist ein Ortsteil von Lindwedel und hatte einen Bahnhof bei Kilometer 34,6 der Heidebahn.
Seit 2002 halten in Hope keine Züge mehr.
Das Empfangsgebäude des Bahnhofs steht unter Denkmalschutz.
Der Wohnplatz Bahnhof Hope liegt etwas abseits des Dorfes.
Hademstorf und Eickeloh: 2010 stillgelegt
Die Haltepunkte Hademstorf und Eickeloh lagen bei den Kilometern 44,1 und 46,8 der Heidebahn.
Im Zuge des Ausbaus der Strecke für bis zu 120 Kilometer pro Stunde wurden sie im Sommer 2010 stillgelegt.
Seit 2010 fahren die Züge in beiden Orten ohne Halt durch.
2015 prüfte das niedersächsische Verkehrsministerium im Rahmen einer Verbesserung des Nahverkehrs die Reaktivierung mehrerer stillgelegter Haltepunkte, darunter Eickeloh.
Wegen des geringen Einwohnerpotentials wurde eine Reaktivierung als gesamtwirtschaftlich nicht vorteilhaft abgelehnt.
Mittelstendorf, Gröps, Hemsen und Barrl
Mittelstendorf, bei Kilometer 83,1 gelegen, ist ein Ortsteil von Soltau mit rund 110 Einwohnern und liegt südwestlich der Stadt.
Die Heidebahn verläuft durch den Ort, und der Haltepunkt ist ehemalig.
Gröps gehört zu Schneverdingen und liegt etwa sieben Kilometer südlich des Stadtzentrums.
Der Haltepunkt Gröps lag bei Kilometer 99,1.
Der Haltepunkt Hemsen bei Kilometer 101,6 wird im Zuge der Bauarbeiten seit dem 6. November 2010 nicht mehr bedient.
Barrl, ein Ortsteil von Insel bei Schneverdingen, hatte einen Bahnhof bei Kilometer 111,5, und die Züge passieren den Ort inzwischen ohne Halt.
Zu den Gebäuden und Gleisen dieser Halte sind keine Angaben belegt.
Die Amerikalinie: 1873 eröffnet
Die Bahnstrecke Uelzen–Langwedel ist Teil der Amerikalinie und wurde 1873 als Teil der Bremer Staatsbahn eröffnet.
Die Linie führt vom niedersächsischen Langwedel nach Osten durch die Lüneburger Heide nach Uelzen.
Den Bau leitete zunächst der Ingenieur Rudolph Berg, der 1872 zum Oberbaurat in Bremen ernannt wurde.
Die Magdeburg-Halberstädter Eisenbahngesellschaft betrieb die Amerikalinie, und die Gewinne wurden zunächst im Verhältnis zwei zu eins zwischen ihr und Bremen geteilt.
Ihren Namen erhielt die Verbindung, weil auf ihr viele Auswanderer aus den östlichen Teilen des Deutschen Reiches und aus Osteuropa nach Bremen und Bremerhaven fuhren.
Von dort bestand Anschluss an Auswandererschiffe nach Amerika.
1904 bis 1906 wurde die Strecke zweigleisig ausgebaut, weil sie als kürzeste Verbindung zwischen Berlin und Wilhelmshaven galt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie schrittweise bis 1987 zu einer eingleisigen Nebenbahn zurückgebaut.
Dabei wurden einige Haltepunkte und Bahnhöfe für den Personenverkehr geschlossen.
Westerweyhe, Emmingen und Frielingen
Westerweyhe liegt nordwestlich des Kernbereichs von Uelzen und hatte einen Haltepunkt bei Kilometer 5,1, ein Bahnhalt besteht dort nicht mehr.
Emmingen bei Soltau ist ein Weiler mit 46 Einwohnern, der sich aus einer Hofanlage entwickelte, und hatte einen Bahnhof bei Kilometer 41,4.
Frielingen besaß einen Bahnhof bei Kilometer 59,9.
Zu Schließungsjahren, Gebäuden und Gleisen dieser drei Halte sind keine Angaben belegt.
Jeddingen und Bendingbostel: Bahnhöfe bis 1987
Jeddingen besaß bis 1987 einen Bahnhof bei Kilometer 73,8.
Die Strecke führte seit 1873 durch den Ort.
Zeitweise wurde hier sehr viel Vieh verladen.
Bendingbostel hatte bis 1987 einen Bahnhof bei Kilometer 79,1, der nordöstlich der Ortschaft lag.
Heute verkehren in Bendingbostel Busse nach Verden und Bürgerbusse zum Kernort Kirchlinteln.
Kirchlinteln: Bahnhof geschlossen, neuer Halt im Bau
Der Bahnhof Kirchlinteln bei Kilometer 88,4 wurde 1987 geschlossen.
Im Bereich des ehemaligen Bahnhofs liegt ein Gewerbegebiet.
Am 28. März 2019 vereinbarten das Land Niedersachsen, die LNVG und die DB einen neuen Haltepunkt für den Personenverkehr.
Er soll an einem im Vergleich zum früheren Bahnhof zentraleren Standort entstehen und trägt den Arbeitsnamen Kirchlinteln-Ort.
Im Juli 2025 erteilte das Eisenbahn-Bundesamt den Planfeststellungsbeschluss, und im April 2026 begannen die Bauarbeiten.
Die Inbetriebnahme soll zum Fahrplanwechsel im Dezember 2026 erfolgen.
So sieht es jetzt aus
Auf der Amerikalinie ist inzwischen ein Zweistundentakt zwischen Uelzen und Bremen eingerichtet, und die Strecke gehört zum Heidekreuz.
Auf ihr sind eine Elektrifizierung und ein Ausbau geplant, einschließlich eines Begegnungsabschnitts zwischen Kirchlinteln und Bendingbostel.
Die Deutsche Bahn rechnet mit einem Baubeginn Mitte der 2030er Jahre.
Auf der Heidebahn sind Hope, Hademstorf und Eickeloh weiter ohne Halt.
1873: Die Amerikalinie zwischen Langwedel und Uelzen wird eröffnet.
1885: Am 27. Februar wird der Bau der Eisenbahn Hannover–Walsrode–Visselhövede beschlossen.
1890: Am 25. August wird die Strecke Hannover–Visselhövede eröffnet.
1896: Am 1. Oktober geht die Strecke Walsrode–Soltau in Betrieb.
1901: Am 30. September findet die Eröffnungsfahrt Soltau–Buchholz statt.
1904: Die Amerikalinie wird bis 1906 zweigleisig ausgebaut.
1987: Die Amerikalinie ist eine eingleisige Nebenbahn, Halte wie Jeddingen, Bendingbostel und Kirchlinteln schließen.
2000: Die S-Bahn Hannover wird eingeführt, ein Abschnitt der Heidebahn gehört dazu.
2002: In Hope halten keine Züge mehr.
2010: Hademstorf und Eickeloh werden stillgelegt, Hemsen wird seit dem 6. November nicht mehr bedient.
2015: Die Reaktivierung von Eickeloh wird als nicht vorteilhaft abgelehnt.
2019: Am 28. März wird der neue Haltepunkt Kirchlinteln vereinbart.
2025: Im Juli erteilt das Eisenbahn-Bundesamt den Planfeststellungsbeschluss.
2026: Im April beginnen die Bauarbeiten in Kirchlinteln.
Häufige Fragen
Sind Heidebahn und Amerikalinie stillgelegt?
Wann wurden Hademstorf und Eickeloh stillgelegt?
Warum heißt die Strecke Amerikalinie?
Wann endete der Personenhalt in Jeddingen und Bendingbostel?
Bekommt Kirchlinteln wieder einen Halt?
Wurde Eickeloh wieder geprüft?
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