Die Sülztalbahn zwischen Bensberg und Hommerich: stille Halte im Bergischen Land
Die Sülztalbahn führte von Köln-Mülheim bis Lindlar. Ihre Halte zwischen Bensberg und Hommerich sind abgerissen, verschwunden oder privat genutzt.


Lage: Bergisches Land zwischen Bensberg und Lindlar. Status: Die Strecke ist abgebaut, der Bahnhof Immekeppel steht unter Denkmalschutz. Heute: Teile der Trasse sind Wander- und Radweg, die Bahnhöfe Obersteeg und Hommerich sind in Privatbesitz und nicht öffentlich zugänglich.
Die Bahnstrecke Köln-Mülheim–Lindlar, im Volksmund Sülztalbahn genannt, war ursprünglich 45 Kilometer lang.
Ihr Ende kam in Etappen, und mit der Strecke verschwanden die Halte im Bergischen Land.
Dieser Beitrag geht die Halte zwischen Bensberg und Hommerich der Reihe nach durch: Bensberg, Forsbach, Immekeppel, Obersteeg, Georghausen und Hommerich.
Die Strecke ist abgebaut, nur Teile der Trasse sind als Wander- oder Radweg erhalten.
Alte freie Fotos gibt es nur von Bensberg und Forsbach, von den übrigen Halten sind es Aufnahmen aus den Jahren 2005 bis 2013.
So entstand die Sülztalbahn
Der erste Abschnitt von Mülheim am Rhein nach Bergisch Gladbach ging am 15. Dezember 1868 in Betrieb.
Am 15. Oktober 1870 folgte der zweigleisige Abschnitt von Bergisch Gladbach bis Bensberg.
Frühe Versuche, eine Bahn durch das Sülztal zu bauen, scheiterten 1873, weil das zuständige Ministerium den Neubau ablehnte.
Eine meterspurige Bahn von Kalk über Rösrath nach Immekeppel scheiterte 1883 an der Finanzierung der geschätzten 830.000 Mark.
Besonders die Firma Gebrüder Reusch in Hoffnungsthal und die Gesellschaft des Altenbergs, die ein Erzbergwerk am Lüderich betrieb, wollten einen Bahnanschluss.
Die Strecke von Bensberg über Forsbach und Rösrath bis Hoffnungsthal wurde 1890 eröffnet.
Von Hoffnungsthal nach Immekeppel ging es 1891 weiter, eingleisig.
1906 genehmigte die Regierung eine normalspurige Bahn von Immekeppel nach Lindlar, 1909 begann der Bau.
Geplant waren vier Bahnhöfe, nämlich Obersteeg, Tüschen, Linde und Lindlar.
Für Tüschen wurde 1911 der Name Hommerich festgelegt.
Die Teilstrecke bis Hommerich ging im Januar 1912 in Betrieb, im Dezember 1912 folgte die Eröffnung bis Lindlar.
Bensberg: der Bahnhof unterhalb der Stadt
Der Bensberger Bahnhof lag im Ortsteil Olefant an der Kölner Straße, auf Höhe des heutigen Autohauses, und hatte ein Bahnbetriebswerk.
Sein Problem war die Lage außerhalb der wesentlich höher liegenden Innenstadt, was ihn für den Personenverkehr unpraktisch machte.
Das Empfangsgebäude wurde abgerissen, die Fläche dient heute als Parkplatz und Gewerbegebiet.


1937 wurde hinter dem Bahnhof ein geheimer Gleisabzweig geplant, über den Güterzüge Munition zum Fliegerhorst Ostheim bringen sollten.
Fertiggestellt wurde ein etwa drei Kilometer langes Gleis mit einer Umladestation in der Nähe des Rennweges.
Seine Trasse ist heute noch parallel zur Bundesautobahn 4 gut zu erkennen.
Der Personenverkehr zwischen Bergisch Gladbach und Bensberg endete am 29. September 1965.
Der zuletzt nur noch sporadische Güterverkehr wurde am 27. Mai 1989 endgültig eingestellt.
Ab 1983 war auf dem ungenutzten Planum des zweiten Gleises eine Spurbus-Verbindung geplant, die Planungen wurden im Sommer 1990 nach Kostensteigerungen eingestellt.
Seitdem liegt die Trasse ungenutzt, und das Streckengleis bis zum Gewerbegebiet Zinkhütte wurde am 5. Juni 2025 endgültig stillgelegt.


Forsbach: Ausflugsziel im Königsforst
Hinter Bensberg verläuft die Trasse durch den Königsforst, wo heute größtenteils ein Wanderweg auf dem Bahndamm liegt.
Altes Gleisbett zweigt dort in Höhe des ehemaligen Bensberger Bahnhofs parallel zur A 4 nach Westen ab.

Die Eisenbahn brachte den Fremdenverkehr ins Bergische Land, viele erholungssuchende Kölner stiegen in Forsbach aus und wanderten durch den Königsforst.
Davon lebten viele Gaststätten, etwa die Forsbacher Mühle, in der der Kölner Liedermacher Willi Ostermann gern einkehrte.
Zurück fuhren die Ausflügler meist ab Hoffnungsthal.
Mit dem wachsenden Autoverkehr nach dem Zweiten Weltkrieg sank die Zahl dieser Ausflügler.
Am 1. Dezember 1961 wurde die Strecke zwischen Bensberg und Rösrath für den Güter- und Personenverkehr stillgelegt.
Der Bahnhof Forsbach auf Bensberger Gebiet diente noch eine Zeit als Wohnhaus und wurde dann abgerissen.
Heute erkennt man ihn nur noch an Resten der Bahnsteige und an einem Stein mit Bronzeplakette, den die Forsbacher Dorfgemeinschaft Dörper Einigkeit 1994 aufstellte.

Immekeppel: Endstation für zwei Jahrzehnte
Der Bahnhof lag an der Lindlarer Straße in Immekeppel, einem Stadtteil von Overath.
Gegenüber auf der Südseite der Straße lag die Aufbereitungsanlage der Grube Apfel.
Für rund 20 Jahre endete hier die Sülztalbahn, bis 1912 die Strecke nach Lindlar eröffnet wurde.

Der Bahnhof zählte zur Klasse IV und hatte drei Gleise, ein Ladegleis zu einer Rampe und einen Wasserkran für Dampflokomotiven.
Das Empfangsgebäude wurde 1890 an der Lindlarer Straße 25 gebaut.
Es hatte einen Fahrkartenschalter und Wartesäle der zweiten und dritten Klasse, in der zweiten Klasse bewirtete ein Gastwirt die Reisenden.
Der Bahnhofsvorsteher wohnte im Obergeschoss, und das Zugpersonal konnte dort übernachten.
Das Empfangsgebäude steht als Nummer 32 auf der Liste der Baudenkmäler in Overath.
Das Gebäude ist erhalten und in gutem Zustand, das frühere Gleisfeld ist nur teilweise überbaut.
Schwellen der Sülztalbahn dienen dort als Zaun.
Die Trasse verläuft in einer Kurve hinter dem Ort, der Bahndamm ist vollständig erhalten.
Dort finden sich noch einige Kilometersteine und das Fundament des Einfahrsignals, und der zuletzt freigeschnittene Damm kann als Spazierweg genutzt werden.
Obersteeg: Bahngebäude in Privatbesitz
Obersteeg gehörte von Anfang an zu den geplanten Bahnhöfen der Verlängerung nach Lindlar.
Bis zu ihm ist die Trasse von Immekeppel aus begehbar, teilweise liegt noch Schotter, und es gibt Fundamente und Kilometersteine.
Das Bahnhofsgelände besitzt noch fast alle Bahngebäude und wird privat genutzt.
Bis Anfang der 1960er Jahre fuhr hier die Sülztalbahn von Rösrath bis Lindlar.


Zwischen Obersteeg und Kilometer 35 ist der Bereich seit dem Abbau der Schienen kaum verändert.
An einigen Stellen liegt das Schotterbett vollständig, und es wirkt, als seien die Gleise erst vor wenigen Jahren abgebaut worden.
Kurz vor der Talbrücke in Bilstein steht eine gut erhaltene Brücke über den Trasseneinschnitt.

Georghausen: ein Haltepunkt aus der Kriegszeit
Als 1912 die Strecke nach Lindlar eröffnet wurde, fuhren die Züge durch Georghausen, ohne zu halten.
Während des Zweiten Weltkriegs kamen Flüchtlinge aus Köln und bemühten sich um eine Haltestelle, daher wurde 1943 ein Haltepunkt eingerichtet.
Er blieb bis zur Stilllegung der Strecke erhalten.
Die Bahn kreuzte die Straße vor den Fachwerkhäusern, Fahrkarten gab es in der Mühle.
Nach Kilometer 36 wurde die Trasse zugunsten eines Golfplatzes abgetragen, der Haltepunkt ist heute nicht mehr zu erkennen.
Hommerich: ein Empfangsgebäude und viel Überbautes
Das Empfangsgebäude in Hommerich ist erhalten und wird privat genutzt.
Gleisfeld und Nebengebäude wurden zugunsten industrieller Anlagen entfernt und überbaut.
Im weiteren Verlauf ist die Trasse wieder gut erkennbar bis zu einer erhaltenen Brücke über die Sülz.


Von Hommerich bis Lindlar entstand ab Mai 2010 ein asphaltierter Rad- und Wanderweg auf der Trasse.
Er wurde 2012 fertiggestellt und am 5. Mai 2013 eröffnet, dafür mussten das Viadukt in Linde und drei weitere Brücken grundlegend saniert werden.
Wie die Strecke verschwand
Schon Ende der 1950er Jahre gab es erste Stilllegungsgerüchte, auf den Protest der Gemeinde Lindlar richtete die Bahn eine Bahnbuslinie entlang der Strecke ein.
1960 fuhr der letzte Personenzug zwischen Hoffnungsthal und Lindlar.
Der Güterverkehr zwischen Hoffnungsthal und Lindlar lief bis 1966, im selben Jahr wurde der Abschnitt demontiert.
Die Bundesbahn schenkte den Gemeinden danach die Brückenbauwerke.
So sieht es jetzt aus
In Bensberg ist vom Bahnhof kein Gebäude mehr übrig, in Forsbach nur ein Gedenkstein.
Immekeppel, Obersteeg und Hommerich besitzen ihre Gebäude noch, doch Obersteeg und Hommerich sind in Privatbesitz und nicht öffentlich zugänglich.
Zwischen Hommerich und Lindlar ist die Trasse ein Radweg.
Vorher und nachher in Forsbach
Vorher hielten hier Züge, aus denen Kölner Ausflügler stiegen und durch den Königsforst wanderten.
Nachher blieben Reste der Bahnsteige und ein Gedenkstein im Wald.
Die Geschichte in Daten
15. Dezember 1868: Abschnitt Mülheim am Rhein–Bergisch Gladbach in Betrieb.
15. Oktober 1870: Abschnitt Bergisch Gladbach–Bensberg in Betrieb.
1890: Strecke Bensberg–Forsbach–Rösrath–Hoffnungsthal eröffnet.
1891: Strecke Hoffnungsthal–Immekeppel eröffnet.
1912: Verlängerung über Obersteeg und Hommerich nach Lindlar.
1937: Geheimer Gleisabzweig hinter Bensberg geplant.
1943: Haltepunkt Georghausen eingerichtet.
1960: Letzter Personenzug Hoffnungsthal–Lindlar.
1. Dezember 1961: Strecke Bensberg–Rösrath stillgelegt.
29. September 1965: Personenverkehr Bergisch Gladbach–Bensberg eingestellt.
1966: Güterverkehr Hoffnungsthal–Lindlar endet, Abschnitt demontiert.
5. Mai 2013: Radweg zwischen Hommerich und Lindlar eröffnet.
Häufige Fragen
Wo verlief die Sülztalbahn?
Wann endete der Personenverkehr?
Steht der Bahnhof Immekeppel unter Denkmalschutz?
Kann man den Bahnhof Obersteeg besichtigen?
Gibt es einen Radweg auf der Trasse?
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