Bleicherode Ost–Herzberg: Eine Kalibahn, die an der Grenze endete

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Bleicherode Ost–Herzberg: Eine Kalibahn, die an der Grenze endete

41 Kilometer Nebenbahn zwischen Eichsfeld und Südharz, gebaut für Kali und Holz und nach 1945 von der Zonengrenze zerschnitten. Heute liegen Radwege, ein Tunnel und viele leere Bahnhofsgebäude an der Trasse.

Der ehemalige Bahnhof Zwinge, Blick zur Gleisseite, 2025.
Der ehemalige Bahnhof Zwinge, Blick zur Gleisseite, 2025. Foto: WeicheW, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1908
Erster Abschnitt eröffnet
1911
Strecke bis Herzberg
1961/2001
Letzte Personenzüge West/Ost
41 km
Streckenlänge

Lage: zwischen Bleicherode Ost in Thüringen und Herzberg am Harz in Niedersachsen. Status: im Westen 1982, im Osten 2001 ohne Verkehr, 2003 formell stillgelegt. Heute: Radwege, einige Bahnhofsgebäude in Nutzung, zwischen Großbodungen und Bleicherode Ost liegen noch Gleise.

Die Bahnstrecke Bleicherode–Herzberg war 41 Kilometer lang, eingleisig und nicht elektrifiziert.

Sie erschloss das östliche Eichsfeld und das Ohmgebirge und verband die Strecke Halle–Hann. Münden bei Bleicherode mit der Südharzstrecke in Herzberg am Harz.

Gebaut wurde sie vor allem für den Güterverkehr der Kalischächte und eines Braunkohlekraftwerks in Rhumspringe.

Die Zonengrenze und später die innerdeutsche Grenze zerschnitten sie in Zwinge.

Dieser Beitrag geht die Halte einzeln durch: Kleinbodungen, Großbodungen, Bischofferode, Stöckey, Weißenborn-Lüderode, Jützenbach, Zwinge und Rhumspringe.

Alte freie Fotos aus der Betriebszeit sind dabei kaum vorhanden, die meisten Bilder zeigen den heutigen Zustand.

Wie die Strecke entstand

Die Strecke wurde abschnittsweise zwischen 1908 und 1911 eröffnet.

Am 30. September 1908 ging der Abschnitt von Bleicherode Ost bis Großbodungen in Betrieb.

Am 1. Oktober 1910 folgte das Stück bis Bischofferode.

Am 1. November 1911 kam der Verkehr zwischen Bischofferode und Herzberg dazu.

Die Bahnhofsbauten entstanden nach Entwürfen von Alois Holtmeyer.

Die Trasse führte durch schwieriges Gelände.

Bei Weißenborn-Lüderode mussten ein Tunnel gebohrt und eine Schleife zur Höhengewinnung angelegt werden.

So sah es vorher aus: Kali, Holz und Pendler

Die Strecke diente hauptsächlich dem Güterverkehr von mehreren Kalischächten, zuletzt in Bischofferode.

Dazu kam der Anschluss an ein Braunkohlekraftwerk in Rhumspringe.

1938 war der Bahnhof Großbodungen in die Bahnhofsklasse IV eingestuft, ebenso der von Weißenborn-Lüderode.

Wegen der langen Steigungen brauchten die Dampfloks viel Wasser, und deshalb erhielt Weißenborn-Lüderode eine Pumpstation mit Hochbehälter und Wasserkran.

Zuletzt verkehrten noch fünf Personenzugpaare zwischen Bleicherode Ost und Großbodungen.

Das Ende: Grenze, Stilllegung, Abbau

Nach dem Zweiten Weltkrieg unterbrach die Zonengrenze die Strecke in Zwinge.

Auf der westlichen Seite endete der Verkehr an der Ladestraße, die den Namen Zwinge West erhielt.

Die Deutsche Bundesbahn stellte den Personenverkehr am 27. Mai 1961 ein.

Der Güterverkehr endete östlich von Rhumspringe im Februar 1971 und am 30. Januar 1982 auf der ganzen westlichen Länge.

Auf der östlichen Seite gab die Deutsche Reichsbahn 1972 den Verkehr zwischen Zwinge und Bischofferode auf.

Der Rest hielt sich so lange wie das Kaliwerk Bischofferode, also bis 1993.

Ab dem 23. Mai 1998 fuhren Personenzüge nur noch bis Großbodungen, am 27. Juni 2001 wurde der Personenverkehr ganz aufgegeben.

Am 31. Dezember 2003 folgte die formelle Stilllegung der Infrastruktur.

Kleinbodungen

Der Bahnhof Kleinbodungen wurde am 30. September 1908 mit dem ersten Streckenabschnitt eröffnet.

Er lag am südlichen Ortsrand bei Streckenkilometer 6,88 auf etwa 250 Metern Höhe.

Kurz danach entstand direkt daneben das Kaliwerk mit einem privaten Gleisanschluss am Bahnhof.

Zum Gebäudebestand gehörten ein Empfangsgebäude mit Güterschuppen und ein Abort mit angrenzendem Stall.

Für einen so kleinen Bahnhof gab es zunächst sogar zwei Stellwerke.

1944 hatte der Bahnhof vier Gleise, zwei davon mit Bahnsteig.

Der alte Bahnhof Kleinbodungen, 2025.
Der alte Bahnhof Kleinbodungen, 2025. Foto: ErwinMeier, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

1985 wurde der Bahnhof dem Bahnhof Bleicherode Ost unterstellt, zum Haltepunkt herabgestuft und in eine Anschlussstelle umgewandelt.

Im Juni 2001 fuhr der letzte Zug zwischen Großbodungen und Bleicherode Ost, und der Bahnhof wurde geschlossen.

Gelände und Empfangsgebäude wurden privatisiert und als Westernbahnhof weiter genutzt.

Die Kalischächte hatten 1932 den Betrieb eingestellt, ab 1936 wurden sie als Heeres-Nebenmunitionsanstalt genutzt.

Später waren dort 620 Häftlinge des KZ-Außenlagers Kleinbodungen untergebracht, das zum KZ Mittelbau gehörte.

Sie mussten in einem Raketenreparaturwerk für die Rakete A4 Zwangsarbeit leisten.

Zwei dreistöckige Lagerhallen des Kaliwerks erinnern daran und dienen heute als Getreidelager.

Großbodungen

Der Bahnhof Großbodungen wurde im Oktober 1908 eröffnet und war kurz Endbahnhof.

Etwa zwei Wochen später ging die Anschlussbahn zum Kaliwerk Neubleicherode in Betrieb.

Eine zu Beginn des 20. Jahrhunderts geplante Strecke von Großbodungen nach Worbis wurde nie gebaut.

Der Bahnhof hatte ein Durchgangs- und ein Kreuzungsgleis mit je einem Bahnsteig sowie ein Ladegleis mit Rampe am Güterschuppen.

Anfang 1945 kamen Akku-Triebwagen der Heeresversuchsanstalt Peenemünde nach Großbodungen und wurden auf der Anschlussstrecke zum Kaliwerk Neu-Bleicherode abgestellt.

Der Bahnhof Großbodungen.
Der Bahnhof Großbodungen. Foto: Manni5, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Mit dem Ende der Kaliförderung in Bischofferode 1993 war auch das Ende der Strecke abzusehen.

Der Bahnhof Bischofferode schloss 1998, und Großbodungen wurde Endbahnhof.

Im Juni 2001 fuhr der letzte Zug nach Bleicherode Ost, und der Bahnhof Großbodungen wurde geschlossen.

Vom Bahnhof steht nur noch das Empfangsgebäude, der Güterschuppen wurde abgerissen.

Das östliche Bahnhofsgelände wurde überbaut.

Der Bahnhof Großbodungen, Gleisseite.
Der Bahnhof Großbodungen, Gleisseite. Foto: Manni5, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Die abgebrochene Bahnbrücke der Strecke von Großbodungen nach Bischofferode an der Chaussee L 1011 in Großbodungen.
Die abgebrochene Bahnbrücke der Strecke von Großbodungen nach Bischofferode an der Chaussee L 1011 in Großbodungen. Foto: Manni5, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Bischofferode

Der Bahnhof Bischofferode wurde im Oktober 1910 eröffnet.

Er war lange der Bahnhof des Kaliwerks, das von 1909 bis 1993 Kalisalze förderte und verarbeitete.

Das Werk bot Arbeit für über 1.000 Menschen in den umliegenden Dörfern.

Die Pläne zur Schließung lösten Anfang der 1990er Jahre bundesweit Aufsehen aus, die Bergleute antworteten unter anderem mit Hungerstreiks und einem Marsch nach Berlin.

Am 22. Dezember 1993 wurde die letzte Schicht gefahren, am 31. Dezember 1993 wurde das Werk endgültig geschlossen.

Der Bahnhof Bischofferode schloss 1998.

Der ehemalige Bahnhof Bischofferode, 2025.
Der ehemalige Bahnhof Bischofferode, 2025. Foto: WeicheW, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Auf einem Foto von 2025 ist der Übergabebahnhof im Hintergrund zu sehen, vorn steht der Personenbahnhof.

Hinter dem Bahnhof führte ein Anschlussgleis zum Kaliwerk.

Bahnhof Bischofferode 2025: der Übergabebahnhof im Hintergrund, vorn der Personenbahnhof.
Bahnhof Bischofferode 2025: der Übergabebahnhof im Hintergrund, vorn der Personenbahnhof. Foto: WeicheW, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Das Anschlussgleis zum Kaliwerk Bischofferode, kurz hinter dem Bahnhof, 2025.
Das Anschlussgleis zum Kaliwerk Bischofferode, kurz hinter dem Bahnhof, 2025. Foto: WeicheW, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Stöckey

Der Bahnhof Stöckey lag hinter dem Tunnel, aus Weißenborn-Lüderode kommend.

Der Ort gehört wie Zwinge, Jützenbach und Weißenborn-Lüderode heute zur Landgemeinde Sonnenstein.

Zwischen Weißenborn-Lüderode und Stöckey ist die Trasse heute ein Wirtschaftsweg.

Auf einem Foto von 2025 ist der ehemalige Bahnhof zu sehen, der heute ein landwirtschaftlicher Betrieb ist, dahinter der Heuberg.

Mehr zu Stöckey als Bahnstation ist in den gesichteten Quellen nicht belegt.

Der ehemalige Bahnhof Stöckey, heute ein landwirtschaftlicher Betrieb, dahinter der Heuberg, 2025.
Der ehemalige Bahnhof Stöckey, heute ein landwirtschaftlicher Betrieb, dahinter der Heuberg, 2025. Foto: WeicheW, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Weißenborn-Lüderode

Der Bahnhof Weißenborn-Lüderode wurde am 1. November 1911 eröffnet, in der Planung sollte er noch Lüderode-Weißenborn heißen.

Er lag am nördlichen Ortsrand bei Streckenkilometer 22,01 im Tal der Geroder Eller.

Etwa einen Kilometer östlich liegt der Weißenborner Tunnel.

Zum Bahnhof gehörten ein Empfangsgebäude mit Güterschuppen, ein Beamtenwohnhaus und ein Abort mit Stall.

Im Süden stand ein zweiständiger Lokschuppen, der wegen der vorgelagerten Drehscheibe als Ringlokschuppen ausgeführt wurde und ursprünglich vierständig geplant war.

1940 hatte der Bahnhof zehn Gleise.

Von 1952 bis 1972 lag der Ort in der Sperrzone an der innerdeutschen Grenze, und der Bahnhof war nur noch für Reisende der grenznahen Dörfer mit Passierschein erreichbar.

1972 gab die Reichsbahn den Verkehr zwischen Zwinge und Bischofferode auf, und der Bahnhof wurde geschlossen.

Der Bahndamm bei Weißenborn-Lüderode in Richtung Bahnhof, 2025.
Der Bahndamm bei Weißenborn-Lüderode in Richtung Bahnhof, 2025. Foto: WeicheW, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Heute stehen noch das Empfangsgebäude mit Güterschuppen, der Lokschuppen und das Pumpenhaus.

Das Empfangsgebäude dient der Gemeindeverwaltung der Landgemeinde Sonnenstein.

Teile des Geländes wurden mit Gewerbebauten und dem Bauhof überbaut.

Die Trasse bis Zwinge wurde zum Radweg ausgebaut.

Der Weißenborner Tunnel ist 204 Meter lang und wurde 1911 freigegeben.

Er unterquert den Heuberg, ist mit Klinkermauerwerk ausgekleidet und hat Portale aus Sandsteinquadern.

Nach der Stilllegung diente er als Lager für landwirtschaftliche Produkte der nahen LPG, heute ist er auf der alten Trasse noch begehbar.

Das Nordportal des Tunnels durch den Heuberg, 2025.
Das Nordportal des Tunnels durch den Heuberg, 2025. Foto: WeicheW, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Das Südportal des Tunnels durch den Heuberg.
Das Südportal des Tunnels durch den Heuberg. Foto: WeicheW, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Jützenbach

Jützenbach war ein einfacher Haltepunkt bei Streckenkilometer 24,10 und wurde erst 1946 eingerichtet.

Er diente vor allem der Beförderung von Arbeitskräften zum Wiederaufbau von Nordhausen.

In öffentlichen Fahrplänen taucht er erst ab Oktober 1949 auf.

Am Haltepunkt stand ein einstöckiges Fachwerkgebäude mit Steildach.

Es war bis 1960 bewohnt und bis 1969 mit Dienstpersonal besetzt.

1972 wurde die Strecke nördlich von Bischofferode stillgelegt und alle Bahnanlagen wurden zurückgebaut.

Heute verläuft hier ein Radweg zwischen Zwinge und Weißenborn-Lüderode.

Zwinge

Der Bahnhof Zwinge wurde 1911 mit dem Abschnitt Herzberg–Bischofferode freigegeben.

Er lag im Ellertal bei Streckenkilometer 26,31 nahe der Landesgrenze und hatte ein Empfangsgebäude mit Güterschuppen und zwei Gleise.

Das westliche Ende mit Ladegleis und Rampe lag schon in der Gemarkung des niedersächsischen Nachbarorts Pöhlde.

Nach 1945 war der Zugverkehr zwischen Zwinge und Hilkerode unterbrochen.

Zwinge erhielt in der Literatur den Beinamen längster Bahnhof der Welt, weil der Weg vom einen Ende des geteilten Bahnsteigs zum anderen einen Umweg von etwa 400 Kilometern über Helmstedt oder Bebra erfordert hätte.

Die Grenzanlagen schränkten Bahnhof und Ziegelei immer stärker ein.

Der Güterschuppen am ehemaligen Bahnhof Zwinge, 2025.
Der Güterschuppen am ehemaligen Bahnhof Zwinge, 2025. Foto: WeicheW, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

1946 richtete man an der Laderampe die Haltestelle Zwinge Ladestelle ein, die 1951 in Haltepunkt Zwinge West umbenannt und auch in westdeutschen Kursbüchern genannt wurde.

Sie bestand nur aus der Rampe und einem neuen kurzen Bahnsteig, zur Grenze hin sicherte ein Prellbock die Strecke.

Die Lok konnte dort nicht umsetzen, deshalb mussten die Züge zwischen Rhumspringe und Zwinge West geschoben werden.

Im Fahrplan 1961 fuhr dort höchstens noch ein Zug pro Tag, vor allem für die wenigen Einwohner des Nachbarorts Brochthausen.

Der Personenverkehr endete 1961, der Güterverkehr 1971.

1972 stellte die Reichsbahn den Verkehr zwischen Bischofferode und Zwinge ein, und die Bahnanlagen wurden zurückgebaut.

Nur das Bahnhofsgebäude blieb erhalten und wird zum Wohnen genutzt.

Die Landesstraße L 1012 zwischen Zwinge und der Landesgrenze verläuft auf dem ehemaligen Bahndamm in Richtung Hilkerode.
Die Landesstraße L 1012 zwischen Zwinge und der Landesgrenze verläuft auf dem ehemaligen Bahndamm in Richtung Hilkerode. Foto: Saxxony, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Vom Haltepunkt Zwinge West sind nur Reste der Rampe zu erkennen, Teile der Trasse wurden von der erneuerten Landesstraße überbaut.

Rhumspringe

Der Bahnhof Rhumspringe wurde am 1. November 1911 mit dem letzten Streckenabschnitt eröffnet.

Er liegt am südlichen Ortsrand bei Streckenkilometer 32,35 der alten Zählung.

1938 wurde nahe dem Bahnhof das Schickert-Werk Rhumspringe gebaut und mit einem Gleisanschluss versehen.

Das Kohlekraftwerk im Werksgelände ging 1949 in Betrieb, die Kohle kam bis zu seiner Schließung 1972 über den Bahnanschluss.

1953 hatte der Bahnhof vier Gleise, ein Hauptgleis und ein Kreuzungsgleis mit je einem Bahnsteig sowie ein Ladegleis mit Rampe.

Ein mechanisches Stellwerk lief von 1913 bis etwa 1972.

Der ehemalige Bahnhof Rhumspringe, Gleisseite, 2017.
Der ehemalige Bahnhof Rhumspringe, Gleisseite, 2017. Foto: Saxxony, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Der Personenverkehr auf dem niedersächsischen Teil endete 1961.

1971 wurde der Betrieb in Richtung Zwinge eingestellt, und Rhumspringe war einige Jahre Endbahnhof.

1976 entgleisten vor dem Bahnhof Güterwagen, die sich von Herzberg selbstständig in Bewegung gesetzt hatten, Personen wurden dabei nicht verletzt.

1982 endete auch der Güterverkehr, die Strecke bis Herzberg wurde stillgelegt und zurückgebaut.

Der ehemalige Bahnhof Rhumspringe, Gleisseite, 2017.
Der ehemalige Bahnhof Rhumspringe, Gleisseite, 2017. Foto: Saxxony, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Vom Bahnhof existieren nur noch das Empfangsgebäude und der Güterschuppen, beide in Privatbesitz.

Davor liegt ein kleiner Gleisrest, und auf der Trasse verläuft ein Radweg am Bahnhof vorbei.

Die Brücke der ehemaligen Strecke Bleicherode–Herzberg über die Rhume in Rhumspringe, 2011.
Die Brücke der ehemaligen Strecke Bleicherode–Herzberg über die Rhume in Rhumspringe, 2011. Foto: Jan Stubenitzky ( Dehio ), CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

So sieht es jetzt aus

Auf niedersächsischer Seite wurde die Strecke fast vollständig zum Radweg umgebaut.

Es fehlt ein Stück in Rhumspringe, weil zwei Brücken schon vorher abgerissen wurden, und das Stück zwischen Hilkerode und Zwinge blieb wegen eines parallelen Feldwegs unausgebaut.

In Thüringen ist die Trasse zwischen Zwinge und Weißenborn-Lüderode ein Radweg, bis Stöckey ein Wirtschaftsweg.

Zwischen Großbodungen und Bleicherode Ost liegen die Gleise noch immer.

Im Juni 2023 wurde die Trasse vom Ortsausgang Großbodungen bis zum Ortseingang Bischofferode auf neuem Schotterbett asphaltiert.

Über Teile der Trasse führt der Weser-Harz-Heide-Radfernweg.

Wer die Strecke erkundet, bleibt am besten auf den öffentlichen Wegen, denn viele Bahnhofsgelände sind Privatbesitz.

Die ehemalige Strecke Bleicherode–Herzberg zwischen Bleicherode Ost und Stadt, 2017.
Die ehemalige Strecke Bleicherode–Herzberg zwischen Bleicherode Ost und Stadt, 2017. Foto: Manni5, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Vorher und nachher: Bischofferode

Der Bahnhof Bischofferode war Werksbahnhof eines Kaliwerks mit über 1.000 Beschäftigten.

Heute steht das Gebäude einzeln am Rand der Felder.

Das Werk ist seit 1993 geschlossen, der Bahnhof seit 1998.

Seit der Stilllegung der Grube hat Bischofferode 700 Einwohner verloren.

1908: Am 30. September geht der Abschnitt Bleicherode Ost–Großbodungen in Betrieb.

1910: Am 1. Oktober folgt das Stück bis Bischofferode.

1911: Am 1. November ist die Strecke bis Herzberg durchgehend befahrbar.

1946: Der Haltepunkt Jützenbach wird eingerichtet.

1961: Die Bundesbahn stellt den Personenverkehr ein.

1972: Die Reichsbahn gibt den Verkehr zwischen Zwinge und Bischofferode auf.

1982: Auch im Westen endet der Güterverkehr vollständig.

1993: Das Kaliwerk Bischofferode schließt.

2001: Der Personenverkehr auf dem Thüringer Rest endet.

2003: Formelle Stilllegung der Infrastruktur.

Wie lang war die Strecke?
Die Bahnstrecke Bleicherode–Herzberg war 41 Kilometer lang.
Warum hieß Zwinge der längste Bahnhof der Welt?
Die innerdeutsche Grenze teilte den Bahnsteig, und der Weg vom einen Ende zum anderen hätte einen Umweg von etwa 400 Kilometern bedeutet.
Wofür wurde die Bahn gebaut?
Vor allem für den Güterverkehr der Kalischächte und eines Braunkohlekraftwerks in Rhumspringe.
Kann man die Strecke heute befahren?
Nicht mit dem Zug, aber große Teile sind Radwege, und zwischen Großbodungen und Bleicherode Ost liegen noch Gleise.
Ist der Tunnel zugänglich?
Der 204 Meter lange Weißenborner Tunnel ist auf der alten Trasse noch begehbar.

Die Strecke zeigt, wie eine Grenze eine Bahn halbieren kann, und wie der Strukturwandel den Rest erledigte.

Von den Halten blieben Gebäude, Radwege und ein Tunnel.

Quellen und Bildrechte

Bahnstrecke Bleicherode–Herzberg (Wikipedia) · Bahnhof Zwinge (Wikipedia) · Bahnhof Weißenborn-Lüderode (Wikipedia) · Weißenborner Tunnel (Wikipedia) · Bahnhof Rhumspringe (Wikipedia) · Bahnhof Großbodungen (Wikipedia) · Kleinbodungen (Wikipedia) · Jützenbach (Wikipedia) · Kaliwerk Bischofferode (Wikipedia) · Rhumspringe (Wikipedia)

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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