Die Südpfalzbahn: Tschifflick-Niederauerbach, ein Halt ohne Reisezüge

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die Südpfalzbahn: Tschifflick-Niederauerbach, ein Halt ohne Reisezüge

Der Bahnhof Tschifflick-Niederauerbach lag an der 1875 eröffneten Südpfalzbahn und verlor 1985 seinen Personenverkehr. Das Empfangsgebäude steht heute unter Denkmalschutz.

Das Empfangsgebäude des früheren Bahnhofs Tschifflick-Niederauerbach von der Gleisseite, 2015.
Das Empfangsgebäude des früheren Bahnhofs Tschifflick-Niederauerbach von der Gleisseite, 2015. Foto: AF666, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1875
Eröffnung von Strecke und Bahnhof
1941
Umbenennung in Zweibrücken-Niederauerbach
1985
Ende des Personenverkehrs
1991
Gleisanlagen bis auf ein Durchgangsgleis demontiert

Strecke: Südpfalzbahn Landau–Zweibrücken, Teil der Bahnstrecke Landau–Rohrbach. Status: Halt ohne Personenverkehr, die Strecke wird im Nahverkehr befahren. Heute: Das Empfangsgebäude steht unter Denkmalschutz und beherbergt eine Gaststätte.

Die Südpfalzbahn von Landau nach Zweibrücken ging am 25. November 1875 vollständig in Betrieb.

Sie gehört zur Bahnstrecke Landau–Rohrbach, die 92 Kilometer lang ist.

Einer ihrer Unterwegsbahnhöfe war Tschifflick-Niederauerbach im Zweibrücker Stadtteil Niederauerbach.

Seit 1985 halten dort keine Reisezüge mehr.

Der Beitrag zeichnet die Geschichte dieses Halts und der Strecke nach.

Alte freie Fotos des Halts liegen nicht vor, die Bilder stammen aus den Jahren 2012 und 2015.

Wie die Strecke entstand

Erste Bestrebungen für einen Bahnbau in der Südpfalz reichen bis 1837 zurück.

Bei der Aktienzeichnung der Pfälzischen Ludwigsbahn 1838 gab es den Vorschlag, die Bahn über Zweibrücken und entlang des Schwarzbachs über Rodalben, Annweiler und Langenkandel an den Rhein zu führen.

Dieser Vorschlag setzte sich nicht durch.

Vor allem die Orte entlang der Queich traten weiter für einen Bahnanschluss ein.

Die pfälzische Eisenbahnverwaltung lehnte ihn zunächst ab, weil er teuer sei und der Ludwigsbahn Konkurrenz mache.

Ab 1863 konkretisierten sich die Pläne dennoch.

Am 1. April 1865 wurde die Konzession erteilt, einen Entwurf anzufertigen.

Zwischen Pirmasens und Zweibrücken herrschte Uneinigkeit über den Verlauf, es lagen zwei unterschiedliche Entwürfe vor.

Eine direkte Linie über Pirmasens hätte wegen der schwierigen Topographie große technische Probleme bereitet.

Eine neue Konzeption führte die Strecke deshalb einige Kilometer nördlich der Stadt durch das Tal von Rodalb und Schwarzbach.

Dort war nur eine geringe Steigung zu überwinden, und es musste lediglich ein Tunnel gebaut werden, der Neuhof-Tunnel bei Rodalben.

Am 18. November 1871 erteilte König Ludwig II. die Baukonzession.

An den Bauarbeiten waren auch Gastarbeiter aus Italien beteiligt.

Zuerst wurde die Teilstrecke Landau–Annweiler fertiggestellt, sie ging am 12. September 1874 in Betrieb.

Am 25. November 1875 folgte die Einweihung der verlängerten Strecke bis Zweibrücken.

Zugleich wurde vom Bahnhof Biebermühle aus eine Stichstrecke nach Pirmasens eröffnet.

Der bisherige Bahnhof von Zweibrücken galt als Durchgangsstation ungeeignet, deshalb entstand ein neuer weiter südlich.

Die Strecke war zunächst eingleisig, wurde aber auf ganzer Länge zweigleisig geplant.

Unterbau, Kunstbauten und Überfahrten wurden entsprechend hergerichtet.

Der Bahnhof Tschifflick-Niederauerbach

Der Bahnhof wurde am 25. November 1875 als Durchgangsbahnhof der Südpfalzbahn eröffnet.

Weil die Trasse nördlich von Pirmasens im Tal von Rodalb und Schwarzbach verlief, entstand in Niederauerbach eine Station.

Bei der Eröffnung hieß er Tschifflick-Niederauerbach.

Der erste Namensteil geht auf das nahe gelegene Lustschloss Tschifflik zurück.

Das Schloss liegt rund zwei Kilometer südlich der früheren Bahnstation.

Das Empfangsgebäude stammt aus dem Jahr 1877 und ist ein ländlich-klassizistischer Typenbau.

1922 kam der Bahnhof zur neu gegründeten Reichsbahndirektion Ludwigshafen, zum 1. Mai 1936 wechselte er in den Bereich der Direktion Saarbrücken.

Niederauerbach wurde 1938 nach Zweibrücken eingemeindet.

Zum 1. Oktober 1941 erhielt der Bahnhof deshalb den Namen Zweibrücken-Niederauerbach.

Der frühere Bahnhof Tschifflick-Niederauerbach mit dem Streckengleis, 2015.
Der frühere Bahnhof Tschifflick-Niederauerbach mit dem Streckengleis, 2015. Foto: AF666, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

So sah es vorher aus: Eine Magistrale für Kohle und Eisen

In ihren ersten Jahrzehnten war die Strecke Teil einer wichtigen Ost-West-Magistrale von der Saargegend nach Süddeutschland.

Sie diente vor allem dem Transport von Kohle und Eisen zu den Industriezentren am Oberrhein.

Zusätzlich besaß sie Bedeutung im Personenfernverkehr.

Der Verkehr wuchs so stark, dass die Strecke ab 1888 von Landau bis Zweibrücken durchgängig zweigleisig befahrbar war.

Mit Wirkung vom 10. März 1920 wurde der Abschnitt westlich von Zweibrücken dem neu geschaffenen Saargebiet zugeteilt.

In den Bahnhöfen Einöd und Zweibrücken fanden deshalb Zollkontrollen statt.

Mit der Rückgliederung des Saargebiets 1935 entfielen sie wieder.

Im Zweiten Weltkrieg war die Strecke wegen ihrer strategischen Bedeutung mehreren Angriffen ausgesetzt, die sich ab 1944 verstärkten.

Am 28. Juni 1944 war Zweibrücken das Ziel.

Ab dem 24. März 1945 gab es zwischen Landau und Zweibrücken keinen Zugverkehr.

Die französische Besatzungsmacht demontierte zwischen 1945 und 1948 das zweite Gleis.

Im Juni 1949 wurde der Personenverkehr wieder aufgenommen.

Das Gebäude des Bahnhofs Tschifflick-Niederauerbach, aufgenommen 2012.
Das Gebäude des Bahnhofs Tschifflick-Niederauerbach, aufgenommen 2012. Foto: Pimvantend, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Niedergang: Vom Bahnhof zum Durchgangsgleis

1967 wurde der Bahnhof in einen unbesetzten Haltepunkt umgewandelt.

Die Bedeutung der Südpfalzbahn nahm seit den 1960er Jahren ab, weil die 1945 gesprengte Rheinbrücke bei Germersheim erst 1967 wiederhergestellt wurde und sich die Verkehrsströme auf die Strecke Mannheim–Saarbrücken konzentrierten.

In den 1980er Jahren baute die Bundesbahn mehrere Unterwegsbahnhöfe zu Haltepunkten zurück.

Für den Personenverkehr gab sie Albersweiler und Stambach 1984 auf, Zweibrücken-Niederauerbach 1985 und Einöd 1989.

In Niederauerbach geschah das mangels Rentabilität.

1990 endete der Güterverkehr vor Ort.

Ein Jahr später wurden sämtliche Gleisanlagen demontiert, auch die Güterverladung.

Seither gibt es nur noch ein Durchgangsgleis.

1993 hegte die Bundesbahndirektion Saarbrücken Pläne, den Abschnitt Annweiler–Zweibrücken stillzulegen.

Diese Pläne wurden nicht umgesetzt.

1994 entstand der Rheinland-Pfalz-Takt, der eine Verbesserung des Zugangebots vorsah.

Der Güterverkehr auf der Strecke kam 2002 zum Erliegen.

In der Folgezeit wurden an der Strecke Haltepunkte neu angelegt, Stambach und Einöd wurden reaktiviert.

Ein Teil der Gebäude des früheren Bahnhofs Tschifflick-Niederauerbach, 2015.
Ein Teil der Gebäude des früheren Bahnhofs Tschifflick-Niederauerbach, 2015. Foto: AF666, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

So sieht es jetzt aus

Das Empfangsgebäude und die Nebenbauten stehen unter Denkmalschutz.

Zum Ensemble gehört auch der Güterschuppen, das Areal als Ganzes ist geschützt.

Im Empfangsgebäude ist heute eine Gaststätte untergebracht.

Der funktionslos gewordene Bahnsteig existiert noch.

Auf der Strecke findet seit Ende der 1980er Jahre ausschließlich Nahverkehr statt.

Am 11. und 12. Oktober 2025 wurde das 150-jährige Jubiläum der Strecke mit einer Plandampf-Veranstaltung auf den Abschnitten Zweibrücken–Pirmasens Nord und Landau–Pirmasens Nord gefeiert.

Die Geschichte in Daten

1837: Erste Bestrebungen für einen Bahnbau in der Südpfalz.

1. April 1865: Konzession für die Anfertigung eines Entwurfs.

18. November 1871: König Ludwig II. erteilt die Baukonzession.

12. September 1874: Die Teilstrecke Landau–Annweiler geht in Betrieb.

25. November 1875: Die Strecke bis Zweibrücken und der Bahnhof Tschifflick-Niederauerbach werden eröffnet.

1877: Das Empfangsgebäude entsteht.

1888: Die Strecke ist von Landau bis Zweibrücken durchgängig zweigleisig.

10. März 1920: Der Abschnitt westlich von Zweibrücken kommt zum Saargebiet.

1. Mai 1936: Der Bahnhof wechselt zur Direktion Saarbrücken.

1938: Niederauerbach wird nach Zweibrücken eingemeindet.

1. Oktober 1941: Der Bahnhof heißt Zweibrücken-Niederauerbach.

Juni 1949: Der Personenverkehr wird wieder aufgenommen.

1967: Umwandlung in einen unbesetzten Haltepunkt.

1985: Der Personenverkehr wird aufgegeben.

1990: Der Güterverkehr endet.

1991: Die Gleisanlagen werden bis auf ein Durchgangsgleis demontiert.

2002: Der Güterverkehr auf der Strecke kommt zum Erliegen.

11. und 12. Oktober 2025: Plandampf zum 150-jährigen Jubiläum der Strecke.

Häufige Fragen

Wann wurde der Bahnhof Tschifflick-Niederauerbach eröffnet?
Am 25. November 1875, am Tag der Einweihung der Strecke bis Zweibrücken.
Woher kommt der Name Tschifflick?
Vom nahe gelegenen Lustschloss Tschifflik. Seit dem 1. Oktober 1941 hieß der Bahnhof Zweibrücken-Niederauerbach.
Wann endete der Personenverkehr?
1985, mangels Rentabilität. Der Güterverkehr vor Ort endete 1990.
Was ist aus dem Bahnhofsgebäude geworden?
Das Empfangsgebäude, die Nebenbauten und der Güterschuppen stehen unter Denkmalschutz, im Empfangsgebäude ist eine Gaststätte untergebracht.
Ist die Südpfalzbahn stillgelegt?
Nein. Die Strecke dient dem Nahverkehr, der Güterverkehr kam 2002 zum Erliegen.
Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnstrecke Landau–Rohrbach · Wikipedia: Bahnhof Tschifflick-Niederauerbach

Alle Fotos stammen von Wikimedia Commons und sind gemeinfrei oder stehen unter einer freien Creative-Commons-Lizenz. Urheber, Lizenz und Quelle stehen direkt am Bild.

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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