Drei stillgelegte Strecken in drei Jahren: Solothurn–Herzogenbuchsee, Büren–Solothurn und Laupen–Gümmenen
Zwischen 1992 und 1994 endete der Personenverkehr auf drei Bahnstrecken zwischen Aare und Sense. Auf einer fahren heute Fernzüge ohne Halt, eine dient als verlängertes Bahnhofsgleis, auf der dritten fahren Schienenvelos.


Lage: Kantone Solothurn und Bern Status: Der Personenverkehr endete 1992, 1993 und 1994. Heute: Solothurn–Wanzwil ist Ausbaustrecke ohne Halt, Solothurn–Arch dient Anschlussfahrten, auf Laupen–Gümmenen fahren Schienenvelos.
Zwischen 1992 und 1994 endete der Personenverkehr auf drei Bahnstrecken im Raum Solothurn und Bern.
Am 30. Mai 1992 wurde der Personenverkehr zwischen Solothurn und Herzogenbuchsee eingestellt.
Am 23. Mai 1993 endete der Bahnbetrieb zwischen Laupen und Gümmenen.
1994 wurde der Personenverkehr zwischen Büren an der Aare und Solothurn eingestellt.
Dieser Beitrag erzählt von den Halten dieser Strecken und davon, was aus ihnen wurde.
Die Strecke Solothurn–Wanzwil ist heute eine Ausbaustrecke ohne Halte, und der Abschnitt Flamatt–Laupen der Sensetalbahn ist in Betrieb.
Freie Fotos aus der Betriebszeit sind für einige Halte vorhanden, für Etziken und Lüsslingen liegen keine vor.
Die Bahnstrecke Solothurn–Herzogenbuchsee
Die Strecke Herzogenbuchsee–Solothurn wurde am 1. Juni 1857 einspurig eröffnet.
Sie gehörte zur Jurasüdfusslinie der Schweizerischen Centralbahn und wurde zusammen mit der Fortsetzung Solothurn–Biel eröffnet.
Herzogenbuchsee besaß seit dem 16. März 1856 einen Bahnanschluss nach Aarburg-Oftringen.
Am 16. Juni 1857 wurde der Ort durch die Strecke nach Bern Wylerfeld zum Eisenbahnknoten.
Im Alltag hieß die Bahn im lokalen Bereich auch Buchsibahn.
Ihre besten Zeiten erlebte die Strecke zwischen der Eröffnung und 1876.
In diesem Jahr wurde die Bahnstrecke Olten–Solothurn eröffnet.
Seitdem nahm der Verkehr am Jurasüdfuss den kürzeren Weg von Olten nach Solothurn.
Die Strecke Herzogenbuchsee–Solothurn wurde zu einer Nebenlinie.
So sah es vorher aus: Vier Halte und ein dünner Fahrplan
Die Strecke hatte zuerst Stationen in Inkwil und Subingen.
Derendingen und Etziken kamen erst später hinzu.
1944 wurde die Strecke elektrifiziert, und der dünne Fahrplan wurde etwas ausgebaut.
In den 1970er Jahren wurde eine Stilllegung geprüft, aber aufgeschoben.
Derendingen
Die Station Derendingen gehörte nicht zu den ersten Stationen der Strecke.
Sie kam erst später hinzu.
Das Stationsgebäude steht noch und ist heute ein Restaurant.
Subingen
Subingen gehörte zu den ersten beiden Stationen der Strecke.
Auf der Ausbaustrecke gilt von Solothurn bis Subingen eine Höchstgeschwindigkeit von 140 Kilometern pro Stunde.

Etziken
Etziken wurde wie Derendingen erst später an der Strecke eingerichtet.
Weitere Einzelheiten zu dieser Station sind nicht belegt.
Inkwil
Inkwil gehörte zu den ersten beiden Stationen der Strecke.
Bei Inkwil teilt sich die einspurige Ausbaustrecke in zwei Einröhren-Tunnels, die kreuzungsfrei in die Neubaustrecke in Richtung Rothrist führen.

Das Ende des Personenverkehrs
Am 30. Mai 1992 wurde der Personenverkehr auf der Strecke eingestellt und durch eine Buslinie ersetzt.
Die Strecke wurde entelektrifiziert und abschnittsweise als Abstellgleis verwendet.
Die offizielle Stilllegung durch den Bundesrat erfolgte 2002.
Das Trassee wurde für die Ausbaustrecke Solothurn–Wanzwil benötigt.
So sieht es jetzt aus: Die Ausbaustrecke Solothurn–Wanzwil
Mit der Planung von Neubaustrecken im Rahmen des Projekts Bahn 2000 tauchte die Strecke ab den 1980er Jahren als mögliche Variante für die Neubaustrecke zwischen Olten und Bern auf.
Die Wahl fiel auf die Neubaustrecke Mattstetten–Rothrist.
Die Anbindung Solothurns wurde durch die Variante Süd Plus ersetzt, einen Abzweig bei Wanzwil, der der stillgelegten Strecke folgt.
Zwischen Solothurn und Inkwil blieb die alte Streckenführung erhalten.
Das Teilstück Inkwil–Herzogenbuchsee wurde abgebrochen, auf dessen halber Strecke liegt Wanzwil.
Die Ausbaustrecke wurde im Dezember 2004 zusammen mit der Neubaustrecke eröffnet.
Sie dient ausschließlich dem Fernverkehr, Haltepunkte gibt es an ihr keine mehr.
Die Höchstgeschwindigkeit beträgt von Solothurn bis Subingen 140 Kilometer pro Stunde, ab dort 200.
Die Bahnstrecke Büren–Solothurn
Das erste Teilstück der Strecke Lyss–Solothurn zwischen Lyss und Busswil wurde 1864 eröffnet.
Es war Teil der heutigen Strecke Biel–Bern.
Ende 1876 ging die Strecke Busswil–Solothurn zeitgleich mit der Gäubahn von Olten nach Solothurn in Betrieb.
1902 kam die Strecke in den Besitz der SBB.
1994 wurde der Personenverkehr zwischen Büren an der Aare und Solothurn stillgelegt und auf Busbetrieb umgestellt.
Die Frequentierung war in den Augen der SBB unbefriedigend.
Der Kanton Solothurn begrüßte die Umstellung wegen der besseren Erreichbarkeit der Busse von den Dörfern aus.
Der Kanton Bern und der Verkehrsclub der Schweiz legten Beschwerde ein.
Arch
Arch gehört zu den Halten zwischen Büren und Solothurn.
Von Solothurn bis Arch wird die Strecke noch für Anschlussfahrten genutzt.
Wegen zweier fester Prellböcke und eines fehlenden Gleisabschnitts in Büren ist kein durchgehender Betrieb mehr möglich.


Leuzigen
Auch Leuzigen lag an der Strecke zwischen Büren und Solothurn.
Das ehemalige Stationsgebäude steht an dem stillgelegten Teil der Strecke und ist heute ein Restaurant.


Lüsslingen
Lüsslingen ist ein weiterer Halt der Strecke zwischen Büren und Solothurn.
Weitere Einzelheiten sind nicht belegt.
Das Gleis ohne Zug
Die Fahrleitung ist zurückgebaut, die Gleise sind aber bis auf eine kurze Lücke von etwa zwölf Metern im Bahnhof Büren vollständig vorhanden.
Offiziell stillgelegt wurde der Streckenabschnitt vom Bund 2003.
In diesem Jahr wurde auch der Prellbock in Büren gebaut, der das Streckenende aus Richtung Lyss markiert.
Im Bahnhof Büren gibt es nur ein Gleis, aber zwei Prellböcke.
Der Streckenabschnitt Solothurn–Büren gilt heute als verlängertes Bahnhofsgleis des Bahnhofs Solothurn.
Die Züge verkehren dort reglementarisch nicht auf einer Strecke, sondern als Rangierfahrt mit höchstens 30 Kilometern pro Stunde.

Der Verein Dampfbahn Bern führte auf dem stillgelegten Abschnitt von Büren nach Solothurn öffentliche Sonderfahrten mit Dampfzügen durch.
Der Fahrplan war auf den Schiffsverkehr auf der Aare abgestimmt, sodass Fahrgäste mit dem Zug nach Büren und mit dem Schiff zurück fahren konnten.
2014 fuhr auf der Strecke nur noch ein Güterzug pro Tag.
Seit 2016 sind die Sonderfahrten nicht mehr möglich, weil die Eisenbahnbrücke über die Hauptstraße am Dorfeingang von Büren in einem schlechten Zustand ist.
Die SBB sind an einer Sanierung nicht interessiert, und der Verein hat nicht das Geld für die Kosten von mehreren 100.000 Franken.
Die SBB will auf dem Abschnitt Büren–Rüti die Gleise bis 2027 entfernen.
Die frei werdende Fläche soll für ein Biodiversitätsprojekt und einen Veloweg verwendet werden.
Die Sensetalbahn Laupen–Gümmenen
Die Sensetalbahn betrieb die 1904 eröffnete, 11,5 Kilometer lange normalspurige Strecke Flamatt–Laupen–Gümmenen.
Ihren Namen hat sie vom Abschnitt Flamatt–Laupen im Sensetal, der noch heute in Betrieb ist.
Am 23. Mai 1993 wurde der Bahnbetrieb zwischen Laupen und Gümmenen eingestellt und durch Autobusse ersetzt.
Die Züge verkehrten nur noch zwischen Flamatt und Laupen.

1958 und 1964 kaufte die Bahngesellschaft je einen gebrauchten Triebwagen der Schweizerischen Südostbahn.
Sie setzte sie fortan als Be 4/4 106 und 107 ein.

Die stillgelegte Strecke zwischen Gümmenen und Laupen wird heute für touristische Zwecke genutzt.
In Laupen können Velodraisinen gemietet werden, um auf Schienen nach Gümmenen zu fahren.
Die Fahrt ist etwa fünf Kilometer lang und endet am Wittenberg, wo ein Picknickplatz liegt.
Die Schienen zum Bahnhof Gümmenen gibt es nicht mehr.
In Laupen und in Gümmenen wurden sie auf etwa 60 Meter herausgerissen, daher ist die Strecke nicht mehr mit Zügen befahrbar.
Die Strecke ist eingleisig, auf halber Strecke müssen Fahrer ihr Fahrzeug von den Schienen heben, damit eine entgegenkommende Draisine passieren kann.


Am 16. Dezember 2019 begannen die Bauarbeiten zur kompletten Sanierung des in Betrieb gebliebenen Abschnitts und zur Neuanlage eines vereinfachten Endbahnhofs Laupen.
Das Stumpengleis mit überdachtem Perron wurde um 300 Meter Richtung Neuenegg verschoben.
Seit dem 5. April 2021 fahren die Züge der S-Bahn wieder.
Die Geschichte in Daten
16. März 1856: Herzogenbuchsee erhält einen Bahnanschluss nach Aarburg-Oftringen.
1. Juni 1857: Eröffnung der Strecke Herzogenbuchsee–Solothurn.
16. Juni 1857: Eröffnung der Strecke Herzogenbuchsee–Bern Wylerfeld.
1864: Eröffnung der Strecke Lyss–Busswil.
Ende 1876: Die Strecke Busswil–Solothurn geht in Betrieb.
1902: Die Strecke Lyss–Solothurn kommt zu den SBB.
1904: Eröffnung der Sensetalbahn Flamatt–Laupen–Gümmenen.
1944: Elektrifizierung der Strecke Solothurn–Herzogenbuchsee.
30. Mai 1992: Ende des Personenverkehrs zwischen Solothurn und Herzogenbuchsee.
23. Mai 1993: Ende des Bahnbetriebs zwischen Laupen und Gümmenen.
1994: Ende des Personenverkehrs zwischen Büren an der Aare und Solothurn.
2002: Offizielle Stilllegung der Strecke Solothurn–Herzogenbuchsee durch den Bundesrat.
2003: Offizielle Stilllegung des Abschnitts Büren–Solothurn.
Dezember 2004: Eröffnung der Ausbaustrecke Solothurn–Wanzwil.
2016: Keine Dampfsonderfahrten mehr zwischen Büren und Solothurn.
Häufige Fragen
Fahren auf der Strecke Solothurn–Herzogenbuchsee noch Züge?
Wann endete der Personenverkehr der Buchsibahn?
Was geschah mit der Strecke Büren–Solothurn?
Kann man auf der Sensetalbahn noch fahren?
Was wurde aus den Stationsgebäuden?
Drei Strecken endeten innerhalb von drei Jahren, und jede wurde anders weiterverwendet.
Wikipedia: Bahnstrecke Solothurn–Herzogenbuchsee · Wikipedia: Bahnstrecke Lyss–Solothurn · Wikipedia: Sensetalbahn · SRF: Gesucht Depot für Dampfzüge in Solothurn · SRF Radio: Mit dem Schienenvelo durchs Sensetal
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