Die Florianerbahn: Stille Halte zwischen Ebelsberg und St. Florian

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die Florianerbahn: Stille Halte zwischen Ebelsberg und St. Florian

Die Florianerbahn verband von 1913 bis 1974 Ebelsberg bei Linz mit St. Florian. Danach fuhr sie bis 2003 als Museumsbahn, heute liegen Gleise nur noch in St. Florian.

VORHER · 2008

Die Remise der Florianerbahn in St. Florian im August 2008.

Die Remise der Florianerbahn in St. Florian im August 2008. Foto: Hufi, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
NACHHER · 2017

Die Remise St. Florian nach der Sanierung, November 2017.

Die Remise St. Florian nach der Sanierung, November 2017. Foto: Johannes Mitterer, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1913
Eröffnung
1974
Letzte reguläre Fahrt
1978
Museumsbahn
2003
Ende des Museumsbetriebs

Lage: Strecke zwischen Ebelsberg (Linz) und St. Florian in Oberösterreich. Status: Der reguläre Betrieb endete am 1. Jänner 1974, der Museumsbetrieb 2003. Heute: Gleisanlagen sind nur noch in St. Florian vorhanden, auf Teilen der Trasse gibt es einen Radweg.

Die Florianerbahn, offiziell Lokalbahn Ebelsberg–St. Florian, verband Ebelsberg, heute ein Stadtteil von Linz, mit St. Florian.

Sie hatte 900 Millimeter Spurweite und war elektrisch betrieben.

Der reguläre Betrieb dauerte bis zum Jahresende 1973, die letzte Fahrt fand am 1. Jänner 1974 statt.

Von 1978 bis 2003 fuhr eine Museumsbahn auf Teilen der Strecke.

Gleisanlagen sind heute nur noch in St. Florian vorhanden.

Der Beitrag behandelt die Halte der Strecke, die sich zwischen Ebelsberg und der Ortsmitte von St. Florian befanden.

Entstehung: Pläne bis Steyr, gebaut bis St. Florian

Anfang des 20. Jahrhunderts entstand der Plan, Linz und Steyr durch eine zweite Bahnlinie zu verbinden und das Florianer Landl zu erschließen.

Die Strecke sollte von Ebelsberg über St. Florian, Niederneukirchen, Losensteinleiten und Wolfern führen.

Die Kaufleute von Steyr waren gegen das Projekt, weil sie eine Abwanderung des Geschäftsverkehrs nach Linz befürchteten.

1908 wurde ein Aktionskomitee gegründet, am 31. Dezember 1908 wurde eine Vorkonzession erteilt.

Die Firma Stern & Hafferl wollte das Projekt auf eigene Kosten verwirklichen und nannte für die 34,7 Kilometer lange Strecke 2.600.000 Kronen.

Am 19. August 1912 wurde die Konzession für die schmalspurige Lokalbahn vom Marktplatz Ebelsberg nach St. Florian erteilt.

Der Propst von St. Florian, Josef Sailer, unterstützte das Bauvorhaben.

Der Bahnhof der Lokalbahn in St. Florian auf einer Postkarte.
Der Bahnhof der Lokalbahn in St. Florian auf einer Postkarte. Foto: Wolfgang Sauber, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Gebaut wurde die Bahn von Stern & Hafferl, die auch den Betrieb übernahm.

Vom Ausgangspunkt bis Kilometer 0,59 lagen die Schienen im Straßenplanum, dort kamen Rillenschienen zum Einsatz.

Im Bahnhofsgebäude von St. Florian wurde ein Unterwerk eingerichtet.

Die Bahn wurde 1913 eröffnet.

In den verbleibenden Monaten des Jahres 1913 beförderte sie 26.216 Personen.

Die geplante Verlängerung nach Steyr kam nicht zustande, weil sich die Steyrer Interessenten kaum beteiligten und 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach.

So sah es vorher aus: Betrieb zwischen 1913 und 1973

1915 wurden 80.305 Fahrgäste befördert, den höchsten Wert erreichte die Bahn 1920 mit 538.795 Personen.

Am 29. Juli 1929 erhielt die Lokalbahn nach dem Neubau der Traunbrücke einen direkten Anschluss an die Linzer Straßenbahn.

Fahrzeuge der Lokalbahn durften wegen ihrer größeren Breite nicht auf dem Netz der Straßenbahn fahren.

1930 sank die Zahl der Fahrgäste auf 165.609, 1937 auf 100.830.

Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wurde die Lokalbahn in eine Straßenbahn umgewidmet und bekam den Linienbuchstaben F.

1939 beförderte sie 225.868 Personen, 1943 waren es 546.461 Fahrgäste.

Nach 1945 entstanden neue Haltestellen: 1946 Lager-Asten, im Dezember 1949 Pichling-See und im November 1953 die Bedarfshaltestelle St. Florian-Hauptschule.

Wegen der Beliebtheit der Baggerseen bei Pichling fuhren Bäderzüge zwischen Ebelsberg und Bruck.

1954 wurde die Postbeförderung aufgelassen.

1956 wurde die Strecke wegen des Baus der Westautobahn versetzt und ein Taktfahrplan eingeführt.

Niedergang und Ende des regulären Betriebs

Die Motorisierung ließ nach dem Krieg die Fahrgastzahlen sinken.

1972 zeichnete sich die Einstellung ab, als die Erneuerung der Traunbrücke anstand.

Die Linzer Straßenbahn Linie E wurde im Oktober 1973 verkürzt, womit die Florianerbahn ihren Anschluss an das Netz verlor.

Am 1. Jänner 1974 verkehrte die Florianerbahn zum letzten Mal, der Andrang bei der Abschiedsfahrt war größer als an manchen regulären Betriebstagen.

Bis dahin hatte die Bahn etwa zwölf Millionen Fahrgäste befördert.

Ersetzt wurde sie durch eine Postautobuslinie.

Museumsbahn und Radweg

Die am 12. Jänner 1974 gegründete Österreichische Gesellschaft für Eisenbahngeschichte übernahm die Bahn, um sie als Museumsbahn zu betreiben.

1978 begann der Museumsbetrieb auf der rund 1,5 Kilometer langen Strecke vom Bahnhof St. Florian nach Taunleiten.

1982 wurde die Strecke bis Pichling-See verlängert, 1985 bis Pichling Lokalbahn, damit befuhr die Museumsbahn einen sechs Kilometer langen Abschnitt.

1994 übernahm der Club Florianerbahn den Betrieb.

Im Jahr 2003 musste der Museumsbetrieb wegen nicht mehr ausreichender Standards bei Gleisanlagen und Fahrleitung eingestellt werden.

In den Jahren 2012 bis 2014 sanierte der Club Florianerbahn die denkmalgeschützte Remise in St. Florian.

2016 wollte die Gemeinde St. Florian weitere Teile der Strecke abtragen, gab das Vorhaben aber nach breitem Widerstand auf.

Im August 2020 kündigte der Linzer Vizebürgermeister Markus Hein an, die Trasse für eine Radverbindung zwischen St. Florian, Linz und Ansfelden freizumachen.

Im Herbst 2020 begann im Linzer Stadtgebiet die Abtragung der Gleise und Schwellen.

Inzwischen gibt es einen Radweg von der ehemaligen Haltestelle Traundorferstraße bis zur ehemaligen Haltestelle Pichling Lokalbahn und in St. Florian von Tödling nach Taunleiten.

Ein Lückenschluss steht noch aus, im Dezember 2023 war die Variante für den dritten Abschnitt in St. Florian strittig.

Ebelsberg

Ebelsberg war der Ausgangspunkt der Strecke, ab 1929 war er direkt mit dem Linzer Straßenbahnnetz verbunden.

Die Konzession von 1912 nannte den Marktplatz von Ebelsberg als Ausgangspunkt.

Der Abschnitt im Zentrum von Ebelsberg, der im Straßenplanum verlief, steht für die Museumsbahn nicht mehr zur Verfügung.

Friedhof und Traundorferstraße

Die Haltestelle Friedhof lag bei Kilometer 0,6, gefolgt von der Haltestelle Traundorferstraße.

Auf der Trasse zwischen der ehemaligen Haltestelle Traundorferstraße und Pichling Lokalbahn liegt heute ein Radweg.

Ufer

Die Haltestelle Ufer lag bei Kilometer 2,2.

Für die Bäderzüge zu den Baggerseen bei Pichling erhielt sie ein kurzes Ausweichgleis.

Pichling Lokalbahn

Pichling Lokalbahn lag bei Kilometer 3,5 an der Kreuzung Wiener Straße und Pichlinger Straße.

Bis hierher fuhr die Museumsbahn seit 1985.

Ein Teil der Strecke musste einer Erweiterung der Wiener Straße weichen.

Autobahnlager

Die Haltestelle Autobahnlager lag bei Kilometer 4,4.

Mit dem Bau der Westautobahn wurde die Strecke 1956 versetzt, um die nötige Durchfahrtshöhe zu erreichen.

Pichling See

Pichling See lag bei Kilometer 5,0 und wurde im Dezember 1949 eingerichtet.

Hintergrund war die zunehmende Beliebtheit der Baggerseen bei Pichling.

Von 1982 bis 1985 war die Haltestelle das Ende der Museumsbahn.

Bruck

Die Haltestelle Bruck lag bei Kilometer 5,6.

Zwischen Ebelsberg und Bruck pendelten die Bäderzüge.

Lager-Asten

Die Haltestelle bei Kilometer 7,1 wurde 1946 eingerichtet, sie ist als Lager-Asten und als Langer-Asten geführt.

Taunleiten

Taunleiten lag bei Kilometer 7,7.

Bis hierher fuhr die Museumsbahn bei ihrer Aufnahme 1978.

Der Bahnübergang besteht noch, ist aber nicht mehr in Betrieb.

Auf der Strecke von Tödling nach Taunleiten wurde ein Radweg eröffnet.

Der Bahnübergang der Florianerbahn in Taunleiten besteht noch, ist aber nicht mehr in Betrieb (März 2021).
Der Bahnübergang der Florianerbahn in Taunleiten besteht noch, ist aber nicht mehr in Betrieb (März 2021). Foto: Isiwal, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Das Streckenende der Florianerbahn beim Bahnübergang Taunleiten, Blick Richtung Ebelsberg (Dezember 2021).
Das Streckenende der Florianerbahn beim Bahnübergang Taunleiten, Blick Richtung Ebelsberg (Dezember 2021). Foto: Linie29, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Das Streckenende der Florianerbahn beim Bahnübergang Taunleiten, Blick Richtung St. Florian (Dezember 2021).
Das Streckenende der Florianerbahn beim Bahnübergang Taunleiten, Blick Richtung St. Florian (Dezember 2021). Foto: Linie29, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Glockengießerei

Die Haltestelle Glockengießerei lag bei Kilometer 8,4 und trug den Namen der Oberösterreichischen Glocken- und Metallgießerei.

1975 wurde ein Teil der Strecke nahe der Glockengießerei wegen Kanalbauarbeiten abgetragen.

Die Florianerbahn im Löblfeld in St. Florian (Dezember 2021).
Die Florianerbahn im Löblfeld in St. Florian (Dezember 2021). Foto: Linie29, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

St. Florian-Hauptschule

Die Bedarfshaltestelle St. Florian-Hauptschule bei Kilometer 9,1 wurde im November 1953 eingerichtet.

Markt St. Florian

Der Bahnhof in St. Florian lag bei Kilometer 9,6, im Bahnhofsgebäude befand sich das Unterwerk.

Die Hälfte des früheren Bahnhofs nahm die Gemeinde als Wirtschaftshof in Anspruch.

Die Remise von 1913 ist denkmalgeschützt und wurde saniert.

Gleisanlagen gibt es heute nur noch in St. Florian.

Die Florianerbahn im Bereich der Remise in St. Florian (Dezember 2021).
Die Florianerbahn im Bereich der Remise in St. Florian (Dezember 2021). Foto: Linie29, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Vorher und nachher: die Remise

Die Remise in St. Florian wurde zwischen 2012 und 2014 generalsaniert.

Die Aufnahmen von 2008 und 2017 zeigen sie vor und nach der Sanierung.

Die Geschichte in Daten

31. Dezember 1908: Vorkonzession für die Strecke.

19. August 1912: Konzession für die Lokalbahn Ebelsberg–St. Florian.

1913: Eröffnung der Bahn.

29. Juli 1929: Direkter Anschluss an die Linzer Straßenbahn.

1946: Haltestelle Lager-Asten eingerichtet.

Dezember 1949: Haltestelle Pichling-See eingerichtet.

November 1953: Bedarfshaltestelle St. Florian-Hauptschule.

1956: Versetzung der Strecke für die Westautobahn.

1. Jänner 1974: Letzte Fahrt im regulären Betrieb.

12. Jänner 1974: Gründung der Österreichischen Gesellschaft für Eisenbahngeschichte.

1978: Museumsbetrieb bis Taunleiten.

1985: Museumsbetrieb bis Pichling Lokalbahn.

2003: Ende des Museumsbetriebs.

2012 bis 2014: Sanierung der Remise.

Herbst 2020: Beginn der Gleisabtragung in Linz.

Häufige Fragen

Wann fuhr die Florianerbahn zum letzten Mal regulär?
Am 1. Jänner 1974, der reguläre Betrieb dauerte bis zum Jahresende 1973.
Gab es eine Museumsbahn?
Ja, von 1978 bis 2003, zuletzt auf einem sechs Kilometer langen Abschnitt bis Pichling Lokalbahn.
Wo liegen noch Gleise?
Gleisanlagen sind nur noch in St. Florian vorhanden.
Gibt es einen Radweg?
Ja, auf Teilen der Trasse in Linz und in St. Florian, ein Lückenschluss steht noch aus.
Wie lang war die Strecke?
Die Strecke zwischen Ebelsberg und St. Florian war 9,6 Kilometer lang.
Quellen und Bildrechte

Lokalbahn Ebelsberg–St. Florian – Wikipedia · Auf den Spuren der Florianerbahn – Tips · Debatte um Lückenschluss des Radweges auf Florianer Bahntrasse – Tips

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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