Die Seku von Erlangen nach Eschenau: eine Bahn auf der Straße

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die Seku von Erlangen nach Eschenau: eine Bahn auf der Straße

Die Seku fuhr 1886 los, mitten durch Erlangen und über enge Ortsdurchfahrten bis nach Eschenau. Seit 1963 rollt auf dieser Strecke kein Zug mehr, und vom Namen bis zum Bahnhofsgebäude ist allerlei erhalten geblieben.

Das alte Bahnhofsgebäude in Neunkirchen am Brand.
Das alte Bahnhofsgebäude in Neunkirchen am Brand. Foto: Samiclaus, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1886
Eröffnung
1961
Teilstilllegung bis Eschenau
1963
Ende des Personenverkehrs
19,0 km
Länge bis Eschenau

Lage: Erlangen, Uttenreuth, Dormitz, Neunkirchen am Brand und Eschenau. Status: Der Abschnitt Erlangen–Eschenau ist stillgelegt und abgebaut, ab Eschenau läuft die Gräfenbergbahn weiter. Heute: Radwege, Straßen und einzelne Gebäude auf der alten Trasse.

Die Seku war eine Sekundärbahn, die von Erlangen über Neunkirchen am Brand nach Eschenau führte.

Sie fuhr nicht auf einer eigenen Trasse, sondern auf oder direkt neben der Straße.

Seit 1963 gibt es auf diesem Abschnitt keinen Zugverkehr mehr.

Alte freie Fotos aus der Betriebszeit sind auf Wikimedia Commons nicht zu finden, deshalb zeigen die Bilder hier nur Gebäude, die bis heute stehen.

Wie die Seku entstand

Die Stadt Gräfenberg bat 1873 die Staatsregierung um einen Anschluss an das Eisenbahnnetz.

Eine Hauptbahn hätte rund 1,34 Millionen Mark gekostet, und die Mehrkosten ließen den Plan scheitern.

1882 beschloss der bayerische Landtag das Sekundärbahngesetz.

Es stellte staatliche Beteiligung am Bau von Lokalbahnen in Aussicht, wenn die Interessenten den Grund kostenlos zur Verfügung stellten.

Am 25. Januar 1883 legte der Erlanger Bürgermeister Dr. Schuh eine Denkschrift vor.

Er wollte eine einfache und billige Sekundärbahn mit Dampfbetrieb.

Der Zug sollte so schnell anhalten können wie ein Pferdefuhrwerk.

Der Baubeginn war 1885.

Aus Kostengründen verlief die Bahn größtenteils auf oder neben der Straße und führte mitten durch mehrere Orte.

Der erste Probezug fuhr am 8. November 1886.

Die feierliche Eröffnung fand am 17. November 1886 statt, der Zug fuhr um 9 Uhr ab, begleitet von Hochrufen und Böllerschüssen.

Für den allgemeinen Verkehr freigegeben wurde die Strecke am 22. November 1886.

Die Baukosten lagen bei 1.284.099,87 Mark.

Im Dienst standen 22 Bedienstete, eingesetzt wurden drei Lokomotiven der bayerischen Gattung D VII mit den Namen Forth, Marxgrün und Köditz.

So sah es vorher aus: Dampf, Straße und zwei Zugpaare

Die Strecke von Erlangen nach Eschenau war 19,0 Kilometer lang.

Dazwischen lagen zehn Halte: Erlangen-Zollhaus, Buckenhof, Spardorf, Uttenreuth, Weiher, Dormitz, Neunkirchen am Brand, Kleinsendelbach, Steinbach bei Brand und Brand.

Anfangs verkehrten je Richtung zwei Lokalbahnzüge am Tag.

Die Fahrzeit lag im Schnitt bei 2 Stunden und 20 Minuten.

Die Gleise führten mitten durch das Stadtgebiet von Erlangen und durch teils sehr enge Ortsdurchfahrten.

Nur in Neunkirchen am Brand ging das nicht, weil der alte Ortskern mit seiner Stadtbefestigung zu eng bebaut war.

Der Name Seku geht auf eine Anekdote zurück.

Ein Wirt eröffnete beim Bahnhof Erlangen-Zollhaus die „Restauration zur Sekundärbahn“.

Der Maler hörte am Feierabend auf, als der Schriftzug erst bis „Restauration zur Seku“ reichte.

Im Mittelfränkischen las man das als „Seekuh“, und Erlanger Studenten sorgten für die rasche Verbreitung des Spitznamens.

Weitere Spitznamen waren „Mockel“, „Pockel“ und „Gräfenberger Schubkarrenrädla“.

Am Buckenhofer Berg blieb der Zug oft stehen.

Fahrgäste, die schieben wollten, schickte der Zugführer mit dem Hinweis auf Staatseigentum zurück.

Erlangen-Zollhaus

Der Halt Erlangen-Zollhaus lag 2,4 Kilometer hinter dem Bahnhof Erlangen.

Beim Bahnhof entstand die Gaststätte, deren unfertiger Schriftzug der Bahn ihren Namen gab.

Mehr zum Gebäude oder zur Lage des Haltepunkts ist nicht belegt.

Buckenhof

Buckenhof lag bei Kilometer 4,8.

In der Nähe lag der Buckenhofer Berg, an dem die Züge laut Überlieferung immer wieder stehen blieben.

Ein Geh- und Radweg südöstlich der Buswendeschleife in Buckenhof verläuft auf der früheren Bahntrasse.

Uttenreuth

Uttenreuth war einer der wenigen Bahnhöfe auf dem Abschnitt, bei Kilometer 6,7.

Das frühere Bahnhofsgebäude erwarb die Gemeinde Uttenreuth.

Die Verbindungsstraße zwischen Uttenreuth und Weiher verläuft auf dem ehemaligen Bahndamm, der Radweg daneben ist die frühere Straße.

Bei der Abschiedsfahrt hielt Erlangens Oberbürgermeister Dr. Lades, als Lokführer verkleidet, in Uttenreuth eine Abschiedsrede.

Neunkirchen am Brand

Neunkirchen am Brand war der zweite größere Bahnhof an der Strecke, bei Kilometer 12,3.

Das Bahnhofsgebäude ist weitgehend originalgetreu restauriert.

Zwischen Dormitz und Neunkirchen am Brand sowie weiter bis Kleinsendelbach führt ein Radweg auf der früheren Bahntrasse.

In Neunkirchen endete nach 1961 der Betrieb von Erlangen aus.

Der Abschnitt Neunkirchen am Brand bis Eschenau war am 1. Mai 1961 für den Gesamtverkehr stillgelegt worden.

Dormitz, Kleinsendelbach, Steinbach und Brand

In Dormitz folgt die heutige Hauptstraße zwischen Karlsbader Straße und Raiffeisenstraße der alten Trasse.

In Kleinsendelbach gilt das für die Erlanger Straße zwischen Hauptstraße und Schulstraße.

In Steinbach bei Brand ist der ehemalige Güterschuppen erhalten.

An der Stelle des früheren Haltepunkts steht das Sozialkaufhaus Erlangen-Höchstadt.

Am Ortsende von Brand Richtung Eschenau zweigt links von der Hauptstraße ein Damm ab.

Dort verließ das Gleis die Straße und lief in einer Linkskurve weiter zum Bahnhof Eschenau.

Eschenau

Eschenau war der Endpunkt der Seku.

Der Bahnhof wird noch bedient, denn ab hier läuft die Gräfenbergbahn, und er gehört deshalb nicht zu den stillgelegten Halten.

Als Rest aus der Bahnzeit steht dort der restaurierte Lokschuppen.

Der Lokschuppen in Eschenau, aufgenommen 2011.
Der Lokschuppen in Eschenau, aufgenommen 2011. Foto: Manfred E. Fritsche, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Ein Lokschuppen beim Bahnhof von Eschenau, aufgenommen 2020.
Ein Lokschuppen beim Bahnhof von Eschenau, aufgenommen 2020. Foto: Eschenawer, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Niedergang und Ende

Mit dem Bau der Gräfenbergbahn von Nürnberg Nordost nach Eschenau 1908 liefen die Züge von Gräfenberg nach Nürnberg durch.

Fahrgäste von Erlangen nach Gräfenberg mussten in Eschenau umsteigen.

1932 wurden erstmals Triebwagen eingesetzt, und es gab wieder durchgehende Züge bis Gräfenberg.

In den 1930er Jahren sank die Fahrzeit von Erlangen nach Eschenau von 85 auf 60 Minuten.

Werktags fuhren sechs, sonntags sieben Zugpaare.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor die Seku mit dem Autoverkehr an Bedeutung.

Ein Nachteil war, dass sie an Vorfahrtsstraßen anhalten musste.

Ein Gerichtsbeschluss setzte die Höchstgeschwindigkeit auf 15 km/h fest, vorher waren es 20 km/h.

Am 1. Mai 1961 wurde der Abschnitt von Neunkirchen am Brand bis Eschenau für den Gesamtverkehr stillgelegt.

Im Februar 1963 fuhr der letzte Personenzug auf dem Rest der Strecke.

Der Landkreis hatte den Fortbestand gefordert, doch das Bundesverkehrsministerium beschloss die Stilllegung.

Der letzte Güterzug verkehrte am 31. Dezember 1963.

Die Strecke bis Eschenau wurde bald darauf abgebaut.

Im Packwagen der Abschiedsfahrt reisten laut einem Zeitungsbericht 50 westfälische Ferkel.

So sieht es jetzt aus

Als Nachfolgerin der Seku fährt eine Omnibuslinie vom Bahnhof Erlangen nach Eschenau mit Anschluss an die Gräfenbergbahn.

Am Erlanger Bahnhof zeigt ein Streifen südöstlich von Gleis 1 den früheren Gleis- und Bahnsteigbereich, der heute teilweise mit Fahrradstellplätzen überbaut ist.

In der Werner-von-Siemens-Straße in Erlangen erinnert ein breiter, begrünter Mittelstreifen an die Trasse.

Die Trasse ist also nicht verschwunden, sie steckt in Straßen, Radwegen und einzelnen Gebäuden.

Damals und heute

Damals rollte die Seku in 2 Stunden und 20 Minuten bis Gräfenberg, mit Dampf und häufigem Anhalten.

Heute führt der Weg von Erlangen nach Eschenau über die Straße, und ab Eschenau fährt die Gräfenbergbahn.

Der Bürgerentscheid im Landkreis Erlangen-Höchstadt im April 2015 ließ den Ostast der geplanten Stadt-Umland-Bahn entfallen, der Teile der alten Seku-Route genutzt hätte.

In den 2020er Jahren wird ein Ostast in grober Lage der einstigen Seku als zweite Baustufe wieder verfolgt.

Die Geschichte in Daten

1873: Gräfenberg bittet um einen Bahnanschluss.

1882: Der bayerische Landtag beschließt das Sekundärbahngesetz.

25. Januar 1883: Dr. Schuh legt in Erlangen seine Denkschrift vor.

1885: Baubeginn.

8. November 1886: Erster Probezug.

17. November 1886: Feierliche Eröffnung.

22. November 1886: Freigabe für den allgemeinen Verkehr.

1908: Die Gräfenbergbahn von Nürnberg Nordost nach Eschenau geht in Betrieb.

1932: Erste Triebwagen, wieder durchgehende Züge bis Gräfenberg.

1. Mai 1961: Neunkirchen am Brand bis Eschenau wird für den Gesamtverkehr stillgelegt.

Februar 1963: Letzter Personenzug auf dem Rest der Strecke.

31. Dezember 1963: Letzter Güterzug.

April 2015: Bürgerentscheid lässt den Ostast der Stadt-Umland-Bahn entfallen.

Häufige Fragen

Woher kommt der Name Seku?
Der Anekdote nach brach der Maler den Schriftzug „Restauration zur Sekundärbahn“ bei „Restauration zur Seku“ ab, und Erlanger Studenten machten daraus den Spitznamen, der als „Seekuh“ gelesen wurde.
Warum fuhr die Seku auf der Straße?
Aus Kostengründen verlief die Bahn größtenteils auf oder neben der Straße.
Wann fuhr der letzte Zug?
Der letzte Personenzug fuhr im Februar 1963, der letzte Güterzug am 31. Dezember 1963.
Fährt heute noch etwas bis Eschenau?
Die Seku ist abgebaut. Ab Eschenau fährt die Gräfenbergbahn, und von Erlangen nach Eschenau gibt es eine Omnibuslinie.
Kann man die Trasse heute erkunden?
Teile liegen unter Radwegen, etwa bei Buckenhof und zwischen Dormitz, Neunkirchen am Brand und Kleinsendelbach.

Wer heute zwischen Erlangen und Eschenau unterwegs ist, folgt oft noch dem Verlauf der Seku, ohne es zu merken.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnstrecke Erlangen–Eschenau · infranken.de: Im Februar 1963 starb die Seekuh · infranken.de: Vor 130 Jahren startete die Seekuh nach Gräfenberg · Wikimedia Commons: Bilder der Strecke

Alle Fotos stammen von Wikimedia Commons und sind gemeinfrei oder stehen unter einer freien Creative-Commons-Lizenz. Urheber, Lizenz und Quelle stehen direkt am Bild.

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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