Die stillen Halte der Schwarzbachtalbahn: Aglasterhausen bis Neckarelz

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die stillen Halte der Schwarzbachtalbahn: Aglasterhausen bis Neckarelz

Hinter Aglasterhausen fahren seit 1971 keine Züge mehr. Tunnel, Viadukte und zwei Bahnhofsgebäude erzählen noch von der Strecke nach Neckarelz.

VORHER · 2006

Das ehemalige Bahnhofsgebäude von Asbach, 2006.

Das ehemalige Bahnhofsgebäude von Asbach, 2006. Foto: K. Jähne, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
NACHHER · 2016

Das Bahnhofsgebäude von Asbach, 2016.

Das Bahnhofsgebäude von Asbach, 2016. Foto: Photographs by Radosław Drożdżewski (User:Zwiadowca21), CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1862
Betrieb Heidelberg–Mosbach
1945
Neckarbrücke gesprengt
1971
Stilllegung bis Aglasterhausen
1980
Abbau der Gleise beendet

Lage: Neckar-Odenwald-Kreis, zwischen Aglasterhausen und Mosbach-Neckarelz. Status: Obrigheim–Neckarelz seit 1949 offiziell stillgelegt, Aglasterhausen–Obrigheim seit 1971. Heute: Die Trasse ist in weiten Teilen zu verfolgen, der Mörtelsteiner Tunnel ist verschlossen, der Kalksbergtunnel nicht zugänglich.

Dieser Beitrag begleitet den stillgelegten Abschnitt der Strecke Meckesheim–Neckarelz zwischen Aglasterhausen und Neckarelz.

Der noch befahrene Teil bis Aglasterhausen trägt den Namen Schwarzbachtalbahn und gehört zur S-Bahn RheinNeckar, deshalb zählt Aglasterhausen selbst nicht zu den stillen Bahnhöfen.

Dahinter liegen Daudenzell, Asbach, Mörtelstein, Obrigheim und der alte Bahnhof von Neckarelz.

Die Gleise sind abgebaut, doch die Trasse und einige Gebäude sind geblieben.

Freie Fotos aus der Betriebszeit der Halte liegen nicht vor, die Bilder zeigen deshalb den Zustand nach der Stilllegung.

Wie die Strecke entstand

Die Strecke war ein Teilstück der Badischen Odenwaldbahn von Heidelberg über Mosbach nach Würzburg.

Gedrängt hatte vor allem Bayern, das seine Pfalz mit dem übrigen bayerischen Netz verbunden sehen wollte.

Am 7. Mai 1858 wurde das Bahnbaugesetz für den Abschnitt Heidelberg–Mosbach verabschiedet.

Die Trasse wurde zweigleisig angelegt, gebaut wurde aber nur ein Gleis.

Besonders aufwendig waren der Mörtelsteiner Tunnel und die Neckarbrücke zwischen Obrigheim und Neckarelz.

Zwischen dem 18. April und dem 20. Oktober 1859 ruhten die Arbeiten, weil Geld fehlte und der Sardinische Krieg Europa in eine Krise stürzte.

1861 verzögerte ein Neckarhochwasser die Fertigstellung der Brücke bei Neckarelz.

Am 23. Oktober 1862 nahmen die Badischen Staatseisenbahnen den Betrieb zwischen Heidelberg und Mosbach auf.

Warum die Strecke leise blieb

Der Verkehr blieb hinter den Erwartungen zurück.

Mit der Neckartalstrecke, die am 24. Mai 1879 eröffnet wurde, nahmen die Züge Heidelberg–Würzburg bevorzugt den Weg durchs Neckartal.

Der Abschnitt Meckesheim–Neckarelz sank dadurch faktisch zur Nebenbahn herab.

Zwischen Aglasterhausen und Neckarelz bediente die Bahn außer Obrigheim nur sehr kleine Dörfer.

Der Bahnhof von Obrigheim lag dabei weit vom Ort entfernt.

Der Streckenabschnitt wurde nur gering ausgelastet, und das führte am Ende zu seiner Stilllegung.

So sah es vorher aus: die Strecke im Betrieb

Nach der Eröffnung fuhren umgebaute ehemalige Breitspurlokomotiven, darunter Maschinen mit Namen wie ODENWALD und GERMANIA.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen zunehmend Schienenbusse zum Einsatz.

Zwischen Aglasterhausen und Neckarelz hatte die Strecke wegen des schwierigen Geländes insgesamt drei Tunnel.

Von 1920 bis 1930 wurde die Strecke für höhere Achslasten ausgebaut.

Seit 1868 verkehrte ein Güterzugpaar zwischen Heidelberg und Würzburg, doch nach 1879 nahm der Ferngüterverkehr auf dieser Strecke stark ab.

Daudenzell

Daudenzell erhielt erst in den 1950er Jahren einen Haltepunkt.

Der Ort ist heute ein Ortsteil von Aglasterhausen.

Von einer querenden Nebenstraßenbrücke aus lässt sich der frühere Haltepunkt noch erahnen.

Weitere Angaben zum Haltepunkt sind nicht belegt.

Die ehemalige Bahnstrecke bei Daudenzell mit einem Viadukt, 2016.
Die ehemalige Bahnstrecke bei Daudenzell mit einem Viadukt, 2016. Foto: Photographs by Radosław Drożdżewski (User:Zwiadowca21), CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Asbach

Asbach besaß bis 1971 einen Bahnhof, und zur ehemaligen Gemeinde gehören auch die Häuser der „Bahnstation Asbach“.

Der Ort wurde am 1. Januar 1973 nach Obrigheim eingemeindet.

Das frühere Bahnhofsgebäude steht noch und ist inzwischen in Privatbesitz.

Ehemaliges Viadukt der Bahnstrecke bei Asbach, 2016.
Ehemaliges Viadukt der Bahnstrecke bei Asbach, 2016. Foto: Photographs by Radosław Drożdżewski (User:Zwiadowca21), CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Am 14. September 1944 begann in Asbach der Bau des Lagers Asbach, eines Unterkommandos des Konzentrationslagers Neckarelz.

Zunächst 60, später bis zu 150 Häftlinge aus Neckargerach und Neckarelz sollten 32 Baracken für bis zu 1.500 sogenannte Ostarbeiter errichten.

Diese Menschen waren im Stollen „Goldfisch“ bei Obrigheim eingesetzt.

Der Lagerbau verzögerte sich und wurde nicht beendet.

Am 20. März 1945 wurde das Lager aufgelöst, die Insassen kamen nach Neckarelz zurück.

Vorher und nachher: das Bahnhofsgebäude von Asbach

Das Bahnhofsgebäude aus dem Eröffnungsbild dieses Beitrags erinnert an die Zeit, in der in Asbach Züge hielten.

Dieser Betrieb endete 1971 mit der Stilllegung des Gesamtverkehrs zwischen Aglasterhausen und Obrigheim.

Das Haus steht auch ein halbes Jahrhundert danach noch.

Mörtelstein und der Mörtelsteiner Tunnel

Zwischen Asbach und Mörtelstein liegt der 690 Meter lange Mörtelsteiner Tunnel.

Er ist aus Sicherheitsgründen und zum Schutz der Fledermäuse verschlossen.

Das Ostportal ist über die alte Bahntrasse noch erreichbar, doch die Vegetation holt sich die Trasse zurück.

Im Inneren dringt Wasser ein und greift die Tunnelwände an.

Eine weitere Angabe nennt eine Champignonzucht im zugemauerten Tunnel; die Angaben dazu gehen auseinander.

Ostportal des Mörtelsteiner Tunnels, 2013.
Ostportal des Mörtelsteiner Tunnels, 2013. Foto: Frank haberkorte, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.
Westlicher Eingang des Mörtelsteiner Tunnels zwischen Asbach und Mörtelstein, 2006.
Westlicher Eingang des Mörtelsteiner Tunnels zwischen Asbach und Mörtelstein, 2006. Foto: K. Jähne, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

In Mörtelstein selbst sind an gut erhaltener Trasse das alte Bahnhofsgebäude und der Bahnsteig zu finden.

Das Gebäude befindet sich in Privatbesitz.

Asbach und Mörtelstein wurden nach Obrigheim eingemeindet.

Der Bahnsteig des ehemaligen Bahnhofs von Mörtelstein, 2010.
Der Bahnsteig des ehemaligen Bahnhofs von Mörtelstein, 2010. Foto: Badener, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der ehemalige Bahnhof von Mörtelstein, 2016.
Der ehemalige Bahnhof von Mörtelstein, 2016. Foto: Photographs by Radosław Drożdżewski (User:Zwiadowca21), CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der ehemalige Bahnhof von Mörtelstein, 2020.
Der ehemalige Bahnhof von Mörtelstein, 2020. Foto: Michael Linnenbach, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Auf dem ehemaligen Bahndamm bei Mörtelstein führt heute ein Wanderweg entlang.

Wanderweg auf dem ehemaligen Bahndamm bei Mörtelstein, 2016.
Wanderweg auf dem ehemaligen Bahndamm bei Mörtelstein, 2016. Foto: Photographs by Radosław Drożdżewski (User:Zwiadowca21), CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Hinter dem Bahnhof folgt der 1862 fertiggestellte Erlesrain-Tunnel, der öffentlich zugänglich ist.

Das östliche Portal des Erlesrain-Tunnels bei Obrigheim, 2006.
Das östliche Portal des Erlesrain-Tunnels bei Obrigheim, 2006. Foto: K. Jähne, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Obrigheim, Finkenhof und der Kalksbergtunnel

Die Odenwaldbahn wurde 1862 über Obrigheim gebaut, einen Bahnhof erhielt der Ort aber erst 1891.

Zum heutigen Zustand des Bahnhofs Obrigheim liegen keine belegten Angaben vor.

Hinter Obrigheim liegt der 147 Meter lange Kalksbergtunnel, der den Karlsberg durchquert und nicht zugänglich ist.

Ein Bahnwärterhaus am anderen Tunnelportal wird als Wohnhaus genutzt.

Der westliche Eingang des Kalksbergtunnels bei Obrigheim, 2006.
Der westliche Eingang des Kalksbergtunnels bei Obrigheim, 2006. Foto: K. Jähne, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Zwischen Obrigheim und Neckarelz wurde für die Zeit des Zweiten Weltkriegs der Haltepunkt Finkenhof eingerichtet, mit einem Anschlussgleis in unmittelbarer Nähe.

Er war Bestandteil der Untertageverlagerung „Goldfisch“, einer geplanten Rüstungsfabrik in den Gipsstollen bei Obrigheim.

In Neckarelz bestand von 1944 bis 1945 ein Außenlager des KZ Natzweiler-Struthof.

Die dortigen Gefangenen mussten in Zwangsarbeit die Stollen anlegen.

In der unterirdischen Motorenfabrik arbeiteten fast 10.000 Menschen, darunter etwa 5.000 KZ-Häftlinge.

Etwa 900 von ihnen konnten im April 1945 befreit werden.

An diese Geschichte erinnern der Goldfisch-Pfad bei Obrigheim und die KZ-Gedenkstätte Neckarelz mit ihrem Museum.

Vom Haltepunkt zeugt heute ein umgenutztes Lagerhaus.

Das Lagerhaus am ehemaligen Haltepunkt Finkenhof, 2006.
Das Lagerhaus am ehemaligen Haltepunkt Finkenhof, 2006. Foto: K. Jähne, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Die Neckarbrücke und der alte Bahnhof Neckarelz

Am 30. März 1945 sprengten abrückende deutsche Truppen die Eisenbahnbrücke bei Neckarelz, die in weitem Umkreis die einzige feste Flussquerung war.

Wegen der geringen Bedeutung der Strecke wurde sie nach dem Krieg nicht wieder aufgebaut.

Bestrebungen des Sinsheimer Landrats, die Brücke wieder zu errichten, blieben erfolglos.

Den seit 1945 unterbrochenen Abschnitt Obrigheim–Neckarelz legte die Bundesbahn am 9. September 1949 offiziell still.

Die Widerlager der Bogenbrücke sind nordwestlich des Mosbacher Kreuzes erhalten.

Der alte Bahnhof von Neckarelz lag am südlichen Ortsrand und ging mit der Neckartalbahn 1879 außer Betrieb, weil der neue Bahnhof an die neue Strecke verlegt wurde.

Sein Gebäude steht neben einem Gleisstück bei Kilometer 42,4 der Neckartalbahn, auf dem gelegentlich Güterwagen abgestellt werden.

Neckarelz gehört seit dem 15. April 1975 zu Mosbach und ist heute ein wichtiger Eisenbahnknoten.

Stilllegung und Abbau

Wegen der Kosten für die Instandhaltung des Abschnitts Aglasterhausen–Obrigheim mit seinen beiden Tunneln genehmigte das Bundesverkehrsministerium am 10. Mai 1971 die Stilllegung.

Sie wurde zum Fahrplanwechsel am 25. September 1971 vollzogen.

Ab Mitte der 1970er Jahre wurden die Schienen abgebaut, 1980 war der Abbau abgeschlossen.

Den restlichen Streckenteil pachtete am 1. Januar 1982 die Südwestdeutsche Eisenbahn-Gesellschaft von der Bundesbahn.

So sieht es jetzt aus

Vom Endpunkt in Aglasterhausen aus lässt sich die frühere Trasse noch gut verfolgen.

Kurz nach dem Bahnhof berührt sie ein Vogelschutzgebiet.

Die Bahnhofsgebäude in Asbach und Mörtelstein stehen noch.

Wer der Strecke folgt, sollte die verschlossenen Tunnel nicht betreten und die Privatgrundstücke achten.

1858: Das Bahnbaugesetz für Heidelberg–Mosbach wird verabschiedet (7. Mai).

1862: Die Badischen Staatseisenbahnen eröffnen den Betrieb Heidelberg–Mosbach (23. Oktober).

1879: Die Neckartalstrecke wird eröffnet (24. Mai), der Bahnhof Neckarelz zieht an die neue Strecke um.

1891: Obrigheim erhält einen Bahnhof.

1944: In Neckarelz entsteht ein Außenlager des KZ Natzweiler-Struthof.

1945: Die Neckarbrücke wird gesprengt (30. März).

1949: Obrigheim–Neckarelz wird offiziell stillgelegt (9. September).

1971: Aglasterhausen–Obrigheim wird stillgelegt (Fahrplanwechsel am 25. September).

1980: Der Gleisabbau ist abgeschlossen.

Wo fährt heute noch ein Zug?
Bis Aglasterhausen fährt die S-Bahn RheinNeckar. Dahinter ist die Strecke stillgelegt.
Wann wurde die Strecke stillgelegt?
Obrigheim–Neckarelz am 9. September 1949, Aglasterhausen–Obrigheim zum 25. September 1971.
Gibt es noch Bahnhofsgebäude?
Die Gebäude in Asbach und Mörtelstein stehen noch. Das Gebäude in Asbach ist in Privatbesitz, das in Mörtelstein ebenfalls.
Kann man die Tunnel betreten?
Der Erlesrain-Tunnel gilt als öffentlich zugänglich. Der Mörtelsteiner Tunnel ist verschlossen, der Kalksbergtunnel nicht zugänglich.
Was war der Haltepunkt Finkenhof?
Er gehörte zur Rüstungsverlagerung „Goldfisch“, bei der KZ-Häftlinge Zwangsarbeit leisten mussten.

Wer heute von Aglasterhausen aus in Richtung Neckarelz geht, folgt einer Strecke, die als Teil einer Hauptbahn geplant wurde und schon bald zur Nebenbahn wurde.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnstrecke Meckesheim–Neckarelz · Wikipedia: Mörtelstein · Wikipedia: Asbach (Obrigheim) · Wikipedia: Obrigheim (Baden) · Wikipedia: KZ Neckarelz · Wikipedia: Neckarelz · Wikimedia Commons: Kategorie Bahnstrecke Meckesheim–Neckarelz

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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