Die stillen Halte der Strecke Schönberg–Hirschberg
Fast 20 Kilometer Nebenbahn zwischen Vogtland und Saale: Seit 1994 fährt hier kein Reisezug mehr, seit 2012 überhaupt kein Zug. Ein Gang durch Unterkoskau, Tanna, Göttengrün-Gefell und Hirschberg.

Strecke: Schönberg (Vogtl)–Hirschberg (Saale), 19,94 Kilometer. Status: Reiseverkehr seit 1994 eingestellt, seit 2012 verkehrslos. Heute: Die Strecke ist nicht mehr durchgehend befahrbar.
Die Bahnstrecke Schönberg–Hirschberg ist knapp 20 Kilometer lang und verlief von der Strecke Leipzig–Hof im Vogtland bis an die Saale.
Der Reiseverkehr wurde am 29. Mai 1994 eingestellt, seit dem 29. Juni 2012 findet auf der Strecke gar kein Verkehr mehr statt.
Dieser Beitrag geht die Halte ohne Reisezüge der Reihe nach durch.
Freie Fotos aus der Betriebszeit der Strecke fehlen, die Bilder stammen aus dem Jahr 2022.
Wie die Strecke entstand
Die Regierung des Fürstentums Reuß jüngerer Linie plante eine Bahnlinie, die bei Schönberg von der Strecke Leipzig–Hof abzweigen und bis Hirschberg an der Saale führen sollte.
Eine schmalspurige Anschlussstrecke entlang der Saale sollte die Verbindung nach Lobenstein herstellen.
1885 schloss das Fürstentum mit Sachsen einen Vertrag zum Bau.
Als die Preußische Staatsbahn eine eigene Strecke nach Lobenstein plante, verzichtete man auf die Schmalspurbahn.
Der Bau der regelspurigen Nebenbahn nach Hirschberg wurde am 26. Juli 1890 mit einem Staatsvertrag vereinbart.
Die Bauarbeiten begannen im Juli 1891, am 1. Juli 1892 wurde die 19,94 Kilometer lange Strecke eröffnet.
Sie erhielt das sächsische Streckenkürzel SH.
Der Verlauf
Die Strecke verließ den Bahnhof Schönberg gemeinsam mit der Strecke nach Schleiz in südwestlicher Richtung.
Schönberg liegt an der Bahnstrecke Leipzig–Hof und ist nicht Teil der stillgelegten Strecke.
Hinter Tanna erreichte die Strecke an der Überquerung des Rosenbühls ihren Scheitelpunkt in etwa 610 Metern Höhe.
Kurz vor dem Bahnhof Göttengrün-Gefell macht sie einen Bogen, um das einstige preußische Gebiet nicht zu berühren.
Bis zum Saaletal betrug das Gefälle 21 Promille.
Unterkoskau
Unterkoskau wurde am 1. Juli 1892 als Haltestelle eröffnet und 1905 zum Bahnhof gewidmet.
1933 folgte die Herabstufung zur Haltestelle, seit dem 1. März 1967 wurde die Station als Haltepunkt geführt.
Das Empfangsgebäude von 1892 war zehn mal fünf Meter groß und enthielt die Wartehalle mit Dienst- und Gepäckraum.
Dazu kamen ein Freiabort und ein Wagenkasten.
Ein Stumpfgleis verlängerte die Ladestraße, am Ende der Ladestraße wurde Vieh verladen.
Die steinerne Wartehalle wurde 2019 abgerissen.
Mit dem Ende des Reiseverkehrs ging die Station am 29. Mai 1994 außer Betrieb.


Tanna
Auch Tanna wurde am 1. Juli 1892 als Haltestelle eröffnet und 1905 zum Bahnhof gewidmet.
Mit Empfangsgebäude, Wirtschaftsgebäude, Güterschuppen, mehreren Wagenkästen, Lademaß und Gleiswaage war es der größte Unterwegsbahnhof der Strecke.
Die Bahngebäude waren ein Typenbau aus gelbem Ziegelklinker.
Eine große Kopf- und Seitenrampe diente der Viehverladung, in Tanna fanden regelmäßig Viehmärkte statt.
Unweit des Bahnhofs wurde in einem Steinbruch ein dunkelroter Kalkstein abgebaut, der als Tanner Marmor unter dem Namen Königsrot verkauft wurde.
Am 1. September 1980 wurde der Bahnhof zur Haltestelle herabgestuft, 1990 schloss die Fahrkartenausgabe.
Der Reiseverkehr nach Hirschberg wurde nach der Errichtung der DDR-Staatsgrenze und der Einführung eines Sperrgebietes erschwert.
Fahrgäste ohne gültigen Passierschein mussten in Tanna aussteigen.
Am 29. Mai 1994 ging die Station außer Betrieb.
Am 27. und 28. August 2000 waren der Bahnhof und die Alte Schule von Tanna Drehorte für den Kinofilm „So weit die Füße tragen“.


Göttengrün-Gefell
Die Station wurde am 1. Juli 1892 als Göttengrün eröffnet, 1905 zum Bahnhof gewidmet und 1933 wieder zur Haltestelle herabgestuft.
Später wurde sie nur noch als Haltepunkt geführt.
Am 15. Mai 1926 wurde sie in Göttengrün-Gefell umbenannt.
Das Empfangsgebäude war ein zweieinhalbgeschossiger Typenbau wie in Tanna.
Im Erdgeschoss lagen Dienst- und Wartebereich, im Obergeschoss wohnte der Bahnhofsvorsteher, im Dachgeschoss sein Stellvertreter.
Zur Ausstattung gehörten ein Geräteschuppen, ein 18 Meter langer Güterschuppen und ein Brunnen.
Das Bahnhofsrestaurant war bekannt und hatte nicht nur Fahrgäste als Gäste.
Die Gleiswaage wurde 1967 abgerissen, der Güterschuppen 2003.
Der Haltepunkt ging am 29. Mai 1994 außer Betrieb.

Bei Gefell wurden im Zuge der ehemaligen Bundesstraße 2 die Schienen am Bahnübergang komplett ausgebaut.
Ein ehemaliger Bahnübergang der Landesstraße 3002 liegt zwischen Gefell und Zollgrün nahe der ehemaligen Haltestelle Göttengrün.

Ullersreuth
Als Bahnhof Ullersreuth werden seit 2008 die Anlagen der Anschlussbahn der Firma Rettenmeier Holzindustrie Hirschberg am heutigen Streckenende geführt.
Die Anschlussbahn wurde 1995 zusammen mit der Errichtung des Werks auf freier Strecke aufgebaut.
Hirschberg (Saale)
Der Bahnhof Hirschberg wurde am 1. Juli 1892 unter dem Namen Hirschberg a. d. Saale eröffnet.
Seit dem 1. Juli 1907 trägt er den heutigen Namen.
Das Empfangsgebäude war wie in Tanna ein Typenbau, dahinter lag das schmale Wirtschaftsgebäude.
Daran schloss sich ein zweiständiges Heizhaus mit je einem Untersuchungskanal an.
In der Dampflokzeit gehörten Löschegrube, Sandlager, Kohlenschuppen und Wasserkran dazu, neben dem Heizhaus entstand später eine Dieseltankstelle.
Für den Güterverkehr gab es eine Kopf- und Seitenladerampe und einen 18 Meter langen Güterschuppen mit Expeditionsanbau.
Die Lagerhallen rund um den Bahnhof nutzten die Lederfabrik Hirschberg, vormals Heinrich Knoch, und eine Lohmühle.
Die Lederfabrik war der bedeutendste Güterkunde der Strecke, ihre Produktion endete 1992.
Von 1921 bis 1946 fuhr auf den Anschlussbahnen eine werkseigene Akku-Elok, Teile der Gleisanlagen waren dafür elektrifiziert.
Mit dem Ende des Reiseverkehrs ging der Bahnhof am 29. Mai 1994 außer Betrieb.




Vom Güterverkehr zum Stillstand
Der Abschnitt vom Abzweig des Anschlussgleises zum Sägewerk Rettenmeier bei Kilometer 16,2 bis Hirschberg wurde am 21. August 2000 stillgelegt.
Der verbleibende Abschnitt blieb zunächst unter DB Netz in Betrieb, im Dezember 2005 wurde er aus technischen Gründen gesperrt.
Ein Tochterunternehmen des Sägewerks pachtete die Verbindung zum 1. September 2006 und wandelte die öffentliche Infrastruktur in ein Anschlussgleis um.
Nach einer Sanierung im Frühjahr 2007 ging die Strecke Anfang Juni 2007 wieder in Betrieb.
Bis Mitte oder Ende 2008 fuhren mehrmals die Woche Ganzzüge zum Sägewerk, danach gab es nur noch unregelmäßig Übergaben.
Seit dem 29. Juni 2012 fährt auf der Strecke kein Zug mehr.
2021 war die Strecke nicht mehr durchgehend befahrbar: An Bahnübergängen sind die Schienen zum Teil mit Asphalt verschlossen, so auf der Straße zwischen Tanna und Unterkoskau.
Die Geschichte in Daten
26.07.1890: Staatsvertrag über den Bau der Strecke nach Hirschberg.
Juli 1891: Beginn der Bauarbeiten.
01.07.1892: Eröffnung der 19,94 Kilometer langen Strecke.
1905: Unterkoskau, Tanna und Göttengrün werden zu Bahnhöfen gewidmet.
01.07.1907: Der Bahnhof Hirschberg heißt nun Hirschberg (Saale).
15.05.1926: Göttengrün wird in Göttengrün-Gefell umbenannt.
1933: Unterkoskau und Göttengrün-Gefell werden zu Haltestellen herabgestuft.
01.03.1967: Unterkoskau wird als Haltepunkt geführt.
01.09.1980: Tanna wird zur Haltestelle herabgestuft.
1992: Die Produktion der Lederfabrik Hirschberg endet.
29.05.1994: Der Reiseverkehr wird eingestellt.
1995: Aufbau der Anschlussbahn Ullersreuth.
21.08.2000: Stilllegung bis Hirschberg.
12.2005: Sperrung des verbleibenden Abschnitts.
01.09.2006: Pachtung durch ein Tochterunternehmen des Sägewerks.
06.2007: Wiederinbetriebnahme bis zum Sägewerk.
29.06.2012: Letzter Verkehr auf der Strecke.
2019: Abriss der Wartehalle Unterkoskau.
Häufige Fragen
Wann wurde die Strecke Schönberg–Hirschberg eröffnet?
Wann fuhr der letzte Reisezug?
Fahren auf der Strecke noch Güterzüge?
Warum mussten Fahrgäste in Tanna aussteigen?
Welcher Halt war der größte der Strecke?
Wikipedia: Bahnstrecke Schönberg–Hirschberg · Wikipedia: Tanna · Wikipedia: Göttengrün · Wikipedia: Hirschberg (Saale)
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