Die Stichbahn Oberröblingen–Allstedt: Zucker, Kali und Kupferschiefer
Von 1894 bis zur Stilllegung 1995 verband eine knapp acht Kilometer lange Stichbahn Allstedt mit der Strecke Sangerhausen–Erfurt. Der Beitrag beschreibt ihre drei Stationen, ihre Kunden und das, was von ihr geblieben ist.

Lage: Landkreis Mansfeld-Südharz, Sachsen-Anhalt, 7,42 Kilometer lang. Status: stillgelegt am 6. Oktober 1995, die Gleise wurden um 1999 abgebaut. Heute: Auf großen Teilen der Trasse verläuft ein Radweg.
Die Bahnstrecke Oberröblingen–Allstedt war eine eingleisige, nicht elektrifizierte Nebenbahn im früheren Landkreis Sangerhausen.
Sie zweigte im Bahnhof Oberröblingen von der Bahnstrecke Sangerhausen–Erfurt ab und führte über Niederröblingen nach Allstedt.
Dieser Beitrag behandelt nur die Stichstrecke von 7,42 Kilometern Länge, nicht die Hauptstrecke Sangerhausen–Erfurt.
Der Personenverkehr endete 1973, der Güterverkehr 1994.
Von den Stationen der Stichbahn gibt es als freies Foto nur eine Aufnahme des Bahnhofs Oberröblingen, aus Allstedt und Niederröblingen liegen keine freien Bahnhofsfotos vor.
Vorgeschichte und Bau
Allstedt war Sommerresidenz des Herzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach und lag als Enklave in der preußischen Provinz Sachsen.
Für einen Bahnbau war deshalb ein Staatsvertrag zwischen beiden Ländern nötig.
Schon in den 1850er Jahren gab es eine Trassenvariante der Halle-Kasseler Eisenbahn, die über Querfurt, Allstedt, Artern und Kelbra führen sollte.
Die Berlin-Anhaltische Eisenbahn-Gesellschaft ließ dafür 1852 erste Vermessungen ausführen, setzte das Projekt aber wegen zu hoher Baukosten nicht um.
1855 wurde in Allstedt eine Zuckerfabrik gegründet, ein Bahnanschluss war damit zusätzlich vorteilhaft.
Die Bahnstrecke Sangerhausen–Erfurt, die seit 1872 im Bau war, führte dennoch nur an Allstedt vorbei.
Der Abschnitt von Sangerhausen nach Artern wurde 1879 für den Güterverkehr eröffnet, der Personenverkehr begann 1880.
Dreimal täglich fuhr nun eine Pferdepost zwischen Allstedt und Oberröblingen, der nächsten Bahnstation.
Im Dezember 1888 schlossen Preußen und Sachsen-Weimar-Eisenach den Staatsvertrag, Sachsen-Weimar-Eisenach übernahm die Kosten für den Grunderwerb und zahlte zusätzlich 50.000 Mark Zuschuss zu den Baukosten.
Die Konzession für eine staatliche Nebenbahn wurde am 8. April 1889 erteilt.
Die Vorarbeiten begannen am 1. Januar 1891, die eigentlichen Bauarbeiten im Sommer 1893, nachdem der Grunderwerb abgeschlossen war.
Die Trassierung war einfach, es waren nur drei größere Bachbrücken nötig, außerdem musste die Chaussee von Nienstedt nach Allstedt verlegt werden.
Im Frühjahr 1894 entstanden die Hochbauten, im Spätsommer war der Oberbau fertig.
Am 1. Oktober 1894 wurde die Strecke feierlich eröffnet.
Oberröblingen
Der Bahnhof Oberröblingen (Helme) wurde beim Bau der Stichbahn ausgebaut.
Das neue Bahnsteiggleis der Nebenbahn kam hinter dem Empfangsgebäude zu liegen, die Station wurde damit zum Keilbahnhof.
Für den Güterverkehr war ein Güterschuppen an das Empfangsgebäude angebaut, dazu gab es zwei Ladestraßen und eine kombinierte Kopf- und Seitenladerampe.
Vom Gleis der Stichbahn ist im Bahnhofsbereich nur ein kurzes Stück übrig, es endet auf Höhe des früheren Bahnsteigs an einem Prellbock.
Dahinter ist die Trasse mit einem Wohngebiet überbaut.
Große Teile des Bahnhofsareals nutzt ein privates Ausbesserungswerk, es besitzt mehrere Werkhallen und sieben Kilometer Abstellgleise nördlich des Bahnhofs.
Niederröblingen

Der Bahnhof Niederröblingen lag nordwestlich des Ortes.
Ab 1905 wurde bei Heygendorf ein Kalischacht der Gewerkschaft Thüringen geteuft, der einen vom Bahnhof Niederröblingen ausgehenden, fast 9 Kilometer langen eigenen Gleisanschluss erhielt.
Mit der Schließung des Kalischachts Anfang der 1920er Jahre ging der Verkehr wieder zurück.
Von Niederröblingen zweigte später auch das Gleis zum Kupferschieferschacht ab.
Beim Bau der Grube in den 1950er Jahren entstand nördlich der bisherigen Gleisanlagen ein fünfgleisiger Anschlussbahnhof.
Von dort zweigte das Gleis zum Schacht des Mansfeld-Kombinats in einem engen Bogen von 180 Grad ab.
Im eigentlichen Schachtgelände lagen nur wenige Gleise.
Auf der Anschlussbahn kamen mindestens vier Rangierlokomotiven der Typen LKM N4 und LKM V 22 B zum Einsatz, von denen noch drei erhalten sind.
Eine Überbauung des früheren Bahnhofs mit Eigenheimen ist seit den 2010er Jahren geplant.
Der Radweg auf der Trasse wird kurz vom ehemaligen Bahnhofsgelände mit dem Anschluss an das frühere Kupferbergwerk Bernhard Koenen I unterbrochen.

Allstedt
Der Bahnhof Allstedt wurde am nördlichen Stadtrand gebaut.
Er hatte ein gemauertes Empfangsgebäude aus Ziegelstein mit angebautem Güterschuppen aus Ziegelfachwerk, der später verlängert wurde.
An den Güterschuppen schloss eine Seitenladerampe an, auf der Seite des Empfangsgebäudes lag eine Ladestraße.
Gegenüber befanden sich eine Holzladerampe und die kleine Lokstation mit zweigleisigem Lokschuppen, Behandlungsanlagen und einem Wasserturm.
Außerdem gab es eine Gleiswaage.
Zwei Gleisanschlüsse führten zu einem metallverarbeitenden Betrieb an der Bahnhofseinfahrt und zur Zuckerfabrik.
Der Anschluss zur Zuckerfabrik verlief in Verlängerung des durchgehenden Hauptgleises etwa 400 Meter quer durch die Stadt.
Empfangsgebäude mit Güterschuppen und der Lokschuppen sind noch vorhanden und werden privat genutzt.
Der Betrieb bis 1945
Zuständig für den Betrieb war die Eisenbahndirektion Erfurt.
Täglich verkehrten vier Reisezugpaare, dazu kamen reine Güterzüge.
Der Verkehr entwickelte sich recht positiv, war aber saisonal vor allem auf Zuckerrüben und Brennstoffe beschränkt.
Die Zuckerfabrik verarbeitete während der Kampagne täglich mehrere hundert Tonnen Zuckerrüben.
Den Personenverkehr prägte der Berufsverkehr, der vor allem aus Pendlern zu den Gruben des Mansfelder Reviers bestand.
Im Sommerfahrplan 1914 verkehrten acht Personenzugpaare täglich, sie brauchten für die knapp 8 Kilometer 15 Minuten.
1940 wurde die Zuckerfabrik geschlossen, damals fuhren noch sechs Personenzugpaare werktags.
Gegen Kriegsende waren es nur noch fünf täglich.

Der Kupferschiefer und das Ende
Nahe der Station Niederröblingen wurde ab 1952 ein Kupferschieferschacht geteuft, die Förderung begann 1958.
Die Schachtanlage erhielt ein Anschlussgleis und sorgte fortan für einen Großteil des Güteraufkommens.
Ganzzüge mit Erz fuhren mehrfach täglich über Sangerhausen Richtung Helbra und Eisleben.
In den 1960er Jahren bestand der Personenverkehr wieder aus acht Zugpaaren täglich, weil im Bergwerk maximal über 4.500 Personen beschäftigt waren.
Zeitweise verkehrten auch durchgehende Personenzüge zwischen Sangerhausen und Allstedt.
Ab Ende der 1960er Jahre wurde der Berufsverkehr auf den Kraftverkehr verlagert und das Zugangebot stark eingeschränkt.
Am 1. September 1973 wurde der Personenverkehr ganz eingestellt.
Im Güterverkehr blieb die Strecke in Betrieb, der Abschnitt Niederröblingen–Allstedt aber im vereinfachten Nebenbahnbetrieb.
Im August 1982 wurde dieses Stück in einen Streckenrangierbezirk umgewandelt.
Nach 1989/90 brach der Güterverkehr zusammen, weil der Kupferschieferabbau im August 1990 endete.
Weitere bedeutende Güterkunden gab es nicht.
Der zuletzt nur noch sporadische Güterverkehr wurde am 31. Dezember 1994 offiziell eingestellt.
Am 6. Oktober 1995 wurde die Strecke stillgelegt, im Ortsbereich von Röblingen war das Gleis zuvor nach Straßenbauarbeiten unterbrochen worden.
Im Oktober 1997 empfahl eine Studie des Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt und des Wuppertal-Instituts, den Personenverkehr auf den Bahnstrecken im Süden Sachsen-Anhalts wieder aufzunehmen.
Es folgten keine weiteren Maßnahmen, um 1999 wurden die Gleise abgebaut.
Die Fahrzeuge
Für den Fahrzeugeinsatz war bis mindestens in die 1950er Jahre die Lokeinsatzstelle Allstedt zuständig, eine Außenstelle des Bahnbetriebswerks Artern.
1952 wurde sie dem Bahnbetriebswerk Sangerhausen angegliedert.
Zunächst kamen ausschließlich preußische Baureihen zum Einsatz.
In den 1950er Jahren bespannte die Baureihe 56.20–29 die Erzzüge.
Von den 1970er Jahren bis 1981 fuhren ölgefeuerte Dampflokomotiven der Baureihe 44.0 im Erzverkehr.
Bis 1990 zogen Diesellokomotiven der Baureihe 118 die Erzzüge.
Der Radweg auf der Trasse
Auf dem Abschnitt zwischen der B 86 in Oberröblingen und dem Ortseingang von Allstedt entstand ein Radweg.
Er wird am früheren Bahnhofsgelände von Niederröblingen kurz unterbrochen.
Die Geschichte in Daten
1852: Berlin-Anhaltische Eisenbahn-Gesellschaft lässt erste Vermessungen für eine Trasse über Allstedt ausführen, das Projekt wird nicht umgesetzt.
1888: Im Dezember schließen Preußen und Sachsen-Weimar-Eisenach den Staatsvertrag.
1889: Am 8. April wird die Konzession für die Nebenbahn erteilt.
1891: Am 1. Januar beginnen die Vorarbeiten.
1894: Am 1. Oktober wird die Strecke feierlich eröffnet.
1905: Bei Heygendorf beginnt die Teufung eines Kalischachts mit Gleisanschluss ab Niederröblingen.
1940: Die Zuckerfabrik in Allstedt wird geschlossen.
1958: Der Kupferschieferschacht bei Niederröblingen nimmt die Förderung auf.
1973: Am 1. September wird der Personenverkehr eingestellt.
1982: Im August wird der Abschnitt Niederröblingen–Allstedt zum Streckenrangierbezirk.
1990: Im August endet der Kupferschieferabbau.
1994: Am 31. Dezember wird der Güterverkehr offiziell eingestellt.
1995: Am 6. Oktober wird die Strecke stillgelegt.
1999: Um dieses Jahr werden die Gleise abgebaut.
Häufige Fragen
Wie lang war die Strecke?
Wann fuhr der letzte Personenzug?
Wofür wurde die Strecke vor allem genutzt?
Wann wurde die Strecke stillgelegt?
Gibt es heute einen Radweg?
Von der Stichbahn Oberröblingen–Allstedt sind in Allstedt das Empfangsgebäude, der Güterschuppen und der Lokschuppen erhalten, der Bahnhof Niederröblingen soll mit Eigenheimen überbaut werden.
Wikipedia: Bahnstrecke Oberröblingen–Allstedt
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