Die stillen Halte der Schmalspurbahn Taubenheim–Dürrhennersdorf
Die zwölf Kilometer lange Schmalspurbahn durch das Lausitzer Bergland fuhr von 1892 bis 1945 und wurde als Reparation abgebaut. Der Beitrag beschreibt die Halte Taubenheim, Oppach, Schönbach, Beiersdorf und Dürrhennersdorf.

Lage: Lausitzer Bergland, von Taubenheim über Oppach nach Dürrhennersdorf, etwa zwölf Kilometer, Spurweite 750 Millimeter. Status: Der Betrieb wurde am 17. September 1945 eingestellt, die Schienen gingen als Reparation an die Sowjetunion. Heute: Teile der Trasse sind Rad- und Wanderweg, mehrere Gebäude und Widerlager sind erhalten.
Die Schmalspurbahn Taubenheim–Dürrhennersdorf hatte eine Spurweite von 750 Millimetern und eine Länge von etwa zwölf Kilometern.
Sie führte von Taubenheim an der Spree über den Industrieort Oppach nach Dürrhennersdorf.
Eröffnet wurde sie am 1. November 1892, den Betrieb stellte die Reichsbahndirektion Dresden am 17. September 1945 ein.
Die Schienen und fast alle Fahrzeuge gehörten zu den Reparationen an die Sowjetunion.
Dieser Beitrag geht die Halte Taubenheim, Oppach, Schönbach, Beiersdorf und Dürrhennersdorf einzeln durch.
Aus der Betriebszeit sind kaum freie Fotos vorhanden, die meisten Aufnahmen zeigen Reste der Strecke.
Entstehung: Ein Komitee, ein Landtag und eine Schmalspurbahn
Nach dem Krieg von 1870 und 1871 siedelten sich in der Gegend um Oppach, Beiersdorf und Schönbach neben der Textilindustrie auch metallverarbeitende Betriebe an.
Die Industriellen wünschten sich einen Bahnanschluss, damit sie ihre Produkte nicht mehr mit Pferdefuhrwerken zu den Bahnhöfen der umliegenden Regelspurstrecken bringen mussten.
In einem 1887 gegründeten Komitee setzte sich besonders der Fabrikbesitzer und Abgeordnete Karl Friedrich Matthes aus Schönbach für den Bahnbau ein.
Die Staatsregierung zweifelte an der Rentabilität, daher genehmigte der Landtag in Dresden am 7. Februar 1890 nur eine Schmalspurbahn mit der in Sachsen üblichen Spurweite von 750 Millimetern.
Im September 1891 begannen die Bauarbeiten an der 12,04 Kilometer langen Strecke.
Dabei wurden 94.000 Kubikmeter Erdmassen bewegt und 13.740 Meter Gleis verlegt.
Am 1. November 1892 eröffneten die Königlich Sächsischen Staatseisenbahnen die Strecke, die Baukosten betrugen ungefähr 1,1 Millionen Mark.

So sah es vorher aus: Fabrikgüter, Bahnpost und Rollwagen
Neben der Personenbeförderung diente die Bahn dem Transport von Landwirtschaftsprodukten, Steinen und Kohlen für die Fabriken an der Strecke.
Mit dem regulären Verkehr begann auch der Bahnpostverkehr, zunächst mit einem zweiachsigen Bahnpostwagen der Kaiserlichen Reichspost.
Um 1930 verlagerte die Reichspost den Postverkehr auf die Straße, im Zweiten Weltkrieg gab es noch einmal eine Bahnpost.
In den Anfangsjahren verkehrten täglich drei gemischte Züge mit Personen- und Güterwagen.
Von Beginn an gab es Rollbockverkehr, zunächst mit einem einzigen Rollbockpaar.
1911 gaben die Staatseisenbahnen den gemischten Betrieb auf, seitdem verkehrten zusätzlich reine Güterzüge.
In den Jahren 1927 und 1928 stellte die Reichsbahndirektion Dresden auf der Strecke vom Rollbock- auf den Rollwagenbetrieb um.
Damit war die Strecke eine der letzten sächsischen Schmalspurbahnen mit dem 1885 eingeführten Rollbockverkehr gewesen.
Die Blütezeit erlebte die Bahn zwischen 1938 und 1944, weil die ansässige Rüstungsindustrie zahlreiche kriegswichtige Güter herstellte.
Es verkehrten fünf Zugpaare und zusätzlich zwei Personenzüge zwischen Taubenheim und Oppach, außerdem kamen zusätzliche Güterzüge hinzu.
Wichtigster Güterkunde war das Siemens-Werk in Oppach.
Zwischen 1000 und 1200 Berufspendler nutzten die Bahn täglich.
Taubenheim: Übergang von Regelspur auf Schmalspur
Der Bahnhof Taubenheim an der Spree war der Ausgangspunkt der Schmalspurstrecke.
Er ist heute Teil des historischen Rundweges im Ort.
Nördlich des Bahnhofs erinnert der Straßenname An der Kleinbahn an die Schmalspurbahn.
Seit Anfang Februar 2025 steht auf einem neu errichteten Gleisjoch neben dem Empfangsgebäude der Schmalspur-Personenwagen 970-243, den der Interessenverband der Zittauer Schmalspurbahnen besitzt.
Er wird seit September 2025 als Café verwendet und trägt nach einer Neulackierung seine ab 1927 gültige Nummer Dresden K 394.
Davor stand der Wagen seit Mitte August 2014 in Oppach.




Oppach: Das Siemens-Werk und der Viadukt
In Oppach steht an der Straße der Jugend das ehemalige Empfangsgebäude.
Im östlichen Gemeindegebiet sind die Widerlager des einstigen Viadukts zu sehen, der über die Löbauer Straße führte.
Bei Oppach und Dürrhennersdorf waren zwei größere Brückenbauwerke nötig geworden.



Schönbach: Radweg auf dem Bahndamm
Von Mittelschönbach kann der Bahndamm bis zum Ortsbeginn von Dürrhennersdorf als Radweg benutzt werden.
In der ersten Hälfte der 2020er Jahre wurde der Ausbau des Radweges auf dem Bahndamm von Schönbach in den Ortskern von Beiersdorf fortgesetzt.
Die Einweihung des durchgängig befahrbaren Radweges im Gemeindegebiet von Schönbach fand am 21. September 2025 statt.
An diesem Tag war auf einem Tieflader im ehemaligen Gleisbereich des Bahnhofs Schönbach die Dampflokomotive IV K Nr. 145 (99 555) zu besichtigen, die von 1925 bis 1927 auf der Strecke eingesetzt war.
Beiersdorf: Viadukt und Rundweg um den Bieleboh
In Beiersdorf ist die ehemalige Bahnstrecke Teil des Rundweges um den Bieleboh.
Durch den Ersatzneubau des Beiersdorfer Viadukts und der Brücke über die Schmiedentalstraße ist der Radweg inzwischen durchgängig von Schönbach bis zum ehemaligen Bahnhof in Beiersdorf befahrbar.


Oberschönbach: Haltepunkt am Bieleboh
Auch in Oberschönbach ist die ehemalige Bahnstrecke Teil des Rundwegs um den Bieleboh.
Weitere Angaben zum Haltepunkt sind nicht belegt.

Dürrhennersdorf: Lokschuppen und Viadukt
In Dürrhennersdorf endete die Schmalspurbahn.
Der Lokschuppen und die Widerlager des Viadukts sind erhalten.
Noch am 8. Mai 1945 sprengten Wehrmachtsangehörige den Viadukt in Dürrhennersdorf.
Die behelfsmäßig reparierte Brücke konnte ab Juni 1945 wieder befahren werden.

Niedergang und Ende: Reparation statt Wiederaufbau
Wenige Monate nach Kriegsende stellte die Reichsbahndirektion Dresden am 17. September 1945 den Betrieb ein.
Im November 1945 fuhr der letzte Abbauzug.
In den folgenden Jahren wurden einige Versuche unternommen, die Strecke wieder aufzubauen, das Vorhaben scheiterte aber an Materialmangel.
Zur Betriebseinstellung 1945 waren insgesamt 17 vierachsige Personenwagen im Bestand.
Dazu kamen 23 vierachsige Rollwagen und 18 schmalspurige Güterwagen.
Ab 1926 wurde der Zugverkehr fast ausschließlich mit Lokomotiven der Gattung IV K abgewickelt.
Die Geschichte in Daten
7. Februar 1890: Der Landtag genehmigt eine Schmalspurbahn.
September 1891: Die Bauarbeiten beginnen.
1. November 1892: Die Strecke wird eröffnet.
1911: Die Staatseisenbahnen geben den gemischten Betrieb auf.
1927 und 1928: Umstellung auf Rollwagenbetrieb.
1938 bis 1944: Blütezeit der Strecke.
8. Mai 1945: Der Viadukt in Dürrhennersdorf wird gesprengt.
17. September 1945: Der Betrieb wird eingestellt.
November 1945: Der letzte Abbauzug fährt.
21. September 2025: Der durchgängige Radweg im Gemeindegebiet Schönbach wird eingeweiht.
Häufige Fragen
Wie lang war die Strecke?
Wann wurde sie eröffnet und eingestellt?
Warum wurden die Schienen abgebaut?
Was ist heute noch zu sehen?
Kann man auf der Trasse wandern oder radeln?
Die Bahn entstand für die Industrie am Bieleboh und diente ihr bis 1945.
Geblieben sind Gebäude, Widerlager und ein Radweg auf dem Bahndamm.
Wikipedia: Schmalspurbahn Taubenheim–Dürrhennersdorf · Wikipedia: Bahnstrecke Ebersbach–Löbau
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