Schönfeld-Wiesa–Meinersdorf: das Thumer Netz im Erzgebirge

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Schönfeld-Wiesa–Meinersdorf: das Thumer Netz im Erzgebirge

Die knapp 30 Kilometer lange Schmalspurbahn von Schönfeld über Geyer und Thum nach Meinersdorf entstand zwischen 1888 und 1911. Sie diente vor allem der Papier- und Textilindustrie und wurde zwischen 1967 und 1985 eingestellt.

Der Lokschuppen der ehemaligen Strecke Schönfeld-Wiesa–Thum in Geyer, Aufnahme von 2000.
Der Lokschuppen der ehemaligen Strecke Schönfeld-Wiesa–Thum in Geyer, Aufnahme von 2000. Foto: myself, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1888
Schönfeld–Geyer eröffnet
1911
Thum–Meinersdorf eröffnet
1967
Schönfeld-Wiesa–Thum stillgelegt
1975
Güterverkehr Thum–Meinersdorf endet

Lage: mittleres Erzgebirge, von Schönfeld-Wiesa über Geyer und Thum nach Meinersdorf. Status: Verkehr zwischen 1967 und 1975 eingestellt, Restverkehr bis zur Papierfabrik Schönfeld bis 1985, danach als Normalspur-Anschluss bis in die 1990er-Jahre. Heute: Teile der Trasse sind Radwege, in Geyer steht eine Lok als Denkmal.

Die Schmalspurbahn Schönfeld-Wiesa–Meinersdorf war eine sächsische Schmalspurbahn im mittleren Erzgebirge.

Sie war knapp 30 Kilometer lang und diente neben dem Berufs- und Ausflugsverkehr vor allem der Papier- und Textilindustrie.

Die Strecke mit 750 Millimetern Spurweite verlief von Schönfeld über Geyer und Thum nach Meinersdorf und war Teil des sogenannten Thumer Netzes.

Sie wurde in drei Abschnitten eröffnet: 1888 von Schönfeld nach Geyer, 1906 bis Thum und 1911 von Thum nach Meinersdorf.

Wie die Bahn entstand

In den 1850er-Jahren entstanden erste Pläne für eine Bahnverbindung von Chemnitz nach Annaberg.

Viele Städte und Gemeinden wollten, dass die Strecke über ihr Gebiet führte.

Die 1866 eröffnete Strecke Chemnitz–Flöha–Annaberg wurde durch das Zschopautal geführt, damit blieb das Gebiet um Thum und Geyer ohne Bahnanschluss.

Auch bei der 1875 eröffneten Strecke Chemnitz–Adorf war das so.

Die in den 1880er-Jahren gebaute Strecke Buchholz–Schwarzenberg berührte Geyer ebenfalls nicht.

Stattdessen wurde 1887 per Dekret der Bau einer Schmalspurbahn von Schönfeld nach Geyer beschlossen.

1886 war schon die Schmalspurbahn Wilischthal–Ehrenfriedersdorf mit einem Abzweig nach Thum eröffnet worden.

Die Vorarbeiten liefen seit 1885, die Bauarbeiten begannen im Dezember 1887, am 1. Dezember 1888 wurde der Abschnitt Schönfeld–Geyer eröffnet.

Schon kurz nach der Eröffnung diskutierte man eine Verbindung von Geyer nach Ehrenfriedersdorf.

Der Bau wurde 1898 beschlossen, die Arbeiten begannen aber erst 1904.

Mit der Verbindung Geyer–Thum erhielt Thum einen neuen Bahnhof, der der Streckenmittelpunkt werden sollte.

Der Abschnitt Herold–Ehrenfriedersdorf wurde hinfällig, der Verkehr dort am 30. April 1906 eingestellt, die Strecke danach abgebaut.

Die Verlängerung bis Thum ging am 1. Mai 1906 in Betrieb, der neue Thumer Bahnhof wurde seit April 1906 von Wilischthal aus angefahren.

Ende der 1880er-Jahre gab es auch Vorhaben für eine Verbindung von Thum nach Meinersdorf, 1900 wurde das Projekt beschlossen, 1908 begannen die Arbeiten.

Die Bauarbeiten zogen sich schleppend hin, 1909 wurden nicht einmal 500 Meter Gleis eingebaut.

Am 1. Oktober 1911 ging der Streckenteil nach Meinersdorf in Betrieb.

So sah es vorher aus: Rollböcke, Schnee und Flugzeugrümpfe

Die Strecke gehörte zu den ersten Schmalspurbahnen Sachsens mit Rollbockbetrieb.

Die ersten Rollböcke wurden noch 1888 von Unternehmern mit eigenem Anschlussgleis gekauft, später beschaffte die Staatsbahn auf eigene Kosten welche.

Nach 1900 wurden die Rollböcke schrittweise durch betriebssichere Rollwagen abgelöst.

Problematisch war der Verkehr in den schneereichen Wintern, vor allem um Hormersdorf.

Trotz Schneeschutzzäunen blieben mehrfach Züge stecken, der Verkehr fiel oft tagelang aus.

Ab 1944 wurden in leerstehenden Textilfabriken in Auerbach, Hormersdorf und Thum Rüstungsgüter hergestellt, zuerst Flugzeugrümpfe für die Focke-Wulf Fw 190, dann für die Ta 152 und die Messerschmitt Me 262.

Nur wenige Stück wurden fertig und mit der Schmalspurbahn versandt.

Die Bahn überstand den Zweiten Weltkrieg weitgehend unbeschädigt, einziger größerer Schaden war eine von Tieffliegern beschädigte Dampflok.

Im Sommer 1974 gab es zwischen Meinersdorf und Thum drei Wochen Schienenersatzverkehr, weil das Fernsehen den Opernfilm Fra Diavolo drehte.

Dafür wurden zwei Lokomotiven der Baureihe 99.51–60 nach Thum umgesetzt und Jahnsbach als Terracina umdekoriert.

Niedergang und Stilllegung

Ab 1965 wurde der Verkehrsträgerwechsel geplant, als Termin legte man 1969 fest.

Vor allem der noch immer starke Güterverkehr sollte bis dahin stückweise auf Normalspurbahnhöfe verlagert werden.

Wegen des äußerst schlechten Oberbaus wurden 1965 und 1966 immer längere Langsamfahrstellen eingerichtet.

1967 brauchten die Züge für Schönfeld-Wiesa–Thum etwa 90 Minuten, weil auf 9 Kilometern nur noch 10 Kilometer pro Stunde erlaubt waren.

Am 15. August 1967 wurde der Abschnitt von Schönfeld-Wiesa nach Thum stillgelegt, nur ein Restgüterverkehr bis zur Papierfabrik Schönfeld bei Kilometer 1,45 blieb bestehen.

Die Strecke wurde in Etappen abgebaut.

1968 baute man das Gleis zwischen dem Anschluss Papierfabrik und der Haltestelle Tannenberg im Zuge einer Straßenverbreiterung ab, 1970 wurde Geyer erreicht.

Von Sommer 1971 bis zum 5. Oktober 1972 wurde der Abschnitt Geyer–Thum abgebaut.

Nachdem 1972 auch der Verkehr auf der Wilischthalbahn endete, blieb nur noch Meinersdorf–Thum übrig.

Am 29. September 1974 wurde dort der Personenverkehr eingestellt, der Güterverkehr lief bis zum 31. Dezember 1975.

Wegen des starken Gefälles vom Bahnhof Schönfeld-Wiesa zur Papierfabrik Schönfeld mussten weiterhin Dampflokomotiven eingesetzt werden, der Betrieb war für die Reichsbahn extrem unwirtschaftlich.

Da die Papierfabrik nicht auf den Gleisanschluss verzichten konnte, sollte der Rest auf Normalspur umgebaut werden.

Das war erst 1985 möglich, als die Fabrik mehrere Monate für Umbauten stillstand.

Am 15. April 1985 wurden die letzten Schmalspurfahrten durchgeführt.

Der umgespurte Streckenrest wurde bis Anfang der 1990er-Jahre bedient.

Die ehemalige Bahntrasse zwischen Greifenbachviadukt und Ehrenfriedersdorf, heute Fahrweg, 2000.
Die ehemalige Bahntrasse zwischen Greifenbachviadukt und Ehrenfriedersdorf, heute Fahrweg, 2000. Foto: de:Benutzer:ch ivk, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Schönfeld-Wiesa: Anschluss an die Zschopautalbahn

Die Station trug vier verschiedene Namen.

Bis zum 30. November 1888 hieß sie Schönfeld, bis zum 23. Dezember 1904 Schönfeld Bahnhof, bis zum 30. April 1908 Schönfeld (Zschopautal) Bahnhof, ab dem 1. Mai 1908 Schönfeld-Wiesa.

Sie wurde 1866 zusammen mit der Strecke Chemnitz–Annaberg eröffnet und mit dem Schmalspurbau umfassend erweitert.

Obwohl der Bahnhof komplett auf dem Gemeindegebiet von Wiesa lag, wurde er zunächst nach dem etwas entfernt liegenden Schönfeld benannt.

Erst auf Bestreben der Gemeinde Wiesa erhielt er den Doppelnamen.

2007 wurde die Station an der Zschopautalbahn durch den ortsnäheren Haltepunkt Wiesa ersetzt.

Schönfeld (Zschopautal), Tannenberg Ost, Tannenberg und Obertannenberg

Der Haltepunkt Schönfeld (Zschopautal) erhielt zur Eröffnung 1888 keine Hochbauten, 1912 kam ein Freiabtritt hinzu, Ende der 1920er-Jahre eine Wartehalle.

Er lag in einer Kurve zwischen Annaberger Straße und Tannenberger Straße, Überreste sind nicht mehr vorhanden.

Bei Tannenberg Ost wurde 1927 ein Kunstseidenveredelungswerk mit eigenem Gleisanschluss errichtet.

Ein dabei entstandenes Baugleis wurde 1928 zur nichtöffentlichen Kreuzungsstelle ausgebaut.

Ab 1950 fand hier auch Personenverkehr statt, ab 1951 hieß die Station Tannenberg Ost.

In den letzten Betriebsjahren wurde das Kreuzungsgleis kaum noch genutzt und war 1967 schon nicht mehr vorhanden.

Die Station Tannenberg lag unmittelbar neben der Zschopau, die für die Einrichtung der Haltestelle verlegt wurde.

In den 1920er-Jahren ersetzte ein Dienstgebäude mit angebautem Güterschuppen die anfängliche Wartehalle und den Freiabtritt.

Neben dem Hauptgleis gab es nur ein Kreuzungsgleis.

Der Haltepunkt Obertannenberg bestand nur aus einem Bahnsteig und einem Stationsschild.

Wegen geringer Nutzung wurde er 1924 geschlossen, später aber erneut für den Personenverkehr eröffnet, danach kam auch eine Bude mit einem Fernsprecher hinzu.

Auf der gegenüber liegenden ehemaligen Bahnhofsgaststätte ist die einstige Beschriftung erhalten geblieben.

Siebenhöfen: Haltepunkt an der Spinnerei

Der Haltepunkt Siebenhöfen wurde 1888 ohne Hochbauten eröffnet.

Die gegenüberliegende Spinnerei, auch als Evans-Fabrik bekannt, konnte ihre Produkte über ein Abzweiggleis und eine Verladegrube auf Bahnwaggons verladen.

1912 und 1913 erhielt der Haltepunkt bei einer Bahnsteigverlängerung eine Wartehalle und einen Freiabtritt.

Mangels Verkehrs wurde er 1924 geschlossen und 1929 als Bedarfshaltestelle wiedereröffnet.

Die Wartehalle wurde in den 1930er-Jahren an den Haltepunkt Geyer versetzt.

Die ehemalige Schmalspurbrücke über den Geyerbach in Siebenhöfen, 2018.
Die ehemalige Schmalspurbrücke über den Geyerbach in Siebenhöfen, 2018. Foto: Dor Jörsch, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Geyer: Haltepunkt und Bahnhof

Der Haltepunkt Geyer lag im Stadtzentrum und bestand zur Eröffnung nur aus einem Bahnsteig.

Erst in den 1930er-Jahren erhielt er die Wartehalle aus Siebenhöfen.

Zwischen 1944 und 1949 war er geschlossen, der Betrieb war schon zuvor wegen der hohen Kosten von der Stadt Geyer unterstützt worden.

Am Altmarkt und an der Annaberger Straße gibt es keine Hochbauten mehr, auf dem Areal befindet sich ein Parkplatz.

Der Bahnhof Geyer war 1888 Endbahnhof und besaß ein Empfangsgebäude mit angrenzendem Güterschuppen, einen zweiständigen Lokschuppen mit Wasserstation und Wasserkran sowie eine Löschgrube.

Mit der Erweiterung nach Thum 1906 erhielt der Lokschuppen einen Anbau für ein drittes Gleis, 1915 und 1916 folgte eine Erweiterung der Gleisanlagen.

Nach einem Brand Anfang der 1920er-Jahre wurde der Güterschuppen neu errichtet.

Der Bahnhof ist Station der Dampfbahn-Route Sachsen.

Der Lokschuppen in der Bahnhofstraße ist noch vorhanden, das Empfangsgebäude mit Güterschuppen wurde 2016 abgerissen.

Das Ensemble ergänzen eine Dampflokomotive mit Waggons und ein historisches Stationsschild.

Die Dampflokomotive am ehemaligen Bahnhof Geyer, aufgestellt am 15. Mai 1976.
Die Dampflokomotive am ehemaligen Bahnhof Geyer, aufgestellt am 15. Mai 1976. Foto: Zeitsplitter-Kollektiv, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Ehrenfriedersdorf: Bahnhof und Haltepunkt

Der Bahnhof Ehrenfriedersdorf war der zweite Bahnhof der Stadt, der erste lag bis 1906 nahe der Chemnitzer Straße am Ende der Zweigstrecke von Oberherold.

Der neue Bahnhof hatte einen großen Güterschuppen mit angebauter Rampe, ein Empfangsgebäude, ein Wirtschaftsgebäude, zwei Bahnsteiggleise, eine Gleiswaage und ein Lademaß.

In den 1930er-Jahren entstand ein Bockkran an der Ladestraße, die Einfahrsignale und einige Weichen waren ferngesteuert.

Mit der Einstellung des Personenverkehrs wurde die Station am 16. August 1967 zum Güterbahnhof, der Schienenverkehr endete am 1. November 1968 ganz.

Das Empfangsgebäude ist bis heute an seiner Bahnhofsuhr zu erkennen und steht in der Max-Wenzel-Straße im Westen des Orts.

Der Haltepunkt Ehrenfriedersdorf Hp lag seit 1906 im äußersten Norden des Stadtgebiets und hatte ein Wartehäuschen, ab 1912 einen Freiabtritt.

Er wurde 1924 geschlossen und 1934 als Bedarfshaltepunkt wiedereröffnet.

Der Wagenkasten wurde 1967 zerstört.

An der Thumer Straße nahe der Bundesstraße 95 sind Fundamentreste der Hochbauten erkennbar, eine Informationstafel erinnert an die Station.

Die Trasse wurde zu einem Radweg umfunktioniert.

Bahnunterführung beim ehemaligen Haltepunkt Ehrenfriedersdorf, 2016.
Bahnunterführung beim ehemaligen Haltepunkt Ehrenfriedersdorf, 2016. Foto: Aagnverglaser, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Bahnradweg beim ehemaligen Haltepunkt Ehrenfriedersdorf, 2016.
Der Bahnradweg beim ehemaligen Haltepunkt Ehrenfriedersdorf, 2016. Foto: Aagnverglaser, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Die ehemalige Bahntrasse zwischen Ehrenfriedersdorf und Thum, asphaltiert und zum Radweg umgewidmet, 2000.
Die ehemalige Bahntrasse zwischen Ehrenfriedersdorf und Thum, asphaltiert und zum Radweg umgewidmet, 2000. Foto: myself, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Thum: Mittelpunkt des Netzes

Der Bahnhof Thum war von Mai 1906 bis zur Schließung 1975 der betriebliche Mittelpunkt.

Auf dem Gelände standen ein Empfangsgebäude, ein Nebengebäude mit Freiabtritt, ein Wagenschuppen, ein Güterschuppen, ein Lademaß, eine Gleisbrückenwaage und eine Seitenladerampe mit Ladestraße.

Am Bahnsteigende in Richtung Geyer stand zwischen den Gleisen ein Wasserkran.

Von 1906 bis 1911 gab es einen zweiständigen Lokschuppen, 1911 kam ein drittes Abstellgleis hinzu, 1934 wurde der alte Lokschuppen abgerissen.

An seine Stelle trat ein Lokschuppen mit vier Doppelständen und ein zweigleisiger Schuppen für Wagenreparaturen.

Es war der größte Lokomotivschuppen der Sächsischen Schmalspurbahnen.

Im Oktober 2013 wurde das Gebäude für einen geplanten Pflegeheimneubau abgerissen.

Der ehemalige Standort des Lokschuppens am Bahnhof Thum, 2017.
Der ehemalige Standort des Lokschuppens am Bahnhof Thum, 2017. Foto: Aagnverglaser, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der ehemalige Bahnübergang an der F 95 in Thum, 2017.
Der ehemalige Bahnübergang an der F 95 in Thum, 2017. Foto: Aagnverglaser, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Jahnsbach und Hormersdorf

Der Bahnhof Jahnsbach wurde mit der Strecke Thum–Meinersdorf am 1. Oktober 1911 eröffnet und 1933 zur Haltestelle herabgestuft.

Er hatte eine Wartehalle, ein Nebengebäude mit Freiabtritt, einen Güterschuppen mit Seitenladerampe, zwei Bahnsteige, ein Lademaß und eine Ladestraße.

Die Station ging mit der Stilllegung des Abschnitts Thum–Meinersdorf am 1. Januar 1976 außer Betrieb.

Die hölzerne Wartehalle, der Abort und der Güterschuppen sind am Standort originalgetreu erhalten.

Der Bahnhof Hormersdorf lag auf dem Gebiet der Nachbargemeinde Auerbach, rund einen Kilometer außerhalb des Ortskerns.

Er bestand zunächst nur aus dem Hauptgleis, einem beidseitigen Ladegleis und einer Wartehalle, dazu gab es ein Nebengebäude mit Freiabort und einen Wagenkasten als Güterschuppen.

In den 1930er-Jahren entstanden nach einem Verkehrszuwachs ein Kreuzungsgleis, ein zusätzliches Ladegleis und ein Güterschuppen.

Heute erinnert nur noch eine Hinweistafel an das neu überbaute Gelände, der Bahndamm vor und hinter dem Bahnhof ist gut zu erkennen.

Auerbach und Gornsdorf

Der Bahnhof Auerbach (Erzgeb) wurde am 1. Oktober 1911 eröffnet und war die größte Zwischenstation zwischen Thum und Meinersdorf.

Er hatte ein eingeschossiges Empfangsgebäude mit Anbau, einen Güterschuppen mit Rampe und einen Freiabtritt und wurde 1931 und 1932 aufwendig erweitert.

Am meisten Bedeutung hatte er zum Ende des Zweiten Weltkriegs, als hier zahlreiche vormontierte Flugzeugrümpfe verladen wurden.

Im Bahnhof kreuzten sich täglich drei, ab 1972 zwei Zugpaare.

Das Empfangsgebäude und der Abort sind erhalten, das Empfangsgebäude wird vom Deutschen Roten Kreuz genutzt.

Der Haltepunkt Auerbach (Erzgeb) Hp hatte nur einen Bahnsteig, eine Wartehalle und einen Abtritt, wurde 1924 geschlossen und 1932 wiedereingerichtet.

Das Areal an der Gornsdorfer Straße ist heute mit Garagen überbaut.

Der Bahnhof Gornsdorf wurde am 1. Oktober 1911 eröffnet, seit 1933 war er Haltestelle, und ging am 1. Januar 1976 außer Betrieb.

Er hatte Wartehalle, Freiabtritt, Güterschuppen mit Seitenladerampe und Ladestraße, dazu eine Aschegrube.

Auf dem heute industriell genutzten Gelände ist der Güterschuppen noch vorhanden.

Der Haltepunkt Gornsdorf Hp bestand nur aus einem Bahnsteig und einer hölzernen Wartehalle und wurde 1924 mangels Reisenden geschlossen.

1950 wurde er wiedereröffnet, das Areal an der Freiligrathstraße ist heute mit Garagen überbaut.

Meinersdorf: überlasteter Bahnhof an der Chemnitz-Adorf-Strecke

Die Station an der Strecke Chemnitz–Adorf wurde 1880 eröffnet und gewann erst mit dem Bau der Schmalspurbahn größere Bedeutung.

Neben dem Übergang zur Schmalspurbahn hatten auch mehrere Anschließer der Normalspurbahn ein enormes Güteraufkommen, sodass der Bahnhof bis zur Wende 1989/90 ständig überlastet war.

Seit 1999 ist Meinersdorf nur noch ein Haltepunkt, das ehemalige Empfangsgebäude wurde 2018 abgerissen.

So sieht es jetzt aus

Nach der Wende 1990 wurden auf Abschnitten der Trasse Radwege eingerichtet.

Sie führen zwischen Tannenberg und Geyer, zwischen Ehrenfriedersdorf und Thum (asphaltiert), zwischen Thum und Auerbach und in Teilen von Gornsdorf.

Die Interessengemeinschaft Schmalspurbahn Thumer Netz e. V. hat an den ehemaligen Stationen und weiteren Zeugnissen der Trasse Erinnerungstafeln errichtet.

Geyer stellte 1976 die Lok 99 534 mit einigen Wagen als Denkmal auf.

Die ehemalige Bahntrasse zwischen Thum und Ehrenfriedersdorf, asphaltiert und zum Radweg umgewidmet, Blick Richtung Ehrenfriedersdorf, 2000.
Die ehemalige Bahntrasse zwischen Thum und Ehrenfriedersdorf, asphaltiert und zum Radweg umgewidmet, Blick Richtung Ehrenfriedersdorf, 2000. Foto: de:Benutzer:ch ivk, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Vorher und nachher: Geyer

Der Bahnhof war 1888 Endbahnhof mit Empfangsgebäude, Güterschuppen, zweiständigem Lokschuppen, Wasserkran und Löschgrube.

Heute ist der Lokschuppen noch vorhanden, das Empfangsgebäude mit Güterschuppen wurde 2016 abgerissen.

Eine Dampflokomotive mit Waggons und ein historisches Stationsschild ergänzen das Ensemble.

1866: Die Strecke Chemnitz–Flöha–Annaberg wird durch das Zschopautal eröffnet.

1887: Der Bau einer Schmalspurbahn von Schönfeld nach Geyer wird beschlossen.

1888: Der Abschnitt Schönfeld–Geyer wird am 1. Dezember eröffnet.

1906: Die Verlängerung bis Thum geht am 1. Mai in Betrieb.

1911: Der Abschnitt Thum–Meinersdorf geht am 1. Oktober in Betrieb.

1944: In Textilfabriken in Auerbach, Hormersdorf und Thum beginnt die Produktion von Flugzeugrümpfen.

1967: Schönfeld-Wiesa–Thum wird am 15. August stillgelegt.

1972: Der Abschnitt Geyer–Thum ist am 5. Oktober abgebaut.

1974: Der Personenverkehr Thum–Meinersdorf endet am 29. September.

1975: Der Güterverkehr Thum–Meinersdorf endet am 31. Dezember.

1976: Geyer stellt die Lok 99 534 als Denkmal auf.

1985: Am 15. April finden die letzten Schmalspurfahrten statt.

2013: Der Lokschuppen in Thum wird im Oktober abgerissen.

2016: Das Empfangsgebäude in Geyer wird abgerissen.

Wie lang war die Schmalspurbahn?
Die Strecke war knapp 30 Kilometer lang und hatte 750 Millimeter Spurweite.
Wann wurde sie eröffnet?
Zunächst am 1. Dezember 1888 von Schönfeld nach Geyer, am 1. Mai 1906 bis Thum und am 1. Oktober 1911 von Thum nach Meinersdorf.
Wann endete der Personenverkehr?
Auf dem Abschnitt Schönfeld-Wiesa–Thum am 15. August 1967, zwischen Thum und Meinersdorf am 29. September 1974.
Was ist heute von der Strecke zu sehen?
Teile der Trasse sind Radwege, in Geyer steht seit 1976 die Lok 99 534 mit einigen Wagen als Denkmal.
Was war das Thumer Netz?
Die Bezeichnung für die Schmalspurstrecken um Thum, zu denen diese Strecke und die Wilischthalbahn gehörten.

Die Bahn verband 1888 bis 1985 Papierfabriken, Textilbetriebe und Orte des mittleren Erzgebirges.

Heute führen Radwege über Abschnitte der Trasse.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Schmalspurbahn Schönfeld-Wiesa–Meinersdorf · Wikimedia Commons: Fotos der Strecke

Alle Fotos stammen von Wikimedia Commons und sind gemeinfrei oder stehen unter einer freien Creative-Commons-Lizenz. Urheber, Lizenz und Quelle stehen direkt am Bild.

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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