Die Salzkammergut-Lokalbahn: Als die Ischlerbahn durch den Gastgarten fuhr
66,9 Kilometer Schmalspur zwischen Salzburg und Bad Ischl, bis zu 2,15 Millionen Fahrgäste im Jahr, und 1957 trotz großer Proteste das Ende: So sah die Ischlerbahn aus, und das ist heute von ihr übrig.


Lage: Salzburg bis Bad Ischl, Österreich. Status: eingestellt und abgebaut, Teile der Trasse sind Radweg. Heute: Museum im Heizhaus Mondsee.
Es gibt Bahnen, die nach ihrem Ende erst richtig berühmt werden.
Die Salzkammergut-Lokalbahn ist so eine.
Die Einheimischen deuteten ihre Abkürzung SKGLB scherzhaft als „Sie kommt gar langsam und bedächtig“.
Sie fuhr an Seen entlang, durch Felswände und bei Lueg sogar durch den Gastgarten eines Hotels.
1957 wurde sie als erste Bahnstrecke von nennenswerter Länge und überregionaler Bedeutung in Österreich stillgelegt.
Die Proteste waren groß, verhindern konnten sie das Ende nicht.

Eine Bahn für die Sommerfrische
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde das Salzkammergut zu einem Zentrum des Tourismus in Österreich-Ungarn.
Das weckte den Wunsch nach einer Bahn zwischen dem Kurort Bad Ischl und Salzburg.
1888 nahm Ingenieur Wilhelm Michael Kontakt zu Josef Stern auf, dem Mitgründer der Firma Stern & Hafferl.
Am 13. Jänner 1890 erhielt die Salzkammergut-Localbahn-Aktiengesellschaft die Konzession für eine Schmalspurbahn von Bad Ischl nach Salzburg mit Abzweig nach Mondsee.
Im Frühjahr 1890 begann der Bau, die Gesamtbauleitung hatte Josef Stern.
Am 5. August 1890 ging der erste Abschnitt zwischen Bad Ischl und Strobl in Betrieb.
Am 28. Juli 1891 folgte der 31,6 Kilometer lange Teil zwischen Salzburg und Mondsee.
Der letzte Abschnitt zwischen St. Lorenz und Strobl hatte den Charakter einer Gebirgsbahn und war der schwierigste.
Im ersten Geschäftsjahr fuhren schon 140.767 Fahrgäste mit.


So sah es vorher aus: zwischen Felswand und Seeufer
Die Bahn hatte nur knapp 180 Meter Höhenunterschied zu überwinden, ihr höchster Punkt lag bei 599 Metern.
Trotzdem zeigte sie streckenweise die Merkmale einer Gebirgsbahn.
Am Wolfgangsee blieb am Steilabfall des Zwölferhorns nur ein schmaler Streifen, den sich Bahn und Straße teilen mussten.
Bei der Haltestelle Lueg führte die Strecke mitten durch den Gastgarten des Hotels.
Hinauf zur Scharflinger Höhe ging es durch einen 436 Meter langen Tunnel.
Die Zweigstrecke nach Mondsee war nur 3,5 Kilometer lang und bediente unter anderem die Haltestelle mit dem ungewöhnlichen Namen Schwarzindien.
Insgesamt gab es 16 Bahnhöfe und 20 Haltestellen.
In St. Wolfgang bestand Anschluss an die bahneigene Schifffahrt auf dem Wolfgangsee, und auch die 1893 eröffnete Schafbergbahn gehörte zum Unternehmen.







Krisen, Rekorde und ein schwerer Unfall
Mehrmals scheiterte der Plan, die Bahn zu elektrifizieren, auch 1912 am Widerstand des Militärs.
Im Ersten Weltkrieg wurden sechs Lokomotiven abgezogen.
Ab dem 1. Dezember 1920 verwaltete die Republik Österreich die Bahn für vier Jahre.
Die Weltwirtschaftskrise und die Tausend-Mark-Sperre von 1933 ließen den Tourismus einbrechen.
1939 wurde die Aktiengesellschaft enteignet.
Das Rekordjahr war 1946.
Am 21. März 1948 geschah einer der schwersten Unfälle ihrer Geschichte.
Vor dem Scharflinger Tunnel hatte ein Felssturz die Strecke weggerissen, die Lokomotive eines Sonderzugs mit Theaterbesuchern stürzte etwa 60 Meter in die Tiefe.
Lokführer und Heizer kamen ums Leben, die Personenwagen blieben auf den Gleisen stehen.
Das Ende von 1957
Nach 1946 sanken die Fahrgastzahlen stetig, die Konkurrenz durch das Auto wuchs.
Von 1950 bis 1957 kämpften die Menschen in der Region für ihre Bahn.
In einer Initiative sprachen sich 50.000 Personen gegen die Einstellung aus.
Am 21. September 1957 demonstrierten 2.500 Menschen vor dem Amt der Salzburger Landesregierung.
Es half nichts.
Am 30. September 1957 fuhr der letzte planmäßige Personenzug, verabschiedet von Zehntausenden entlang der Strecke.
Lok 12 zog ihn und trug eine Tafel: „Heute fahre ich zum letztenmal durch das schöne, grüne Tal.“
Der Güterverkehr lief noch bis zum 10. Oktober.
Gleich danach begann in einigen Abschnitten die Demontage, sodass eine Rückkehr unmöglich wurde.
Am Ende stand eine bittere Rechnung: Die Elektrifizierung hätte 44 Millionen Schilling gekostet.
Der Abbruch kostete 80 Millionen Schilling, der Ausbau der Ersatzstraßen weitere 350 Millionen.
So sieht es jetzt aus
Die Trasse wurde in mehreren Abschnitten für die Verbreiterung von Straßen genutzt.
Zwischen Salzburg und Eugendorf blieb sie im Wesentlichen unverbaut, dort verläuft seit Mitte der 1990er-Jahre ein Radweg.
Weitere Abschnitte gehören zum Salzkammergut-Radweg.
Ein Plan von 2017, zwei alte Tunnel für den Radweg zwischen Mondsee und Wolfgangsee zu öffnen, wurde nicht umgesetzt.
In Mondsee ist das Heizhaus das einzige erhaltene Gebäude der Endstation.
Es wurde zwischen 1988 und 1996 renoviert und ist heute ein Museum, das von Mai bis September öffnet.
Lok 12, die den letzten Zug zog, kam 2004 zurück nach Österreich und fährt auf der Taurachbahn im Lungau.
Mehrere Initiativen wollten die Bahn wieder aufbauen, bislang ohne unmittelbaren Erfolg.







Vorher und nachher: Trasse und Radweg
Die beiden Bilder zeigen nicht denselben Abschnitt, aber sie zeigen den Wandel: Aus der Bahntrasse wurde ein Weg für Radfahrer.


Die Geschichte in Daten
13. Jänner 1890: Konzession für die Bahn.
5. August 1890: Eröffnung Bad Ischl–Strobl.
28. Juli 1891: Eröffnung Salzburg–Mondsee.
1893: Lückenschluss zwischen St. Lorenz und Strobl.
1. August 1893: Eröffnung der Schafbergbahn.
1. Dezember 1920: Der Staat übernimmt die Verwaltung für vier Jahre.
1946: Rekordjahr der Fahrgastzahlen.
21. März 1948: Unfall am Scharflinger Tunnel.
30. September 1957: Letzter planmäßiger Personenzug.
10. Oktober 1957: Ende des Güterverkehrs.
15. Jänner 1964: Löschung des Unternehmens aus dem Handelsregister.
1996: Abschluss der Renovierung des Heizhauses in Mondsee.
Häufige Fragen
Warum heißt die Bahn auch Ischlerbahn?
Wann fuhr der letzte Zug?
Stimmt das mit dem Gastgarten?
Was ist Schwarzindien?
Kann man die Strecke heute noch erleben?
Was von der Ischlerbahn bleibt
Von der Bahn sind nur Reste geblieben, doch vergessen ist sie nicht.
Das Lied „Zwischen Salzburg und Bad Ischl“ aus dem Film Kaiserball blieb auch Jahrzehnte später bekannt.
Für viele Menschen in der Region gehört die langsame Bahn bis heute zu ihrer Heimat.
Salzkammergut-Lokalbahn, Wikipedia
Alle Fotos stammen von Wikimedia Commons und sind gemeinfrei oder stehen unter einer freien Creative-Commons-Lizenz. Urheber, Lizenz und Quelle stehen direkt am Bild.
