Der Bahnhof Jägersburg: Vom Zollbahnhof zur Ruine im Wald
Fast so oft umbenannt wie kontrolliert: Der Bahnhof an der Glantalbahn war Zollstation an zwei Grenzzeiten, endete als Güterhalt und diente zuletzt als Tatort-Kulisse. Heute steht er leer und ist einsturzgefährdet.


Lage: Waldgebiet zwischen Jägersburg, Stadtteil von Homburg, und Waldmohr. Status: stillgelegt, Empfangsgebäude steht leer. Hinweis: Das Gelände darf wegen Einsturzgefahr nicht betreten werden.
Mitten im Wald, am Rand von Homburg im Saarland, steht ein großes Haus aus Sandstein.
Die Fenster sind vernagelt, das Dach ist schwer gezeichnet, ringsum wächst der Wald heran.
Das Haus war einmal der Bahnhof Jägersburg an der Glantalbahn.
Züge aus Homburg hielten hier, Zöllner kontrollierten hier, und später fuhr hier sogar ein Express nach Wiesbaden durch das Land.
Heute steht der Bahnhof seit Jahrzehnten leer.
Dieser Beitrag zeigt, wie er früher aussah und wie es dort heute aussieht.
Warum im Wald ein Bahnhof entstand
Die Glantalbahn war vor allem eine strategische Bahn.
Schon nach dem Krieg von 1870/71 sprachen militärische Gründe für eine Strecke entlang des Glan, und vor allem Preußen drängte darauf.
Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts gab Bayern seinen Widerstand auf, weil sich die deutsch-französischen Beziehungen verschlechtert hatten.
Für Waldmohr und Jägersburg sollte ein gemeinsamer Bahnhof entstehen, und zwar auf der Gemarkung von Jägersburg.
Im Juli 1902 begannen die Bauarbeiten.
Die Strecke wurde von Anfang an zweigleisig gebaut.
Der südliche Abschnitt von Homburg nach Glan-Münchweiler war 19,5 Kilometer lang und kostete 5,48 Millionen Reichsmark.
Noch vor der Eröffnung fuhren Kohlezüge von der rund vier Kilometer entfernten Grube Nordfeld durch den Bahnhof.
Am 1. Mai 1904 wurde die Glantalbahn auf voller Länge eröffnet, und Jägersburg-Waldmohr war einer von 26 Unterwegsbahnhöfen.


So sah es vorher aus: Streit um den Namen
Der Bahnhof begann mit fünf Gleisen, einem Sandstein-Empfangsgebäude und einer Güterabfertigung.
Dazu kamen zwei Lagerhäuser, eine Laderampe und ein Haus mit Waschküche und Abort.
Schon kurz nach der Eröffnung stritten die Gemeinden um den Namen.
Der Bahnhof lag zwar auf der Gemarkung von Jägersburg, aber näher an Waldmohr.
Bis 1905 hieß er Jägersburg-Waldmohr, dann Waldmohr-Jägersburg, ab 1912 nur Waldmohr, ab 1921 Jägersburg und ab 1936 wieder Waldmohr-Jägersburg.
Seit 1947 hieß er endgültig Jägersburg.
Die Grube Nordfeld schloss schon zum Jahreswechsel 1904/1905, die Nordfeldbahn verlor nach nur zwei Jahren ihre Aufgabe.
Zollbahnhof an einer neuen Grenze
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Saargebiet vom deutschen Staatsgebiet abgetrennt.
Plötzlich lag der Bahnhof an einer Grenze, und ab 1920 fanden hier Zollkontrollen statt.
In den Jahren 1926 und 1927 fuhr sogar der Calais-Wiesbaden-Express über die Glantalbahn, in Richtung Wiesbaden, und hielt auch in Jägersburg.
Mit der Rückgliederung des Saargebiets 1935 endeten die Kontrollen.
In den 1930er-Jahren hielten hier 15 Zugpaare.
Ab 1939 entstand eine strategische Strecke nach Bexbach, die Homburg umfahren sollte, doch sie wurde nie vollendet.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wiederholte sich die Geschichte: Das Saarland wurde erneut abgetrennt, und ab 1947 war Jägersburg wieder Zollbahnhof.
Der Zugaufenthalt dauerte dabei insgesamt 30 Minuten.
Der lange Niedergang
Mit der neuen Grenze verlor der Abschnitt an Bedeutung.
Schon 1945 war das zweite Gleis zwischen Homburg und Jägersburg abgebaut worden.
Mitte der 1950er-Jahre gab die Bahn den Bahnhof für den Personenverkehr auf, zuletzt fuhren noch acht Zugpaare.
Auch nach der wirtschaftlichen Rückgliederung des Saarlandes kam der Verkehr nicht zurück.
1960 wurde er zur Anschlussstelle herabgestuft.
Für den Güterverkehr blieb er noch wichtig, ein drehbarer Kran stand bis Ende der 1980er-Jahre an der Rampe.
1967 kam ein Anschluss für das Industriegebiet von Waldmohr hinzu.
1991 verschwand das Ladegleis, und zum 28. Februar 1995 endete der Güterverkehr nach Waldmohr.
Seit 1996 ist der Abschnitt Homburg–Waldmohr stillgelegt.
Kulisse für den Tatort
Das Empfangsgebäude bekam noch einen ungewöhnlichen letzten Auftritt.
In den Jahren 2012 und 2013 diente es als Kulisse für den Tatort „Eine Handvoll Paradies“ des Saarländischen Rundfunks.
Darin ist es der Treffpunkt des fiktiven Motorradclubs Dark Dogs.
Die Handlung verlegte den Bahnhof in den Saarbrücker Stadtteil Haldenberg, den es in Wirklichkeit gar nicht gibt.
So sieht es jetzt aus
Das Empfangsgebäude steht seit mehreren Jahrzehnten leer.
Wegen Einsturzgefahr ist das Betreten des Geländes untersagt.
Die Bilder hier zeigen den Zustand von außen, und mehr sollte man sich auch vor Ort nicht ansehen.
Auch die Güterabfertigung ist noch vorhanden.
Die Gleise der Glantalbahn liegen bis zum Ortseingang von Waldmohr noch im Gelände.







Vorher und nachher: 114 Jahre
Die Blickwinkel sind nicht gleich, aber zwischen den beiden Bildern liegt die ganze Geschichte des Bahnhofs.


Die Geschichte in Daten
Juli 1902: Baubeginn.
Frühjahr 1903: Kohlezüge der Nordfeldbahn fahren.
1. Mai 1904: Eröffnung der gesamten Glantalbahn.
1904/1905: Die Grube Nordfeld schließt.
1920: Beginn der Zollkontrollen.
1926–1927: Der Calais-Wiesbaden-Express hält hier.
1935: Ende der ersten Zollzeit.
1947: Zweite Zollzeit beginnt, bis 1956.
Mitte der 1950er: Ende des Personenverkehrs.
28. Februar 1995: Ende des Güterverkehrs nach Waldmohr.
1996: Stilllegung Homburg–Waldmohr.
2012–2013: Drehort für den Tatort.
Häufige Fragen
Darf man den Bahnhof betreten?
Warum hieß der Bahnhof so oft anders?
Warum war hier ein Zollbahnhof?
Welcher Tatort wurde hier gedreht?
Was von Jägersburg bleibt
Der Bahnhof Jägersburg war nie ein Knoten, aber er lag zweimal an einer Grenze.
Heute trennt ihn nur noch das Betretungsverbot und der wachsende Wald von seiner Umgebung.
Wer ihn sehen will, sieht ihn besser hier als vor Ort.
Bahnhof Jägersburg, Wikipedia · Glantalbahn, Wikipedia
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