Die Jurabahn durch die Tabeillon-Schlucht: Saignelégier–Glovelier und ihre ehemaligen Halte

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die Jurabahn durch die Tabeillon-Schlucht: Saignelégier–Glovelier und ihre ehemaligen Halte

Die Strecke von Saignelégier nach Glovelier wurde 1904 als Normalspurbahn eröffnet und 1953 als Meterspurbahn neu gestartet. Die Halte Sceut und Le Fondeval sind ehemalig, die Spitzkehre von Combe-Tabeillon ist noch heute in Betrieb.

Der Bahnhof Combe-Tabeillon in der Gemeinde Haute-Sorne (2017).
Der Bahnhof Combe-Tabeillon in der Gemeinde Haute-Sorne (2017). Foto: chrisaliv, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1904
Eröffnung als Normalspurbahn
1948
Ende des Normalspurbetriebs
1953
Neustart als Meterspurbahn
25 km
Länge der Strecke

Lage: Kanton Jura Status: Die Strecke ist in Betrieb, die Halte Sceut und Le Fondeval sind ehemalig. Heute: Der Spitzkehrenbahnhof Combe-Tabeillon wird weiterhin bedient.

Die Strecke von Saignelégier nach Glovelier ist in Betrieb und gehört den Chemins de fer du Jura.

Stillgelegt sind einzelne Halte entlang der Strecke.

Dieser Beitrag erzählt von der Bahn, von den ehemaligen Haltestellen Sceut und Le Fondeval und vom Spitzkehrenbahnhof Combe-Tabeillon, der noch heute bedient wird.

Freie Fotos aus der Zeit der Normalspurbahn liegen nicht vor, deshalb zeigen die Bilder den Zustand seit 2017.

Eine Normalspurbahn für Vieh und Holz

Die Compagnie du chemin de fer Saignelégier–Glovelier wurde am 12. Oktober 1899 gegründet.

Am 21. Mai 1904 nahm die Régional Saignelégier–Glovelier die Strecke von Saignelégier nach Glovelier in Betrieb.

Die älteren Hauptlinien im Jura waren in erster Linie zur Verbindung nach Frankreich gebaut worden und berührten die Freiberge nicht.

Seit 1892 verkehrte über die Hochebene der Freiberge die meterspurige Saignelégier–La Chaux-de-Fonds-Bahn.

Die Weiterführung nach Glovelier wurde normalspurig erstellt, um den umfangreichen Vieh- und Holztransport zu vereinfachen.

Die Strecke ist 25 Kilometer lang.

Sie verbindet Saignelégier mit dem rund 500 Höhenmeter tiefer gelegenen SBB-Bahnhof Glovelier.

Die Kurvenradien sind groß, und die Ingenieurbauten sind zahlreich.

In den Schluchten des Tabeillon zwischen Glovelier und Bollement führen acht Tunnels durch den Fels.

Um den großen Höhenunterschied auszugleichen und die Rampen zu entschärfen, wurde bei Combe-Tabeillon eine Spitzkehre gebaut.

Die Normalspur ermöglichte an den Tagen des Marché-Concours direkte Züge von Basel nach Saignelégier.

Der Bau war teuer, und die Gesellschaft geriet schnell in finanzielle Schwierigkeiten.

So sah es vorher aus: Dampfzüge auf Normalspur

Der Verkehr entwickelte sich in der dünn besiedelten Gegend nicht wie erwartet.

Bereits 1906 geriet die Gesellschaft in Zwangsliquidation.

Die finanzielle Situation blieb trotz der Sanierung 1908 schwierig.

Seit dem 1. Juli 1910 bildete die Bahn eine Betriebsgemeinschaft mit dem normalspurigen Régional Porrentruy–Bonfol.

Bis 1917 stammten die Einnahmen etwa zu gleichen Teilen aus dem Güter- und dem Personenverkehr.

Danach wurde der Güterverkehr das wichtigere Geschäftsfeld.

Von 1918 bis 1944 waren die Betriebsergebnisse fast ausschließlich defizitär.

Dadurch veralteten die Bahnanlagen zusehends.

Zur Betriebseröffnung lieferte die Schweizerische Lokomotiv- und Maschinenfabrik in Winterthur 1903 die drei Dampflokomotiven Ed 3/4 1 bis 3.

1910 und 1913 beschaffte die Bahn je einen Dampftriebwagen für den Einmannbetrieb.

Die Fahrzeuge hatten ein Personen-, ein Gepäck- und ein Postabteil.

Mehrere Halte änderten im Lauf der Jahre ihren Namen, zu unbekannten Zeitpunkten.

Pré-Petitjean hieß ursprünglich Montfaucon und La Combe hieß Lajoux.

Bollement hieß Saulcy und Le Fondeval hieß Saint-Brais.

Der Halt Bollement, früher Saulcy (2017).
Der Halt Bollement, früher Saulcy (2017). Foto: chrisaliv, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Sceut

Die Strecke führt entlang des felsigen Abgrunds der Combe-Tabeillon durch mehrere kurze Tunnels.

Dabei kommt sie an den ehemaligen Haltestellen Sceut und Le Fondeval vorbei.

Sceut liegt in der Gemeinde Glovelier.

Hier steht eines der beiden Unterwerke, die die Strecke mit Strom versorgen.

Das andere Unterwerk steht in Pré-Petitjean.

Das Unterwerk und die ehemalige Haltestelle Sceut der Chemins de fer du Jura, Gemeinde Glovelier, vom hinteren Zugende aus gesehen (2017).
Das Unterwerk und die ehemalige Haltestelle Sceut der Chemins de fer du Jura, Gemeinde Glovelier, vom hinteren Zugende aus gesehen (2017). Foto: Stephane205, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Le Fondeval

Le Fondeval hieß früher Saint-Brais.

Der Halt liegt auf 779,9 Metern Höhe zwischen Bollement und Combe-Tabeillon.

Er wurde am 21. Mai 1904 eröffnet und war zunächst ein Bahnhof, später eine Haltestelle.

Ein Ausweichgleis und ein Hochperron ermöglichten früher das Verladen von Gütern.

Reste davon sind noch sichtbar.

Regionalzüge von und nach Glovelier und La Chaux-de-Fonds bedienten den Halt.

Der ehemalige Halt Le Fondeval in der Gemeinde Saint-Brais, vom hinteren Zugende aus gesehen (2017).
Der ehemalige Halt Le Fondeval in der Gemeinde Saint-Brais, vom hinteren Zugende aus gesehen (2017). Foto: Stephane205, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Combe-Tabeillon: Der Bahnhof, in dem der Zug die Richtung wechselt

Nach dem Tunnel Foradrai durchfährt die Strecke eine Kehrschleife.

In der Station Combe-Tabeillon ändern die Züge mit einer Spitzkehre ein zweites Mal die Fahrtrichtung.

Der Bahnhof wurde am 21. Mai 1904 eröffnet.

Er liegt im Gebiet der Gemeinde Haute-Sorne im Kanton Jura.

Weil er gebaut wurde, damit Züge wenden können, entstand er nicht bei Häusern und brauchte einen Namen.

Er heißt nach dem Bach, der südlich an den Gleisen entlang vom Plateau der Freiberge zur Sorne fließt.

Zur Station gehörte eine Drehscheibe für Dampflokomotiven, die nicht mehr vorhanden ist.

Combe-Tabeillon ist ein unbesetzter Haltepunkt mit einem Unterstand und zwei Bahnsteigen.

Der Unterstand und die Bahnsteige in Combe-Tabeillon (2017).
Der Unterstand und die Bahnsteige in Combe-Tabeillon (2017). Foto: chrisaliv, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Der Halt ist ein fester Halt, weil der Lokführer die Fahrerkabine wechseln muss.

Die Weichen in der Station stellt noch immer der Lokführer von Hand.

Da keine Kreuzungen stattfinden und Pendelzüge verkehren, bei denen das Triebfahrzeug den Zug nicht umfahren muss, genügt eine Weiche.

Aus Richtung Glovelier und Saignelégier kommen die Gleise etwa 50 Meter vor der Station zusammen.

Es folgt eine doppelte Gleiswechselstelle mit Kreuzung.

Den anderen Abschluss macht eine Weiche mit einem etwa 100 Meter langen eingleisigen Stumpengleis.

Eine fünfte, handbediente Weiche verbindet die beiden Gleise entgegengesetzt zu den Ein- und Ausfahrgleisen.

Mit ihr werden Lokomotiven von Güterzügen umgesetzt.

Der Steuerwagen ABt 715 der Chemins de fer du Jura im Bahnhof Combe-Tabeillon (2018).
Der Steuerwagen ABt 715 der Chemins de fer du Jura im Bahnhof Combe-Tabeillon (2018). Foto: Stéphane Gottraux, CH-2350 Saignelégier, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Das Gleisende bei der Haltestelle mit Spitzkehre Combe-Tabeillon (2022).
Das Gleisende bei der Haltestelle mit Spitzkehre Combe-Tabeillon (2022). Foto: Lu-xin, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Die Station liegt auf 625,7 Metern Höhe.

Außer einem unbewohnten Hof steht in der Nähe kein Haus.

Die Fahrgäste sind deshalb fast ausschließlich Wanderer.

Combe-Tabeillon ist neben Chambrelien einer von zwei Spitzkehrenbahnhöfen der Schweiz.

Der Bauernhof Combe Tabeillon und die Bahnlinie der Chemins de fer du Jura (2022).
Der Bauernhof Combe Tabeillon und die Bahnlinie der Chemins de fer du Jura (2022). Foto: Lu-xin, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Wanderwegweiser bei der Haltestelle Combe Tabeillon (2022).
Der Wanderwegweiser bei der Haltestelle Combe Tabeillon (2022). Foto: Lu-xin, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Das Ende des Normalspurbetriebs

Am 1. Januar 1944 schlossen sich die Régional Saignelégier–Glovelier, die Saignelégier–La Chaux-de-Fonds-Bahn, die Chemin de fer Tavannes–Noirmont und der Régional Porrentruy–Bonfol zu den Chemins de fer du Jura zusammen.

Damit war die Grundlage für eine durchgreifende Erneuerung geschaffen.

Am 8. Mai 1948 musste der Personenverkehr auf der Strecke wegen des schlechten Gleiszustands eingestellt werden.

Am Abend verließ der letzte Normalspurzug Saignelégier.

Schon am nächsten Tag begann der Abbau der Gleise.

Zur Vereinfachung des Betriebs wurde die Bahn auf Meterspur umgebaut.

Die Arbeiten dauerten fünf Jahre.

Der Verlauf der Trasse blieb dabei praktisch gleich, und die Spitzkehre von Combe-Tabeillon blieb bestehen.

Seit dem 4. Oktober 1953 wird die Strecke wie die anschließenden Meterspurbahnen mit 1500 Volt Gleichstrom und neuem Rollmaterial betrieben.

Die Dampftriebwagen wurden nach der Umspurung ausrangiert, der Wagen Nummer 5 im Jahr 1952 und der Wagen Nummer 4 im Jahr 1954.

Die Dampflokomotive Ed 3/4 2 blieb als einzige der Chemins de fer du Jura erhalten, sie wurde 1972 vom Dampfbahn-Verein Zürcher Oberland übernommen.

So sieht es jetzt aus

Auf der Strecke verkehren Personenzüge zwischen La Chaux-de-Fonds, Saignelégier und Glovelier.

Seit 2000 verkehren Kehrichttransporte von Glovelier in die Verbrennungsanlage La Chaux-de-Fonds.

Zudem werden Normalspurwagen auf Rollschemeln befördert, die vor allem Langholz, Heizöl, Schotter und Straßensalz transportieren.

Beim Haltepunkt Pré-Petitjean, dem früheren Montfaucon, befindet sich das Depot der Museumsbahngesellschaft La Traction.

2012 und 2013 wurde der Bahnhof Glovelier umgebaut.

Es entstand ein neuer Bahnsteig, damit die Fahrgäste nicht mehr im Straßenbereich in die Züge der Chemins de fer du Jura einsteigen mussten.

Die Geschichte in Daten

12. Oktober 1899: Gründung der Compagnie du chemin de fer Saignelégier–Glovelier.

21. Mai 1904: Eröffnung der normalspurigen Strecke Saignelégier–Glovelier.

1906: Zwangsliquidation der Gesellschaft.

1908: Sanierung der Gesellschaft.

1. Juli 1910: Betriebsgemeinschaft mit dem Régional Porrentruy–Bonfol.

1. Januar 1944: Zusammenschluss zu den Chemins de fer du Jura.

8. Mai 1948: Der Personenverkehr wird eingestellt, die Strecke wird auf Meterspur umgebaut.

4. Oktober 1953: Wiederaufnahme des elektrischen Betriebs mit 1500 Volt Gleichstrom.

1972: Die Dampflokomotive Ed 3/4 2 geht an den Dampfbahn-Verein Zürcher Oberland.

2012 und 2013: Umbau des Bahnhofs Glovelier.

Häufige Fragen

Ist die Strecke Saignelégier–Glovelier stillgelegt?
Nein, sie ist in Betrieb. Ehemalig sind einzelne Halte wie Sceut und Le Fondeval.
Warum wechselt der Zug in Combe-Tabeillon die Richtung?
Die Spitzkehre wurde gebaut, um den großen Höhenunterschied auszugleichen und die Rampen zu entschärfen. In der Station ändern die Züge ein zweites Mal ihre Fahrtrichtung.
Wann endete der Normalspurbetrieb?
Am 8. Mai 1948 wurde der Personenverkehr eingestellt, der letzte Normalspurzug verließ Saignelégier am Abend. Seit dem 4. Oktober 1953 fährt die Bahn auf Meterspur.
Wie viele Tunnels hat die Strecke?
In den Schluchten des Tabeillon zwischen Glovelier und Bollement führen acht Tunnels durch den Fels.
Wer steigt in Combe-Tabeillon ein und aus?
Weil keine Häuser in der Nähe stehen, sind es fast nur Wanderer.

Die Bahn von 1904 wurde 1953 neu gestartet, und in der Tabeillon-Schlucht kehren die Züge bis heute um.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Régional Saignelégier–Glovelier · Wikipedia: Bahnhof Combe-Tabeillon · Wikipedia: Gare de Combe-Tabeillon · Wikipedia: Gare de Fondeval · Wikipedia: Ligne La Chaux-de-Fonds – Le Noirmont – Glovelier

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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