Die stillen Halte der Bahn Rostock–Tribsees: was nach 1945 übrig blieb

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die stillen Halte der Bahn Rostock–Tribsees: was nach 1945 übrig blieb

Seit 1895 fuhr eine Nebenbahn von Rostock über Sanitz und Bad Sülze nach Tribsees. Nach 1945 wurde der Abschnitt ab Sanitz als Reparationsleistung abgebaut, die Halte dahinter blieben als Gebäude und Bahndamm.

VORHER · April 1995

Der Bahnhof Tribsees im April 1995, einen Monat vor der Einstellung des Verkehrs.

Der Bahnhof Tribsees im April 1995, einen Monat vor der Einstellung des Verkehrs. Foto: Global Fish, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
NACHHER · 2014

Das frühere Empfangsgebäude von Tribsees im Jahr 2014.

Das frühere Empfangsgebäude von Tribsees im Jahr 2014. Foto: Niteshift, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1895
Eröffnung der Strecke
1945
Abbau als Reparation
1995
Tribsees ohne Personenverkehr
1997–99
Sanierung bis Tessin

Lage: zwischen Rostock und Tribsees in Mecklenburg-Vorpommern. Status: Der Abschnitt Sanitz–Tribsees ist abgebaut, Teschendorf und Horst wurden bei der Sanierung geschlossen. Heute: Mehrere Empfangsgebäude der Strecke stehen unter Denkmalschutz.

Von Rostock über Sanitz nach Tribsees reichte seit 1895 eine eingleisige Nebenbahn, von der heute nur noch der Abschnitt bis Tessin in Betrieb ist.

Der Abschnitt von Sanitz nach Tribsees ist abgebaut.

Auf ihm lagen die Halte Reppelin, Dammerstorf, Dettmannsdorf-Kölzow, Bad Sülze und Langsdorf sowie der Bahnhof Tribsees.

Auf der noch befahrenen Strecke verloren Teschendorf und Horst ihre Haltepunkte.

Dieser Beitrag geht die Halte der Reihe nach durch.

Alte freie Fotos aus der Betriebszeit fehlen bis auf eine Aufnahme vom April 1995.

Entstehung: die Strecke von 1895

Nach der zweiten Verstaatlichung der Friedrich-Franz-Eisenbahn im Jahr 1890 wurden viele neue Projekte diskutiert.

Eines davon sollte das östliche Umland von Rostock erschließen.

Am 16. November 1895 wurde die Strecke von Rostock über Sanitz nach Sülze und weiter über die preußische Grenze nach Tribsees eröffnet.

Am selben Tag ging die Zweigstrecke von Sanitz nach Tessin in Betrieb.

In Tessin bestand von 1895 bis 1963 ein Übergang zur Schmalspurbahn Tessin.

Tribsees wurde damit zu einem kleinen Eisenbahnknoten.

Schon im Mai 1895 war die Strecke der Franzburger Südbahn von Velgast nach Tribsees in Betrieb gegangen.

Es folgten die Strecke nach Grimmen und Greifswald und 1901 die Strecke nach Stralsund.

Weitere Projekte, etwa eine Verbindung von Tessin nach Gnoien, wurden nicht verwirklicht.

Marlow blieb deshalb neben dem erst 1938 zur Stadt erhobenen Rerik die einzige Stadt Mecklenburgs ohne Eisenbahnanschluss.

So sah es vorher aus: Betrieb bis 1945

Die Strecke hatte immer nur lokale Bedeutung.

Über sie führte dennoch der kürzeste Weg von Rostock nach Grimmen und Greifswald.

1905 verkehrten täglich vier Zugpaare von Rostock nach Tribsees.

In Sanitz bestand unmittelbarer Anschluss nach Tessin, in Tribsees meistens Anschluss in Richtung Grimmen.

Auch in den 1930er Jahren blieb es bei diesem Angebot.

In Tribsees teilten sich alle vier Bahngesellschaften einen gemeinsamen Bahnhof.

Die Hauptlast der Betriebskosten trug die Staatsbahn, was für ständigen Ärger zwischen den Gesellschaften sorgte.

Das Ende: Abbau nach 1945 und Sanierung bis Tessin

Nach 1945 wurde der Abschnitt von Sanitz nach Tribsees als Reparationsleistung an die Sowjetunion demontiert.

Dasselbe geschah mit den Strecken von Tribsees nach Stralsund und Greifswald.

Lediglich das erste Stück bis Reppelin blieb als Anschlussgleis zu einem Militärobjekt bis in die 1990er Jahre in Betrieb.

Zwischen Rostock, Sanitz und Tessin verkehrten weiter Personenzüge.

Bis in die 1990er Jahre beschränkte sich das Angebot auf fünf bis sechs Zugpaare am Tag.

Von 1997 bis 1999 wurde die Strecke umfassend saniert und im Rahmen eines Modellprojektes auf 80 km/h ausgebaut.

Die Haltepunkte in Teschendorf und Horst wurden dabei geschlossen.

Neu entstand der Haltepunkt Tessin West neben einem Gewerbegebiet.

Die Station Roggentin wurde in Richtung Nordosten in die Nähe eines Wohngebietes verlegt.

Alle Bahnsteige wurden mit 100 Metern Länge und 55 Zentimetern Höhe neu errichtet, sodass ein barrierefreier Zustieg möglich ist.

Seitdem fahren die Züge im Stundentakt.

Die Nachfrage übertraf in der ersten Zeit alle Erwartungen.

Teschendorf: geschlossen bei der Sanierung

Teschendorf gehört zur Gemeinde Broderstorf.

Der Haltepunkt lag an der noch befahrenen Strecke zwischen Broderstorf und Groß Lüsewitz.

Er gehört zu den beiden Haltepunkten, die bei der Sanierung von 1997 bis 1999 geschlossen wurden.

Das denkmalgeschützte Gebäude des früheren Bahnhofs Teschendorf, aufgenommen 2019.
Das denkmalgeschützte Gebäude des früheren Bahnhofs Teschendorf, aufgenommen 2019. Foto: Global Fish, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Das frühere Bahnhofsgebäude von Teschendorf steht unter Denkmalschutz.

Horst: Haltepunkt an der Zweigstrecke

Horst ist ein Ortsteil von Sanitz.

Der Haltepunkt lag an der Zweigstrecke von Sanitz nach Tessin.

Er wurde ebenfalls bei der Sanierung von 1997 bis 1999 geschlossen.

Weitere Angaben zu diesem Halt sind nicht belegt.

Reppelin: das Gleis zum Militärobjekt

Reppelin ist ein Ortsteil von Sanitz.

Der Haltepunkt lag auf dem Abschnitt Sanitz–Tribsees, den die Reparationsdemontage nach 1945 traf.

Bis Reppelin blieb allerdings ein Gleis als Anschluss zu einem Militärobjekt bis in die 1990er Jahre in Betrieb.

Dammerstorf: Bahndamm im Wald

Dammerstorf gehört zur Gemeinde Dettmannsdorf.

Der Bahnhof lag auf dem abgebauten Abschnitt zwischen Sanitz und Bad Sülze.

Im Waldgebiet um den Bahnhof Dammerstorf gibt es heute einen Wanderweg auf dem Bahndamm.

Dettmannsdorf-Kölzow: Bahnhof zwischen Dammerstorf und Bad Sülze

Dettmannsdorf-Kölzow ist ein Ortsteil der Gemeinde Dettmannsdorf.

Der Bahnhof lag auf der abgebauten Strecke zwischen Dammerstorf und Bad Sülze.

Das frühere Bahnhofsgebäude von Dettmannsdorf-Kölzow, aufgenommen 2008.
Das frühere Bahnhofsgebäude von Dettmannsdorf-Kölzow, aufgenommen 2008. Foto: Global Fish, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Weitere Angaben zu diesem Halt sind nicht belegt.

Bad Sülze: Bahnanschluss nur bis 1945

1895 erhielt Sülze Bahnanschluss.

Die Friedrich-Franz-Bahn fuhr von Rostock über Sülze nach Tribsees.

Heute hat Bad Sülze keinen Eisenbahnanschluss.

Die Strecke wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als Reparationsleistung an die Sowjetunion abgebaut.

Der Bahnhof Bad Sülze 2019 während der denkmalgerechten Sanierung.
Der Bahnhof Bad Sülze 2019 während der denkmalgerechten Sanierung. Foto: Oberlausitzerin64, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Das frühere Bahnhofsgebäude und der Bahndamm sind noch gut erhalten.

Das Bahnhofsgebäude steht unter Denkmalschutz.

Das denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude von Bad Sülze, Straßenseite, 2019.
Das denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude von Bad Sülze, Straßenseite, 2019. Foto: Global Fish, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Wasserturm am früheren Bahnhof Bad Sülze, 2025.
Der Wasserturm am früheren Bahnhof Bad Sülze, 2025. Foto: Oberlausitzerin64, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Langsdorf: der letzte Halt in Mecklenburg

Der Haltepunkt Langsdorf lag zwischen Bad Sülze und der früheren Landesgrenze zwischen Mecklenburg und Preußen.

Hinter der Grenze folgte der Bahnhof Tribsees.

Weitere Angaben zu Langsdorf sind nicht belegt.

Tribsees: Knotenbahnhof ohne Anschluss

Der Bahnhof Tribsees war eine von vier Bahnstationen der Kleinstadt.

Er wurde am 16. November 1895 zusammen mit der Strecke Rostock–Tribsees als Staatsbahnhof eröffnet.

Die Kleinbahn von Velgast hatte zunächst ihren Endpunkt im Bahnhof Tribsees Steintor östlich der Stadt und wurde später mit einem eigenen Kleinbahnhofsteil nördlich des Staatsbahnhofs eingebunden.

Am 26. November 1896 kam die Bahnstrecke von Grimmen hinzu, 1901 die Strecke von Stralsund.

Beide Strecken nutzten den Staatsbahnhof mit.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden alle Bahnstrecken in Tribsees als Reparationsleistung abgebaut.

Erhalten blieben die Bahnstrecke Velgast–Tribsees und ein kurzes Stück der Strecke von Stralsund bis Tribsees Ost.

Die Deutsche Reichsbahn besaß fortan einen Bahnhof ohne Anbindung an ihr restliches Schienennetz.

Erst mit der endgültigen Verstaatlichung der Privatbahnen 1949 ließen sich die komplizierten Verhältnisse auf dem Bahnhof lösen.

In den 1970er Jahren entstanden in Tribsees ein Agrochemisches Zentrum und ein Straßenbaubetrieb mit eigenem Gleisanschluss.

Nach 1989/90 brach das Transportaufkommen völlig zusammen.

Am 1. Januar 1995 wurde Tribsees für den Güterverkehr geschlossen.

Personenverkehr fand noch bis zum 27. Mai 1995 statt.

Die Strecke von Velgast wurde im Juli 1996 stillgelegt.

Das frühere Bahnhofsgebäude von Tribsees, aufgenommen 2009.
Das frühere Bahnhofsgebäude von Tribsees, aufgenommen 2009. Foto: Pimvantend, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

So sieht es jetzt aus

Die meisten Bahnhofsgebäude der Strecke sind erhalten geblieben.

Die Bahnhofsgebäude und einige Nebengebäude in Broderstorf, Teschendorf, Groß Lüsewitz, Sanitz, Tessin, Bad Sülze und Tribsees stehen unter Denkmalschutz.

In Tribsees wurden die Gleise vollständig entfernt, die Lok- und Güterschuppen wurden abgerissen.

Das denkmalgeschützte Empfangsgebäude und ein Nebengebäude sind erhalten und werden als Wohnraum genutzt.

Die angrenzende befestigte Grünfläche wird seit Sommer 2019 als Camping-Stellplatz angeboten.

Vorher und nachher: Tribsees

Das Bild vom April 1995 zeigt den Bahnhof Tribsees einen Monat vor dem Ende des Personenverkehrs.

Das Bild von 2014 zeigt das frühere Empfangsgebäude, das erhalten blieb.

Das frühere Empfangsgebäude von Tribsees, aufgenommen 2014.
Das frühere Empfangsgebäude von Tribsees, aufgenommen 2014. Foto: Niteshift, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Die Geschichte in Daten

Mai 1895: Die Strecke der Franzburger Südbahn von Velgast nach Tribsees geht in Betrieb.

16. November 1895: Die Strecke Rostock–Sanitz–Sülze–Tribsees und die Zweigstrecke Sanitz–Tessin werden eröffnet, Tribsees erhält einen Staatsbahnhof.

26. November 1896: Die Strecke von Grimmen kommt nach Tribsees.

1901: Die Strecke von Stralsund kommt nach Tribsees.

Nach 1945: Der Abschnitt Sanitz–Tribsees wird als Reparationsleistung an die Sowjetunion demontiert.

1949: Die Privatbahnen werden endgültig verstaatlicht.

1963: Der Übergang in Tessin zur Schmalspurbahn endet.

1. Januar 1995: Tribsees wird für den Güterverkehr geschlossen.

27. Mai 1995: Der Personenverkehr in Tribsees endet.

Juli 1996: Die Strecke Velgast–Tribsees wird stillgelegt.

1997 bis 1999: Die Strecke Rostock–Tessin wird saniert, die Haltepunkte Teschendorf und Horst werden geschlossen.

Sommer 2019: Neben dem Empfangsgebäude in Tribsees entsteht ein Camping-Stellplatz.

Häufige Fragen

Fährt heute noch ein Zug von Rostock bis Tribsees?
Nein, der Abschnitt von Sanitz nach Tribsees ist abgebaut. Zwischen Rostock und Tessin verkehren Regionalzüge der Linie RB 11 im Stundentakt.
Warum wurde die Strecke abgebaut?
Nach 1945 wurde der Abschnitt von Sanitz nach Tribsees als Reparationsleistung an die Sowjetunion demontiert.
Welche Haltepunkte wurden bei der Sanierung geschlossen?
Die Haltepunkte in Teschendorf und Horst wurden bei der Sanierung von 1997 bis 1999 geschlossen.
Gibt es auf der Trasse einen Wanderweg?
Im Waldgebiet um den Bahnhof Dammerstorf gibt es einen Wanderweg auf dem Bahndamm.
Stehen die Bahnhofsgebäude unter Denkmalschutz?
Die Bahnhofsgebäude und einige Nebengebäude in Broderstorf, Teschendorf, Groß Lüsewitz, Sanitz, Tessin, Bad Sülze und Tribsees stehen unter Denkmalschutz.

Von der Bahn Rostock–Tribsees blieb damit der Abschnitt bis Tessin im Betrieb.

Hinter Sanitz erinnern vor allem Gebäude und Bahndämme an die Strecke von 1895.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnstrecke Rostock–Tribsees/Tessin · Wikipedia: Bahnhof Tribsees · Wikipedia: Bad Sülze · Wikipedia: Dettmannsdorf · Wikipedia: Broderstorf · Wikipedia: Sanitz

Alle Fotos stammen von Wikimedia Commons und sind gemeinfrei oder stehen unter einer freien Creative-Commons-Lizenz. Urheber, Lizenz und Quelle stehen direkt am Bild.

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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