Die Rodachtalbahn: stille Halte im Tal zwischen Kronach und Nordhalben

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die Rodachtalbahn: stille Halte im Tal zwischen Kronach und Nordhalben

Von Kronach folgte die Nebenbahn der Rodach bis nach Nordhalben. Zwischen Kronach und Steinwiesen ist sie Geschichte, auf dem Rest fährt eine Museumsbahn.

VORHER · 1986

Sonderzug mit der Lok 280 002 im Bahnhof Nordhalben.

Sonderzug mit der Lok 280 002 im Bahnhof Nordhalben. Foto: Manfred Kopka, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
NACHHER · 2012

Der Bahnhof Nordhalben.

Der Bahnhof Nordhalben. Foto: Markus G. Klötzer, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1900
Eröffnung
1976
Personenverkehr endet
2005
Gleise bis Steinwiesen abgebaut
2007
Museumsbahn startet

Lage: Landkreis Kronach, Frankenwald, im Tal der Rodach. Status: Kronach–Steinwiesen stillgelegt und abgebaut, Steinwiesen–Nordhalben Museumsbahn. Heute: Auf einem Großteil der Strecke liegt ein Radweg.

Die Rodachtalbahn führte von Kronach durch das Tal der Rodach über Steinwiesen nach Nordhalben und war ursprünglich 24,88 Kilometer lang.

Der Personenverkehr endete 1976, der Güterverkehr in den 1990er-Jahren.

Zwischen Kronach und Steinwiesen sind die Gleise seit 2005 abgebaut.

Auf dem Rest zwischen Steinwiesen und Nordhalben fährt seit 2007 eine Museumsbahn, dieser Teil ist also nicht tot.

Dieser Beitrag geht die Halte der Reihe nach durch.

Die ältesten freien Fotos stammen von Sonderfahrten der Jahre 1977 und 1986, aus dem Regelbetrieb liegen keine freien Bilder vor.

Entstehung: eine Nebenbahn für das Rodachtal

Die Strecke wurde am 26. Juli 1900 eröffnet.

Sie folgt dem Tal der Rodach, eines Nebenflusses des Mains, und trägt deshalb ihren Namen.

Im März 1900 arbeiteten gegen 400 Arbeiter zwischen Maut und Nordhalben an der Trasse.

Mit der Bahn kam die Industrie ins Tal, und neue Arbeitsplätze entstanden.

Die Linie verband die Kreisstadt Kronach mit dem Hinterland in Richtung Nordhalben.

Der Abzweig der ehemaligen Rodachtalbahn in Kronach.
Der Abzweig der ehemaligen Rodachtalbahn in Kronach. Foto: ICH, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

So sah es vorher aus: Dampf, Schienenbus und Gleisanschlüsse

In den ersten Jahren zogen Dampflokomotiven der Gattung D XI die Züge, später kamen die GtL 4/4 und die 98.11.

Der Dampfbetrieb endete 1964.

Danach übernahmen Schienenbusse der Baureihe VT 95 den Personenverkehr.

Güterzüge fuhren mit Dieselloks der Typen V 10010 und V 60.

Mehrere Firmen hatten eigene Gleisanschlüsse, etwa Loewe-Opta bei Kilometer 2,0 und Weka bei Kilometer 2,9.

Zwischen Kronach und Höfles überquerte die Strecke zuerst die Haßlach.

Eisenbahnbrücke der ehemaligen Bahnstrecke Kronach–Nordhalben bei Kronach.
Eisenbahnbrücke der ehemaligen Bahnstrecke Kronach–Nordhalben bei Kronach. Foto: Namenloser Hobbyhistoriker, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Höfles

Der Haltepunkt Höfles lag bei Kilometer 3,7 und war der erste Halt hinter Kronach.

In der Nähe zweigte der Gleisanschluss der Firma Weka ab.

Der Abschnitt Höfles–Wallenfels wurde zum 15. Februar 1999 stillgelegt.

Hier befand sich der ehemalige Haltepunkt Höfles an der Rodachtalbahn.
Hier befand sich der ehemalige Haltepunkt Höfles an der Rodachtalbahn. Foto: Ich, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Unterrodach

Unterrodach lag bei Kilometer 5,4 und gehörte mit Steinwiesen zu den wenigen Stationen, die nah am Ort lagen.

Nach dem Ende des Dampfbetriebs fuhr die Diesellok V 100, später Baureihe 211, alle Dienste vom Bahnbetriebswerk Hof aus.

Bei Kilometer 5,9 gab es einen Gleisanschluss der Firma Schneider.

Zwischen 1985 und 1990 wurde die Station aufgelöst.

Zeyern

Zeyern lag bei Kilometer 8,3.

Der Fahrkartenverkauf wurde hier schon am 1. April 1962 eingestellt.

Das Stationsgebäude wurde später abgerissen und durch einen Unterstand ersetzt.

Auch Zeyern gehört zu den Stationen, die zwischen 1985 und 1990 aufgelöst wurden.

Wallenfels

Der Bahnhof Wallenfels lag bei Kilometer 11,0 im Weiler Erlabrück und damit abseits des eigentlichen Ortes.

Reisende aus Wallenfels kamen mit dem Bahnbus zum Zug in Richtung Kronach.

Noch 1985 wurde in Erlabrück Holz auf die Schiene verladen.

Bei Kilometer 12,9 zweigte ein Gleis zu einem früheren Granitwerk der Firma Popp ab.

Der Abschnitt Wallenfels–Nordhalben wurde zum 12. Februar 1995 stillgelegt, der Haltepunkt in Erlabrück existiert nicht mehr.

Steinwiesen

Steinwiesen liegt bei Kilometer 13,9 mitten im Ort und ist der Ausgangspunkt der Museumsbahn.

Von den früheren Gleisanlagen blieb nur das Hauptgleis erhalten.

Im ehemaligen Warteraum sitzt heute eine Forstdienststelle.

Im hölzernen Güterschuppen zeigt der Naturpark Frankenwald an Betriebstagen eine Ausstellung zu Pflanzen und Tieren.

Bis 2005 reichten die Gleise von hier weiter bis Kronach, dann wurden sie abgebaut.

Bei Kilometer 13,6 hatte die Firma Rauschert einen Gleisanschluss.

Bahnhof Steinwiesen an der Rodachtalbahn.
Bahnhof Steinwiesen an der Rodachtalbahn. Foto: Manfred Kopka, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Mauthaus

Mauthaus liegt bei Kilometer 18,7 etwa auf halber Strecke am Fuß der Ködeltalsperre.

Der Bahnhof war seit 1957 unbesetzt.

Das hölzerne Stationsgebäude wurde in den 1960er-Jahren abgerissen.

An seiner Stelle steht ein einfaches Wartehäuschen, das Vereinsmitglieder renoviert haben.

Das Holzverladegleis ist noch vorhanden.

Haltepunkt Mauthaus an der Bahnstrecke Kronach–Nordhalben.
Haltepunkt Mauthaus an der Bahnstrecke Kronach–Nordhalben. Foto: Markus G. Klötzer, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Dürrenwaid

Der Bahnhof Dürrenwaid liegt bei Kilometer 23,37 und gehört zum Gemeindegebiet von Nordhalben.

Das Dienstgebäude ist ein eingeschossiger, verbretterter Bau mit flachem, schiefergedecktem Satteldach.

Es steht in der Denkmalliste des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege.

Dass es nicht abgerissen wurde, verdankt es einer Familie aus Berlin, die es langjährig als Feriendomizil nutzte.

Die Ladegleise bedienten bis in die 1980er-Jahre eine Schulmöbelfabrik und den Fernsehgerätehersteller Graetz in Geroldsgrün.

In den 1950er-Jahren wurde die Güterhalle wegen des starken Stückgutverkehrs verlängert.

Am 29. April 1985 wurden die Ladegleise demontiert.

Haltepunkt Dürrenwaid.
Haltepunkt Dürrenwaid. Foto: Markus G. Klötzer, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Der Verein übernahm das Gebäude mit dem nördlichen Streckenabschnitt.

Weil Gebäude und Bahnsteig stark sanierungsbedürftig waren, wurde der Halt 2007 nicht bedient.

Nach der Instandsetzung und einer Bahnsteigverlängerung im Frühjahr 2008 hält die Museumsbahn auch hier.

Ein Abstellgleis wurde wieder errichtet, das Haus dient als Vereinsheim und Betriebsgebäude.

Haltepunkt Dürrenwaid.
Haltepunkt Dürrenwaid. Foto: Markus G. Klötzer, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Bahnhof Dürrenwaid.
Der Bahnhof Dürrenwaid. Foto: Markus G. Klötzer, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Nordhalben

Der Endbahnhof Nordhalben liegt bei Kilometer 24,88 tief im Tal, weit unterhalb des Ortes auf dem Bergrücken.

Ende der 1970er-Jahre nutzte das Jugendherbergswerk Berlin den Bahnhof als Jugendherberge für Ferien von West-Berliner Jugendlichen.

In den 1990er-Jahren diente er als Flüchtlingsunterkunft.

Das Ensemble aus Empfangsgebäude, Güter- und Lokschuppen stammt aus der Zeit der Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen und steht unter Denkmalschutz.

Zwei Speisewagen am Bahnhof bieten heute einen einfachen Restaurationsbetrieb.

Auf dem Bahnhofsgelände steht außerdem eine Handhebeldraisine.

Bahnhof Nordhalben.
Bahnhof Nordhalben. Foto: Markus G. Klötzer, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

So sieht es jetzt aus

Die Eisenbahnfreunde Rodachtalbahn betreiben seit dem 15. September 2007 auf den elf Kilometern zwischen Steinwiesen und Nordhalben eine Museumsbahn.

Der Zug heißt Roter Brummer und besteht aus dem Uerdinger Schienenbus 798 731 mit dem Steuerwagen 998 744.

Er fährt an Sonn- und Feiertagen im Sommer und Herbst und zu besonderen Anlässen.

Schienenbus am Haltepunkt Dürrenwaid.
Schienenbus am Haltepunkt Dürrenwaid. Foto: Markus G. Klötzer, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Auf dem stillgelegten Abschnitt Richtung Kronach liegt auf einem Großteil der Trasse ein Radweg, die Brücken über die Rodach wurden saniert oder neu gebaut.

Schienenbus 798 731 mit Steuerwagen 998 744 auf der Teilstrecke Steinwiesen–Nordhalben.
Schienenbus 798 731 mit Steuerwagen 998 744 auf der Teilstrecke Steinwiesen–Nordhalben. Foto: Manfred Kropka, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Niedergang und Ende

Außer in Unterrodach und Steinwiesen lagen die Stationen weit von den Orten entfernt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg sank deshalb die Zahl der Fahrgäste.

Im Sommerfahrplan 1975 verkehrte werktags nur noch ein Zugpaar, früh nach und abends von Kronach.

Am 30. Mai 1976 wurde der Personenverkehr eingestellt.

Zwischen 1985 und 1990 wurden Dürrenwaid, Unterrodach, Steinwiesen und Zeyern als Unterwegsstationen aufgelöst.

Im September 1994 fuhr der letzte Güterzug ab Nordhalben.

Das Eisenbahn-Bundesamt hatte am 9. Dezember 1994 die dauerhafte Einstellung des Betriebs zwischen Wallenfels und Nordhalben genehmigt.

Bis 2002 war über die Strecke noch das Werk der Loewe AG angebunden, am 1. August 2002 ruhte dann der gesamte Verkehr.

2005 wurden die Gleise zwischen Kronach und Steinwiesen abgebaut.

DB 798 bei einer Sonderfahrt für die DGEG auf der Rodachtalbahn.
DB 798 bei einer Sonderfahrt für die DGEG auf der Rodachtalbahn. Foto: Manfred Kopka, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Zu verschiedenen Anlässen kamen seit den 1980er-Jahren Sonderzüge auf die Strecke.

Zum 90-jährigen Jubiläum fuhren die V 200 002, die V 80 002 und eine Garnitur der Baureihe VT 614.

Im September 1991 und im August 1994 gelangten noch einmal Dampfloks auf die Strecke, die 91 6580 und die 86 457.

Die Geschichte in Daten

1900: Am 26. Juli wird die Strecke Kronach–Nordhalben eröffnet.

1957: Der Bahnhof Mauthaus ist seitdem unbesetzt.

1962: In Zeyern endet am 1. April der Fahrkartenverkauf.

1964: Der Dampfbetrieb endet.

1976: Am 30. Mai wird der Personenverkehr eingestellt.

1985: Die Ladegleise in Dürrenwaid werden am 29. April demontiert.

1985–1990: Dürrenwaid, Unterrodach, Steinwiesen und Zeyern werden als Unterwegsstationen aufgelöst.

1994: Im September fährt der letzte Güterzug ab Nordhalben.

1995: Am 12. Februar wird der Abschnitt Wallenfels–Nordhalben stillgelegt.

1999: Der Abschnitt Höfles–Wallenfels wird zum 15. Februar stillgelegt.

2002: Am 1. August endet auch der Verkehr zum Werk der Loewe AG.

2005: Die Gleise zwischen Kronach und Steinwiesen werden abgebaut.

2007: Am 15. September startet die Museumsbahn zwischen Steinwiesen und Nordhalben.

2008: Der Halt Dürrenwaid wird wieder bedient.

Häufige Fragen

Fährt auf der Rodachtalbahn noch ein Zug?
Ja, zwischen Steinwiesen und Nordhalben fährt eine Museumsbahn auf elf Kilometern. Zwischen Kronach und Steinwiesen sind die Gleise abgebaut.
Wann endete der Personenverkehr?
Am 30. Mai 1976.
Wann wurde die Strecke eröffnet?
Am 26. Juli 1900.
Wie lang war die Strecke ursprünglich?
24,88 Kilometer.
Welcher Zug fährt als Museumsbahn?
Der Rote Brummer, der Uerdinger Schienenbus 798 731 mit dem Steuerwagen 998 744.
Was ist aus den Bahnhöfen Dürrenwaid und Nordhalben geworden?
Beide stehen unter Denkmalschutz und liegen an der Museumsbahn, Dürrenwaid dient als Vereinsheim.

Von Kronach bis Steinwiesen bleibt die Rodachtalbahn eine Spur im Gelände, ab Steinwiesen ist sie als Museumsbahn weiter unterwegs.

Quellen und Bildrechte

Bahnstrecke Kronach–Nordhalben (Wikipedia) · Bahnhof Dürrenwaid (Wikipedia) · Mit der Schiene kam die Industrie ins Rodachtal (inFranken) · Eisenbahnfreunde Rodachtalbahn: Historische Strecke · Eisenbahnfreunde Rodachtalbahn: Bahnhöfe

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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