Die Rigi-Scheidegg-Bahn: eine Dampfbahn im Hochgebirge, heute ein Wanderweg
1874 und 1875 eröffnet, 1931 eingestellt, 1942 abgebaut: Von der Bahn zwischen Rigi Kaltbad und der Scheidegg sind Trassee, Tunnel, Eisenbrücke und ein Wagen geblieben.


Lage: Rigi, Kantone Luzern und Schwyz, zwischen Rigi Kaltbad und Rigi Scheidegg. Status: Stillgelegt, die Gleise sind seit 1942 entfernt. Heute: Wanderweg und Langlaufloipe, mit Tunnel, denkmalgeschützter Eisenbrücke und einem Wagen als Ferienhaus.
Zwischen Rigi Kaltbad und der Rigi Scheidegg fuhr von 1874 bis 1931 eine Schmalspurbahn mit Dampfantrieb.
Sie war keine Zahnradbahn, sondern eine Adhäsionsbahn, die dem Berg in gleichbleibender Höhe folgte.
Bei der Fertigstellung war sie die höchstgelegene Adhäsionsbahn Europas.
Heute fährt dort kein Zug mehr, die Schienen wurden 1942 abgebrochen.
Die Bahn hat keinen großen Bahnhof hinterlassen, deshalb behandelt dieser Beitrag die ganze Strecke mit ihren Endpunkten Kaltbad und Scheidegg und den Orten First und Unterstetten dazwischen.
Erhalten sind das Trassee, ein Tunnel, eine Eisenbrücke und ein Personenwagen, der als Ferienhaus dient.
Wie die Bahn zum Hotel kam
Die Vitznau-Rigi-Bahn, die 1871 eröffnet wurde, löste auf der Rigi einen Boom des Tourismus aus.
Daran wollte eine Gesellschaft mit dem Namen Regina Montium teilhaben, die 1873 in Olten gegründet wurde.
Sie baute ein neues Hotel in Rigi First und erwarb die bestehenden Hotels auf dem Rigi Kulm und auf der Scheidegg.
Das Grand Hotel auf der Scheidegg lag jedoch abseits der Zahnradbahnen, die ihre Gäste bis dahin zur Rigi brachten.
Um die Reisenden von der Station Rigi Kaltbad dorthin zu bringen, ließ die Gesellschaft eine eigene Bahn bauen.
Kaltbad liegt auf 1.423 Metern über Meer, die Scheidegg auf 1.648 Metern.
Die Arbeiten vergab die Gesellschaft für einen Festpreis von 1,35 Millionen Franken an die Internationale Gesellschaft für Bergbahnen in Aarau.
Die gesamten Baukosten betrugen am Ende 1,6 Millionen Franken.
Es waren aufwendige Erd- und Felsarbeiten nötig, dazu ein Tunnel von 70 Metern Länge und eine eiserne Brücke von 50 Metern Länge.
Wegen dieses Aufwands wurde die Bahn in zwei Etappen eröffnet.
Am 14. Juli 1874 ging der Abschnitt von Kaltbad über First bis Unterstetten in Betrieb.
Am 1. Juni 1875 folgte das Stück von Unterstetten zur Scheidegg.
So sah es vorher aus: eine Dampfbahn entlang der Höhenlinie
Die Bahn hatte eine Spurweite von 1.000 Millimetern und war 6.747 Meter lang.
Die größte Steigung betrug 50 Promille, eine Zahnstange war deshalb nicht nötig.
Die Strecke führte nicht auf einen Gipfel, sondern am Berg entlang und bot Ausblicke auf beide Talseiten.
Gefahren wurde mit Dampflokomotiven, und entlang der Strecke gab es eine Station, an der sie Wasser nahmen.
Auf der Strecke verkehrten drei Personenwagen.
Der Wagen Nr. 7 ist erhalten und lässt sich genau beschreiben.
Er wurde 1874 bei der Société Fribourgeoise gebaut und trägt die Herstellernummer 237.
Er ist 10,69 Meter lang, hat einen Achsstand von 8,3 Metern und wiegt 5 Tonnen.
Im Betrieb bot er 70 Plätze.
In Rigi Kaltbad schloss die Bahn an die Vitznau-Rigi-Bahn an.
Ihr Endpunkt lag im rechten Winkel zur Station der Zahnradbahn.
Wegen der unterschiedlichen Spurweiten fuhren die Wagen nicht durch, Reisende und Güter mussten umgeladen werden.
Konkurs und Niedergang
Die Bahn kam wirtschaftlich nie auf die Beine.
Am 22. Januar 1878 ging sie in Konkurs, das Bundesgericht ordnete die Zwangsliquidation an.
Am 13. Dezember 1879 übernahm eine neue Gesellschaft die Bahn für 60.000 Franken, das war nur ein Bruchteil der Baukosten.
Auch in den folgenden Jahren blieb der Erfolg aus.
Die Grundlage der Bahn war das Grand Hotel auf der Scheidegg.
Als der Tourismus mit dem Ersten Weltkrieg einbrach, verlor die Bahn einen großen Teil ihrer Gäste.
Später kamen vor allem Tagesausflügler, für die Hotels auf dem Berg weniger wichtig waren als zuvor.
Hinzu kam die Wirtschaftskrise, dem Hotel und damit der Bahn fehlte schließlich die Basis.

Am 21. September 1931 stellte die Rigi-Scheidegg-Bahn den Betrieb endgültig ein.
Der genaue Tag wird teilweise auch mit dem 20. September angegeben.
Das Rollmaterial wurde verkauft, 1942 baute man die Schienen ab.
So sieht es jetzt aus: Wanderweg statt Gleis
Das Trassee der Bahn ist im Sommer ein Wanderweg und im Winter zusätzlich eine Langlaufloipe.
Die Strecke ist als Panoramaweg ausgeschildert und etwa sieben Kilometer lang, für den Weg werden rund zwei Stunden gerechnet.
Er ist so breit, dass er auch mit Kinderwagen oder Rollstuhl befahren werden kann.
Zu den Orten am Weg zählen First auf 1.453 Metern, Unterstetten auf 1.451 Metern und Hinder Dossen auf 1.546 Metern, die Angaben stammen von einer Wanderkarte.

Ein Tunnel erinnert an die Zeit, in der hier Züge fuhren.
Er ist 70 Meter lang, am Nordportal Richtung Scheidegg beginnt der Wanderer die Tunnelstrecke.
Am Weg liegt außerdem die Wasserstation, die früher die Dampflokomotiven versorgte.
Das Herzstück ist die Eisenbrücke bei Unterstetten, die im Originalzustand erhalten ist.
Das Trassee und die Brücke wurden zwischen Herbst 2013 und 2016 saniert.
Die Brücke steht als Kulturgut der Kategorie B unter Denkmalschutz.
Das Trassee findet sich im Inventar historischer Verkehrswege der Schweiz.

Der Wagen Nr. 7 wurde 1961 verkauft und steht seither an der Trasse in Unterstetten.
Er wird als Ferienhaus genutzt und ist deshalb nur von außen zu sehen.
Ein Betreten kommt nicht in Frage, das Gelände rund um den Wagen gehört nicht zum Weg.
Vorher und nachher: Kaltbad und die Brücke bei Unterstetten
Das Foto von 1874 zeigt die Brücke bei Unterstetten wahrscheinlich bei der Belastungsprobe.
Sie war damals ganz neu und gehört zu den Bauwerken, für die die Bahn in zwei Etappen eröffnet wurde.
Auf dem Bild von 2009 überquert ein Weg die Brücke, wo einst die Züge fuhren.

In Kaltbad ist von der Bahn kein Gleis mehr zu sehen, aber die Lage des Endpunkts ist bekannt.
Die Vitznau-Rigi-Bahn fährt hier weiter, die Scheidegg dagegen erreicht man heute mit der Luftseilbahn Kräbel-Scheidegg.
In Kräbel schließt sie an die Arth-Rigi-Bahn an.
1871: Die Vitznau-Rigi-Bahn wird eröffnet.
1873: In Olten wird die Gesellschaft Regina Montium gegründet.
14. Juli 1874: Kaltbad bis Unterstetten geht in Betrieb.
1. Juni 1875: Unterstetten bis Scheidegg folgt.
22. Januar 1878: Konkurs und Zwangsliquidation.
13. Dezember 1879: Eine neue Gesellschaft übernimmt die Bahn für 60.000 Franken.
21. September 1931: Der Betrieb wird endgültig eingestellt.
1942: Die Schienen werden abgebrochen.
1961: Wagen Nr. 7 wird verkauft und zum Ferienhaus.
2013 bis 2016: Trassee und Brücke werden saniert.
Fährt heute eine Bahn zur Rigi Scheidegg?
War die Rigi-Scheidegg-Bahn eine Zahnradbahn?
Kann man die Strecke begehen?
Was ist mit dem Wagen Nr. 7?
Warum wurde die Bahn eingestellt?
Die Rigi-Scheidegg-Bahn wurde für ein Hotel gebaut und verschwand mit ihm.
Geblieben sind ein Weg, ein Tunnel und eine Brücke, die sich ohne Mühe erwandern lassen.
Wikipedia: Rigi-Kaltbad-Scheidegg-Bahn · Wikipedia (englisch): Rigi–Scheidegg railway · SRF: Stillgelegte Bahntrassen, vier besondere Ausflugstipps · Luzern Tourismus: Rigi Panoramaweg
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