Die Bahnstrecke Regensburg–Falkenstein: stille Halte am Falkensteiner Bockerl

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die Bahnstrecke Regensburg–Falkenstein: stille Halte am Falkensteiner Bockerl

Von 1913 bis 1984 fuhr eine Nebenbahn von Wutzlhofen bei Regensburg über 35,4 Kilometer in den Vorwald des Bayerischen Waldes nach Falkenstein. Heute folgt der Falkenstein-Radweg der Trasse.

Das private Freilichtmuseum mit Bahnartefakten bei Kilometerstein 16,2 in Lambertsneukirchen, Aufnahme von 2016.
Das private Freilichtmuseum mit Bahnartefakten bei Kilometerstein 16,2 in Lambertsneukirchen, Aufnahme von 2016. Foto: Markus Stangl, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1913
Strecke eröffnet
1984
Personenverkehr endet
1985
Güterverkehr bis Falkenstein endet
1992
Radweg fertig

Lage: Von Wutzlhofen bei Regensburg nach Falkenstein, Oberpfalz. Status: stillgelegt und abgebaut. Heute: Falkenstein-Radweg, privates Freilichtmuseum in Lambertsneukirchen.

Die Bahnstrecke Regensburg–Falkenstein war eine Nebenbahn in Bayern, die von der Hauptstadt der Oberpfalz aus den westlichen Teil des Bayerischen Waldes erschloss, den Vorwald.

Sie zweigte in Wutzlhofen, 7,6 Kilometer nördlich von Regensburg, von der Bahnstrecke Regensburg–Schwandorf ab und endete nach 35,4 Kilometern in Falkenstein.

In der Region heißt sie Falkensteiner Bockerl.

Der Personenverkehr endete 1984, der Güterverkehr zwischen Wenzenbach und Falkenstein 1985.

Freie historische Fotos der Strecke aus der Betriebszeit gibt es auf Wikimedia Commons nicht, deshalb stammen die Bilder aus der Zeit danach.

Wie die Bahn entstand

Der Vorwaldbezirk Falkenstein erhielt erst kurz vor dem Ersten Weltkrieg einen Bahnanschluss.

Davor waren ab 1896 unzählige Petitionen zum Bau einer Bahnlinie eingegangen.

Zwischenzeitliche Pläne, Falkenstein an die schmalspurige Walhallabahn in Wörth an der Donau anzuschließen, scheiterten.

Das bayerische Lokalbahngesetz vom 26. Juni 1908 gab den Bau einer Nebenbahn nach Falkenstein frei.

Die Luftlinie zwischen Wutzlhofen und Falkenstein beträgt 25 Kilometer, gebaut wurde die Strecke jedoch in einem Bogen über eine Reihe anderer Gemeinden, oft mit beträchtlichem Abstand zu den Ortskernen.

So konnte auch ein großer Granitsteinbruch in Rossbach als Bahnkunde angeschlossen werden.

Neben den angeschlossenen Gemeinden beteiligte sich auch die Stadt Regensburg mit über 200.000 Mark an der Aufbringung des Grundbesitzes.

Im Juli 1912 begann der Bau in fünf Baulosen.

Die Strecke stieg bis zur Wasserscheide zwischen Donau und Regen bei Hetzenbach um 262 Meter an und fiel dann bis zum Endbahnhof wieder um 31 Höhenmeter.

Vor der Wasserscheide liegen Steigungen von 25 Promille, der kleinste Krümmungshalbmesser beträgt 200 Meter.

Die größte Brücke mit einer Spannweite von 17,4 Metern entstand bei Wenzenbach.

Die Strecke ging früher als vorgesehen am 21. Dezember 1913 in Betrieb.

Karte der ehemaligen Bahnstrecke Regensburg–Falkenstein, Stand 2015.
Karte der ehemaligen Bahnstrecke Regensburg–Falkenstein, Stand 2015. Foto: Markus Stangl, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

So sah es vorher aus: Triebwagen, Steinbruch und Sommerfrische

Anfangs verkehrten außerhalb des eingeschränkten Kriegsverkehrs drei Zugpaare.

Die beiden gemischten Zugpaare brauchten durch Rangierarbeiten um die zweieinhalb Stunden Fahrzeit.

Das mittägliche Personenzugpaar schaffte die Strecke unter zwei Stunden.

Reine Personenzüge durften höchstens 40 Kilometer pro Stunde fahren, ab 1934 sogar 50, alle übrigen Züge höchstens 30.

Schon bald fuhren die Züge über Wutzlhofen hinaus bis Regensburg.

Mit Triebwagen der Baureihen 133 000 und 135 000 ab 1932 und reinen Güterzügen ab 1928 wurden die Fahrzeiten deutlich verkürzt, einzelne Züge schafften die Strecke in etwa 80 Minuten.

Bis Anfang der 1950er-Jahre lief der Verkehr noch auf dem abgefahrenen Gleismaterial von 1913.

Deshalb konnten nur Triebwagen und die alten bayerischen Lokalbahnmaschinen mit niedrigen Achsdrücken fahren, zuerst die Baureihen D XI und 98.10, später auch die Pt 2/3.

Erst nach der Gleissanierung durch die Bundesbahn kam die Baureihe 64 nach Falkenstein, den Hauptverkehr übernahmen aber Schienenbusse und moderne Diesellokomotiven.

In Falkenstein gab es einen zweiständigen Lokomotivschuppen mit Kohlenlager und Wasserversorgung, und in Wenzenbach konnten die Lokomotiven Wasser nachfüllen.

Eine abgestempelte Tagesrückfahrkarte der Strecke, zweite Klasse, das Datum ist unbekannt.
Eine abgestempelte Tagesrückfahrkarte der Strecke, zweite Klasse, das Datum ist unbekannt. Foto: Harald Kloth, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Wutzlhofen

In Wutzlhofen begann die Strecke.

Hier zweigte die Lokalbahn von der Hauptstrecke Regensburg–Schwandorf ab.

Seit den 1920er-Jahren begannen die Züge im Regensburger Hauptbahnhof und benutzten die Gleise der Hauptstrecke bis Wutzlhofen.

Wenzenbach

Hier lag die größte Brücke der Strecke mit 17,4 Metern Spannweite.

Der Halt war zugleich ein Wasserhalt für die Lokomotiven.

Den Güterverkehr zwischen Wenzenbach und Wutzlhofen stellte die Bundesbahn am 28. September 1986 ein, später als zwischen Wenzenbach und Falkenstein.

Bernhardswald

Hinter Wenzenbach führte die eingleisige Trasse in nordöstlicher Richtung über Bernhardswald weiter.

Bernhardswald gehörte zu den Stationen mit Dienst- und Warteräumen, Toiletten und Güterhalle.

Lambertsneukirchen

Bei Lambertsneukirchen wandte sich die Strecke nach Osten.

Hier befindet sich ein privates Freilichtmuseum mit zahlreichen Bahnartefakten.

Gezeigt werden unter anderem Signalmasten, Schienenteile von 1857, Karbidlampen, eine Steinlore des Falkensteiner Bockerls, renovierte Bahnhofsuhren und ein Stellwerkhäuschen.

Das Museum liegt bei Kilometerstein 16,2.

Das Freilichtmuseum mit Bahnartefakten in Lambertsneukirchen, Aufnahme von 2016.
Das Freilichtmuseum mit Bahnartefakten in Lambertsneukirchen, Aufnahme von 2016. Foto: Markus Stangl, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Ein weiterer Teil des Freilichtmuseums bei Kilometerstein 16,2, Aufnahme von 2016.
Ein weiterer Teil des Freilichtmuseums bei Kilometerstein 16,2, Aufnahme von 2016. Foto: Markus Stangl, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Bahnartefakte im Freilichtmuseum in Lambertsneukirchen, Aufnahme von 2016.
Bahnartefakte im Freilichtmuseum in Lambertsneukirchen, Aufnahme von 2016. Foto: Markus Stangl, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Rossbach-Wald

Rossbach-Wald war der Schwerpunkt der Steinverladung aus den umliegenden Steinbrüchen.

Der Halt hatte drei Ladegleise.

Hinter Rossbach-Wald erreichte die Strecke über Gfäll mit mehr als 600 Metern Meereshöhe den höchsten Bereich.

Gfäll

In Gfäll wurden Vieh und Waldfrüchte verladen.

Der Halt gehörte zu den Stationen mit Dienst- und Warteräumen und Güterhalle.

Falkenstein

Falkenstein war der Endbahnhof.

Es gab dort einen zweiständigen Lokomotivschuppen mit Kohlenlager und Wasserversorgung.

1992 wurde die Eisenbahnbrücke in Falkenstein abgerissen, und auf dem Bahnhofsgelände entstand ein Einkaufszentrum.

Irlbach, Erlbach, Hauzendorf, Hetzenbach und Schillertswiesen

Irlbach, Erlbach, Lambertsneukirchen und Schillertswiesen waren Haltepunkte, an denen nur Personen ein- und ausstiegen.

Hauzendorf und Hetzenbach hatten dagegen Dienst- und Warteräume, Toiletten und Güterhallen, teils mit Ladegleisen, Ladewaagen, Wasserstationen und Wasserkränen.

Bei Hetzenbach lag die Wasserscheide zwischen Donau und Regen als höchster Punkt der Strecke.

Bahnartefakte im Freilichtmuseum in Lambertsneukirchen, Aufnahme von 2016.
Bahnartefakte im Freilichtmuseum in Lambertsneukirchen, Aufnahme von 2016. Foto: Markus Stangl, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Das Freilichtmuseum bei Kilometerstein 16,2, Aufnahme von 2016.
Das Freilichtmuseum bei Kilometerstein 16,2, Aufnahme von 2016. Foto: Markus Stangl, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Niedergang und Ende

Mit dem Wachsen des Individualverkehrs gingen die Fahrgastzahlen zurück.

Die Bundesbahn förderte das zusätzlich mit Buslinien parallel zur Strecke.

1967 fuhren noch sechs Zugpaare und ein Güterzugpaar, 1975 waren es für rund 500 Fahrgäste täglich nur vier Zugpaare.

1983 verkehrten werktäglich nur noch zwei Zugpaare zu ungünstigen Verkehrszeiten, an Wochenenden ruhte der Verkehr völlig.

Die Bundesbahn stellte den Personenverkehr im Juni 1984 auf der Gesamtstrecke ein.

Danach fuhren auf Privatinitiative noch drei Sonderfahrten mit ausverkauften Zügen.

Den Güterverkehr zwischen Wenzenbach und Falkenstein stellte die Bundesbahn am 2. Juni 1985 ein.

Die Stilllegungen verliefen ohne die sonst an anderen Bahnstrecken üblichen Protestveranstaltungen.

So sieht es jetzt aus

Nach dem Abbau der Gleise bauten die betroffenen Gemeinden die Trasse von 1987 bis 1992 zu einem Wander- und Radweg um.

Er ist als Falkenstein-Radweg bekannt.

Die Lücke zwischen Wutzlhofen und Gonnersdorf wurde 2008 geschlossen.

Der höchste Punkt liegt bei Hetzenbach zwischen Rossbach-Wald und Gfäll bei etwa 660 Metern Höhe.

Vorher und nachher: Falkenstein

Als die Strecke 1913 eröffnet wurde, war Falkenstein ein Markt mit etwa 650 Einwohnern am Endpunkt der Lokalbahn.

Seit 1992 steht dort, wo die Gleise des Bahnhofs lagen, ein Einkaufszentrum.

Die Geschichte in Daten

1896: Die ersten Petitionen zum Bau einer Bahn nach Falkenstein gehen ein.

26. Juni 1908: Das bayerische Lokalbahngesetz gibt die Strecke frei.

Juli 1912: Der Bau beginnt.

21. Dezember 1913: Die Strecke geht in Betrieb.

1928: Reine Güterzüge verkehren.

1932: Triebwagen verkürzen die Fahrzeiten.

Juni 1984: Die Bundesbahn stellt den Personenverkehr ein.

2. Juni 1985: Der Güterverkehr zwischen Wenzenbach und Falkenstein endet.

28. September 1986: Der Güterverkehr zwischen Wenzenbach und Wutzlhofen endet.

1987 bis 1992: Die Trasse wird zum Radweg umgebaut.

1992: Die Eisenbahnbrücke in Falkenstein wird abgerissen.

2008: Die Lücke im Radweg zwischen Wutzlhofen und Gonnersdorf wird geschlossen.

Häufige Fragen

Wie lang war die Strecke?
Die Strecke von Wutzlhofen nach Falkenstein war 35,4 Kilometer lang.
Wann fuhr der letzte Personenzug?
Die Bundesbahn stellte den Personenverkehr im Juni 1984 ein, danach gab es noch Sonderfahrten auf Privatinitiative.
Gibt es noch Gleise?
Die Gleise wurden abgebaut, die Trasse ist heute der Falkenstein-Radweg.
Gab es ein Museum zur Bahn?
In Lambertsneukirchen zeigt ein privates Freilichtmuseum Bahnartefakte wie Signalmasten, Schienenteile von 1857 und Bahnhofsuhren.
Warum wurde Falkenstein an die Bahn angeschlossen?
Der Vorwaldbezirk erhielt nach jahrelangen Petitionen kurz vor dem Ersten Weltkrieg einen Bahnanschluss, außerdem wurde ein Granitsteinbruch in Rossbach angeschlossen.

Von der Strecke blieben der Radweg und das Freilichtmuseum in Lambertsneukirchen.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnstrecke Regensburg–Falkenstein · Bayernbike: Historie der Lokalbahn Wutzlhofen–Falkenstein · Wikimedia Commons: Bahnstrecke Regensburg–Falkenstein

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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