Die stillen Halte der Erzbahn Ranna–Auerbach

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die stillen Halte der Erzbahn Ranna–Auerbach

Die Lokalbahn Ranna–Auerbach brachte Eisenerz zur Maxhütte und verschwand nach 1982 fast spurlos. Rauhenstein, Hohe Tanne, Welluck und Auerbach im Rückblick.

Das ehemalige Bahnwärterhaus mit Lokschuppen in Auerbach, um 1903 errichtet.
Das ehemalige Bahnwärterhaus mit Lokschuppen in Auerbach, um 1903 errichtet. Foto: Padd y, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1903
Eröffnung der Lokalbahn
1962
Hohe Tanne aufgelassen
1970
Personenverkehr eingestellt
1982
Letzter Güterzug

Lage: Oberpfalz, Landkreis Amberg-Sulzbach. Status: stillgelegt und abgebaut, Gleise ab 1984 entfernt. Heute: Trasse großenteils Wanderweg, in Auerbach ein denkmalgeschützter Lokschuppen.

Die Bahnstrecke Ranna–Auerbach war eine Nebenbahn von nur 8,1 Kilometern Länge.

Sie zweigte in Ranna von der Strecke Nürnberg–Cheb ab und führte nach Auerbach in der Oberpfalz.

Ihr Zweck war der Transport von Eisenerz aus der Gegend um Auerbach.

Sie ersetzte eine 1882 von der Maxhütte aus Sulzbach-Rosenberg gebaute Drahtseilbahn.

Alte freie Fotos der Strecke gibt es nicht, auch Aufnahmen der Halte fehlen, deshalb zeigt dieser Beitrag nur den Lokschuppen in Auerbach.

Jahrzehnte der Pläne

Pläne zur Anbindung Auerbachs gab es bereits 1860.

Damals erwog die Bayerische Ostbahn eine Strecke von Amberg nach Bayreuth, die in einer Variante über Auerbach geführt werden sollte.

Gebaut wurde sie nicht.

1867 sollte Auerbach an die geplante Pegnitztalbahn angeschlossen werden.

Die Idee wurde verworfen, weil sich die Strecke dadurch stark verlängert hätte.

Das Auerbacher Eisenbahnkomitee erwog am 29. November 1892 eine Strecke von Michelfeld nach Auerbach und weiter nach Sulzbach-Rosenberg.

1896 kam der Vorschlag auf, von Kirchenthumbach über Auerbach nach Michelfeld oder Ranna zu bauen.

Auch das wurde nicht ausgeführt.

Gebaut für das Erz der Maxhütte

Am 9. September 1899 trafen sich die Gesellschafter der Maxhütte und der Königin Marienhütte.

Sie sagten 6.000 beziehungsweise 3.000 Mark zu und legten damit den finanziellen Grundstein für das Projekt.

Zwei Unternehmen der Umgebung beendeten so die jahrelangen Diskussionen.

Prinzregent Luitpold von Bayern erteilte die Baugenehmigung am 30. Juni 1900.

Die Lokalbahn wurde am 16. Dezember 1903 feierlich eröffnet.

Um Auerbach wurde über Jahrhunderte Eisenerz abgebaut, bis 1987.

Von 1903 bis 1982 wurde das Erz per Seilbahn von den Bergwerken zum Bahnhof Auerbach gebracht und von dort mit der Eisenbahn zur Maxhütte.

Ranna: der Abzweig von der Pegnitztalbahn

Die Strecke begann im Bahnhof Ranna auf etwa 398,6 Metern Höhe.

Sie zweigte nach rechts von der Pegnitztalbahn ab und überquerte die Pegnitz mit einer Brücke.

Als letzte sichtbare Reste der Strecke gelten der aufgegebene Bahnhof von Ranna und die Pfeiler dieser Pegnitzbrücke.

Rauhenstein: der erste Halt nach zwei Kilometern

Nach der Pegnitzbrücke erreichte die Strecke nach 2 Kilometern den Haltepunkt Rauhenstein.

Er lag auf etwa 405,5 Metern Höhe.

Weitere Angaben zu diesem Halt sind nicht belegt.

Hohe Tanne: aufgelassen 1962

Hinter Rauhenstein schlängelte sich die Strecke durch den Herzogswald.

Nach 2,3 Kilometern folgte der Haltepunkt Hohe Tanne bei Streckenkilometer 4,3 auf etwa 430,2 Metern Höhe.

Er wurde am 28. Mai 1962 aufgelassen.

Welluck: seit 1922 ohne Halt

Hinter Hohe Tanne führte die Strecke über den Haltepunkt Welluck, der auch Welluck (Sand) genannt wurde.

Er lag bei Kilometer 6,6 auf etwa 437,5 Metern Höhe.

Seit dem 7. Oktober 1922 wurde er nicht mehr bedient.

Danach führte die Strecke unter der Bundesstraße 85 hindurch zum Endbahnhof.

Auerbach: Endbahnhof am Erzrevier

Der Endbahnhof Auerbach lag bei Kilometer 8,1 auf etwa 442,4 Metern Höhe.

Die Strecke überwand damit auf 8,1 Kilometern einen Höhenunterschied von 43,82 Metern bei einer Steigung von höchstens 12,5 Promille.

Für die damaligen Dampfloks war das anspruchsvoll, zumal schwere Güterzüge einen großen Teil des Verkehrs ausmachten.

1904 begannen auf dem Grubenfeld in Nitzlbuch die Arbeiten für die Schächte Maffei I und Maffei II.

Die Eisenerzgrube Leonie mit einem 194 Meter tiefen Schacht wurde 1977 eröffnet.

In 86 Jahren Förderung wurden in Auerbach insgesamt 21 Millionen Tonnen Eisenerz abgebaut, davon 16 Millionen im Bergwerk Maffei und 5 Millionen im Bergwerk Leonie.

Mit dem Konkurs der Maxhütte wurde die Grube Leonie 1987 geschlossen.

Wie die Erzzüge fuhren

Bis 1962 fuhren auf der Strecke Dampflokomotiven, anfangs die bayerischen Baureihen D VII, D VIII, D XI und GtL 4/4, nach dem Zweiten Weltkrieg die Baureihen 64 und 98.10.

Von 1962 bis zur Stilllegung kamen auch Diesellokomotiven der Baureihe V 100 zum Einsatz.

Die Erzzüge nach Sulzbach-Rosenberg wurden von der Baureihe 44 gezogen.

Zwischen Auerbach und Hersbruck fuhr die Lok dabei mit dem Tender voran.

Dort setzte sie um und zog den Zug über die Verbindungsbahn nach Pommelsbrunn und weiter zur Maxhütte.

Das Ende der Erzbahn

Im Zweiten Weltkrieg verkehrten 1944 durchschnittlich vier Zugpaare.

Im Sommerfahrplan 1967 gab es nur noch ein einziges Personenzugpaar zu ungünstigen Zeiten.

Der Personenverkehr wurde am 31. Januar 1970 eingestellt.

Die Maxhütte stellte den Eisenerztransport auf eigene Lastwagen um.

Der letzte Güterzug fuhr am 21. März 1982.

Der Abbau der Gleisanlagen begann im Frühjahr 1984.

So sieht es jetzt aus

Die ehemalige Trasse ist heute weitgehend ein Wanderweg.

Der Erzweg, ein über 150 Kilometer langer Streckenwanderweg von Pegnitz bis Kastl, erinnert an die tausendjährige Bergbautradition der Region.

In Auerbach sind große Teile des Bahngeländes überbaut.

Das Empfangsgebäude befindet sich in Privatbesitz.

Erhalten blieben der denkmalgeschützte Lokomotivschuppen und das ehemalige Bahnwärterhaus.

Vorher und nachher

1903 brachte die Lokalbahn das Erz aus Auerbach zur Hütte, 1982 fuhr der letzte Zug.

Von der Strecke blieben der aufgegebene Bahnhof Ranna, die Brückenpfeiler an der Pegnitz und in Auerbach der Lokschuppen.

Die Geschichte in Daten

1860: Die Ostbahn erwägt eine Strecke Amberg–Bayreuth, eine Variante sieht Auerbach vor.

1867: Der Anschluss an die geplante Pegnitztalbahn wird verworfen.

29. November 1892: Das Auerbacher Eisenbahnkomitee erwägt eine Strecke Michelfeld–Auerbach–Sulzbach-Rosenberg.

9. September 1899: Maxhütte und Königin Marienhütte sagen den Grundstock der Finanzierung zu.

30. Juni 1900: Die Baugenehmigung wird erteilt.

16. Dezember 1903: Eröffnung der Lokalbahn.

7. Oktober 1922: Welluck wird nicht mehr bedient.

28. Mai 1962: Der Haltepunkt Hohe Tanne wird aufgelassen.

31. Januar 1970: Der Personenverkehr wird eingestellt.

21. März 1982: Der letzte Güterzug fährt.

Frühjahr 1984: Der Abbau der Gleise beginnt.

Häufige Fragen

Wie lang war die Strecke Ranna–Auerbach?
Sie war 8,1 Kilometer lang und überwand einen Höhenunterschied von 43,82 Metern.
Wozu wurde die Strecke gebaut?
Sie transportierte Eisenerz aus der Gegend um Auerbach zur Maxhütte in Sulzbach-Rosenberg und ersetzte eine Drahtseilbahn von 1882.
Wann fuhr der letzte Zug?
Der letzte Güterzug fuhr am 21. März 1982, der Personenverkehr war schon am 31. Januar 1970 eingestellt worden.
Welche Halte gab es?
Zwischen Ranna und Auerbach lagen die Haltepunkte Rauhenstein, Hohe Tanne und Welluck.
Was ist heute noch zu sehen?
Der aufgegebene Bahnhof Ranna, die Pfeiler der Pegnitzbrücke und in Auerbach der denkmalgeschützte Lokschuppen mit dem Bahnwärterhaus.
Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnstrecke Ranna–Auerbach · Wikipedia: Auerbach in der Oberpfalz · Wikipedia: Erzweg · Wikimedia Commons: Bildbeschreibung

Alle Fotos stammen von Wikimedia Commons und sind gemeinfrei oder stehen unter einer freien Creative-Commons-Lizenz. Urheber, Lizenz und Quelle stehen direkt am Bild.

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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